Von Gunzesried zur Kemptner Hütte

Einfache Wanderung bis zum Sperrbachtobel, dann steiler, anstrengender Anstieg auf schmalen Pfaden. Wasser ist erst oberhalb der Almwirtschaft trinkbar. Kinder und Genießer: Für Kinder etwas zu lange, eintönige Etappe entlang der Iller. Alternativ mit Bus oder Bahn nach Oberstdorf. Etappen-Ende und komfortable Übernachtung im schönen Ghf. Spielmannsau möglich. (Autor: Robert Mayer)
34 km
1110 m
8.00 h
Die vier Kilometer von Gunzesried nach Sonthofen verlaufen oft auf der Straße, deshalb fährt man besser mit dem Linienbus.
Vom Bahnhof in Sonthofen geht es auf der Straße einige hundert Meter nach Süden in Richtung Fischen, bis wir auf den gut beschilderten »Illerwanderweg« treffen. Auf dem schattigen Illerdamm passieren wir einen Campingplatz am Ortsrand und wechseln dann bei Fischen (761 m; 1.75 Std.) auf das rechte Flussufer. Bei Rubi wechseln wir erneut das Flussufer und laufen bis zum Iller-Urspung (2.75 Std., 10,7 km), an dem Breitach, Stillach und Trettach zusammenfließen. Weiter an der Trettach entlang führt der E5 über die Dummelsmoosbrücke nach Oberstdorf (813 m; 3.15 Std., 13 km) hinein und zum Bahnhof. Vom Marktplatz fahren morgens um ca. 10 Uhr Stellwagen (Kutschen) bis zum Gasthof Spielmannsau (oder mit dem Sammeltaxi Spielmannsau, siehe Tourenkasten). Zu Fuß geht man auf der Prinzen- und später der Birgsauerstraße nach Süden, passiert die mittelalterliche Wallfahrtskapelle Loretto (3.30 Std.) und trifft auf ein Wegekreuz, an dem man links Richtung Spielmannsau abbiegt. Am türkis-grünen Christlessee (930 m; 4.45 Std.) vorbei wird der schön am Ausgang des Traufbachtals gelegene Gasthof Spielmannsau (983 m; 5.15 Std., 20,5 km) erreicht. Wer nicht gern in Berghütten schläft, kann hier übernachten.
Immer noch entlang der rauschenden Trettach nähern wir uns dem Talschluss, im Blick die ungewöhnlich zerklüftete Felsenburg des Kratzers (2340 m), an der sich oft stattliche Steinböcke tummeln. Südlich unter dem an einen Reißzahn erinnernden Zacken der Trettachspitze verläuft die steile Trettachrinne, in die sich versierte Allgäuer im Frühjahr zum Skifahren hineinwagen. Wir folgen dem Weg in den Sperrbachtobel, wo wir auf einer Brücke den Bach überqueren. Etwas später liegt links das »Knie«, eine kleine Erhebung mit Kapelle, die seit 1665 von Wallfahrern aus dem Lechtal beim Pilgern zur Loretto-Kapelle in Oberstdorf frequentiert wird. Auch die Weidegründe rund um die Kemptner Hütte gehören von alters her den Holzgauer Bauern aus dem Lechtal.
Im Sperrbachtobel ist es an schönen Tagen schwülheiß wie in den Tropen. Riesige Pestwurzblätter und Grünerlen säumen den Weg, und vom Bach unterspülte Lawinenreste liegen am Grund des Tobels und oft bis zum Steig herauf. Unterhalb des Schafbergs ist der Pfad ständig von Erdrutschen bedroht und manchmal sehr schmal. Wenn die Kemptner Hütte (8.50 Std., 26,3 km) in Sichtweite kommt, haben einige Wanderer schon ihre erste Reifeprüfung hinter sich gebracht. Die Kemptner Hütte, eingebettet in einen grandiosen Felsenkessel, bietet trotz ihrer beachtlichen Größe Gastlichkeit und gutes Essen. Sie ist auch Ausgangspunkt für den Heilbronner Weg, den eindrucksvollsten Allgäuer Höhenweg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour34 km
Höhenunterschied1110 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGunzesried/Sonthofen (742 m)
EndpunktGunzesried/Sonthofen (742 m)Kemptner Hütte (1844 m)
TourencharakterDiese Etappe führt genau nach Süden, mitten ins »Herz« des Allgäus. Die kalten, grün-blauen Fluten von Iller und Trettach zeigen uns den Weg zu ihren Quellen in den Felsregionen. Flankiert von den typischen Allgäuer Grasbergen gelangt man nach und nach in die höheren Felsregionen des Allgäuer Hauptkamms. Im Oberstdorfer Becken, einst vom Illergletscher ausgehobelt, vereinigen sich viele Täler und machen es zu einem hervorragenden Wandergebiet. Viele Alpen-Überquerer, die nicht die gesamten 470 Kilometer des E5 gehen wollen, werden hier ihre erste Etappe in den Süden starten. So auch die zahlreichen Bergführerbüros, die einwöchige Touren ab Oberstdorf bis Meran anbieten. Das heißt im Klartext, dass am Wochenende in der Saison (August bis Mitte September) ein regelrechter »Nordstau« von Wanderern anfällt. Deshalb der dringende Rat an alle E5-Aspiranten: Geht unter der Woche in Oberstdorf los, und ihr werdet keine Probleme mit überfüllten Hütten erleben und könnt die Ruhe und Einsamkeit genießen!
Die Nördlichen Kalkalpen sind aufgrund ihrer Staulage sehr niederschlagsreich; daher ist es ratsam, vor dem Start einen fundierten Bergwetterbericht einzuholen (siehe Tipp).
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, WK 351, Allgäuer/Lechtaler Alpen (empfehlenswert, reicht von Oberstdorf bis Wenns). Bayerisches Landesvermessungsamt 1:50000, UK L8, Allgäuer Alpen. Kompass 1:50000, Nr. 120, E5 Nord
MarkierungenSehr gut markiert mit roten Punkten, E5- sowie zahlreichen weiteren Wegweisern
VerkehrsanbindungSonntags fährt ein Anrufsammeltaxi (AST) von Gunzesried nach Sonthofen (Tel. +49/(0)8321/4040, 30 Min. vor Abfahrt anrufen; Fahrzeiten 8.56/12.56/15.56/17.56 Uhr); Sammeltaxi vom Ghf. Spielmannsau (Tel. +49/(0)8322/3015, 15 Min. vor Abfahrt anrufen; 5 Euro p.P. ab Oberstdorf). Bus nach Sonthofen ab Gunzesrieder Säge (Busfahrplan unter www.sonthofen.de oder www.oberallgaeu.org). Auskunft über Bahnfahrpläne unter www.bahn.de, Tel. 0800/1507090 bzw. 0180/5221100 oder 11861 (gebührenpflichtig); der Sonderzug »Alex« fährt täglich im 2-Std.-Takt von München nach Oberstdorf Infos: Tel. +49/1805915109, www.alex.de). Parkplätze in Oberstdorf unter www.oberstdorf.de; empf. Parkplatz Faistenoy (10,50 Euro für 10 Tage). »Komm mit«-Busreisen fährt in der Wandersaison von vielen Städten Deutschlands ins Allgäu (So für 75 Euro, Retour 129 Euro), Tel. +49/(0)8321/671022, www.komm-mit-reisen.de. Mitfahrzentrale, Infos unter www.outdoor-mobile.com
GastronomieIn Fischen und Oberstdorf; Ghf. Spielmannsau; Oberaualm; Einkaufen in Oberstdorf
Tipps
Naturapotheke. In den Bergen wachsen einige besonders heilkräftige Pflanzen. Die saubere Luft, das raue Klima und die meist kargen, nährstoffarmen Böden verzögern und begrenzen zwar ihr Wachstum, aber die intensive Sonneneinstrahlung bewirkt einen hohen Wirkstoffgehalt. Einige der Blütenpflanzen wie Seidelbast, Alpenveilchen oder Primeln sind schon von weitem an ihrem betörenden Duft zu erkennen. Andere sind weniger auffällig, dafür aber bemerkenswert heilkräftig. So weisen bereits die alten Namen der Arnika, »Bergwohlverleih« oder auch »Sto up un goh heu« (Steh auf und geh heim), auf ihre außerordentliche Heilkraft hin. Die verdünnte Urtinktur der Arnika half nicht nur schon dem Dichter Goethe regelmäßig bei seinen Altersherz-Problemen, sondern ist als homöophatisches Heilmittel auch für den heutigen Wanderer ein kleines Lebenselixier – es gehört in den Rucksack, weil es nach vielen Erfahrungen bei folgenden Beschwerden hilft: bei Ermüdung und Konzentrationsschwäche, stumpfen Verletzungen wie Prellungen oder Verstauchungen und bei Gelenks- und Bewegungsschmerz.
Unterkunft
Ghf. und Jugendheim Spielmannsau, Tel. +49/(0)8322/3015, Fax 8860, spielmannsau@t-online.de (DZ Ü/F ab 37 Euro; im Jugendheim Ü/F ab 17 Euro; geöffnet ganz- jährig). Kemptner Hütte, nur Funk, Fax +49/(0)8322/30091909 (290 Plätze, für DAV-Mitglieder im Lager 7 Euro, Bett 9 Euro, sonst 14/18 Euro, Mitgliedsantrag auf Hütte möglich; geöffnet Mitte Juni bis Mitte Okt.). Biwakieren ist in den Allgäuer Hochalpen (Naturschutzgebiet) nur im Notfall erlaubt; Campingplatz in Oberstdorf
Tourismusbüro
Tourismus & Sport Oberstdorf, Prinzregentenplatz 1, 87561 Oberstdorf, Tel. +49/(0)8322/70 00, Fax 70 02 36; Zimmervermittlung Tel. +49/(0)8322/70 0412, info@oberstdorf.de, www.oberstdorf.de

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