VON EHINGEN DURCH DAS TAL DER UR-DONAU

Streckentour auf der südöstlichen Alb; zunächst bequem talaufwärts im anfangs breiten Schmiechtal, ab Schelklingen talabwärts in den Tälern von Ach und Blau zwischen steiler ansteigenden, bewaldeten Hängen; keine nennenswerten Anstiege; asphaltierte und befestigte Rad- und Wirtschaftswege, mehrere Abschnitte auf Straßen. (Autor: Ute und Peter Freier)
35 km
40 m
2.00 h
Von Ehingen (Donau) nach Schelklingen Von der Bahn-Haltestelle in Ehingen, einer Kleinstadt mit historischem Stadtkern, wenden wir uns auf der Pfisterstraße nach links, biegen unmittelbar vor einer Brücke über die Schmiech links ab (Donau-Radwanderweg) und steigen durch eine Wohnsiedlung leicht an zum Dörfchen Berkach. Im breiten, hier als Allmendinger Ried bezeichneten Schmiechtal führt ein ruhiges Landsträßchen bequem talaufwärts und durch den Ort Klein-Allmendingen. Am gegenüberliegenden Talhang fällt ein Zementwerk auf, eines von mehreren solcher Werke, die den über Zigmillionen Jahre abgelagerten und Hunderte von Metern starken Kalkstein der Schwäbischen Alb verarbeiten; bei dem Kalkstein handelt es sich überwiegend um versteinerte Muschelschalen. Entlang der Gleise der Linie Ulm–Ehingen gelangen wir auf der sich verengenden Talsohle an eine Querstraße, folgen geradeaus einem Wirtschaftsweg nach Schmiechen und der quer verlaufenden Ortsdurchfahrt nach rechts zur B492. Wer einen See sehen möchte, der »kommt und wieder geht«, kreuzt hier die Bundesstraße und radelt etwa zwei Kilometer weit zum Schmiechener See. Nach kräftigen Niederschlägen bedeckt der See eine Fläche von etwa 600 auf 1000 Metern, während in niederschlagsarmen Perioden das Wasser im durchlässigen Kalkboden allmählich verschwindet. Zur Vogelbeobachtung sind Frühjahr und Herbst am besten geeignet, denn zahllose Zugvögel legen hier eine Rast ein. In Schmiechen folgen wir der B492 auf einem schnurgeraden Fuß- und Radweg und biegen auf Höhe eines großen Zementwerks links ab in das ruhige Landstädtchen Schelklingen mit der Burgruine Hohenschelklingen. Im Tal der Ach nach Blaubeuren Nach Überqueren der B492 in Schelklingen radeln wir zwischen steiler ansteigenden Hängen zum Hohlen Fels, einem Felsklotz am Fuß des Talhangs mit einer Höhle, in der Skelettreste von Tieren der Eiszeit wie Höhlenbär und Höhlenlöwe ausgegraben wurden, aber auch von Steinzeitmenschen gefertigte Werkzeuge. Besucher können während der Ausgrabungen im Sommer miterleben, wie die Ausgräber und Ausgräberinnen der Universität Tübingen im Licht von Scheinwerfern mit Schaber und Pinsel die Bodenschichten sorgfältig abtragen, damit auch nicht der kleinste Knochensplitter übersehen wird (Anfang Mai–Mitte Oktober So 10.30–12 und 14.30–17 Uhr, nur bei gutem Wetter). Nach wenigen Kilometern passieren wir kurz vor der linker Hand liegenden Ortschaft Weiler an einer riesigen Linde die Abzweigung eines zur Höhle Geißenklösterle ansteigenden Pfads; diese Höhle gehört zu den berühmtesten Fundstätten der ersten Kunstwerke des Menschen. Hier folgen wir nicht weiter dem Donau-Radwanderweg, der an der verkehrsreichen B492 verläuft, sondern halten uns geradeaus auf einem asphaltierten Weg (keine Radmarkierung) und fahren durch das Gewerbe- und Industriegebiet von Blaubeuren. Anschließend überqueren wir nach links eine Brücke (B492) über die Bahnlinie und gelangen geradeaus (keine Radmarkierung) in der Ulmer Straße, dann Mörikestraße in das Zentrum von Blaubeuren, das in einer kesselartigen Talschlinge der Ur-Donau zwischen steilen, von Felsen durchsetzten Hängen liegt. Wir passieren ein Urgeschichtliches Museum und den kleinen Marktplatz, folgen geradeaus der Klosterstraße zu einem weitgehend erhaltenen Kloster, in dem u.a. eine Internatsschule untergebracht ist, und erreichen kurz darauf den Blautopf mit einer historischen Hammerschmiede. Der Blautopf Der trichterförmige Quelltopf ist mit 21 Metern eine der tiefsten und größten Quellen Deutschlands. Auf der Albhochfläche versickert das Regenwasser in den Spalten des wasserdurchlässigen Kalkgesteins, sammelt sich in den Gängen eines weit verzweigten Höhlensystems und tritt im Blautopf mit einer konstanten Temperatur von 9°C aus. Die Farbe des Wassers variiert - Hat es länger nicht geregnet, erscheint das Wasser intensiv blau, nach Regenfällen oder zur Zeit der Schneeschmelze, wenn Schmutzteilchen mitgeführt werden, erscheint es hellblau bis grün. Schon lange beflügelt der Blautopf die Fantasie der Menschen. Man erzählte sich Geschichten von einem kristallenen Schloss, das auf dem Seegrund stehe und bewohnt werde von einem schönen Jüngling, der sich eine Grafentochter hinabgeholt habe; vom Zorn des Wassers, das zu sieden begann und so lange tobte, bis das Bild einer Madonna wieder an seinen Platz in der Kirche gebracht wurde; von einer Wasserfrau, der schönen Lau, die auf dem Seegrund lebte und erst Kinder gebären konnte, nachdem sie das Lachen erlernt hatte. In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts begann die Erforschung des Blautopfs. Besonders aktiv war der Pforzheimer Höhlenforscher Jochen Hasenmayer, der mit modernster Taucherausrüstung in das Höhlensystem vordrang. Bei jedem Tauchgang wagte er sich weiter vor, bis er nach mehr als einem Kilometer auf eine riesige, mit Luft gefüllte Halle stieß. Mörike-Dom nannte er diesen Hohlraum, mit 120 Metern Länge und etwa 30 Metern Höhe der bislang größte bekannte Hohlraum der Schwäbischen Alb. Über den Blautopf, seine Erforschung und einen Tauchgang von J. Hasenmayer informiert im Blautopfhaus der Film »Im Reich der schönen Lau«; 9.30–17.30 Uhr stündlich. Vom Blautopf nach Herrlingen Am Blautopf halten wir uns rechts, fahren talabwärts entlang des Ortsrands und der Blau – linker Hand an der Talkante die Burgruine Hohengerhausen, das sogenannte »Rusenschloss« und die von hier aus kaum zu sehende Große Grotte –, unterqueren die Bahnlinie und folgen der Radmarkierung durch Gerhausen. Hier beginnt ein ruhiger Streckenabschnitt, auf dem wir die unterirdische Materialtransportbahn eines Zementwerks queren und entlang der mäandrierenden Blau nach Arnegg gelangen. Am Ortsbeginn wenden wir uns nach links in die Straße Oberer Wiesenweg, fahren am Ortsrand entlang und folgen anschließend der Ortsdurchfahrt. Von der nach Klingenstein führenden Straße biegen wir links ab auf einen Fuß- und Radweg, der auf der Talsohle durch ein Feuchtgebiet führt zu dem jenseits der Blau gelegenen Ort Herrlingen. Nach links sind es nur wenige Meter zum Parkplatz an der Bahn-Haltestelle.

BADEMÖGLICHKEITEN Freibäder in Ehingen, Allmendingen, Schelklingen, Blaubeuren und am Ende der Tour im Badepark Bad Blau in Blaustein- Ehrenstein (Abstecher von 2 km).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour35 km
Höhenunterschied40 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktEhingen (Donau).
EndpunktBlaustein-Herrlingen.
TourencharakterIn Ehingen beginnt eine von vielen Donau-Radwanderern bevorzugte Alternativstrecke des Donau-Radwanderwegs entlang der Flüsschen Schmiech, Ach und Blau, die im Tal der einstigen Ur-Donau fließen. Sie hatte sich über Jahrmillionen dieses Flussbett gegraben, es jedoch vor rund 200000 Jahren verlassen und sich weiter südlich am Rand der Schwäbischen Alb ein neues Flussbett geschaffen - Mit den Geröllmassen, die sie während der Eiszeiten mit sich schleppte und auf dem Flussboden ablagerte, hatte sie sich selbst ihr altes Bett zugeschüttet.
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blätter 53 (Neckar-Alb) und 56 (Ostalb), 1 - 100000; statt Blatt 56 auch Blatt 54 (Oberschwaben) möglich.
MarkierungenDonau-Radwanderweg.
VerkehrsanbindungPkw - A8 Stuttgart–München, Ausfahrt 62 (Ulm-West); B10 nach Ulm und an großem Kreisverkehr rechts abbiegen in Richtung Blaubeuren; in Blaustein-Herrlingen ein Parkplatz an der Bahn-Haltestelle; per Bahn in etwa 30 Minuten zum Ausgangspunkt Ehingen (Donau). Bahn: Der Ausgangspunkt Ehingen (Donau) und die Orte an der Radstrecke sind Stationen an der Donaubahn Ulm–Neustadt.
GastronomieIn allen Orten an der Strecke, u.a. in Blaubeuren unmittelbar am Blautopf ein Café mit Tischen im Freien.
Tipps
DIE HÖHLEN BEI BLAUBEUREN Hohler Fels, Sirgenstein, Geißenklösterle, Große Grotte und Brillenhöhle sind bei Archäologen und Paläoanthropologen bekannte Fundorte von Überresten der Tiere der Eiszeit, des Neandertalers sowie des Homo sapiens sapiens, unseres Vorfahrens. Neben den Höhlen im Lonetal (ca. 25 km nördöstlich von Ulm) ist die Höhle Geißenklösterle der ergiebigste Fundort für die ersten Kunstwerke der Menschheit. Die bedeutendsten Funde sind etwa 35000 Jahre alte und wenige Zentimeter große, aus Mammutelfenbein geschnitzte Tierfiguren, Knochenflöten und eine Maultrommel, die ältesten Musikinstrumente des Menschen. SEHENSWERTES IN BLAUBEUREN Urgeschichtliches Museum - Grabungsfunde aus den Höhlen der Umgebung; Ende März–Anfang Nov. Di–Fr 10–16, Sa und So 10–17 Uhr. Klosterkirche: Spätgotischer Hochaltar der Ulmer Schule; Palmsonntag–Allerheiligen 9–18 Uhr, Jan./Feb. Sa. und So. 11–16 Uhr, März–Palmsonntag und Nov./Dez. Mo–Fr 14–16 Uhr, Sa und So 11–16 Uhr. Historische Hammerschmiede am Blautopf: Funktionsfähige Hammerschmiede mit Wasserrad; Palmsonntag–Ende Okt. täglich 9–18 Uhr.
Tourismusbüro
Tourist-Information, Marktplatz 1, 89584 Ehingen (Donau), Tel. 07391/503-0, www.ehingen.de; Gemeindeverwaltung, 89134 Blaustein, Tel. 07304/8020, www.blaustein.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Peter Freier

Das perfekte Rad-Wochenende in Baden-Württemberg

Ab in die Natur! Dieser neue Radführer stellt 30 einfache und spannende Touren für die ganze Familie vor.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema