Von der Kemptner zur Memminger Hütte

Meist gute Steige, die allerdings Konzentration beim Gehen und Kondition beim Aufstieg zur Memminger Hütte verlangen. Sehr lange, kräftezehrende Etappe, wenn man nicht den Bus nimmt. Viel trinkbares Wasser entlang dem Weg. Kinder und Genießer: Interessante, aber sehr lange Etappe mit vielen Wasserfällen und Wildtieren. Sammeltaxi benutzen. Komfortable Unterkunft und vorzeitiges Etappen-Ende im Ghs. Hermine im Madautal. (Autor: Robert Mayer)
26 km
1350 m
9.00 h
In knapp 30 Minuten erreichen wir von der Kemptner Hütte (Weg Nr. 438) den alten Pass am Unteren Mädelejoch (1973 m), der Grenze von Bayern und Tirol. Er wird schon von alters her von Wallfahrern und Händlern als Sommerweg benutzt. Mit etwas Glück sieht man östlich unter der Ramstallspitze einige Steinböcke in den Karen. In Serpentinen führt der E5 zum Roßgumpenbach und an die Waldgrenze auf 1800 Meter hinunter. Ein Sturm fällte hier einige Bäume, und die »Wunden« heilen aufgrund der Höhe nur sehr langsam. Die Untere Roßgumpenalm (1329 m; 1.50 Std.) ist bewirtschaftet, und man sollte sich auch den nahe gelegenen Wasserfall (5 Min.) links vor der Brücke am Roßgumpenbach anschauen. Er stürzt von einer mächtigen Felsstufe herunter, und an heißen Tagen wäre er eine gute Duschgelegenheit. Auf breitem Kiesweg direkt neben dem rauschenden Höhenbach läuft man nahezu eben zum Café Uta (1236 m; 2 Std.), das bekannt ist für seine guten, selbst gemachten Kuchen.
Vor uns stehen im Süden die wilden, schroffen Zacken der Lechtaler Alpen, unserer nächsten Etappe. Am Simmswasserfall bricht das Höhenbachtal steil in einer engen, dunklen Schlucht ins Lechtal ab, bevor man Holzgau (1114 m; 2.75 Std., 6,8 km) erreicht, ein Tiroler Bilderbuchdorf mit seinen von Lüftelmalerei verzierten Fassaden. Ronald, ein alter Seemann, fährt das Sammeltaxi vom Gasthof Bären nach Madau und versteht es dabei gut, seine Fahrgäste mit etwas Schmäh und Witzen zu unterhalten, legt aber auch Wert darauf festzustellen, dass die Fahrt mit ihm nicht die gefährlichste Etappe des E5 sei, wie ein Journalist behauptete.
Zu Fuß überquert man vom Gasthof Bären die Brücke und geht dahinter gleich rechts am Bach entlang auf einem Wanderweg zum Lech. Unten am Fluss biegt man links auf die Kiesstraße und geht bis zur Brücke über den Lech. Dann am rechten Ufer bei einem Bildstock über den Sulzlbach. Halbrechts haltend im Wald weiter bis Ober-Stockach (1070 m; 3.75 Std.) und am Hexenplatz vorbei nach Unterwinkel. Hier auf einer gesperrten Straße rechts zu einem kleinen Friedhof empor und weiter auf der Fahrstraße entlang dem Alperschonbach ins Madautal. Kurz vor einer Brücke muss man sich entscheiden, ob man auf der Straße den kleinen Schlenker zum Gasthaus Hermine (1310 m; 5.75 Std., 17,3 km) macht oder gleich rechts auf dem Weg Nr. 632 bis zur Talstation der Materialseilbahn (1454 m; ca. 7 Std.) geht (Seilbahntelefon am Gebäude; 4 Euro pro Rucksack).
Wenige Meter nach der Seilbahn führt der E5 auf einer Behelfsbrücke über den Parseierbach und in den Westhang des Seekogels. Nach ungefähr der Hälfte des anstrengenden Aufstiegs quert man nach Osten unter einem Bilderbuch-Wasserfall hindurch. Jetzt geht es steil eine Schlucht hinauf (eventuelle Altschneefelder), bis wir die Hochfläche erreichen, von der die Wasser fotogen und spektakulär hinunterstürzen. Noch wenige Meter entlang dem Bach, und wir überblicken den flachen Kessel, in dem die Memminger Hütte (9 Std., 23,5 km) thront. Die Landschaft ist geprägt vom Wasser: Aus gleich drei höher gelegenen Seen fließt es in vielen Adern dahin, durchrieselt den Schotter und sammelt sich in Feuchtgebieten mit Sumpfgräsern – Bilder, die an Gemälde von Monet erinnern. Der Seekogel vor der Hütte (30 Min. von dort) ist wohl einer der besten Plätze am E5, um den Sonnenuntergang über den Lechtaler und den Allgäuer Alpen zu genießen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour26 km
Höhenunterschied1350 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKemptner Hütte (1844 m)
EndpunktMemminger Hütte (2242 m)
TourencharakterWunderschöne Etappe über den Allgäuer Hauptkamm mit dem höchsten Allgäuer Gipfel, dem Krottenkopf (2656 m). Über das V-förmige Höhenbachtal gelangt man über einen für Gletscherseitentäler typischen steilen Abbruch hinunter ins während der Eiszeit trogförmig ausgehobelte Lechtal. Ein herrliches grünes Tal, das geprägt ist vom mäandrierenden Lauf des Lech, eines der letzten ursprünglichen und wilden Wasserläufe der Alpen. Die Zeiten, als der König Widersacher und Aufmüpfige hierher ins Exil verbannen ließ, sind lange vorbei. Aber die sympathischen Lechtaler genießen immer noch den Ruf, spezielle Eigenarten zu pflegen. Im Buch »Ausserferner Eigenart« (Ehrenberg Verlag) wird es satirisch so dargestellt: »In ihrem Wesen mitunter an Bergziegen erinnernd, in unzugänglichen Berghöhlen und Bergdörfern lebend, durch staatliche wie landeseigene Subventionen vielfach gestützt, mit dem Zählen erntbarer Grashalme beschäftigt und sich von ihren zweieindrittel Ziegen und eineinhalb Kühen ernährend (...)« (Schinagl)
Es lohnt sich, während der Wanderung immer mal wieder den Himmel zu beobachten, denn Adlerpaare brüten in den steilen, unzugänglichen Wänden der Saxerwand. Aus ihnen holte einst schon die berühmte Geierwally (Anna Knittel) von Elbigenalp die Eier; heute würde sie dafür im Gefängnis landen.
Die Etappe endet in einem hoch gelegenen Talkessel mit Seen und Wasserläufen. Die Memminger Hütte im Zentrum ist gleich einem natürlichen Amphitheater im Halbrund von zackigen Graten umschlossen. Abends fällt das letzte Licht der Sonne in diesen traumhaften Felsengarten, der so wild und schön zugleich ist. Sollte sich aber ein Gewitter zusammenbrauen, dann gnade Gott: Die umgebenden Berge lassen den Donner zu einem grollenden Inferno anschwellen, das nicht nur die Glasscheiben der Hütte erzittern lässt. Auch hartgesottene Bergler halten inne bei ihren Räubergeschichten und wagen es nicht, nach draußen zu blicken – sie könnten ja die Wettergötter reizen.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, WK 351, Allgäuer/Lechtaler Alpen. Bayerisches Landesvermessungsamt 1:50000, UK L8, Allgäuer Alpen. Kompass 1:50000, Nr. 120, E5 Nord
MarkierungenSehr gut markiert mit roten Punkten und E5-Zeichen
VerkehrsanbindungDas Sammeltaxi (30 Min. für 14 km) zur Materialseilbahn der Memminger Hütte fährt am Ghf. Bären ab (Fahrzeiten: 8.15, 14.15, 16.15 Uhr, bei Anmeldung auch 7 Uhr, am Wochenende im August kann es zu Engpässen kommen; Preis 1–3 Pers. 40 Euro insg., ab 4 Pers. 12 Euro p.P.). Feuerstein Taxi, Tel. +43/ (0)5633/5633. Gute Busverbindungen im Lechtal (Holzgau), mit Post- und Wanderbussen nach Bach und Reutte (Bahnhof und Fernpass)
GastronomieRoßgumpenalm; Café Uta; in Holzgau; Bergheim Hermine. Einkauf in Holzgau
Unterkunft
Gasthöfe in Holzgau. Bergheim Hermine im Madautal, Tel. +43/(0)664/5339770, www.madau.com (schöne Lage, geöffnet Mitte Mai bis Mitte Okt., DZ Ü/F 25 Euro, 4-Bett-Zimmer Ü/F 23 Euro). Memminger Hütte, Tel. Tal +43/(0)5634/6208 (schlecht erreichbar), Fax Hütte +43/(0)5634/20036, memminger.huette@aon.at, www.davmemmingen.de (geöffnet Mitte Juni bis Ende Sept., frühzeitig reservieren; DAV-Mitglieder im Lager 7 Euro, sonst 14 Euro). Biwakplatz z.B. am Seewisee in der Nähe der Memminger Hütte

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