Von der Meraner Hütte nach Jenesien

Einfaches, aber langes Genusswandern auf durchwegs guten Wegen mit bestechender Rund- umsicht. Etwas Orientierung ist bei den Stoanernen Manndln nötig (keine gute Beschilderung). Wasser erst am Möltner Kaser und beim Ghf. Langfenn Kinder und Genießer: Sehr schöne, interessante Etappe mit viel Almvieh und malerischen Steinmännern auf dem Schöneck. Etappen-Ende im Ghf. Langfenn möglich (Autor: Robert Mayer)
20 km
300 m
6.00 h
Ein altes Schild mit der Aufschrift »Fernwanderweg Bodensee-Adria« hängt noch am Eingang der Meraner Hütte, und daneben ist die Strecke nach Jenesien mit 6 Stunden angegeben – die Südtiroler müssen wohl sehr schnell zu Fuß unterwegs sein, denn viele ihrer angegebenen Zeiten sind nur schwer einzuhalten.
Beim ersten Viehgatter an der Weggabelung nicht geradeaus, sondern rechts hinauf (rote Punkte und E5-Zeichen auf dem Stein in Richtung Kreuzjoch). Ein mit Porphyrplatten schön gepflasterter Weg führt an einer kunstvoll errichteten, steinernen Bank vorbei und hinauf zum Spieler (2080 m). Dort durchquert man Steinbrüche und Geröllrunsen, die wie eine Patchworkdecke mit Alpenrosen und Grünflächen durchsetzt sind. An alten, verwitterten Holzzäunen entlang führt der Wiesenpfad dann angenehm über die Maiser Rast zum Kreuzjoch (2086 m; 1.15 Std., 4 km.). Ein kurzer Abstieg von 160 Höhenmetern, und man ist am Auener Jöchl (1924 m) angelangt. Zunächst geht es hier geradeaus, aber wenige Meter weiter gilt es zu entscheiden, ob links der kleine (15 Min., 300 m), aber unbedingt lohnenswerte Umweg über die Stoanernen Manndln (2003 m; s. Kasten) gemacht wird, oder ob man rechts haltend weiter auf dem Weg Nr. 4 und dem E5 hinunter zum Möltner Kaser (1763 m; 2.30 Std., 7,1 km) marschiert.
Variante.
Nach dem Aufstieg zu den Manndln hält man sich auf dem flachen Rücken westlich, wo ein schmaler Pfad in Richtung Süden (parallel zum E5) ebenfalls zum Möltner Kaser führt. Achtung: Dieser Weg ist nicht in allen Karten eingetragen!
Der Möltner Kaser ist bekannt für seine gute Küche mit Spezialitäten wie die leckere Gerstensuppe, Hammel oder Gulasch mit Knödeln und Apfelstrudel. Wer müde und dem Wirt sympathisch ist, kann eine Notunterkunft im Heuschuppen beziehen.
Dem Schild »Schermoos, E5, Salten« folgend, gelangt man durch Wald und Almen zum Möltner Joch. Achten Sie auf den Wegverlauf, bei einer Sitzbank führt der Weg links von der Kiesstraße weg – das E5-Schild ist auf der falschen Seite beschriftet! Beim Schweinsbühel am Fahrer Weiher (1490 m) steht ein Wetterkreuz mit E5-Wegweiser, dem wir nach Süden in Richtung einer Wiese folgen bis zu einer Schotterstraße. Ihr folgen wir links bis zu einer Kehre. Dort führt der E5 dann schlecht markiert und fast weglos mitten durch die zahlreichen Kühe. Unten am Zaun tauchen wieder Markierungen auf. Im Zweifelsfall orientiert man sich in Richtung des Kirchturms von Langfenn, der südlich gut sichtbar ist.
Ein kurzes Stück geht es durch den Wald (Schilder weisen auf den E5 hin), bis die Teerstraße erreicht ist. Diese abkürzend wenige Hundert Meter hinauf zum Gasthof Langfenn (1522 m, Unterkunft möglich; 4.15 Std., 12 km). Hinter dem Gasthof steht das wunderschöne Kirchlein St. Jakob, das dem Beschützer der Reisenden und Wanderer gewidmet ist. Vor 150 Jahren noch fand hier ein beliebter Vieh- und Krämermarkt statt, und Funde aus der Bronzezeit deuten auf eine heidnische Kultstätte hin.
Vom Gasthof geht es links auf beidseitig bezäuntem Weg über die Hochebene des Salten Richtung Jenesien. Dem breiten Kiesweg folgend, passiert man einige mit Skulpturen und Tafeln zu alten Südtiroler Sagen versehene Info-Stationen. Mitunter parkähnlichen Charakter haben die lichten Lärchen-Waldweiden, die in ihrer Art zu den schönsten in Europa zählen. Immer wieder öffnet sich der Blick nach Osten auf die fast greifbaren Dolomitmassive von Schlern und Rosengarten – schöner kann man kaum wandern! Der Weg ist jetzt einfach zu finden, und bald taucht der Gasthof Edelweiß (1351 m; 5.45 Std.) mit Reitstall auf. Auf der Straße weiterwandernd, erreicht man Jenesien (6.15 Std., 18,5 km) und passiert auf dem Weg zur Tourist-Info bei der Kirche einige Aussichtsplattformen, wo man das Abendlicht und die Ausblicke genießen kann. Wer in Bozen übernachten will, fährt mit der Seilbahn in wenigen Minuten von Jenesien hinunter und weiter mit dem Bus zum Hauptbahnhof.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied300 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMeraner Hütte (1960 m)
EndpunktJenesien (1087 m)
TourencharakterVom Skigebiet Meran 2000 führt der Weg durch Almwiesen auf die Höhen des Salten bis zum Bergdorf Jenesien. Eine Etappe, die durch schöne, ja liebliche Kulturlandschaft führt und an Aussicht kaum zu überbieten ist. Morgens lässt die Sonne ihre Strahlen auf den weißen Gipfeln des Ortlermassivs und der Texelgruppe spielen und entzündet am Abend auf Schlern und Rosengarten im Osten ihr Feuer. Dabei wandert man durch die lichten, mit filigranen Lärchen bestandenen Waldwiesen des Salten, die schon im 8. Jahrhundert gerodet und seither bewirtschaftet werden. Die Höhen am Kreuzjöchl über Hafling sind nur sanft geschwungen, und die Kühe oder Haflinger könnte man fast beneiden um ihre aussichtsreichen Weidegründe. Früher war hier ein beliebter Treffpunkt von Hirten aus den umliegenden Tälern. Die helle Farbe der Kühe ist vermutlich ein Schutz gegen die strahlungsreiche Höhensonne. Das Wetterkreuz hier oben soll sie zudem vor Blitzschlag schützen, denn wenn die Tiere dicht beieinander stehen und so viel Wärme erzeugen, wurden schon ganze Herden vom Blitz erschlagen.
Bei den Stoanernen Manndln (siehe Tipp) auf dem Schöneck (2003 m) liegt der Sage nach ein uralter Hexenplatz zwischen Hunderten von fotogenen Steinmännlein. Am Abend in Jenesien angekommen, kann man sich dann mit einer Halben Bier auf die Aussichtsterrassen setzen und beobachten, wie König Laurins Rosengarten in feurigem Rot erglüht. »Was schert mich die Welt, es ist so schön hier«, bleibt da nur zu sagen.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Bl. 040, Sarntaler Alpen (empfohlen). Kompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd (ungenau)
MarkierungenAusreichend markiert mit roten Punkten und E5-Zeichen. Nur bei den Stoanernen Manndln auf dem Schöneck und beim Schweinsbühel (1500 m) vor Langfenn kann es Orientierungsschwierigkeiten geben.
VerkehrsanbindungWer von Meran zu einer Fortsetzung des E5 einsteigt, nimmt dort vom Hbf. (nettes Café) den Bus hinauf nach Falzeben (Abfahrt 6.10 (7.40, nur sonntags), 8, 9 (9.30, nur sonntags), 10, 10.50 (11.35, nur sonntags), 12.10, 12.40, 13.15, 15.15, 17.15, 18.15, 19.15 Uhr). Von Falzeben fährt eine Kabinenbahn hinauf nach Piffing, und auch nach Meran 2000 fährt von Naif eine Kabinenbahn. Meran ist stündlich von Bozen mit Bus und Bahn zu erreichen; Bhf. Bozen, Auskunft, täglich 7–21 Uhr, Tel. 892021, Fahrplanauskunft SAD, Bozen, Tel. 840000471, www.sii.bz.it, webmaster@sii.bz.it, von Mo–Sa 7.30–20 Uhr. Seilbahn Jenesien s. Etappe 15
GastronomieMeraner Hütte; Möltner Kaser; Ghf. Langfenn; Einkaufen in Jenesien
Tipps
Stoanerne Manndln. Das Schöneck (2003 m) wies 1980 schon über 100 aus Steinen aufgetürmte Säulen auf. Diese Steinernen Manndl sind teilweise kunstvoll mit Bögen und Durchlässen versehen und schon von weitem recht eindrucksvoll anzusehen. In einem befindet sich ein eingelassenes Gottesbildnis. Viele von ihnen sind sicher erst in jüngerer Zeit dazugekommen, aber in einer amtlichen Urkunde aus dem Jahr 1540 wird die Bäuerin Pachler aus dem Sarntal der Hexerei bezichtigt und gesteht nach der Folter, dass sie oben bei den Stoanernen Manndln mit dem Teufel und Hexen zusammen Unwetter zusammengebraut hätte. Der Volksglaube vergangener Tage schuf hier also einen beliebten Hexentanzplatz. Frühgeschichtliche Funde in der Nähe reichen sogar 7000 Jahre zurück, und einzelne der Steinmänner dieser vielleicht größten Ansammlung in den Alpen dürften ein beträchtliches Alter haben.
Unterkunft
Evtl. Notunterkunft im Heu am Möltner Kaser, Tel. +39/348/7958579 oder +39/368/400067 (von 1.5–6.11. geöffnet). Ghf. Langfenn, Tel. +39/0471/668218 (ganzjährig geöffnet). Ghf. Edelweiß, vor Jenesien, Tel. +39/0471/354106 (HP ab 53 Euro). Bei der Tourist-Info an der Kirche in Jenesien gibt es ein großes Gästebettverzeichnis mit (hohen) Preisen, das jederzeit zugänglich ausliegt. Garni Latemar, Rosa Splögner, Jenesien, Tel. +39/0471/354152 (DZ Ü/F 24 Euro; wird gelobt). JHB Bozen, Via Renon 23, I-39100 Bozen, Tel. +39/0471/300865 (wenige Min. vom Bhf.; Mehrbettzimmer Ü/F 21,50 Euro, keine Mitgliedschaft erforderlich). Oben am Salten gibt es herrlich einsame Biwakplätze.
Tourismusbüro
Tourismusverein Jenesien, Schrann 7, I-39050 Jenesien, Tel. +39/0471/35 4196, Fax 0471/36 3745, www.jenesien.net, info@jenesien.net. Verkehrsamt Bozen, Waltherplatz 8, I-39100 Bozen, Tel. +39/0471/30 70 00, Fax 98 0128, www.bolzano-bozen.it

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