Von München nach Ismaning

14 km
16 m
4.00 h
Die so genannte gute Stube Münchens ist der Aufbruchsort für die Wanderung von der Isar an die Moldau bis hin zum Wenzelsplatz im Herzen der Goldenen Stadt. Von der Mariensäule inmitten des Marienplatzes wenden wir uns gen Osten, also in Richtung Altes Rathaus. Vor diesem historischen Gebäude und gegenüber dem überlebensgroßen Wandmosaik des hl. Onuphrius biegen wir nach links ab in unsere Wanderrichtung Norden und damit in die Burgstraße. Nach der Einmündung der Altenhofstraße durchschreiten wir den Torbogen und stehen dann im Geviert der ersten Münchner Residenz (1253–1474).

Vom Alten Hof über das Maximilianeum zum Max-Joseph-Platz

Hier im Alten Hof verlebte der spätere Kaiser Ludwig der Bayer seine Kindheit, hier war sein Regierungssitz als König und Kaiser und von hier aus brachten die Gesandten Karls IV. am 12. März 1350 die Reichsinsignien nach Prag. Bevor wir durch das Nordtor den stimmungsvollen Innenhof verlassen, werfen wir noch einen Blick zurück auf den spätgotischen Erker. Er stammt aus dem Jahre 1470 und wurde zusammen mit dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäude von 1966 bis 1968 rekonstruiert. Affenturm wird er auch genannt, weil ein Affe den kleinen Prinzen Ludwig als Wickelkind auf so einen Turm hinaufgetragen und erst nach gutem Zureden wieder sicher heruntergebracht haben soll.

Gleich nach dem Nordtor links treffen wir auf die Reiterfigur Kaiser Ludwigs (A. Wimmer, 1967) und schräg gegenüber im Hofgraben auf den Münzhof. Er birgt im Inneren dreistöckige, umlaufende Renaissancearkaden, die in den Jahren 1563 bis 1567 von Wilhelm Egckl, dem Hofbaumeister Herzog Albrechts IV., erbaut wurden. Am Ende des Hofgrabens stoßen wir auf die Maximilianstraße. Von ihrem Ende am ostseitigen Ufer der Isar grüßt das Maximilianeum, der Sitz des Bayerischen Landtages. Errichtet wurde es 1857–1874 von Friedrich Bürklein unter König Maximilian II. als Ausbildungsstätte für angehende Staatsdiener und als Gemäldegalerie.

Unser Weg führt jedoch in die andere Richtung zum Max-Joseph-Platz. Im Norden begrenzt den Platz die Residenz. Seit dem späten Mittelalter bis zum Ende des Ersten Weltkrieges residierten hier die Wittelsbacher. In dieser Zeit entwickelte das bayerische Herrschergeschlecht seinen Regierungssitz von einer Burg zu einem Schlosskomplex, der sechs große Höfe umschließt. Die Gebäude bergen wertvolle Sammlungen, historische Veranstaltungsräume wie das Antiquarium und das Cuvilliéstheater. Als Museum ist es für jedermann zugänglich. Die Ostseite des Platzes ziert die Eingangsfront des berühmten Nationaltheaters.

Nach der Eröffnung 1818 trug es noch den Namen Königliches Hoftheater. Erbauer war Karl von Fischer. Der Bauherr, Max Joseph I., Bayerns erster König, sitzt – trotz seines Einspruches – auf seinem Thronsessel in der Platzmitte. Die Südseite des Max-Joseph-Platzes begrenzen die Säulenarkaden der Hauptpost (1836–1839). Vorbei an der prächtigen Westfront der Residenz, die in den Jahren 1611 bis 1619 unter Herzog Maximilian entstand, führt uns die Residenzstraße nach Norden zu der 1841–1844 von Friedrich von Gärtner erbauten Feldherrnhalle. Als Vorbild diente die Loggia dei Lanzi in Florenz. Unter den Bögen stehen die Bronzedenkmäler der bayerischen Feldherren Tilly (1559–1632) und Wrede (1767–1838). Westlich davon streben die beiden barocken Türme und die mächtige Kuppel der Theatinerkirche in den bayerischen Himmel.

Ihre Entstehung (1663–1690) verdankt sie der Geburt des Erbprinzen Max Emanuel (1662). Unter Kurfürst Ferdinand Maria und seiner Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen waren die Architekten und Baumeister Barelli und Zuccalli tätig. Das Innere birgt eine der Wittelsbacher Grablegen. Nordwestlich der Feldherrnhalle schließt der Odeonsplatz mit dem Reiterstandbild König Ludwigs I. an (1862), und im weiteren Verlauf nach Norden erstreckt sich die nach ihm benannte Prachtstraße. Am nordöstlichen Ende des Platzes, unmittelbar vor der Feldherrnhalle, verlassen wir nach rechts durch das Hofgartentor die Ludwigstraße. In den Arkaden zu beiden Seiten des Tores veranschaulichen Wandmalereien Szenen aus der bayerischen Geschichte.

Die Entwürfe stammen von Cornelius, ausgeführt haben sie seine Schüler Kaulbach, Neureuther und andere im 19. Jahrhundert. Zwei davon erinnern an unser Wanderziel Böhmen. Auf dem einen Gemälde kämpfen Böhmen und Bayern im 13. Jahrhundert um das Land am Inn, auf dem anderen wird dem bayerischen Herzog Albrecht III. die böhmische Krone angeboten. Quer durch den in den Jahren 1613 bis 1617 im italienisch-barocken Stil angelegten Park streben wir der Nordostecke zu, passieren dabei den zwölfeckigen Tempel sowie zwei der großen Brunnenschalen. Im Osten wird der Hofgarten vom breiten, modernen Gebäude der neuen Staatskanzlei mit dem Kuppelbau des Armeemuseums in der Mitte abgeschlossen. In der Geländemulde davor befindet sich das Grabmal des unbekannten Soldaten. Links davon unterqueren wir durch eine geräumige Passage die Verkehrsstraßen und gelangen so ungefährdet beim Haus der Kunst in den Englischen Garten.

Haus der Kunst und Englischer Garten

Dieser Repräsentationsbau des Nationalsozialismus wurde von Paul Ludwig Troost in den Jahren 1933 bis 1937 als Ersatz für den abgebrannten Glaspalast erbaut. Neben der Dauerausstellung moderner Kunst finden dort auch wechselnde Ausstellungen statt. Gleich nach dem Hofgarten lädt die Symbolfigur des Parks, die Steinplastik des Jünglings Harmlos, ein, hier unsere Sorgen, den »Harm«, zu vergessen. Den Landschaftsgarten ließ Kurfürst Karl Theodor auf Anregung des Amerikaners Sir Benjamin Thompson um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert anlegen. Der maßgebende Gartenarchitekt war Friedrich Ludwig von Sckell. Den bis zu 2km breiten und 5km langen Park durchmessen wir in seiner ganzen Länge. Zuerst halten wir uns auf dem breiten Weg in Richtung Osten. 

Nach dem Wasserfall gibt der Rundtempel Monopteros (1837/38) die Wanderrichtung an. Von dort oben öffnet sich eine schöne Sicht auf Münchens Altstadt. Geplant hat den Tempel auf seinem künstlichen Hügel der Architekt Klenze. Wenige hundert Meter nördlich davon treffen wir auf den Chinesischen Turm, der 1789/90 von Frey nach einem Vorbild in Kew Gardens erbaut wurde (mit angeschlossenem Restaurant und Biergarten). Zur Linken folgt danach das Rumfordhaus, benannt nach dem Grafen Rumford, Sir Benjamin Thompson. Bald hinter diesem Haus wendet sich unsere Route halb rechts zur Südspitze und zum Ostufer des Kleinhesseloher Sees.

Vor der Einkehrmöglichkeit im Seehaus würdigt ein Denkmal die Verdienste Friedrich Ludwig von Sckells, und nördlich davon erinnert ein weiteres an den Freiherrn von Werneck. Er hat 1798 den Grafen Rumford in der Bauleitung des Parks abgelöst. Gleich nach diesem Denkmal zweigt halb rechts der Zugang zur geschwungenen Brücke über den viel befahrenen Mittleren Ring ab. Danach halten wir uns zuerst leicht links und auf den folgenden etwa 3km in allgemein nördlicher Richtung. Der Eisbach bleibt immer westlich von uns. So erreichen wir dann endlich die zur Einkehr ladende Gaststätte »Zum Aumeister«.

Man hat die Wahl, sich im Restaurant bedienen zu lassen oder sich draußen im Biergarten selbst zu verköstigen. Beliebt ist das Schmalzgebäck, die so genannten Ausgezogenen oder Kücheln. Gestärkt gehen wir die zweite Hälfte dieser kurzen Tagesetappe an. In nördlicher Richtung werden als Erstes der Föhringer Ring und die Eisenbahnbrücke unterquert. Weiter im Osten, wo die Brücken die Isar überqueren, ist die Stelle, wo Heinrich der Löwe 1158 die hölzerne Brücke des Freisinger Bischofs abbrennen ließ. Durch den Bau der Ersatzbrücke auf seinem Gebiet, bei den Mönchen unweit des Petersbergls, gründete er München.

Gleich nach der Unterquerung der Brücke verläuft die Wanderroute durch den rechts liegenden Grünbereich. Sie überquert den Schwabinger Bach, kommt am Eingang der Fernsehstudios des Bayerischen Rundfunks vorbei und mündet in Verlängerung der Teerstraße als unbefestiger Wirtschaftsweg in den Wald der Isarauen. Will man unbehindert von Radfahrern dahinwandern, so benützt man den zuerst rechts auf einem Damm und später in Ufernähe verlaufenden Naturpfad. Ein Wanderwegschild nach Ismaning weist über einen Steg für Fußgänger und Radfahrer auf die Ostseite der Isar. Den Schildern nachgehend, gelangen wir in den Ortskern von Ismaning.

Beim Schlosspark, in der Nähe der Kirche, am S-Bahnhof und auch noch zirka 4km weiter im Ortsteil Fischerhäuser bestehen Übernachtungsmöglichkeiten. Ismaning war vor der Säkularisation eine Grafschaft und geft und gehörte zum reichsunmittelbaren Hochstift Freising. Das Schloss Ismaning als ehemalige Fürstbischöfliche Residenz erwarb 1817 Eugen Beauharnais, der Sohn der französischen Kaiserin Josephine. Von seinem Schwiegervater König Max I. Joseph hatte er im selben Jahr die Landgrafschaft Leuchtenberg mitsamt dem gleichnamigen Herzogstitel verliehen bekommen.

Höhenunterschied - Hoch: 16 m Runter: 38 m

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied16 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMünchen, Marienplatz
EndpunktIsmaning, Ortsmitte.
TourencharakterVom Marienplatz, dem Aufbruchsort nach Venedig und auch nach Prag, durchschreiten wir zuerst den geschichtlich interessantesten Teil Münchens. Anschließend erfreuen wir uns an der Blumenpracht des Hofgartens, genießen das Grün und die Weite des Englischen Gartens und erreichen schließlich nach den Isarauen das ehemals fürstbischöfliche Ismaning.
Leichte und nicht lange Wanderung durch städtischen Bereich, Park- sowie Auengelände. (Autor: Ludwig Graßler)
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte UK 50-40 München Nord und West 1 - 50000; Isarradweg München bis Deggendorf, 1:50000, Herausgeber: Arge Isarradweg, Galli Verlag Hohenwart.
MarkierungenHinweisschilder sind ausreichend vorhanden. Die Orientierung ist unproblematisch.
VerkehrsanbindungAm Marienplatz U- und S-Bahn; nördlich vom Chinesischen Turm Busverbindung zur U-Bahnstation Giselastraße; vom Gasthof Aumeister 1km langer Weg zur U-Bahn- und Busstation Studentenstadt; Ismaning - U 8 (Flughafenlinie), mehrere Buslinien.
GastronomieAm Chinesischen Turm, am Kleinhesseloher See und im Aumeister.
Unterkunft
Hotel Gasthof Zur Mühle, Kirchplatz 5, 85737 Ismaning, Tel. - 089/96093-0, Fax: 089/969899-0; Ortsteil Fischerhäuser: Hotel Gasthof Erber, Tel.: 089/996551-0, Fax: 089/996551-40.
Tourismusbüro
Tourist-Info - Stadt München: im Rathaus am Marienplatz, Tel.: 089/233-0300, Montag–Freitag 10–20 Uhr, Samstag 10–16 Uhr; Hauptbahnhof Mo–Sa 9.30–18.30 Uhr, Sonn- und Feiertag 10–18 Uhr; Ismaning: im Rathaus (ehemalige Fürstbischöfliche Residenz), Tel.: 089/9609000.
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