Von Gaino nach Toscolano

Interessante unschwierige Wanderung, die uns von den Höhen über dem See bis in ein klammähnliches Tal führt. (Autor: Joachim Lutz, Sabine Malecha)
7 km
200 m
2.00 h
Unsere Wanderung beginnt in Gaino wenige Kilometer oberhalb von Toscolano.
Der Startpunkt bietet sich an, da in Toscolano die Parkmöglichkeiten für Pkw sehr begrenzt sind oder man nur Kurzzeitparkplätze vorfindet. Vom Ortskern in Gaino führt das rot-weiße Wanderzeichen in die Ortschaft Folino. Wir folgen der ebenen Straße, bis auf der rechten Seite ein Briefkasten zu sehen ist. Ein roter Strich leitet in eine Gasse bis zu einer Mauer, an der es links geht. An der nächsten Gabelung halten wir uns rechts und marschieren für ein kurzes Stück ohne Wanderzeichen unterhalb des Ortes entlang. Nach wenigen Minuten sind die Häuser von Pulciano erreicht. An der ersten Kreuzung links bergauf und sofort wieder rechts in die Via dell’Era einbiegen. Ein kleiner Tipp: Sollten Sie einen Straßennamen suchen, schauen Sie auf die Hausnummern an den Häusern. Dort ist meist der Straßenname mit vermerkt. Bald kommt links der Friedhof, und vor einer Kuppe geht es links auf den Vorplatz der Kirche San Michele. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt Toscolano-Maderno und die Bucht. Es geht steilen Weg abwärts bis zu einer Straßenkreuzung. Jetzt wieder links an der Schule (Scuola) vorbei bis zum Haus Nr. 94. Hier führt uns nun der Fußweg wieder von der Straße weg. Er schneidet mehrfach die Serpentinen der Fahrstraße, aber so müssen wir nicht an ihr entlangwandern. Wieder an der Straße angelangt, folgen wir dieser bis zur nächsten Kurve abwärts. In der Bar/Tabacchi gönnen wir uns eine kleine Erfrischung und genießen einen Cappuccino auf der Terrasse oberhalb der Stadt. Neben der Bar geht es die Via Genova hinab. Ab einem Bildstock wird der Weg schmaler, und später folgen Stufen (50 Min.).
In den Gassen von Toscolano.
Dort angekommen, sehen wir rechts schon die Piazza dei Caduti mit der imposanten Pfarrkirche Pietro e Paolo. Diese stammt aus dem Jahre 1584 und deutet mit ihrer Außenarchitektur auf den klassischen Barock hin. Sie enthält beachtliche Holzschnitzereien sowie das Bischofskatheder aus dem 17. Jh. Die riesigen Gemälde stammen von Andrea Celesti (1637–1712). In die Wände sind zwei römische Gedenksteine eingelassen. Nach der Besichtigung der Kirche geht es für ein Stück die Hauptstraße entlang, bis uns die Beschilderung rechts ins Valle delle Cartiere führt. Der Ortskern von Toscolano liegt nun links. Bevor wir unsere Wanderung fortsetzen, lohnt ein Besuch des geschichtsträchtigen Ortes.
Toscolanos Wurzeln gehen zurück bis ins 9. Jh.
Wahrscheinlich gehört der Ort sogar zu den ältesten Ansiedlungen am Gardasee überhaupt. Es wird vermutet, dass an dieser Stelle einst die antike Stadt Benacum stand. Der See hieß bis in langobardische Zeit nicht Gardasee, sondern Lacus Benacus. Bereits Otto I. und Kaiser Barbarossa räumten den Ortschaften Maderno und Toscolano besondere Privilegien ein, unter anderem die Gerichtshoheit, was die beiden Orte zu den wichtigsten am See machte. 1337 verloren sie diese dann an Salò, später wurde Brescia Regierungssitz. Viele Paläste wurden in Maderno und Toscolano gebaut, die nur durch den Fluss Toscolano getrennt waren. An der Hauptstraße steht noch der eine oder andere Palazzo, und wir können uns gut vorstellen, wie diese einst ausgesehen haben. Nach der Ortsbesichtigung gehen wir zur neuen Toscolanobrücke.
»Valle delle Cartiere«
Diesem Schild folgen wir nun in das berühmte Papiertal, erst auf Asphalt, später auf einem Schottersträßchen. Schon bald sehen wir die ersten Industriebrachen. Nach einem Tunnel steht an der linken Seite das restaurierte Museum im ehemaligen Pförtnerhaus der letzten produzierenden Papierfabrik, die 1960 still gelegt wurde. Der Hauptweg führt uns weiter in das enger werdende Tal. Nach einer Brücke geht es rechts weiter. Informationstafeln erzählen uns etwas über die Wirtschafthistorie. An einer der nächsten Ruinen haben Archäologen der Universität Padua eine Papiermühle des 16. Jh. freigelegt. Es handelt sich um vier Räume, die mit Bogendurchgängen verbunden waren. Durch zwei Kanäle wurde das Wasser geleitet. Überreste des Fußbodens und des Mauerwerks lassen den Fachleuten Rückschlüsse auf die damalige Arbeitsweise zu. Gerne würden die zuständige Institutionen hier einen Park der industriellen Archäologie schaffen. Leider hat die Idee noch keine Fürsprecher gefunden. Dabei würde es sich in diesem Tal geradezu anbieten, so etwas einzurichten.
Immer weiter, parallel zum Toscolanofluss, gehen wir in das Tal hinein. Nach dem Überqueren der dritten Brücke sehen wir einen Rastplatz mit einem restaurierten Brunnen aus dem 17. Jh. vor uns. Nach den nächsten Häusern geht es rechts einen steilen Weg nach Gaino hinauf. Man könnte noch etwas weiter ins Tal hineingehen, doch bald ist die Schlucht unpassierbar (1 Std.). Deshalb nehmen wir den Weg aufwärts. Beim Erreichen der Fahrstraße halten wir uns links und am Ort dann rechts. Nun sind wir wieder in Gaino angelangt, einem Ort der Ruhe und der Stille, überragt von den hohen Bergen des Monte Castello und des Monte Spino (50 Min.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied200 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortGaino (Toscolano-Maderno)
AusgangspunktParkplatz am Ortseingang von Gaino
EndpunktParkplatz am Ortseingang von Gaino
TourencharakterWeltberühmtes Papier vom Gardasee? Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Tatsächlich haben im Valle delle Cartiere bei Toscolano einst bis zu 1000 Menschen in 41 Fabriken Papier hergestellt. Die Anfänge der Papierindustrie im Tal gehen auf das Jahr 1381 zurück. Begünstigt durch die Handelswege der Venezianer, erreichte das hier produzierte Papier sowohl die türkischen Sultane als auch den deutschen Reformator Martin Luther. Seine Flugschriften entstanden auf Papier aus Toscolano mit dem Ochsenkopf als Wasserzeichen der hiesigen Papiermühlen. Eine Schotterstraße verbindet die Orte der Papierherstellung - Garde, Maina Inferiore, Maina Superiore, Vago und Caneto, etwas weiter hinten im Tal noch Contrada und Covoli. Die ganze Region profitierte von diesem Industriezweig, denn neben den Papierfabriken ließen sich auch Handwerker und Zulieferer in der Nähe nieder. Viele Familien sicherten sich ihren Lebensunterhalt mit und von der Papierproduktion. Dokumente zeugen davon, dass die ganze Region dadurch eine positive wirtschaftliche Entwicklung nahm und es zu einem gewissen Wohlstand brachte. Heute brin- 4810_GT_Gardasee.qxp:GT2008 15-06-2009 17:56 Pagina 76 gen uns nur noch das Papiermuseum und die vielen Industriebrachen die Geschichte des Tales und der Papiermühlen näher. Unsere Runde startet auf den Höhen über dem Gardasee und führt mit herrlichen Ausblicken in das Städtchen Toscolano. Über eine Brücke aus dem 16. Jh. gelangen wir in das klammähnliche Tal, das vom Fiume Toscolano durchflossen wird.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte 1 - 50 000, Blatt 102 Lago di Garda, Monte Baldo; freytag & berndt 1:50 000, Blatt Gardasee
MarkierungenRot-weiße, rote Wanderzeichen
VerkehrsanbindungBrennerautobahn A 22, Ausfahrt Rovereto, weiter nach Riva del Garda und auf der Staatsstraße Richtung Limone – Gargnano nach Toscolano; in Toscolano abbiegen nach Gaino.
GastronomieIn Gaino und Toscolano
Informationen
MUSEO DELLA CARTA. Das Papiermuseum ist im Pförtnerhaus der 1960 stillgelegten Papierfabrik untergebracht. Dort erfahren wir eine Menge über die Papierindustrie in der Gardaseeregion und über die Fabriken, in denen im Jahr 1900 über tausend Arbeiter angestellt waren. In dem Museum wird dem Besucher neben den Spezialmaschinen und dem dazugehörigen Handwerkszeug auch der Fertigungsprozess des Papiers eindrucksvoll veranschaulicht. Fondazione »Valle delle Cartiere« Centro di Eccellenza Polo cartario di Maina Inferiore, Via Valle delle Cartiere, 25088 Toscolano Maderno, Tel. 0039/0365/64 27 27, E-Mail - museo@valledellecartiere.it; Öffnungszeiten: Mitte Juni–Mitte Sept. Di/Do/Sa 15–18 Uhr.
Tourismusbüro
TOURIST-INFO IAT Informazioni turistiche Toscolano, Via Sacerdoti, 25088 Toscolano, Tel./Fax 0039/0365/6413 30, E-Mail - iat.toscolanomaderno@provincia.bs.it www.toscolanomaderno.bs.it

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