Von der Memminger Hütte nach Zams

Alpine Tour über einen felsigen Übergang, der nur bei gutem Wetter problemlos ist. Langer Abstieg in die Zammer-Loch-Schlucht, der an einigen Stellen Konzentration und Trittsicherheit erfordert. Wasser gibt es unterwegs reichlich. Kinder und Genießer: Sehr abwechslungsreiche Tour mit spannenden Felsscharten und einer steilen Schlucht. Für Kinder ist die Zammer-Loch-Schlucht mit Höhle und Wasserfall sehr lohnenswert. (Autor: Robert Mayer)
13 km
360 m
5.00 h
Nach der Memminger Hütte umkreisen wir links den kleinen Seewisee, überqueren den Zufluss und steigen östlich empor zum Mittleren Seewisee. Hier erreichen wir eine Wegverzweigung, bei der wir der linken, mit E5 und Nr. 633 beschilderten Spur folgen. Über einen schottrigen Karsthang geht es steil hinauf zum höchsten Punkt der vergangenen Tage, der Seescharte (2599 m; gut 1 Std.). Das Felsentor markiert einen alten Übergang für Jäger und Hirten aus Zams, denn sie besitzen die Weide- und Jagdrechte auf der Lechtaler Seite. Auch in der Steinzeit wurde die Seescharte schon als Pass genutzt. Die Südseite ist meist sonnenbeschienen und lädt zu einer Rast ein. Östlich ragt die Pyramide der Silberspitze (2461 m) empor, und dahinter ist das Venetmassiv zu erkennen, unser nächstes Ziel. Südwestlich liegt die wuchtige Ostseite der Parseierspitze (3036 m), dem höchsten Gipfel der Lechtaler Alpen.
Variante zum Württemberger Haus.
Die Variante auf dem »E4 Alpin« ist anspruchsvoll, bietet aber hervorragende Aussichten auf die wilden, einsamen Lechtaler Alpen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung. 100 m nach der Seescharte zweigt links ein Weg (Nr. 601) ab und führt über das Großbergjoch (2495 m; 1.30 Std., 2,3 km) auf den Großbergkopf (2612 m). Von dort über die Großbergspitze (2657 m; 2 Std.) am Oberen Medriol zum Württemberger Haus (2220 m; 2.45 Std., 5,2 km). Auf dem Weg Nr. 631 trifft man bei der Unterlochalm (4 Std., 8,3 km) wieder auf den E5. Die Variante ist somit insgesamt 7 km und knapp 3 Std. länger als der E5.
Der steile, steinige Weg von der Seescharte am Schweinrücken zum Lochbach hinunter ist kein großes Vergnügen. Weiter unten breiten sich Felder der Behaarten Alpenrose aus, über denen sich das prächtige Patroltal von seiner schönsten Seite zeigt. Im Sommer weiden Haflinger und Kühe zwischen den Lärchen, einigen kugeligen Wacholderbüschen und den Latschen bei der Oberlochalm (1799 m; 2.15 Std.). Je nach Jahreszeit ist die Obere (ab 1. August) oder die Untere Lochalm (ab 2. Juli) bewirtschaftet. Am leise murmelnden Lochbach entlang führt der Weg durch dichte, blumenreiche Vegetation von Drachenwurz, Gemswurz, Blauem Eisenhut und Stiefmütterchen. Das sehr trockene und warme Inntal macht sich schon bemerkbar. Etwas tiefer zwängen einige Steinkare den Bach ein, bevor der Weg durch offenen, lichten Bergwald führt. Viele verzweigte Wasseradern führen Schmelz- und Regenwasser zwischen den Fichten und Lärchen hindurch. Auf einer Brücke wird der jetzt beträchtlich angeschwollene Lochbach überquert, und an einer Jagdhütte vorbei erreicht man die Untere Lochalm (1500 m; 3.15 Std., 6,3 km). Die Familie Krißmer bietet hier zünftige Brotzeiten an, deren Zutaten noch mit den hauseigenen Haflingern aus dem Tal geholt werden müssen – was die Tiere nicht immer begeistere, sodass sie schon mal beim Anblick des Tragegestells fluchtartig Reißaus nehmen würden, so erzählt der Hüttenwirt.
Der E5 führt nun auf einem Saumpfad immer tiefer ins Zammer Loch hinein. Hoch über der V-förmigen Schlucht wandernd, blickt man in die Tiefe hinab, wo sich das Wasser eingegraben hat. Ungefähr auf 1200 Meter Höhe biegt man nach links auf eine kleine Wiesenanhöhe mit Gedenkstein (1000 m; 4.30 Std.) und schöner Aussicht auf Inntal und Zams ab. Auf der heißen, trockenen Südseite geht es noch einmal steil in Serpentinen hinunter. Die Trockenhang-Vegetation ist geprägt von Kiefernwald, Hagebutten, Berberitze, Haselsträuchern und Steinnelken. Bei schönem Wetter gibt es viele Schnarrschrecken und Blutwidderchen.
An einer Brücke überquert man die Autobahn, passiert einen Brunnen und geht im Bogen den Inn entlang bis zur Brücke und nach Zams (5.15 Std., 11,9 km) hinein. Geradeaus befinden sich Rathaus, Tourist-Info, Café usw.
Das Inntal, auch »Klein-Meran« genannt, hat das beste Klima in Österreich; hier gedeihen Aprikosen, Äpfel, Pfirsiche und Weintrauben.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied360 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMemminger Hütte (2242 m)
EndpunktZams (775 m)
TourencharakterDer Schritt durch das schmale Felsentor der Seescharte auf 2600 Meter hinüber ins lichtdurchflutete, warme Inntal hat etwas Verheißungsvolles: Zum ersten Mal kann man den Süden regelrecht riechen. Von unten leuchtet ein silbriges, in Schleifen gelegtes Band herauf, der Lochbach. Sein Glänzen zieht die Blicke magisch an, denn die Umgebung ist morgens oft in milchig weißen Dunst gehüllt, und im Gegenlicht der Sonnenstrahlen sind noch keine klaren Konturen zu erkennen. Die eigentümliche Stimmung beflügelt die Fantasie, und man kann sich unschwer allerlei Fabelwesen und märchenhafte Gestalten vorstellen – von der Art, wie sie in den zahlreichen Sagen um den Zammer Lochputz auftauchen: Der Jäger, der allein in die Wildnis zieht, oder der einsame Hirte mögen Erdachtes und Erlebtes miteinander vermengt haben. Trotzdem gibt es hier auch eine Magie des Ortes, man kann sie regelrecht spüren.
Spüren wird man abends außerdem die Beine, denn 1800 Meter Abstieg in die tiefste Schlucht der Nordalpen sind an diesem Tag eine echte Herausforderung für Muskeln und Gelenke. Bildstöcke und Kreuze weisen im Zammer Loch auf Unfälle hin. Auf einem steht etwas makaber: »Jeder Weg hat mal ein Ende.« Doch das nehmen wir nicht persönlich, unser Weg geht noch bis Venedig!
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, WK 351, Allgäuer/Lechtaler Alpen. Kompass 1:50000, Nr. 120, E5 Nord
MarkierungenSehr gut markiert mit roten Punkten und E5-Zeichen
VerkehrsanbindungZams ist mit Bus und Bahn (Bhf. Landeck) gut erreichbar (Infos unter www.oebb.at).
GastronomieOberloch- oder Unterlochalm, je nach Jahreszeit ist eine immer geöffnet. Bei der Variante auch das Württembergerhaus. Die Metzgerei in Zams an der Hauptstraße bietet abends ein Buffet (für Hungrige) an. Einkauf in Zams
Tipps
Die Zammer-Loch-Schlucht. Wer noch etwas Abenteuerlust verspürt, geht noch die wenigen hundert Meter weiter bis zum Zammer Loch. Die enge, mystische Klamm mit einer Spiegelhöhle und beeindruckendem Wasserfall kann täglich besucht werden. Altes Heilwissen und neue Untersuchungen belegen immer wieder aufs Neue, dass Wasserfälle eine heilsame Wirkung auf den menschlichen Organismus ausüben. Es wird angenommen, dass positiv geladene Wasserstoffionen in der Atemluft, die beim Aufprall des Wassers am Fels entstehen, das Immunsystem nachhaltig stärken. Ob das stimmt, kann man am Zammer Loch selbst einmal ausprobieren. Im Naturhaus gibt es zudem eine audiovisuelle Einführung in die reichhaltige Sagenwelt (geöffnet 1.5.–30.9. von 9.30–17.30 Uhr, mittwochs mit Flutlicht auch länger; Infos unter www.zammer-lochputz.at).
Unterkunft
Beim Rathaus in Zams kann an einer Infosäule kostenlos mit den privaten Vermietern telefoniert werden (Preise Ü/F ab 20 Euro); Ghf. Gämse, Tel. +43/(0)5442/ 62478, haueis@aon.at (ursprüngliches Tiroler Haus mit eigener Landwirtschaft, DZ Ü/F 24 Euro). Bei der Variante: Württemberger Haus, DAV Stuttgart, Tel. +43/(0)664/4401244 (Mitglieder im Lager 7 Euro, DZ 10 Euro). Biwakplätze am Lochbach oder auf der Anhöhe mit Kreuz kurz vor Zams
Tourismusbüro
In Zams neben der Kirche; Tourismusverband Tirol West, PF 55, A-6500 Landeck, Tel. +43/(0)5442/656 00, Fax 656 00 15, info@tirolwest.at, www.tirolwest.at

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