Von der Kreuzspitze zum Kreuzspitzl

Eine interessante, abwechslungsreiche Tour im Herzen der Ammergauer Alpen. Größtenteils markierte Wege. Am Gipfelaufbau der Kreuzspitze leichte Schrofenkletterei. Beim Gratübergang zum Kreuzspitzl auf deutlicher Steigspur kleine Kletterstellen (II) dicht unterm Kreuzspitzgipfel und am Ansatz des Kreuzspitzl-Nordwestrückens. Am Übergangsgrat und beim Rückweg vom Neualmsattel ins Tal Trittsicherheit erforderlich. (Autor: Günther Laudahn)
10 km
1290 m
5.00 h
Ausgangspunkt ist die deutsch-österreichische Grenze an der Straße zwischen Linderhof und Reutte. Unmittelbar neben der Straße bei der Linderbrücke ist ein kleiner Parkplatz, man kann auch ein kleines Stück in das hier beginnende trockene Grießbett des Neualpbaches hineinfahren und den Wagen dort abstellen. Eine breite deutliche Spur führt schräg über das Grieß zum linken Rand, wo ein Fahrweg mit ausholender Kehre in den Wald hineinzieht. Er mündet bald in einen schmalen, aber guten markierten Weg, der in sanfter Steigung durch lockeren Mischwald den Hang quert. Nach einer halben Stunde ist das Ende der Querung erreicht. Nun geht es in einer breiten grasigen Lichtung in vielen Kehren hinauf ins Hochgrießkar, einer weiten steilen Karfläche im Nordabfall der Kreuzspitze und hier, stellenweise schrofig, über Geröll und Gras an einem verfallenen Unterstand vorbei zum Schwarzenkopf, einer Schulter im Westkamm der Kreuzspitze, von der wir erstmals einen interessanten Blick auf die markanten Geierköpfe, auf den Südteil der Ammergauer Alpen und weit hinein in die Allgäuer Alpen haben. Am Kamm zieht der immer deutliche Steig durch Latschengassen an den felsigen Gipfelaufbau der Kreuzspitze heran. In leichter Schrofenkletterei erreichen wir die Wegverzweigung unterm Gipfel und nach rechts in wenigen Minuten das große Gipfelkreuz. Dank ihrer die Umgebung überragenden Höhe bietet die Kreuzspitze eine umfassende Aussicht. Sie ist entsprechend viel besucht, und abgesehen von dem etwas eintönigen Anstieg im Hochgrießkar ist die Besteigung ja auch recht ansprechend. Wesentlich einsamer geht es dann bei der Gratüberschreitung zum Kreuzspitzl zu, die etwas höhere Anforderungen stellt. Wenn Sie trittsicher sind und mit ein wenig Kletterfertigkeit wird Ihnen der Übergang Spaß machen. Er ist durch eine deutliche Steigspur erleichtert. Eine erste kleine Kletterstelle befindet sich dicht unterm Kreuzspitzgipfel, eine Zweimeterstufe, zu der wir über plattige Schrofen absteigend gelangen. Gute Griffe am Oberrand, eine Sicherungskette und kleine Tritte im etwas überhängenden Wandl lassen die Stufe rasch überwinden. Dann geht es am teilweise schmalen Kamm über zwei nahe Schrofenköpfe hinweg am langgezogenen nicht steilen Rücken auf der Steigspur ohne weitere Schwierigkeit hinunter in die Scharte vor dem Kreuzspitzl, über der sich deren Nordwestrücken in einer zerklüfteten felsigen Stufe aufbäumt. Am besten ist es, auf der deutlichen Pfadspur im Geröll nach links zum Schrofenband am Rand des hier ansetzenden Felsriegels aufzusteigen und dem Band bis zum Ende am Fuß eines gutgriffigen Wandls zu folgen. Dorthin gelangt man etwas schwieriger auch, wenn man in Höhe der Scharte zu dem markanten Felsspalt geht, an kleinen Griffen und Tritten auf den mannshohen Klemmblock klettert und nach links über plattige Schrofen zum Band und zum Wandl emporsteigt. Ein paar Meter schräg aufwärts kletternd gewinnt man einen Absatz mit Steinmann und eine Rinne, in der man rasch das grasige Gelände des Nordwestrückens oberhalb des Felsgürtels erreicht. Man quert nun horizontal hinüber zum nahen, nach Westen streichenden Seitenrücken, wo ein Pfad im Geröll und über Gras zum Gipfel des Kreuzspitzls leitet. Ganz ungünstig für den Aufstieg von der Scharte ist die Benützung der breiten Rinne rechts unterhalb der Felsen, zu der eine Pfadspur einige Höhenmeter hinabführt. Die Rinne ist steiler als man von der Scharte her vermutet, der Anstieg über Geröll und brüchige Schrofenstufen ist mühsam und unangenehm, der Austritt auf den Rücken sehr steil. Meiden Sie die Rinne, und steigen Sie übers Wandl auf. Am Gipfel wird man sich seiner zentralen Lage bewußt. Vier Grate entsendet das Kreuzspitzl - nach Norden zur Kreuzspitze, nach Osten einen langen türmereichen Grat zum Friederspitz, nach Süden zum Schellschlicht. Und im Westen wachsen über dem grünen Neualmsattel die Geierköpfe empor. Naturgemäß wird das Kreuzspitzl viel weniger bestiegen als die Kreuzspitze: der Aufstieg zu dem von den Tälern nicht sichtbaren Gipfel ist länger und mühsamer, die Aussicht nach Norden durch die höhere attraktive Nachbarin beschränkt. So lohnt die Besteigung eigentlich nur in Verbindung mit dem interessanten Gratübergang. Dies macht auch das Kreuzspitzl zu einem lohnenden Ziel, nicht zuletzt deshalb, weil man so die Besteigung der Kreuzspitze zu einer schönen Rundtour ausdehnen kann und den eintönigen Abstieg durchs Hochgrießkar vermeidet. Unser nächstes Ziel ist der Neualmsattel. Auf dem Südrücken steigen wir bis unter den nahen Vorkopf ab, den wir auf schwach ausgeprägter Pfadspur rechts umgehen. Wir erreichen den vom Vorkopf herabkommenden Westrücken. Ein deutlicher Steig führt auf dem mäßig steilen Rücken durch Latschengassen und in schmalen Geröllrinnen in einer halben Stunde zu dem weitläufigen welligen Sattel hinab. Hier wendet sich unser Steiglein nach rechts in den Sattel hinein. Dieser Weg ist zwar durchgehend rot markiert, aber nicht überall in gutem Zustand. Er führt durch zahlreiche tief eingeschnittene Runsen, quert oftmals sehr schmal die steilen ins Tal des Neualpbachs hinabziehenden Hänge und erfordert stellenweise Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und vorsichtiges konzentriertes Gehen. Ein wildromantisches Gelände mit jähen Tiefblicken in das schluchtartige Tal erwartet uns. Für den Abstieg vom Sattel zum Parkplatz muß man mit eineinhalb Stunden Gehzeit rechnen, eine lange Zeit für die sechshundert Höhenmeter. Im Gras des Sattels ist der Weg undeutlich, aber mit einiger Aufmerksamkeit erkennbar. Er wird bald ausgeprägt. Zunächst geht es durch lichten Wald an der völlig verfallenen alten Neualm-Jagdhütte vorbei – die neue steht ein Stück oberhalb – bergab. Nach Querung einiger Runsen, teils auf ganz schmalen ausgesetzten Tritten, verläuft der Weg fast horizontal, steigt dann sogar noch etwa vierzig Höhenmeter an, gewinnt endlich in vielen Kehren Tiefe und strebt an zahlreichen Alpenrosenbüschen vorbei dem Talgrund zu. Ein paar Kehren bringen uns vollends auf das breite Grießbett hinab, an dessen linkem Rand wir in 15 Minuten zum Parkplatz zurückwandern.

Dauer - Kreuzspitze: 1110 m, 4,5 bis 5,5 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1290 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortParkplatz an der Grenzbrücke zwischen Linderhof und Plansee, 1082 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Kreuzspitze, 2185 m – Kreuzspitzl, 2089 m.
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