Von der Scheinbergspitze zum Hasentalkopf

Eine landschaftlich sehr vielseitige, bergsteigerisch interessante, aber anspruchsvolle Tour, die besonders beim Abstieg von der Scheinbergspitze und im Bereich der Lammscharte Übung und Übersicht im Schrofengelände erfordert. Bei der Überschreitung des Lösertalkopfs nur Pfadspuren, erst ab Lösertaljoch markierte Wege. Schöne Ausblicke auf die Gipfel der Hochplattengruppe. Eine Kombination der Touren 5 und 6 von der Scheinbergspitze über den Bäckenalmsattel zur Großen Klammspitze verlangt gute Kondition. Es sind dabei 1740 Höhenmeter zu bewältigen, und man muß mit 9 bis 9,5 Stunden Gehzeit rechnen. (Autor: Günther Laudahn)
14 km
1180 m
0.00 h
Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Austritt des Sägertals an der Straße Linderhof – Reutte 1,7 Kilometer hinter der Zollstelle bei Linderhof. Der Aufstieg von hier zur Scheinbergspitze über Ostkamm und Nordostgrat ist viel interessanter als der übliche Weg von Süden. Vom Parkplatz überschreiten wir auf der Sägertalbrücke (Windirschbrücke) die Linder und folgen dann dem nach links abzweigenden Forstweg bis hinter die Hundsfällbrücke, wo der Weg an den Ansatz der Scheinbergspitze heranführt. Am besten geht man von der Brücke noch etwa 300 Meter weiter und steigt dann im lichten Wald des Rückens weglos nach Westen empor. Das ist günstiger als die Benützung des 100 Meter hinter der Brücke abzweigenden Wegs oberhalb des Hundsfällbachs, von dem später auch nur ein kaum erkennbarer, nicht leicht zu findender Pfad auf den Rücken quert. Nach weglosem Anstieg im Bereich des Rückens treffen wir auf eine breite Schneise, in der meist deutliche Pfadspuren das Fortkommen erleichtern. Die Schneise führt über den ganzen Ostrücken bis an die Waldgrenze. Hier prägen sich die Pfadspuren zu einem Steiglein aus, das einen dem Gipfel vorgelagerten Latschenkopf umgeht und dann den ziemlich steilen Grataufschwung auf Grastritten und Schrofen, am Schluß in einer kurzen Rinne mit Sicherungsseil überwindet. Die Scheinbergspitze bietet eine eindrucksvolle Aussicht. Im Süden und Südwesten bildet die Kreuzspitzgruppe mit den Geierköpfen und der wuchtigen Kreuzspitze eine markante Kulisse. Dazwischen ragt die Zugspitze mit ihren Trabanten auf. Im Norden sehen wir Feigenkopf und Große Klammspitze, die letzten Gipfel der kombinierten Rundtour. Im Westen beherrscht die Hochplatte das Blickfeld, und nach Nordwesten zieht ein schrofiger, teilweise dicht mit Latschen bedeckter Kamm hinüber zu unserem nächsten Ziel, dem Lösertalkopf. Dieser nun folgende Übergang ist der anspruchsvollste Abschnitt der Tour. Zunächst steigen wir auf Trittspuren am steilen Rücken in dem schmalen Streifen zwischen dem Latschengürtel und den rechtsseitigen Geröllhängen, mitunter in Latschengassen ausweichend, vorsichtig und konzentriert in die scharf eingeschnittene Lammscharte ab, das letzte Stück in leichter Schrofenkletterei. Über der Scharte bäumt sich der Ostkamm des Lösertalkopfs in einer senkrechten Felsstufe auf. Wir können sie rechts oder links umgehen, rechts in steilem, grasdurchsetztem Geröll, links auf schmaler Felsrampe. Bei der Umgehung rechts ist es zweckmäßig, bis zum Ende der Geröllhalde abzusteigen und so im Gras die vom Anfang des Kammes herabziehenden Schrofenrippen zu umgehen. Die Überquerung der brüchigen Rippen gleich unterhalb der Scharte ist heikel und dauert eher länger. Ich habe immer die Umgehung links über die Felsrampe vorgezogen, die kaum Höhe verliert und sicherer ist. In ganz leichter Kletterei gewinnen wir das Ende der Rampe und steigen auf einigen steilen Tritten in einer Latschengasse zum Kamm empor, den wir nur ein kurzes Stück beibehalten, bis sich eine Abstiegsmöglichkeit nach rechts auf die teils grasige, teils geröllige latschenfreie Nordflanke bietet. Über den schmalen Schrofengürtel geht es ein paar Höhenmeter hinab. Hier treffen die Routen der rechten und linken Umgehung zusammen. Eine deutliche Pfadspur leitet nun unterhalb des latschenbedeckten Kammes, mehrmals Geröllzungen querend, zu einem breiten Grashang, wo wir bis fast zur Kammhöhe ansteigen und dann im Kammbereich zum Ansatz des Gipfelaufschwungs des Lösertalkopfs gehen. Am besten benützt man nun die links abzweigende Latschengasse und steigt an deren Ende auf Grasplanken zum Gipfel des Lösertalkopfs. Auch der Anstieg rechts vom Kamm auf schmalem Geröllpfad ist möglich. Über den schrofigen, teils gerölligen Nordgratrücken steigen wir zu dem vom Gipfel sichtbaren Lösertaljoch ab, zunächst einige Höhenmeter zu einem kleinen Sattel, umgehen den Vorkopf links in feinem Geröll und halten uns dann immer an Trittspuren auf dem Rücken. Am Joch treffen wir auf den von der Kenzen kommenden markierten Weg, der in kurzen Kehren zum Scheinbergjoch zwischen Vorderem Scheinberg und Hasentalkopf hinaufleitet. Hier besteht die Möglichkeit, mit einer halben Stunde Mehraufwand den Vorderen Scheinberg auf deutlichem Steig über den stellenweise etwas ausgesetzten Ostgrat zu besuchen. Der Vordere Scheinberg bietet eindrucksvolle Ausblicke auf die Hochplatte mit ihren Trabanten und auf den Hasentalkopf. Meist wird man vom Scheinbergjoch gleich den Hasentalkopf angehen, vor allem, wenn man die große Rundtour über die Klammspitze eingeplant hat. Ein Steiglein führt auf dem netten, mit einigen Felsköpfen besetzten wenig ansteigenden Grat die Köpfe teils links umgehend zum grasigen, nach Norden mit senkrechter Wand abbrechenden Gipfel. Ein idealer Rastplatz mit schöner Aussicht. Auf Grastritten steigen wir über den Nordrücken ab, der zunehmend verflacht, und erreichen rasch den vom Scheinbergjoch herabkommenden Weg. Er zieht am Rand des »Kessels« entlang, einem fast kreisrunden sechzig Meter tiefen Dolinentrichter mit einem winzigen See am Grund, quert einen dicht mit Alpenrosen überzogenen Hang – zur Blütezeit Anfang Juli eine Augenweide – und leitet schließlich in vielen Kehren zum Bäckenalmsattel hinab, der Einsenkung zwischen Vorderem Scheinberg und Klammspitzkamm. Er bildet die Trennfuge der Touren 5 und 6. Wir können nun entweder unsere Tour über Feigenkopf und Klammspitze fortsetzen (Tour 6) oder durchs Sägertal zum Ausgangspunkt zurückkehren, was nach der bis hierher schon ziemlich anstrengenden Tour das Normale sein wird. Der eineinhalbstündige Abstieg durchs Sägertal führt zunächst auf schmalem Pfad durch eine üppige Pflanzenwelt, passiert einen kleinen Ahornwald und mündet bald darauf in eine Forststraße, die uns am Sägertalbach entlang zum Parkplatz zurückleitet.

Dauer - bei Besteigung des Vorderen Scheinbergs 0,5 Stunden mehr.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1180 m
Dauer0.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz an der Sägertalbrücke, 1,7 km hinter der Zollstelle bei Linderhof, 980 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Scheinbergspitze, 1926 m – Lösertalkopf, 1859 m – Hasentalkopf, 1797 m.
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