Von Giazza nach Erbezzo

Mäßig steiler, aber langer Aufstieg (700 Hm) durch dichten Wald zur Hochebene I Parpari. Weiter auf guten Wegen mit viel Auf und Ab. Technisch leicht, aber Konzentration beim Wegverlauf notwendig. Wasser gibt es teils in den Weilern. Kinder und Genießer: Gemütliche, etwas einsame Etappe, nur einige Weiler mit malerischen Gebäuden wecken die kindliche Neugier und sorgen für Abwechslung. Etappen-Ende im Albergo Croce (gutes Essen, heißes Bad) möglich (Autor: Robert Mayer)
18 km
1130 m
7.00 h
In Giazza folgen wir den E5-Markierungen durch das Dorf und überqueren den Fluss Revolto auf einer kleinen Brücke, bevor wir auf einen alten gepflasterten Weg, den »Sentiero delle Gosse«, treffen. Am Einstieg gibt es einige Abzweige, achten Sie deshalb gut auf die Markierungen. Der Weg führt in angenehmen Serpentinen 700 Höhenmeter zur Hochebene I Parpari hinauf. Ausgesprochen stark riechende Alpenveilchen blühen in dem geschützten Naturwald. Durch Wiesen erreicht man einen Abzweig mit abgebrochenem, steinernem Wegweiser (1469 m; 2.15 Std., 4,5 km) gegenüber dem Monte Potteghe. Hier links auf der Kiesstraße durch die offenen, weiten Almflächen gehen. Achtung, schon nach 500 Metern geht es rechts auf einem Trampelpfad eine Weide hinunter. (Geradeaus würde man zu einem Wasserloch mit Hofgebäude kommen.) Durch die Wiesen führt der E5 im Bogen zur Hauptstraße hinab. Entlang senkrecht eingegrabener Steinplatten links der Straße erreicht man die geschlossene Osteria degli Spiazzoi (1390 m; 2.45 Std.).
Der Weg Nr. 249 führt nach Westen ins Vajo di Squaranto (1170 m; 3.30 Std., 8 km) hinunter. In der Talsohle scharf links und dann sofort rechts hinauf nach Merli (1250 m; 3.45 Std.). Folgen Sie nicht versehentlich den rot-weiß-roten Markierungen, der E5 ist hier rot und rot-weiß gekennzeichnet! Die Trattoria in Merli ist allenfalls zeitweise geöffnet und der Ort so schön wie auch verwaist. Auf breiter Kiesstraße am Kirchlein St. Anna und Brutti vorbei erreicht man nach 3 Kilometern Maregge (1264 m; 4.30 Std., 11,5 km). Das Gasthaus ist in der Nebensaison nicht immer geöffnet. Kurz zuvor sieht man die Überreste einer alten Eisfabrik; die Eisschollen aus dem Teich brachte man nachts nach Verona, und dort kühlten sie die früher üblichen Eis-Schränke. Für die Bauern war das ein willkommener Zuerwerb.
Auf der Teerstraße geht es von Maregge ein Stück nach Norden zurück, dann zweigt der E5 links ab und führt hoch zu einem Einschnitt. Kaum ist dieser überquert, liegt das halb zerfallene Tinazzo (Quelle) westlich vor uns. Wenige Schritte entfernt stehen die Häuser von Zamberlini (1234 m; gut 5 Std., 13 km). Türen und Fenster sind verriegelt. 300 Meter weiter müssen wir linkshaltend den Berg hinaufsteigen. Eine kleine Anhöhe wird überschritten, dann geht es weglos durch eine Waldschneise, bis unterhalb die Kapelle von Scalon (1225 m; 5.15 Std.) sichtbar wird. Wir bleiben auf der Straße in Richtung Süden, bis nach einem lang gezogenen Anstieg der höchste Punkt mit hervorragender Aussicht erreicht ist. Die Tiefebene und ein Stück des Gardasees sind von hier zu sehen. Wenig weiter führt rechts ein schmaler Pfad nach Croce (1147 m; 5.45 Std., 15,2 km) hinunter. Das Albergo Croce hat nicht immer geöffnet (siehe oben), bietet aber eine ausgezeichnete Küche mit selbst gemachten Gnocchi und Pasta. In Croce überqueren wir die Straße nach Westen, passieren auf einem schönen Wiesenweg Lesi und steigen hinab in die dunkle Schlucht Vajo dell Anguilla (850 m; 6.30 Std.). Am Schluchtgrund links hinunter und entlang dem Bach, bis 800 Meter weiter der E5 nach rechts steil durch dichte Vegetation wieder aus der Schlucht herausführt. Vorbei an den schönen, berankten und blumengeschmückten Häusern von Scalchi erreichen wir Erbezzo (7.15 Std., 19,5 km). Das lebendige, sympathisch bunte Dorf hat ein Lebensmittelgeschäft, einen Zeitschriftenladen mit Wanderkarten und das Albergo Berna – alles entlang der Hauptstraße, der Via Roma.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1130 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGiazza (793 m)
EndpunktErbezzo (1118 m)
TourencharakterDer Naturpark Lessinia erstreckt sich über 10 000 Hektar auf der Hochfläche der Lessinischen Alpen vom Etschtal bis fast zur Vicentinischen Tiefebene. Tiefe, grüne Schluchten entwässern das Gebirge nach Süden. Das Meer und die dicht besiedelte Tiefebene sind in nächster Nähe, und umso erstaunlicher ist es dann, beim Wandern über die weiten Almflächen fast völlig allein zu sein. Bezaubernd schöne, verwachsene Weiler wie Merli oder Zamberlini liegen am Weg. Mit ihren harmonisch in die Landschaft gefügten Steinhäusern und ihren Dächern und Zäunen aus großen Steinplatten wirken sie wie aus einer fernen, alten Zeit. Es scheint, dass sie im verwunschenen Dornröschenschlaf liegen, und man hätte nicht wenig Lust, sie wachzuküssen. Wo sind die Menschen in diesem schönen Land? Man mag ja ahnen, wie viel Mühsal und Freude hier schon erlebt wurde, aber nichts ist bedrückender und trostloser als leere Gehöfte, wo doch jedes Stück Erde, jeder alte Zaun, jeder Waschplatz am Weg von der Arbeit vieler Hände erzählt.
Die Region leidet unter massiver Landflucht, woran auch der Tourismus nichts ändert, schon gar nicht die wenigen E5-Wanderer. Zum einen ist die Struktur der romanischen Bergbauernlandwirtschaft, die zu niedrige Erträge abwirft, problematisch, zum anderen aber auch die geringe Attraktivität des Bergbauerndaseins (empfehlenswerte Literatur hierzu: Werner Bätzings »Bildatlas Alpen«).
Beste Jahreszeit
Kartentipp»Lessinia«, 1:25000, des C.A.I. (Via San Nazaro 15, I-37129 Verona, Tel. +39/45/8013466, Fax 8018833, sehr zu empfehlen!). Kompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd (sehr ungenau in diesem Abschnitt)
MarkierungenE5-Markierungen sind zwar immer vorhanden, aber mehrmals sehr leicht zu übersehen! Hinweise im Text beachten.
VerkehrsanbindungGiazza und Erbezzo sind mit Bussen zu erreichen. Mehrmals täglich Bus nach Verona. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln andernorts schwierig bis unmöglich, evtl. Autostopp; Überlandbusse der ATV (Azienda Trasporti Verona) Verona, Tel. +39/045/8057911
GastronomieIm August und später nur am Wochenende haben das Gasthaus in Maregge und das Albergo Croce geöffnet (besser vorher anrufen); Einkaufen in Erbezzo.
Unterkunft
Albergo Croce, Tel. +39/045/7050042, Fax 6782056 (geöffnet Mai–Aug., dann nur am Wochenende; DZ Ü/F 25,50 Euro). Albergo Berna Erbezzo, Tel. +39/045/7075018 (ganzjährig geöffnet; DZ ab 23 Euro, 3-Bettzimmer ab 20 Euro, Frühstück 8 Euro). Biwakplätze z.B. im schönen Weiler Scalchi nahe Erbezzo
Tourismusbüro
A.P.T. Azienda di Promozione Turistica, Piazza Chiesa 34, I-37021 Bosco Chiesanuova, Tel./Fax +39/045/705 00 88

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