Von Fladungen zur Lichtenburg

Hoch über dem Streutal (Autor: Norbert Forsch)
22 km
188 m
6.00 h
Von Fladungen, der nördlichsten Stadt Bayerns, wandern wir durch stillen Wald zur Lichtenburg. Von dort ist es nur ein Katzensprung hinab nach Ostheim, wo wir ausgiebig einkehren können. Diese Wanderung eignet sich gut für einen Sonntag, wenn das Rhön-Zügle, eine Museumseisenbahn, verkehrt. Sie bringt uns wie in der »guten alten Zeit« nach Fladungen zurück. Die Altstadt ist noch weitgehend mit einer Stadtmauer aus dem Jahr 1335 in ihrer ursprünglichen Höhe umgeben. Unter den vielen Fachwerkbauten sticht das ehemalige Pfründnerspital ins Auge. Sehenswert sind auch das Fürstbischöfliche Würzburgische Amtshaus und die katholische Stadtpfarrkirche St. Kilian.
Über den Hasenkopf auf die Königsburg.
Wir beginnen unsere Wanderung beim Rhön-Museum auf dem Marktplatz in Fladungen. Das Rhön-Museum ist ebenfalls Ausgangspunkt des 63 km langen Keltenradweges und der 20 km langen Museumstour, einer Extratour des Premiumwanderweges Hochrhöner.Wir folgen der Ludwigstraße zum Friedhof und biegen links in die Carl-Josef-Sauer-Straße ein. Nun übernimmt der blaue Keil die Führung. Er leitet uns erst geradeaus, dann rechts auf die Sandser Straße. Am Waldrand biegen wir rechts in einen breiten Forstweg ein. Es ist der Hart-Weg. Wir folgen ihm auf eine Anhöhe, auf kurvigem Weg in eine Senke und wieder bergan. Bei der einsetzenden Rechtskurve biegen wir links in einen schmalen, steil aufwärts führenden Waldweg ein. Die Kreuzung auf der Höhe nehmen wir rechts.
Der Wanderweg entpuppt sich als Hohlweg und führt den Heufurter Kopf hinauf. Nun wandern wir geradeaus haltend auf dem von Grenzsteinen gesäumten Hauptweg über den Hasenkopf. Wir queren die Straße nach Nordheim und schwenken an der folgenden Kreuzung nach rechts. Jetzt müssen wir aufpassen. Nach etwa 100 m biegen wir links in einen unbefestigten Waldweg ein und erreichen die Schutzhütte auf der Königsburg. Von dem Burgstall, der angeblich König Otto in der Mitte des 10. Jh. als Jagdsitz diente, ist lediglich der Name erhalten.
Auf die Lichtenburg.
Bei der Schutzhütte schwenken wir nach links, gehen zu einem Forstweg hinab und biegen rechts ein. Bereits nach 50 m nehmen wir einen schmalen Linksabzweig, steigen etwa 200 m steil bergab und wenden uns nach rechts. Die Route führt nun geradeaus über die nächste Kreuzung, rechts auf die folgende Forststraße und etwa 1 km bergab zu einer Kreuzung. Ein Abstecher leitet links zu einem Hügelgrab hinauf.
Wir gehen zur Kreuzung zurück und biegen rechts in eine breite Kiesstraße ein, die wir in ihrer scharfen Rechtskurve geradeaus verlassen. Ein Steilanstieg führt uns zur Lichtenburg hinauf. Sie wurde 1159 erstmals erwähnt. Erhalten sind ein mächtiger 37 m hoher Bergfried, Wirtschaftsgebäude und Kellergewölbe.
Abstecher nach Ostheim.
Nun können wir über Filke zurückwandern oder ins nahe Ost-heim hinabsteigen und mit dem »Rhön-Zügle«, einer historischen Museumsbahn, zurückfahren. Sie verkehrt an bestimmten Feier- und Sonntagen von Mai bis Mitte Oktober auf der Strecke Fladungen–Ostheim–Stockheim–Mellrichstadt. Alte Dampf- und Rangierloks befördern die Passagiere mit Personenwagen aus der ersten Hälfte des 20. Jh. Auskunft gibt das Fränkische Freilandmuseum.
In Ostheim können wir ausgiebig einkehren. Eine besondere Spezialität des Ortes ist der Ostheimer Leberkäs. Er hat nichts gemein mit dem süddeutschen Leberkäse, sondern ist eine Terrine aus durchwachsenem Fleisch und 10 % Schweineleber. Ein kultureller Höhepunkt der Stadt ist der Rhöner Wurstmarkt. Er wird einmal jährlich im Herbst vor dem Rathaus abgehalten und zieht bis zu 25 000 Besucher an. International bekannt geworden ist Ostheim aber durch die Bionade GmbH, die das gleichnamige Erfrischungsgetränk herstellt. Am Parkplatz Streuwiese beginnt der Bionade-Aktiv-Park mit 15 beschilderten Nordic-Walking- und Wanderstrecken. Ostheim hat aber noch mehr zu bieten, unter anderem die größte Kirchenburg Deutschlands. Sie entstand in der ersten Hälfte des 15. Jh. und besteht aus einer doppelten Ringmauer und fünf Türmen.
Über die Grundmühle nach Filke.
Wir verlassen die Lichtenburg auf bekanntem Weg, wandern zur Kreuzung beim Hügelgrab zurück und folgen dem blauen Winkel nach rechts. Auf dem nach links ziehenden Weg erreichen wir nach etwa 1,5 km eine Gabelung, halten uns rechts und wandern bergab. Hinter einem Wasserwerk öffnet sich zur Rechten der Blick auf Willmars. Auf gleich betoniertem Weg folgen wir dem Waldrand zur Straße Nordheim–Willmars. Ein Abstecher führt über die Straße und geradeaus zum 200 m ent-fernten alten jüdischen Friedhof mit rund 370 Grabsteinen. Er wurde 1727 durch den hessischen Baron Carl Ludwig Schenck von Schweinsberg eingerichtet und besteht aus einer älteren und einer neueren Hälfte. Im Norden liegt das alte Gräberfeld mit teils stark verwitterten Grabsteinen; in der Nähe des Eingangstores befinden sich die neueren Grabstätten.
Wir setzen unsere Wanderung auf der Straße fort und nehmen den nächsten Rechtsabzweig Richtung Sands. Die Kreuzung an der Waldecke nehmen wir rechts und kommen an der Grundmühle vorbei zu einem Querweg. Nun wenden wir uns links zum Waldrand, biegen rechts ab und steigen nach Filke hinauf. In Ortsnähe am Waldrand, unmittelbar an der Grenze zu Thüringen, versteckt sich die Kirchenruine Mauerschädel (12. Jh.), einst Mittelpunkt des versunkenen Dorfes Bischofs. Der Ort Bischofs wurde bereits 1383 als Wüstung erwähnt. Zu jener Zeit wurden viele Ortschaften in der Rhön aufgelassen, sei es wegen der Pest oder der Armut ihrer Bewohner. Von dem alten Dorf ist nichts mehr zu sehen, aber von der Kirche ragt noch der Stumpf des Turms aus der Erde. Der Mauerschädel steht auf der Landesgrenze zwischen Bayern und Thüringen. Der Altarraum und das frühere Kirchenschiff waren jahrzehntelang durch die innerdeutsche Grenze geteilt.
Über Sands zurück.
In Filke schlagen wir die Weimarschmiedener Straße ein und folgen nun dem roten Keil gegen die Spitze zur Rechtskurve im Wald. Dort biegen wir links in einen Asphaltweg ein, den wir aber bereits nach 30 m nach links verlassen. Auf einem steil abwärts führenden Waldweg gelangen wir auf einen Forstweg und gehen rechts zum Asphaltweg zurück. Wir behalten unsere bisherige Richtung bei und verlassen den Weg in der folgenden Linkskurve geradeaus, wandern einen breiten Forstweg hinauf und schwenken links zur Straße. Sie bringt uns nach Sands, mit rund 40 Einwohnern der kleinste Ortsteil von Fladungen. Der Name deutet auf seine Lage in einem Buntsandsteingebiet hin. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Sands fast gänzlich zerstört. 1693 wurde die kleine Kirche, 1710 das Schulhaus errichtet.
Beim Brunnen biegen wir rechts in den Schlossweg ein. Am Ortsrand wenden wir uns nach links und wandern bergan durch den Wald zu einem breiten Feldweg vor der Flur, dort links zur Straße. Wir folgen der Straße ein kurzes Stück talwärts und biegen dann links in einen Waldweg ein, der uns zurück nach Fladungen bringt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied188 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMarktplatz in Fladungen
EndpunktMarktplatz in Fladungen
TourencharakterAusgedehnte Waldwanderung auf über- wiegend breiten Wegen.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 14 »Naturpark Rhön«, 1:50 000, Südblatt, Bayer. Landesvermessungsamt; oder Fritsch Wanderkarte »Die Rhön, Naturpark und Biosphärenreservat«, 1:50 000
MarkierungenBlauer Keil bis Lichtenburg; blauer Winkel bis Filke; roter Keil gegen die Spitze bis Fladungen
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A 71 bis Anschlussstelle Mellrichstadt und weiter auf der B 285 nach Fladungen.
GastronomieFladungen: Hotel Sonnentau, Wurmberg 1–3, Tel. 09778/91 22-0, www.sonnentau.com, Museumswirtshaus Zum Schwarzen Adler, Tel. 09778/661, www.schwarzer-adler-fladungen.de. Ostheim: Café-Restaurant Hotel Kaak, Burgstr. 25, Tel. 09777/570, www.hotel-kaak.de
Tipps
DAS FRÄNKISCHE FREILANDMUSEUM Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen ist ein Museum für dörfliche Kultur, religiöses Leben und Brauchtum in Unterfranken. Neben Bauernhöfen und Häusern aus der Rhön, dem Spessart, dem Grabfeld und den Hassbergen sowie einem Brauhaus, zwei Mühlen, einer Dorfkirche und einer Dorfschule zeichnen Kräuter-, Gemüse-, Blumengärten sowie Streuobstwiesen, Gänse, Schafe, Ziegen und Kühe ein lebendiges Bild von der »guten alten Zeit«. Das Wirtshaus Zum Schwarzen Adler verwöhnt mit fränkischer Küche, ein Bauernladen mit Spezialitäten aus der Rhön und dem Frankenland. An Sonn- und Feiertagen lockt ein Probierstübchen mit kleinen Speisen. Regelmäßig finden Aktionen wie Bierbrauen, Schnapsbrennen, Brotbacken und Schlachten statt. Ein besonderes Erlebnis sind historische Fahrten mit dem Rhön-Zügle, einer Museumseisenbahn auf der Strecke Fladungen–Mellrichstadt. Info: Fränkisches Freilandmuseum, Bahnhofstr. 19, 97650 Fladungen, Tel. 09778/912 30, www.freilandmuseum-fladungen.de; geöffnet 1. April–1. Nov. Di–So 9–18 Uhr EINKEHR-TIPPS Unmittelbar am Fränkischen Freilandmuseum befindet sich das über 400 Jahre alte Wirtshaus Zum Schwarzen Adler. Bis 1800 war der ursprünglich in Alsleben an der Fernhandelsstraße Nürnberg–Eisenach gelegene Gasthof wichtige Station für Post- und Transportfuhrwerke. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn verlor das Wirtshaus seine Bedeutung und in den 1970er-Jahren wurde es ins Freilichtmuseum verlegt. Heute ist es ein beliebtes Lokal mit Biergarten, nicht nur für Besucher des Freilichtmuseums. Die Küche legt Wert auf regionale Zutaten und pflegt fränkische und Rhöner Spezialitäten, wie geräucherte Bratwurst mit Meerrettich und Kartoffelsalat, Sauerbraten mit Klößen und deftige Brotzeiten. An Getränken werden Frankenweine und Ökobier des Rotherbräu angeboten. Wer nach Ostheim hinabgestiegen ist, kann im ruhig gelegenen Café-Restaurant des Hotel Kaak einkehren. Bei schönem Wetter verlockt die Terrasse. Es gibt herzhafte Brotzeiten, regionale Gerichte sowie hauseigene Kuchen und Torten.
Unterkunft
Fladungen: Hotel Sonnentau, Wurmberg 1–3, Tel. 09778/91 22-0, www.sonnentau.com, Museumswirtshaus Zum Schwarzen Adler, Tel. 09778/661, www.schwarzer-adler-fladungen.de. Ostheim: Café-Restaurant Hotel Kaak, Burgstr. 25, Tel. 09777/570, www.hotel-kaak.de

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