Von Gößweinstein nach Burggaillenreuth

Bequeme Wald- und Wiesenwanderung auf gut begehbaren Wegen, bei Nässe streckenweise rutschig, steiler Aufstieg von der Stempfermühle nach Gößweinstein. (Autor: Tassilo Wengel)
9 km
139 m
3.00 h
Von Gößweinstein zur Esperhöhle.
Von der Basilika in Gößweinstein gehen wir die Pezoldstraße am Gasthof Stern mit Biergarten und Sonnenterrasse vorbei bis zum Ortsausgang. Dort folgen wir dem Wegweiser »Leutzdorf, Burggaillenreuth« mit der Markierung blauer Senkrechtstrich nach links. Zwischen Wiesen und Waldstücken wechselt unser Wanderweg, bis wir zu einem Abzweig nach rechts kommen, den wir nicht verpassen dürfen (Markierung links und rechts). Wir stoßen auf eine Asphaltstraße, sehen rechts die Häuser von Leutzdorf und wandern in den Ort. Hier lädt der Landgasthof Richter zur Rast ein. Dieses gemütliche Landgasthaus bietet gutbürgerliche Küche aus eigener Hausschlachtung. An heißen Sommertagen sitzt man gut im schattigen Biergarten. Bei einer kleinen Kapelle schwenken wir nach rechts und verlassen den Ort auf einem breiten Wiesenweg. An der nächsten Gabelung wählen wir den linken Weg und wandern durch den Wald zur Esperhöhle. Das Labyrinth dieser Höhle wurde im 18. Jh. von Pfarrer Esper aus Uttenreuth entdeckt. Allerdings ist der Besuch der Höhle nur für Spezialisten mit Ausrüstung geeignet, da man sich kurz nach dem Eingang etwa 50 Meter abseilen muss. Zwischen 1. Oktober und 30. April gilt ein generelles Besuchsverbot für die Höhle.
Über Burggaillenreuth ins Wiesenttal.
Wir folgen der Markierung blauer Senkrechtstrich weiter und gelangen an einer Schonung vorbei zu einer Forststraße, biegen nach rechts und halten uns an der folgenden Gabelung mit Wieseninsel abermals rechts. Kurz danach zweigt ein Weg zum Keltenwall ab, der sich auf einer plateauartigen Bergkuppe befindet. Hier hatte sich vor rund 2600 Jahren ein keltisches Adelsgeschlecht einen Herrensitz errichtet. Sehr guten Schutz bot die nach Norden steil abfallende Felswand. Man kann noch gut die Reste der einstigen Wallanlagen an den Süd-, Ost- und Westflanken erkennen. Vom Abstecher zum Keltenwall kehren wir auf unseren Wanderweg zurück und kommen beim Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr nach Burggaillenreuth. Dort schwenken wir nach rechts und laufen auf dieser Straße bis zur Burg, in der sich eine Pension befindet. Rechts am Baum finden wir einen Wegweiser »Talweg Behringersmühle« (Markierung rotes Kreuz) und folgen nun dem Weg abwärts in das Wiesenttal. Kurz vor den Gleisen der alten Bahnlinie biegen wir scharf nach rechts ab und wandern nun auf einem breiten Weg durch das Wiesenttal, mit imposanten Felsgebilden bis zur Sachsenmühle. Dort überqueren wir die Gleise und wandern zur Stempfermühle, wo sich eine Rast auf der Terrasse an der Wiesent lohnt. Die Mühle wurde bereits 1468 erstmals urkundlich erwähnt und war lange Zeit eine beliebte Kneipe der Erlanger Studenten. Hinter dem Gebäude der Stempfermühle führt ein steiler Weg, anfangs über Stufen, aufwärts nach Gößweinstein (Markierung blauer Punkt, die allerdings kaum sichtbar ist). An einer gelben Bank wenden wir uns links und wandern an einem selten gewordenen, geschützten Bestand von Eiben vorbei zur Martinswand, einem Kletterfelsen mit schönen Tiefblicken. Nur noch ein kurzes Stück aufwärts und wir sind in Gößweinstein, das wir auf der Pezoldstraße erreichen. Gößweinstein und seine Basilika.
Obwohl Gößweinstein bis zum Bau der neuen Bergstraße zwischen 1928 bis 1932 nur über einen sehr steilen Weg von Behringersmühle her erreichbar war, war die Gemeinde eigentlich der erste Fremdenverkehrsort in der Fränkischen Schweiz. Das Gnadenbild genoss schon im 15. Jh. den Ruf der Wundertätigkeit, und nach Überlieferungen strömten damals bereits um die 100000 Wallfahrer in den Ort. Als Papst Benedikt XIII. 1729 den Ablass verfügte, gelangte die Wallfahrt zu weiterer Beliebtheit. Als Konsequenz ließ Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn ab 1730 eine neue Kirche errichten. Nach Plänen von Balthasar Neumann entstand ein großer Barockbau aus hellem Sandstein mit einer gewaltigen zweitürmigen Fassade. Das Innere besticht in strahlendem Weiß mit zartem Hellblau und Gold, mit feinen Stuckaturen und Bildhauerarbeiten. Den Innenraum sowie den Hochaltar, der um das gotische Gnadenbild der Krönung Mariens gebaut ist, gestaltete Johann Jakob Michael Küchel.
Der Eibenwald bei Gößweinstein.
Eiben gehörten früher zu den häufig verbreiteten Nadelbäumen, wurden aber auf ihren natürlichen Standorten immer mehr durch Buchen und andere Laubgehölze verdrängt. Inzwischen gehören sie in den meisten Wäldern zu den Seltenheiten. Zum Verhängnis wurde der Eibe ihr hartes, zähes und daher sehr beliebtes Holz, aus dem schon im Mittelalter Bogen und Armbrüste gefertigt wurden. Durch glückliche Umstände erhielten sich Eibenbestände an schwer zugänglichen Steilhängen bis in das 20. Jh. und wurden schließlich unter Schutz gestellt. Dazu gehört auch der Eibenwald bei Gößweinstein.

Gehzeiten.
Gößweinstein – Leutzendorf 3/4 Std. – Esperhöhle 1/2 Std. – Burggaillenreuth 1/2 Std. – Stempfermühle 1 Std. – zurück nach Gößweinstein 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied139 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortGößweinstein
AusgangspunktGößweinstein, Basilika.
EndpunktGößweinstein, Basilika.
TourencharakterGößweinstein ist mit seiner weithin sichtbaren Basilika als Wallfahrtsort berühmt und zieht jedes Jahr Tausende von Pilgern, aber auch Urlauber an. Wanderer benutzen diesen schönen Ort gern als Ausgangspunkt für Touren, die in das Wiesenttal oder zu anderen Zielen in der reizvollen Umgebung führen. Hoch über dem Ort thront auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Felsen eine Burg, die im 11. Jh. von Graf Goswin erbaut wurde. Nach ihm wurde auch der Ort benannt, der sich bald am Fuße der Burg entwickelte. Seit 1124 gehörte die Burg dem Hochstift Bamberg und war über Jahrhunderte der Amtssitz der Bamberger Bischöfe. Seit 1890 in Privatbesitz, erhielt sie ihr heutiges Aussehen im späten 19. Jh. »Wer dich, oh Goswinstein erbaut, verbrauchte manch Pfund Heller ...« schrieb Victor von Scheffel (1826–1886), dem die Gößweinsteiner 1933 ein Denkmal setzten. Es steht in der Balthasar-Neumann-Straße, wo sich auch der berühmte Scheffel-Gasthof (Nr. 6) befindet. Hier lebte der Dichter und Sänger Victor von Scheffel 1883, an den im Scheffel-Zimmer über 100 Bilder, Gedichte und Artikel erinnern. Gastronomisch bietet der Gasthof als Spezialität fränkischen Sauerbraten mit Kloß und fangfrische Forellen aus eigenem Bassin.
Beste Jahreszeit
KartentippFritsch Wanderkarte Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst – Hersbrucker Alb, Blatt Süd, Maßstab 1 - 50000.
VerkehrsanbindungAuto. Auf der Autobahn A 9 bis zur Anschlussstelle Pegnitz/Grafenwöhr, auf der B 2/B 470 in Richtung Forchheim nach Gößweinstein. Bahn. Bahnstation Ebermannstadt, weiter mit dem Bus nach Gößweinstein.
GastronomieGößweinstein - Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, unter anderem Heumann’s Weinklause, gemütliches Weinlokal, Pezoldstraße 13, Tel. 09242/822 (Mo Ruhetag). Burg- gaillenreuth: Gasthof Wolf mit Biergarten, Tel. 09242/92433 (Di Ruhetag). Leutzdorf: Gasthaus Joseph Richter mit Biergarten, Tel. 09242/587 (Di Ruhetag). Stempfermühle: Gasthof Stempfermühle mit Biergarten, Tel. 09242/1658.
Tipps
Das Spielzeugmuseum in Gößweinstein. In der Balthasar-Neumann-Straße 15 unweit der Basilika lädt eine umfangreiche Spielzeugsammlung zum Besuch ein. Puppenstuben, Eisenbahnen, Teddys, Blechspielzeug, Tretautos, Dampfmaschinen und vieles mehr aus früheren Zeiten kann bewundert werden. Information - Tel. 09242/743577. Geöffnet: April bis Oktober Mi, Fr, Sa, So, Feiertag 11-18 Uhr. November bis März Sa, So, Feiertag 11–18 Uhr.
Informationen
Gasthof Stern. In einem schönen Fachwerkbau im Zentrum von Gößweinstein befindet sich der renommierte Gasthof Stern. Im Sommer laden außerdem der schattige Biergarten mit Spielplatz sowie die sonnige Gartenterrasse zum Verweilen ein. Neben Gerichten der gutbürgerlichen Küche finden sich auch fränkische Spezialitäten auf der Speisekarte, wie Hollerküchla oder Schäuferla, Forellenfilet in Blätterteig oder die Wilddiebpfanne mit Waldpilzen.
Unterkunft
Gößweinstein - Gasthof Stern mit schattigem Biergarten, Pezoldstraße 5, Tel. 09242/ 98765, www.sternteam.de; Scheffel- Gasthof mit Café- und Biergarten, Balthasar-Neumann-Straße 6, Tel. 09242/201 (Mo Ruhetag), www.scheffel-gasthof.de.
Tourismusbüro
Touristinformation Gößweinstein, Burgstr. 6, 91327 Gößweinstein, Tel. 09242/456 und 840, E-Mail: info@goessweinstein.de, www.goessweinstein.de.

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