Von Peenemünde durch die Peenewiesen

Bequeme, aussichtsreiche Wanderung auf überwiegend fahrradgeeigneten Wegen. (Autor: Bernhard Pollmann)
7 km
26 m
2.00 h
Wer mit der komfortablen Bäderbahn anreist, darf sich am Bahnhof Peenemünde die Augen reiben: Wegen des Raketenmuseums ist Peenemünde zwar einer der meistbesuchten Orte auf Usedom, zugleich ist das Militärdorf aber auch mehr als 15 Jahre nach der Wiedervereinigung weitgehend verwahrlost. Die Bäderbahn hält vor der Kulisse abbruchreifer Häuser mit eingeschlagenen Scheiben, einige Steinwürfe weiter befinden sich gebührenpflichtige Großparkplätze zwischen Gettoblocks und dahinter das Historisch-Technische Informationszentrum für Raumfahrt und Raketentechnik sowie das U-Boot-Museum in einem Unterwasserfahrzeug, auf dem die Hammer-und-Sichel-Flagge der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken weht. Der ganze Ort ist ein absonderliches Museum, und das ist, will man den Informationstafeln glauben, so gewollt: Dieser von deutschen Militärs und Wissenschaftlern aus dem Boden gestampfte Ort absoluter Hässlichkeit soll mit einer der schönsten Landschaften Usedoms kontrastieren. Wer durch diese abbruchreife Gespenstersiedlung »wandert«, und das tun jährlich Hunderttausende, sollte auch die schöne Stelle aufsuchen: Am Restaurantschiff »Vidar«, einem 125 Jahre alten Drei-Mast-Großsegler, bietet sich ein wunderbarer Blick über den Peenestrom. Im Oktober 2002 wurde das Schiff in Brand gesetzt, 2004 konnte es nach umfangreichen Rekonstruktionen seine Decks wieder für »Piratenmahlzeiten« öffnen.
Nach diesem Streifzug kehren wir zurück zur Haltestelle der Usedomer Bäderbahn, folgen den Schienen neben den Blocks kurz in Fahrtrichtung Karlshagen, queren bei erster Gelegenheit das Bahngleis und die Straße und zweigen links auf den asphaltierten Rad- und Fußweg zwischen Schrebergärten und dem Bahngleis ab. Nun wird es schön. Wenig später wechseln wir rechts auf den von Weiden flankierten ersten Feldweg und wandern hinaus in die Wiesen – welcher Kontrast zu dem zerfallenden Militärgetto! Eine Naturlehrtafel zeigt, dass wir richtig sind (Wanderweg-Markierungen gibt es keine, aber man kann sich nicht verlaufen). Am Betonplattenweg gehen wir wenige Meter links und am Schutzhüttenpavillon halb rechts auf dem Feldweg weiter durch die Wiesen zum Cämmerer See. Als die Nationalsozialisten 1936 das Naturparadies im Norden Usedoms meterhoch mit Sand auspülen ließen, um einen Flugplatz anzulegen und ihr Massenvernichtungswaffen-Programm zu verwirklichen, riegelten sie durch Eindeichung die nun »Cämmerer See« genannte Bucht vom Peenestrom ab. Heute wird dieser künstliche See gern von Anglern aufgesucht, jenseits des Sees und des Peenestroms zeigt sich der Kirchturm von Hollendorf. Begleitet von Naturlehrtafeln führt der zuweilen grasige Feldweg am schilfgesäumten kleinen See Die Piese entlang, der ebenfalls durch Eindeichung vom Peenestrom abgeschnürt wurde und ein beliebtes Angelrevier ist. Nach Unterqueren der Hochspannungsleitung geht es links weiter bis zur Einmündung auf den breiten Wander- und Radweg. Hier muss man sich entscheiden: Rechts geht es zurück in den Raketenort. Wer dorthin nicht zurückwill, folgt dem Wander- und Radweg weiter durch ausgedehntes Weideland und durch Wiesen, bis der Weg bei einem kleinen Elektrizitätswerk auf die Peenestraße in Karlshagen mündet. Rechts liegt der Yacht- und Fischereihafen von Karlshagen, wir wandern auf der Peenestraße, der auch der Europäische Fernwanderweg 9 (Blaustrich-Markierung) folgt, links weiter an Gartengrundstücken vorbei und erreichen am Beginn von Karlshagen Dorf den Bahnhof der Usedomer Bäderbahn. Lässt die Bahn noch ein wenig auf sich warten, gelangt man über die von Boutiquen und Restaurants gesäumte Strandstraße zur Ostseeküste und zum dort ausgeschilderten Naturschutzzentrum Karlshagen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied26 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Peenemünde an der Usedomer Bäderbahn.
EndpunktBahnhof Karlshagen Dorf an der Usedomer Bäderbahn.
TourencharakterVom Raketendorf Peenemünde führt ein Naturlehrpfad durch die aussichtsreichen Peenewiesen längs des Cämmerer Sees. Man kann die Wanderung bis Karlshagen verlängern und von dort mit der Usedomer Bäderbahn zurückfahren, allerdings ist diese Variante mit dem Fahrrad attraktiver.
Beste Jahreszeit
KartentippRad- und Wanderkarte 1:30000 Zinnowitz/Ückeritz/ Peenemünde (Verlag Grünes Herz) oder Kompass-Wander- und Radtourenkarte 1:50000 Blatt 1005 Usedom/Wollin (Kompass Kartenverlag) oder Wander- und Freizeitkarte Usedom 1:75000 (Nordland Verlag).
MarkierungenGrünstrich und namentliche Ausschilderungen.
VerkehrsanbindungUsedomer Bäderbahn Stralsund – Wolgast – Ahlbeck, in Zinnowitz umsteigen in die Zweiglinie nach Karlshagen und Peenemünde. B111 Jarmen – Wolgast – Usedom und abzweigen Richtung Peenemünde.
GastronomiePeenemünde, Karlshagen.
Tipps
Historisch-Technisches Informationszentrum. Das Historisch-Technische Informationszentrum und das U-Boot-Museum in Peenemünde zählen mit 300000 Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Museen an der Ostseeküste trotz der tristen Kulisse abbruchreifer Kasernen und anderer dem Verfall preisgegebener Militärgebäude. Das Historisch-Technische Informationszentrum im ehemaligen Kraftwerksgebäude der Heeresversuchsanstalt informiert über die Raketenentwicklung und -forschung von den 1920er-Jahren bis heute anhand von Originaldokumenten, Fotos, Modellbauten (Abschussrampen), Interviews mit Zeitzeugen via Bildschirm usw. Auf dem Freigelände finden sich Rüstungsschaustücke wie Flugzeuge, Hubschrauber, ein Feldsalonwagen der Nationalen Volksarmee (NVA) sowie ein NVA-Raketenschiff. Das U-Boot-Museum besteht aus dem konventionell angetriebenen U-Boot »U 461« der Ostseeflotte der ehemaligen UdSSR.
Tourismusbüro
Touristinformation und Kurverwaltung Ostseebad Karlshagen, Hauptstraße 16, 17449 Ostseebad Karlshagen, www.seebad-karlshagen.de
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