Von Koblenz nach Rhens

Lange Streckenwanderung ohne Einkehrmöglichkeiten unterwegs, vorwiegend Wald- und Feld- sowie Wirtschaftswege im Weinberg (Autor: Tassilo Wengel)
Vom Deutschen Eck zum Dommelsberg.
Wir starten in Koblenz am Deutschen Eck und gehen am Konrad-Adenauer-Ufer am Rhein entlang. Nach dem alten Rheinkran kommen wir zu den Kaiserin-Augusta-Anlagen, die um 1860 unter Mitwirkung der beiden berühmten Gartengestalter Peter Joseph Lenné und Fürst Pückler-Muskau geschaffen wurden. Der Rheinburgenweg führt gemeinsam mit dem Rheinhöhenweg an der Pfaffendorfer Brücke vorbei zur Sebastian-Bach-Straße. Wir unterqueren die Eisenbahnbrücke, kommen an Freizeitanlagen vorbei, bis wir nach rechts schwenken müssen, um durch eine Fußgängerunterführung auf die andere Seite der Gleise zu gelangen. Nachdem wir die B9 überquert haben, halten wir uns rechts und folgen kurz danach der Markierung nach links ins Laubachtal.
Nach einigen Minuten auf einem Asphaltweg halten wir uns links, wandern auf einem Serpentinenpfad steil bergan und erreichen den Rittersturz mit schönem Ausblick auf Koblenz. Unser Weg führt nun in den Wald; gemächlich ansteigend passieren wir einige Tafeln mit Informationen über die vorgeschichtlichen Ringwälle und erreichen eine Hütte am Dommelsberg. Auch hier können wir herrliche Aussichten genießen, bevor wir an der Weidgenhöhe wieder eine Schutzhütte mit Bank vorfinden, wo sich das Verschnaufen lohnt.
Burg Stolzenfels lockt.
Von der Höhe geht es zunächst gemütlich auf breitem Schotterweg abwärts und ins Siechhaustal, wo wir den Siechhausbach überqueren. Der Rheinburgenweg leitet uns nun wieder leicht ansteigend zur Rot-Weiß-Hütte.
Wir kommen an einem Abzweig zur Augustahöhe vorbei und wandern gemächlich hinab zum Abzweig zur Burg Stolzenfels. Da diese prachtvolle Anlage im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist, folgen wir dem knapp einen Kilometer langen, durch dichten Mischwald leitenden Weg dorthin. Das prachtvolle Baudenkmal des frühen 19.Jahrhunderts wurde vom Kronprinz und späteren König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen finanziert, der aus einer geschenkten Ruine die Residenz nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel errichten ließ. Der größte Teil der Bauarbeiten des Osttrakts mit Wohnturm und Palas sowie dem Westtrakt mit kleineren Räumen war 1842 abgeschlossen, sodass der König und seine Begleiter am 13. September in historischen Kostümen und mit einem Fackelzug auf Stolzenfels Einzug hielten. Mit seinen zahlreichen Zinnen und Türmchen sowie dem alles überragenden mittelalterlichen, fünfseitigen Bergfried gehört die Burg Stolzenfels zu den schönsten neugotischen Bauwerken am Rhein (Führung 1.4.–30.9. von 10–18Uhr, 1.10.–30.11. und 30.11.–31.3. von 10–17Uhr).
Der Königsstuhl und Rhens.
Von der Burg Stolzenfels zum Rheinburgenweg zurückgekehrt, folgen wir dem breiten Weg hinauf in Richtung Merkurtempel. Nach ca. 500Metern schwenken wir davor aber nach links und wandern mit dem lokalen Weg Nr.13 weiter, schlagen einen Bogen um das Lauxbachtal und biegen nach wiederum ca. 500 Metern auf einen Waldweg nach links. Weiter abwärts auf einem Pfad zwischen Wald und Wiese entlang und dann auf einen Wiesenweg nach rechts. Gut zu erkennen sind links Lahnstein und weiter rechts die Marxburg von Braubach, bevor wir bei einem Wäldchen nach links schwenken und bald auf einem Wirtschaftsweg zur L208 gelangen. Diese Straße überqueren wir schräg nach links und treffen bald auf einen Feldweg, der an Weinbergen entlangführt. Wir genießen die schönen Aussichten über die Weinberge und nähern uns allmählich Rhens.
Vor dem Abstieg lohnt sich ein Abstecher zum nahen Königsstuhl. Dieses Denkmal geht auf die Bestrebungen im 14.Jahrhundert zurück, Rhens zum endgültigen Königswahlort anstelle von Frankfurt am Main zu machen, nachdem Karl IV. 1346 in Rhens zum Gegenkönig von Ludwig dem Bayern gewählt wurde. Obwohl man Wenzel, den Sohn Karls IV.,1376 nicht in Rhens, sondern in Frankfurt zum König wählte, blieb Rhens Versammlungsort der Kurfürsten, und dafür sollte ein steinerner Stuhl errichtet werden. So begann man 1398 mit dem Bau des Königsstuhls, der im Jahr 1400 für die Wahl Rupprechts von der Pfalz vorgesehen war. Nach dem Tode Rupprechts 1410 blieb Frankfurt endgültig Wahlort. 1804 wurde der Königsstuhl wegen Straßenbauarbeiten abgebrochen, 1842 an anderer Stelle wieder errichtet und 1929 an die heutige Stelle versetzt. Der Rheinburgenweg führt uns nun hinab nach Rhens, das wir Auf der Ley erreichen. Am Ende der Sackgasse schwenken wir nach links und gelangen durch das Viehtor ins historische Zentrum von Rhens mit seinem schönen Rathaus und reich verzierten Fachwerkbauten. Gut erhalten sind Reste der Stadtmauer, so der Scharfe Turm, das Joseftor im Norden, das Rheintor in der Mitte der Rheinfassade sowie das Viehtor.

Koblenz – Dommelsberg 2Std. – Burg Stolzenfels 1Std. – Königsstuhl 2Std. – Rhens 0.30Std. Insgesamt 5.30Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied635 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKoblenz
EndpunktRhens
TourencharakterSchöne Ausblicke und die malerische Burg Stolzenfels, die hoch über dem Rhein aus dichtem Mischwald herausragt, sind Höhepunkte dieser abwechslungsreichen Wanderung. Besonders reizvoll ist ihr Ausklang in Rhens, einem hübschen Ort mit beschaulichen Gassen und schönen Fachwerkhäusern, die eine interessante Symbiose von Bruchstein, Schiefer und reich mit Pflanzensymbolik verzierter Holzarchitektur vereinen.
Hinweise
Alte Burg in Koblenz. Es war der römische Kaiser Tiberius, der im ersten nachchristlichen Jahrhundert ein Kastell an der Straße von Mainz nach Köln errichtete und so den Moselübergang sicherte. Reste davon grub man am Münzplatz in Koblenz aus. Als der Limes jenseits des Rheins unter Kaiser Domitian (81–96) rund ein halbes Jahrhundert später errichtet wurde, avancierte Koblenz zu einer wichtigen Station in der Nähe des Limes und konnte sich in der folgenden friedlichen Zeit zu einer Siedlung entwickeln. Als aber bis Mitte des 3.Jahrhunderts immer wieder Franken zerstörend und plündernd bis nach Koblenz vordrangen, zogen sich die Römer vom Limes zurück und Kaiser Konstantin umgab die Siedlung mit einem Mauerring. Mit dem Abzug der Römer im 5.Jahrhundert wurde Koblenz endgültig Teil des Frankenreichs, und der Pfarrhof von Liebfrauen bildete den fränkischen Königshof. Die günstige Lage des Ortes zwischen ost- und westfränkischem Reich stellte sich in der folgenden Zeit als ideal für die Verhandlungen zwischen den verschiedenen Karolingerkönigen heraus. Nachdem Koblenz 925 Teil des Deutschen Reichs wurde, verschenkte Heinrich II. den Königshof mit Zoll- und Münzrecht 1018 an den Erzbischof von Trier, der schon 1020 die Festung Ehrenbreitstein auf der anderen Rheinseite in seinen Besitz brachte. Die Erwerbungen der Trierer Erzbischöfe am Mittelrhein und im Westerwald dehnten sich aus, Stadt und Festung dienten häufig als Quartier – Koblenz blühte ab dem 12.Jahrhundert auf und wurde zu einer wichtigen Stadt am Mittelrhein.
KartentippRheinsteig mit RheinBurgenWeg, Topographische Freizeitkarte 1 - 50000, 2.Auflage 2006
VerkehrsanbindungAuto - Auf der A61 oder der B9 und der B327 bis Koblenz. Bahn: Bahnstation Koblenz
GastronomieIn Rhens mehrere Möglichkeiten
Tipps
Da auf der langen Strecke zwischen Koblenz und Rhens keine Einkehrmöglichkeit besteht, sollte man nicht vergessen, Verpflegung und Getränke mitzunehmen.
Unterkunft
In Rhens: Hotel Roter Ochse, Hochstr. 27, Tel. 02628/24 99, www.roter-ochse.net; Hotel Königsstuhl, Am Rhein 1, Tel. 02628/98 43 53, www.hotel-koenigsstuhl.de
Tourismusbüro
Koblenz-Touristik, Bahnhofplatz 7, 56068 Koblenz, www.koblenz.de; Touristinformationen in Koblenz: Hauptbahnhof, Tel. 0261/313 04, info-hbf@koblenz-touristik.de; Rathaus, Jesuitenplatz 2, Tel. 0261/13 09 20, info-jesuitenpl@koblenz-touristik.de

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