Von Haslach nach Hausach

Auf dem Hansjakobweg im Kinzigtal.
Bequeme Waldwanderung mit vielen Aussichtsstellen. (Autor: Chris Bergmann)
10 km
250 m
3.00 h
Haslach an der Deutschen Fachwerkstraße.
Hinter der Schwarzwaldstraße (B 33) vor dem Bahnhof Haslach führt die Gerbergasse in die sehenswerte Altstadt von Haslach hinein, am Rathaus vorbei geht es zur katholischen Stadtkirche. Haslach mit seiner denkmalgeschützten Fachwerk-Altstadt ist der bedeutendste Marktort im Kinzigtal und bildet den westlichen Endpunkt der Deutschen Fachwerkstraße. Nach der Zerstörung durch Truppen des französischen »Sonnenkönigs« Louis XIV. am 31. August 1704 wurde die Stadt auf dem mittelalterlichen Grundriss als Fachwerkstadt neu erbaut. Wahrzeichen der Altstadt sind die beiden Türme der ursprünglich gotischen Kirche St. Arbogast. Die erste Blütezeit erlebte Haslach im Mittelalter als Zentrum und Marktort eines ausgedehnten Silbererzreviers; die ehemalige Silbergrube »Segen Gottes« in Haslach-Schnellingen ist als Besucherbergwerk zugänglich und zählt zu den bedeutendsten historischen Bergwerken des Schwarzwalds.
Kapuzinerkloster.
Das Haslacher Kapuzinerkloster, während des Dreißigjährigen Kriegs unter Graf Friedrich Rudolf von Fürstenberg 1630–32 erbaut, ist das einzige weitgehend in ursprünglicher Form erhaltene Kapuzinerkloster in Süddeutschland - Kreuzgang, Klosterkirche und Mönchschor, Refektorium, Krankenzimmer und eine exemplarische Kapuzinerzelle veranschaulichen die Bau- und Funktionsgeschichte des 1823 aufgehobenen Klosters, in dem heute das Schwarzwälder Trachtenmuseum untergebracht ist. Unter der Klosterkirche befindet sich die fürstenbergische Grablege. Die nördlich der Kapuziner-Klosterkirche errichtete Loretokapelle (1660) enthält eine Schwarze Madonna.
Das Hansjakob-Museum im Freihof.
Von der Kirche geht es weiter durch die Mühlenbacher Straße und nach Queren der Grafenstraße (B 294) geradeaus durch die Rotkreuzstraße zum Wald hinauf; der Hansjakobweg macht am Beginn der Rotkreuzstraße einen Schlenker nach links zum Hansjakobhaus (Freihof) und führt von dort rechts zur Rotkreuzstraße zurück. Das Hansjakob-Museum im Freihof bietet einen umfassenden Einblick in Hansjakobs schriftstellerisches Schaffen als Beobachter der Bauern, Handwerker, Bürger und Handelsleute des badischen Schwarzwalds sowie in sein Wirken als Historiker, Publizist und katholisch-sozialer Politiker. Darüber hinaus beherbergt der Freihof Gemäldesammlungen der Haslacher Maler Louis Blum (1822–54), Carl Sandhaas (1801–59) und Otto Laible (1898–1962) sowie des Haslacher Kupferstechers Julius Allgeyer (1829–1900). Seine christlichdemokratische Gesinnung trug dem Priester Hansjakob während des antikatholischen Kulturkampfs 1870 und 1873 Festungshaft ein (Memoiren »Auf der Festung«, 1870), 1871–81 vertrat er die Katholische Volkspartei als Abgeordneter im Landtag in Karlsruhe, 1913 siedelte er in seinen Alterswohnsitz, den Freihof in Haslach, über; hier starb er 1916 und wurde in seiner Grabkapelle in Hofstetten beigesetzt.
Zum Heiligen Brunnen.
Bald geht die Rotkreuzstraße in den Rotkreuzweg über und erreicht an der Rotkreuzhütte bei der Waldteufelseiche den Wald. Das Rote Kreuz war bis ins 17. Jh. eine Stätte zur Aburteilung von Räubern und Mördern. Die Eiche ist benannt nach einem Haslacher Hutmacher, der den Spitznamen »Waldteufel« trug und in dieser Eiche an Festtagen die deutsche Fahne hisste; als er wieder einmal die Fahne in der Eiche entrollen wollte, stürzte er ab und verletzte sich schwer. An der Rotkreuzhütte mündet die Markierung »blaue Raute« auf unseren Weg, der rechts weiter aufwärts im Wald führt, bis am sagenumwobenen Heiligen Brunnen Bänke zur Rast laden. Das Wasser des Heiligen Brunnens soll die Fertilität fördern, weshalb die Quelle auch Kindlesbrunnen genannt wird. Anders als an anderen Quellen, um die sich ähnliche Legenden ranken, bitten am Heiligen Brunnen nicht Frauen um die Erhörung von Kinderwünschen, sondern Einzelkinder wünschen sich hier ein Brüderchen oder ein Schwesterchen und stellen zum Zeichen dafür ein Holzkreuz an die Quelle. Die Quelle soll dem Boden entsprungen sein, als ein hier lebender Einsiedler namens Rudolfus von Mordgesindel umgebracht wurde. Zur Erinnerung daran wurde unter den alten Buchen eine Kapelle erbaut.
Nach Hausach-Dorf.
Nächste Raststation ist die Sandhaasenhütte (Schutzhütte), bei der sich eine schöne Aussicht bietet. Sie ist benannt nach Carl Sandhaas (1801–59), dem »närrischen Maler« von Haslach; er errichtete sich um 1830 an dieser aussichtsreichen Stelle eine Hütte. Weiter durch den Wald wandernd, gesellt sich beim Bannstein (Grenzpunkt der Gemarkungen von Haslach, Mühlenbach und Hausach) als weitere Markierung das Muschelzeichen des Kinzigtäler Jakobswegs zu unserer Route, während uns die »blaue Raute« bald darauf verlässt. Nun treten Hansjakob- und Jakobsweg in aussichtsreiche Wiesenflur, am Oberen Hof (Mathesenhof) bietet sich ein prachtvoller Blick über das Kinzigtal hinweg zum Brandenkopf. Im Wald geht es nun hinab nach Hausach-Dorf; die Dorfkirche neben dem Friedhof enthält sehenswerte gotische Fresken. Wer zurück nach Haslach wandern will, folgt der Markierung »rotes Andreaskreuz« am Dorfbauernhof vorbei auf dem Kaiserwaldweg nach Hechtsberg; dort geht es mit dem Zeichen »roter Strich« weiter zur Teufelskanzel, einem sagenumwobenen Aussichtspunkt über dem Kinzigtal, und zurück zur Rotkreuzhütte.
Burg Husen.
Mit Ziel Hausach gehen wir bei der Dorfkirche in Hausach-Dorf rechts weiter durch die Dietersbachstraße, die unterhalb von Burg Husen auf die Hauptstraße mündet; der steile Abstecher zur Burg ist ausgeschildert. Die weithin sichtbare Burgruine Husen auf einem Bergsporn hoch über dem Städtchen bietet dank ihrer exponierten Lage eine hervorragende Aussicht ost- und westwärts in das Kinzigtal sowie nordwärts in das Einbachtal mit dem darüber aufragenden Brandenkopf, dem »König des Schwarzwalds«. Die zum Schutz der umliegenden Silbergruben erbaute Burg wird 1246 anlässlich der Eroberung durch die Zähringer-Grafen von Freiburg erstmals erwähnt. 1453–77 ließ Graf Heinrich VI. von Fürstenberg die Burg um- und ausbauen; die erhaltenen Bauteile, darunter der 14 Meter hohe runde Bergfried und ein Teil der Palasmauer, stammen aus dieser Zeit. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg 1643 zerstört und ist seither Ruine, 1986 ging sie vom Haus Fürstenberg in den Besitz der Stadt Hausach über. Die Ruine ist frei zugänglich, der Bergfried ist von Mai bis Oktober jeden ersten Sonntag im Monat von 12 bis 18 Uhr geöffnet. – Der Hauptstraße folgt der Hansjakobweg durch Hausen bis zur Abzweigung der Breitenbachstraße, während wir noch ein Stück weiter zum Bahnhof gehen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied250 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortHaslach (220 m) mit seiner denkmalgeschützten Fachwerk-Altstadt ist der bedeutendste Marktort im Kinzigtal.
AusgangspunktBahnhof Haslach an der Schwarzwaldbahn/Kinzigtalbahn.
EndpunktBahnhof Hausach (238 m) an der Schwarzwaldbahn/Kinzigtalbahn.
TourencharakterVon der sehenswerten Haslacher Fachwerk-Altstadt führt der Hansjakobweg zum Heiligen Brunnen und durch die Wälder über dem Kinzigtal in die Burgstadt Hausach. Heinrich Hansjakob, mit mehr als 70 Erzählungen einer der produktivsten Schwarzwald-Schriftsteller, zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Kinzigtals, wo er 1837 in Haslach geboren wurde und 1916 starb. Nach Heinrich Hansjakob sind der Große und der Kleine Hansjakobweg benannt, zwei Rundwanderwege, die die Täler und Höhen im Bereich der Kinzig und ihrer Zuflüsse erschließen. Markiert sind die Wege mit dem auch von Hansjakob getragenen »Heckerhut«, der ab der Märzrevolution von 1848 ein Kennzeichen der republikanisch orientierten Kräfte im damaligen Großherzogtum Baden war.
Beste Jahreszeit
KartentippWanderkarte 1 - 30000 Vorderes Kinzigtal oder Freizeitkarte 1:50000 Blatt 503 Offenburg/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Blatt 3 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungSchwarzwaldbahn Offenburg – Gengenbach – Haslach – Hausach. A 5 Basel– Karlsruhe, Ausfahrt Offenburg, weiter auf der B 33 an Offenburg vorbei durch das Kinzigtal bis Haslach.
GastronomieHaslach, Hausach-Dorf, Hausach.
Tourismusbüro
Tourist-Information Haslach, Im Alten Kapuzinerkloster, Klosterstr. 1, 77716 Haslach im Kinzigtal, Tel. 07832/ 706170, www.haslach.de. Kultur- und Tourismusbüro, Hauptstraße 43, 77756 Hausach, Tel. 07831/7975, www.hausach.de

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