Wandern in der Sächsischen Schweiz

Von Hohnstein in den Schindergraben

Rundwanderung mit viel Schatten; großartige Aussichten vom Brand; beim Abstieg in den Schulzengrund bei feuchter Witterung rutschig (Autor: Tassilo Wengel)
9 km
40 m
3.00 h

Von Hohnstein zum Brand

Vom Parkplatz P2 in Hohnstein, wo auch ein Wanderwegweiser steht, folgen wir zunächst der Max-Jacob-Straße aufwärts und gelangen direkt auf die breite, für den Autoverkehr gesperrte Brandstraße, auf der es sich gut durch den Buchenmischwald wandern lässt. Unser Weg führt am Waldborn vorbei, der 1855 zur Trinkwasserversorgung auf dem Brand gefasst wurde und auch »Brandplumpe« genannt wird.

Auf einem schönen breiten Wanderweg gelangen wir geradewegs zur Brandaussicht. Sie erhebt sich in 187 Meter Höhe über dem Polenztal und bietet einen Halbrundblick von 180 Grad. Unser Blick schweift über bewaldete Höhen, kleine Ortschaften und eine Vielzahl von bizarren Felsformationen. Schon Pfarrer Wilhelm Leberecht Götzinger (1758–1818) aus Neustadt bei Stolpen beschrieb 1804 in seinem berühmten Reiseführer über die Sächsische Schweiz die eindrucksvolle Aussicht, die man vom Brand aus hat.

Nach diesem Genuss und einer Rast auf der Terrasse der Berggaststätte gehen wir zunächst ein Stück unseres Hinwegs zurück, bis zum Abzweig Schulzengrund, Waltersdorfer Mühle (Wegweiser, Markierung roter Querstrich). Hier steigen wir auf einem holprigen Pfad in den Schulzengrund ab, der bei Nässe auch etwas glitschig sein kann. Der Weg schlängelt sich durch Fichtenwald, an bizarren, mit Moos bewachsenen Felsen vorbei, stellenweise ragen zerklüftete senkrechte Wände hoch auf, bevor wir das Polenztal bei der Waltersdorfer Mühle erreichen. Wir schwenken hier nach links, überqueren die Brücke über die Polenz und biegen nach rechts in den Polenztalweg (Markierung roter Punkt) ein. Wir kommen an der (noch) verfallenen Waltersdorfer Mühle vorbei und können reizvolle Blicke über die saftigen Wiesen mit einzelnen Felsen im Hintergrund genießen. Bald erreichen wir die Gaststätte Polenztal mit ihrem gemütlichen Kaffeegarten, in dem sich eine Verschnaufpause lohnt.

Nach der Rast folgen wir dem Wegweiser Bärengarten/Hohnstein (Markierung blauer Querstrich) und überqueren die Polenz auf einer kleinen Brücke. Nun führt unser Weg allmählich aufwärts durch den Schindergraben, der nach dem einst hier wohnenden »Schinder« (Abdecker) benannt ist. Im Schindergraben umgibt uns feuchter Schluchtwald, der auch reich an Kleinwild wie z.B. Dachs, Fuchs, Steinmarder, Eichhörnchen und Siebenschläfer ist. Die Felsen sind stellenweise mit der leuchtend gelben Schwefelflechte überzogen, ein Indiz für saubere Luft.

Von der Gautschgrotte zum Bärengarten

Unser Weg führt zu einem Sitzplatz mit Wegweiser, der auf den Abstecher zur Gautschgrotte (10 Min.) hinweist. Es handelt sich hier um einen höhlenartigen Talschluss, 120 Meter über der Polenz gelegen. Die Grotte entstand auf der Rückseite des Kalten Loches durch das Ausbrechen von Sandsteinschichten über der tonreichen Zwischenschicht und erhielt ihren Namen zu Ehren von Karl Gautsch, der sich Verdienste um die Erforschung der Geschichte des Elbsandsteingebirges erwarb.

Nach diesem Abstecher setzen wir unsere Wanderung fort, kommen zu den Bärenfangwänden, verfallenen Mauerresten des ehemaligen Bärengartens von 1609. Die Mauer erstreckte sich damals über das gesamte Tal des Hohnsteinbaches, um Bären, die für Tierhatzen in Dresden gehalten wurden, an der Flucht zu hindern. Nach einem leichten Anstieg zeigt sich links die auf einem Sandsteinfelsen thronende Burg Hohnstein. Wir erreichen den Ort und gehen durch die Rathausstraße zum Parkplatz zurück.

GEHZEITEN. Hohnstein – Brandaussicht 3/4 Std. – Gaststätte Polenztal 11/2 Std. – Hohnstein 1 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied40 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHohnstein, Parkplatz P2
EndpunktHohnstein, Parkplatz P2
TourencharakterHohnstein ist ein hübsches Städtchen und idealer Ausgangspunkt für viele Wanderungen in die Sächsische Schweiz. Markanter Blickpunkt ist die auf einem steilen Felsen hoch über dem Polenztal thronende Burg aus dem Mittelalter. Eine der beliebtesten Wanderungen führt von Hohnstein zum Brand, gern »Balkon der Sächsischen Schweiz« genannt. Er bietet grandiose Ausblicke auf fast alle linkselbischen Steine, aber auch den Lilienstein auf der rechten Elbseite. Dieses Panorama lässt sich am besten von der Aussichtsterrasse der Brand-Baude genießen, die nicht nur leckere Speisen, sondern auch Übernachtung anbietet.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1 - 25000 mit Wanderwegen des Landesvermessungsamtes Sachsen, Blatt 43
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A13 bis zur Anschlussstelle Radeburg und über Stolpen nach Hohnstein. Mit der S-Bahn bis Pirna oder Bad Schandau, weiter per Bus
GastronomieHohnstein - mehrere Möglichkeiten. Unterwegs: Brand-Baude, Brandstr. 27, Tel. 035975/84425, tägl. ab 11 Uhr Pension & Gaststätte Polenztal, Polenztal 2, Tel. 035975/80826
Tipps
BURG UND ORT HOHNSTEIN. Die wechselvolle Geschichte von Burg Hohnstein begann im 12. Jahrhundert, als sie als böhmische Grenzfeste gegen die Sachsen und Sitz eines böhmischen Adelsgeschlechts, der Berken von der Duba, errichtet wurde. Nachdem Hohnstein 1443 durch Tausch an Kursachsen fiel, ging sie in den Besitz der Wettiner über, die lange Zeit von hier aus auf die Jagd und zum Lachsstechen zogen. Nach einem Intermezzo als Staatsgefängnis wurde die Burg 1926 zur größten Jugendherberge Deutschlands. In der Nazizeit diente sie zunächst als Konzentrationslager, später als Gefangenenlager. Seit 1949 wieder Jugendherberge, wurde sie 1997 zum Naturfreunde- und Jugendgästehaus umgewandelt. Es bietet Ein- und Mehrbettzimmer sowie Halb- und Vollpension (Tel. 035975/81202). Sehenswert sind das geschichtliche und naturkundliche Museum der Burg, das über Historie, Geologie, Flora und Fauna Hohnsteins informiert, sowie die Gedenkstätte für die Opfer der NS-Diktatur. Der Ort Hohnstein bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie die 1721 erbaute Apotheke, ein ebenso prachtvolles Fachwerkhaus wie das etwas unterhalb des Marktes gelegene Alte Rathaus mit dem Ratskeller in historischen Gewölben von 1688. Die 1726 von George Bähr erbaute Kirche gilt als Vorstufe zur Dresdner Frauenkirche.
Informationen
EINKEHR-TIPP. Seit über 250 Jahre schwärmen nicht nur Dichter von der traumhaften Aussicht, die man besonders von der großen Terrasse der Brand-Baude genießen kann. Auch als Berghotel und Gaststätte setzt die neu eröffnete Brand-Baude eine jahrhundertealte Tradition fort, wird sie doch bereits seit 1835 bewirtschaftet. Neben Speisen und Getränken zu moderaten Preisen und Übernachtungen in modernen Doppelzimmern oder im preiswerten Matratzenlager gehören heute auch Aktivitäten wie Wanderungen, Fahrradverleih oder Klettertouren zum Angebot.
Unterkunft
Hohnstein - Hotel Weißer Hirsch, Obere Str. 1, Tel. 035975/8630, www.ran-an-die-bastei.de
Parkhotel Ambiente, Waldstr. 26, Tel. 035975/8620, www.hotelambiente.com
Tourismusbüro
Touristinformation Hohnstein, Rathausstr. 9, 01848 Hohnstein, Tel. 035975/86813, gaesteamt@hohnstein.de, www.hohnstein.de
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