Von Erbezzo nach Avesa

Leichtes, bequemes Wandern oft auf Feldwegen und gelegentlich Teerstraßen. Keinerlei technische Schwierigkeiten, Trittsicherheit in der Boragoschlucht nötig. Kinder und Genießer: Mit der Naturbrücke Ponte di Veja (Steinzeitfunde in Höhlen) und der Boragoschlucht auch für Kinder eine interessante, aber zu lange Etappe. Etappen-Ende frühzeitig in Montecchio (6.15 Std.) möglich oder mit dem Bus von Ponte di Veja nach Montecchio (Autor: Robert Mayer)
27 km
370 m
8.00 h
Von der Kirche in Erbezzo gehen wir auf der ruhigen Dorfstraße leicht abwärts nach Süden und durch die Ortsteile Resti und Patuzzo. Parallel dazu verläuft die Hauptstraße, die wir bei Masseli kurz schneiden. Wir gehen immer geradeaus weiter auf dem Kiesweg nach Süden bis Portello (776 m; 1 Std., 3,8 km). Wir durchqueren den Ort mit seinen schönen, verwinkelten Steinhäusern und ihren Innenhöfen bis zu seinem Ende, wo der E5 scharf rechts auf eine Wiese abbiegt und dann in den Wald führt. Hier trifft man auf eine geteerte Nebenstraße, die uns hinunter zum Weiler La Rocca (654 m) leitet. Von diesem in Richtung Westen führt der E5 steil hinab in die Schlucht Vajo dei Falconi (480 m; 2 Std.) und zu einer kleinen Straßenbrücke (Ponte).
Diese überqueren und der Teerstraße folgen, bis nach 400 Metern links ein schmaler Pfad mit E5-Markierungen auftaucht. Der schattige Pfad ist begleitet von ausgesprochen schönen, plattigen Kalkablagerungen, über die in vielen Kaskaden das Wasser plätschert. Wir steigen in ein kurzes Seitental ein, an dessen Ende ein kleiner Wasserfall den Weg versperrt. Er wird rechts umgangen, und unvermittelt stehen wir vor der gewaltigen Naturbrücke Ponte di Veja (611 m; 2.30 Std., 7 km) – ein idealer Standort für Bären und Menschen in der Steinzeit, bietet er doch Schutz, Wasser und ein Dach über dem Kopf. Die oberhalb liegende, von hundertjährigen Kastanien gesäumte Trattoria Ponte di Veja ist bekannt für ihre lokalen Gerichte. Dort gibt es auch ein Tourenbuch für E5-Wanderer, wo sie sich eintragen können (hier, auf dem Südteil des Fernwanderwegs, sind das übrigens erstaunlich wenige).
Von der Bushaltestelle vor der Trattoria geht es südlich auf der Teerstraße weiter über Giare (684 m; 3 Std.), mit zahlreichen Steinbrüchen, nach Schioppo, das an der Kreuzung zur Hauptstraße liegt. Links der Straße nun etwas ansteigend durch Monte Fiamene und wieder auf der Teerstraße zu einem Abzweig mit kleiner Kapelle. Hier rechts nach Saline (646 m; 4.15 Std.). Kurz nach Saline führt eine E5-Markierung links steil den Berg hinauf und später auf einem alten Pflasterweg zum Monte Comun (714 m; 13,9 km). Achtung: Es gibt viele Abzweige, aber der E5 ist immer markiert.
Wir passieren ein Haus mit deutschen Gedichten auf der Mauer und erreichen wieder eine Teerstraße, der wir folgen, bis links der E5 zu den Häusern von Il Dendolo führt. Im Bogen umkreisen wir die Erhebung des M. Tondo (704 m; 5.30 Std.). Bei klarem Wetter hat man von hier oben eine gute Sicht bis zum Gardasee und hinunter nach Verona. Auf anfangs steilem, blockigem Weg, später auf der Teerstraße erreichen wir endlich Montecchio (495 m; 6.15 Std., 19 km). An der Bar bei der Kirche kommt man kaum vorbei; es lohnt sich, hier noch einmal die Füße auszustrecken und ein Glas Valpolicella, Bardolino oder Soave (alle aus der Region Lessinia) zu trinken, bevor wir für 1.30 Stunden in die enge, dunkle Boragoschlucht eintauchen. Wer in Montecchio übernachten will, geht auf der Hauptstraße Richtung Avesa, bis kurz nach dem ersten Abzweig rechts eine kleine Straße zum mondänen Anwesen der Residenzia Costagrande führt.
Zur Schlucht geht man bei der Bar erst rechts, dann links zum Passo della Volpe und hinunter zur Schlucht. Der Pfad führt anfänglich auf der linken Seite durch dichten Laubwald; bei Nässe besteht Rutschgefahr. Die Markierungen sind nach Unwettern schlecht zu erkennen. Wer plötzlich über dem Grande Salto, einem Wasserfall steht, hat den Abzweig kurz zuvor zu einigen Leitern übersehen. Nach den Leitern führt der Pfad über große, glitschige Steine durch die oft nur wenige Meter breite Schlucht. Aprikosenplantagen begleiten uns zur Hauptstraße nach Avesa (8 Std., 25,3 km) und zum großen Schild, das (unspektakulär) das Ende bzw. den Anfang des Fußmarsches auf dem Europäischen Fernwanderweg Nr. 5 über die Alpen markiert. Von Avesa fährt alle 25 Minuten ein Bus zum Hauptbahnhof nach Verona.
Variante.
Bei Schlechtwetter geht man am besten auf der Hauptstraße von Montecchio Richtung Avesa, bis man diese nach ca. 1 Stunde links verlassen kann. Ein paralleler Nebenweg schneidet dann einige Serpentinen ab, bevor er (leider) wieder auf die Hauptstraße trifft.
Verona.
Es gibt keine Welt außerhalb der Mauern von Verona.
Shakespeare
Wenn man jetzt einmal von der grandiosen, ruhigen Welt der Berge Abstand nimmt, dann scheint es, als habe sich der E5 mit die besten Etappen bis zum Schluss aufgehoben: Mit Verona und Venedig warten zwei einzigartige, stimmungsvolle (vor allem nachts), kulturelle Highlights auf uns. Es wäre fast sträflich, nach so viel Einsamkeit nicht auch den unglaublichen Kontrast zu einer geschichtsträchtigen, vor Leben überschäumenden Metropole zu genießen. Zum Beispiel nachts unterwegs zu sein in den golden schimmernden Gassen, in denen der Hall der Schritte vorauseilt, einen heimlichen Blick auf Julias Balkon zu erhaschen, während sich Verliebte in lauschigen Ecken zarte Geheimnisse zuflüstern.
Shakespeare schrieb die schönste Liebesgeschichte der Welt für diese Stadt, »Romeo und Julia«, und schuf damit den größten imaginären Tempel für die Liebe – täglich besucht von vielen Menschen mit Schmetterlingen im Bauch, die an den Wänden ihre magischen Liebesschwüre verewigen, in der Hoffnung, sie mögen ewig währen.
Auch wenn die Füße schon so müde sind, umkreisen sie andächtig die Arena, das römische Amphitheater, inmitten der riesigen Piazza Bra’, aus deren steinernen Bögen Arien oder auch einmal Rockmusik herüberschwappt. »L’ala«, der Flügel, ein steinernes Relikt des äußeren zerfallenen Bogens, ragt wie ein isolierter Zeuge der Zeit einsam in den nächtlichen Himmel. Zweitausend Jahre Geschichte lasten auf ihm, denn schon die alten Römer schauten staunend, wie wir Touristen aus aller Herren Länder auch heute noch, an ihm hinauf.
Die wenigsten aber haben dann 470 Kilometer und unzählige Berge unter die Beine genommen, um jetzt mit schweren Beinen niederzusinken und diese uralte Stadt glücklich anzustarren. Kann man einen Fernwanderweg schöner zu Ende bringen? Wohl kaum!
Venedig wird von Verona mit dem Zug erreicht, da es leider keinen schönen Wanderweg durch die flache Venetische Tiefebene gibt.
Venedig – Königin der Meere.
Venedig ist ein königliches Ziel, denn diese auf Holzpfählen schwimmende Stadt ist weltweit einzigartig. Die meisten werden Venedig sehen und lieben – trotz aller Mängel dieser Stadt, die voller Altersnarben ist, aber in ihrem Kern rein und unbefleckt wie eine Perle bleibt. Was für eine Stadt! Welch verworrene Wege führen in Sackgassen, über Brücken und dunkle Flure, wie in einem chimärenhaften, abgründigen Film. Wie klar und einfach dagegen die Wasserkanäle, die Lebensadern der Stadt. Wie eine Schlange windet sich der vier Kilometer lange Canal Grande mitten durch Venedig, und die Rialtobrücke schwebt wie eine Krone über ihm. Monumental dagegen der Markusplatz: Napoleon nannte ihn den schönsten Salon der Welt, dessen würdiges Dach einzig der Sternenhimmel sein könne. Über dem Uhrturm mit seinen astrologischen Zeichen schweben die Madonna und das Sinnbild für die einstige Macht und Größe Venedigs – der geflügelte Löwe. Die Markuskirche aus dem 11. Jahrhundert blendet fast mit all ihrem Glanz unter den fünf Kuppeln und beherbergt die Gebeine des gleichnamigen Heiligen. 828 waren sie von venezianischen Kaufleuten unter abenteuerlichen Umständen aus Alexandria herausgeschmuggelt worden. Omnipräsent, protzig wirkt der Markusplatz, nimmt in dieser engen Stadt viel zu viel Platz weg. Nur wenn im Frühjahr und Herbst mit seinen Hochwassern das Meer seine Arme nach ihm ausstreckt, zeigt sich, wer der wahre Herr dieser Stadt ist. Eine Stadt, die ihr Gesicht mit den Jahreszeiten wechselt wie ein Chamäleon.
Gegründet wurde sie von Vertriebenen, die sich im 5. Jahrhundert vor Attila, dem Hunnenkönig, auf die unzugänglichen Inseln flüchteten. Hier waren sie zwar in Sicherheit vor ihren Feinden, die keine Schiffe besaßen, aber auch vom Festland abgeschnitten. Die neuen Siedler mussten vom Meer leben, vom Fischfang und vom Handel. Salz, Stoffe, exotische Gewürze und später die Glasherstellung und der Schiffsbau machten die Seerepublik Venedig 1420 zur reichsten und mächtigsten Stadt der bekannten Welt. An der Spitze des Inselreichs stand der auf Lebenszeit gewählte Doge. In jener Zeit erlebte Venedig die Blüte seines kulturellen Erbes. Der Humanismus und die Renaissance sprengten die ehernen Fesseln des mittelalterlichen Weltbilds, und der Mensch wurde zum Mittelpunkt des Seins. Kunst und Wissenschaft erblühten und galten als Vorbilder für andere europäische Mächte.
In den prächtigen Bauten ist diese vergangene Zeit erhalten geblieben. Herrlich ist hier die Symbiose von Meer, den nahen Bergen und der Stadt geglückt – wenn es auch ein ewiger Kampf gegen das Wasser und den morastigen Untergrund ist. Zehntausende von Pfählen, in den Boden gerammt, bilden das Fundament für die Häuser und Brücken. Die Wellen nagen täglich an den Mauern, aber sie schaffen auch dieses ewig neue Spiel von Licht, Wasser und den Bauwerken. Ein idealer Platz für Künstler und die Kunst. Nicht umsonst findet jährlich die Biennale hier statt; das Guggenheim-Museum fand am Canal Grande einen Platz und bietet viele wechselnde Kunstausstellungen.
Zehn Millionen Besucher treffen auf 70000 Einwohner – auch das ist ein Grund für die massiven Umweltprobleme. Bröckelnder Putz, schiefe Kirchtürme und gewölbte Fundamente: Venedig lebt und bewegt sich. Sein morbider Charme erinnert ein wenig an eine wunderschöne Diva, deren äußere Reize mit der Zeit verblassen, in deren Innerem aber nach wie vor ein feuriges Herz schlägt. Man spürt es nachts, wenn auf dem Markusplatz die Straßenmusiker Touristen aus der ganzen Welt unterhalten; wenn Verliebte eng umschlungen darauf hoffen, dass ihr Glück ein ganzes Leben anhalten und diese uralte, ewig junge Stadt auf immer bestehen möge

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour27 km
Höhenunterschied370 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktErbezzo (1118 m)
EndpunktAvesa (97 m)
TourencharakterDiese Etappe führt durch den tiefen grünen Schlund des Vajo dei Falconi und hinauf zur Ponte di Veja, ein majestätischer natürlicher Felsbogen, der beim Einsturz des Innengewölbes einer großen Karsthöhle entstand und 50 Meter hoch sowie 17 Meter breit ist. In Karsthöhlen wurden am Fuß der Brücke zahlreiche Spuren aus der Altsteinzeit und von Höhlenbären entdeckt. Die Ponte di Veja wurde anscheinend schon von Dante Alighieri besucht und soll ihn zur Beschreibung des Grabens in der Hölle seiner »Divina Commedia« inspiriert haben. Weniger düster malten den Bogen einige Künstler im Lauf der Jahrhunderte, unter anderem Andrea Mantegna. Ein beeindruckender Ort, an dem man sich ruhig einmal eine Zeit lang auf halten sollte – was allerdings dann schwerfallen mag, wenn von der darüber liegenden Trattoria der Duft von gegrilltem Fleisch herunterzieht und im Wanderer einen Bärenhunger weckt …
Nicht weniger spannend ist die Boragoschlucht am Ende der Etappe: wild und unzugänglich, mit nahezu subtropischem Klima, sodass man sich hier, inmitten der ausgehöhlten Kalkwände, fast etwas beengt fühlt, in dieser grünen Hölle.
Beste Jahreszeit
Kartentipp»Lessinia«, 1:25000, des C.A.I. (Via San Nazaro 15, I-37129 Verona, Tel. +39/45/8013466, Fax 8018833, sehr zu empfehlen!). Kompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd, sowie Nr. 100, Monti Lessini
MarkierungenAusreichend markiert mit roten E5 Punkten. In der Boragoschlucht muss ein (schwer zu markierender) Wasserfall umgangen werden.
VerkehrsanbindungVon mehreren Orten gibt es gute Busverbindungen nach Verona (Erbezzo, Ponte di Veja, Giare, Montecchio), APTV Tel. +39/045/8057911, www.aptv.it; Bus Avesa–Verona alle 25 Min. Tel.+39/045/8871111, www.amt.it, info@amt.it
GastronomieTrattoria bei der Ponte di Veja; Bar bei der Kirche in Montecchio; Laden und Bar in Schioppo
Unterkunft
An der Ponte di Veja Trattoria Lavarini, Tel. +39/045/7545048, www.PonteDiVeja.com. Montecchio di Negrar, Helene u. Franco Cuoghi (E5-Wegepaten), Via don Tacchella 21, Tel. +39/045/ 6015013 (privat, 4 Betten). Residenza di Costagrande, Via Costagrande 22, Grezzana (2 km von Montecchio), Tel.+39/045/ 907656, Fax 907979, info@costagrande.it (DZ Ü/F ab 27 Euro). CAV Hotel Booking Office, Via Patuzzi 5, I-37100 Verona, Tel. +39/045/8009844, Fax 8009372, info@cav.vr.it, www.veronapass.com. JHH Casa della Studente Don Agostini, Via Maffi 5, Tel. +39/045/8000338 (DZ ab 20 Euro, 3-Bettz. ab 15 Euro). Ostello Villa Francesca Salita, Fontana del Ferro 15, Tel. +39/045/590360, Fax 8009127 (DZ ab 18 Euro, 3-Bettz. ab 17 Euro). Camping Castel San Pietro, Via Castel San Pietro 2, Tel./Fax +39/045/592037, www.campingcastelsanpietro.com (Bungalow ab 21 Euro)
Tourismusbüro
I.A.T., Piazza Chiesa 34, I-37020 Bosco Chiesanuova, Tel. +39/045/705 00 88, Fax 705 00 88, iatbosco@provincia.vr.it, www.tourism.verona.it. I.A.T, Piazza XXV Aprile, c/o Stazione FFSS, I-37138 Verona, Tel.+39/041/529 8711, Fax 523 03 99. Verona Oper, Tel. +39/045/800 51 51, www.arena.it

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