Von der Braunschweiger Hütte nach Zwieselstein

Steiler, kurzer Aufstieg zum Pitztaler Jöchl, dann Queren eines Schneefelds. Steinschlaggefahr beim Queren einer brüchigen Felswand am Südlichen Pollesjoch. Wahrscheinlich ist das Pitztaler Jöchl die nächsten Jahre gesperrt (Stand 2008); der Alternativweg zum Rettenbachjöchl ist etwas einfacher. Danach schöne Wanderung auf guten Wegen. Wasser gibt es unterwegs. Kinder und Genießer: Schöne Etappe durch einen Märchenwald mit Arven und Tannenhähern. Etappen-Ende beim komfortablen Ghf. Gaislachalm möglich (Autor: Robert Mayer)
Von der Braunschweiger Hütte zieht der gut markierte Steig, anfangs über durcheinandergewürfelte Granitbrocken und Altschneereste, unterhalb des Karleskopfs den Südhang steil hinauf. Mitten im Hang führt links ein Weg zu besagtem Kopf mit schöner Aussicht und einem Bänkchen. Der E5 leitet in 30 Minuten zu einem kleinen Plateau mit Wegkreuzung und dann in leichter Kletterei über verblockten Fels hinauf zum Pitztaler Jöchl (2995 m; 40 Min.), hoch über den Schnee und Eisflächen der umliegenden Gletscher. Vor uns im Osten liegt das Rettenbachtal, das in das bei Skifahrern so beliebte Ötztal mündet.
Die E5-Markierungen weisen auf dem Weg Nr. 918 genau in ein Altschneefeld mit Trittspuren hinein. Sind diese nicht vorhanden, geht man ein kurzes Stück nach Osten und quert dann im flachen Bereich des Schneefelds nach Norden in die Felsen unterhalb des Südlichen Polleskogels. Vorsicht bei Nebel: Wenn das Schneefeld steil abfällt, sind Sie falsch gegangen! An den brüchigen Felsen besteht oft Steinschlaggefahr, ausgelöst durch das Ansteigen der Permafrostgrenze; dann ist der Weg gesperrt (siehe Variante). Am Felsen gibt es wieder Markierungen, denen man in kurzer Kletterei über diesen schwierigsten Abschnitt der Etappe zu den Liftanlagen des Skigebiets am Rettenbachferner (2671 m; 1.45 Std., 1,9 km) folgt.
Variante.
Da der Weg über das Pitztaler Jöchl die letzten Jahre immer wieder gesperrt wurde, muss man gegebenenfalls die Weg-variante über das Rettenbachjoch nehmen, die deutlich kürzer ist, falls die Bahn läuft und genutzt werden kann. Leider ist der Weg nicht so schön, da für die Pistenanlagen doch einiges verbaut wurde. Er ist jedoch gut mit »Rettenbachjoch« ausgeschildert und verläuft von der Braunschweiger Hütte genau nach Osten. Zuerst fällt er leicht ab, dann zieht er 250 Höhenmeter steil hinauf und verläuft oben entlang einer Mauer zur Bergstation am Rettenbachjoch (2990 m; 40 Min.). Ein Teil des Wegs ist drahtseilversichert. Von Osten führt ein Sessellift herauf, mit dem zur Station am Rettenbachgletscher abgefahren werden kann. Bei starkem Wind und schlechten Skipistenverhältnissen findet aber kein Liftbetrieb statt. Dann muss an einem neu angelegten Weg oder am Rand der Skipiste zur Skistation Rettenbachferner (2671 m; 1.15 Std.) abgestiegen werden.
Straßen und riesige Parkplätze, also die Infrastruktur eines modernen Skigebiets, erwartet man eigentlich nicht in dieser Höhe. So erholsam ein Skigebiet im Winter auch sein mag – im Sommer ist es wahrlich keine Augenweide, auch dann nicht, wenn man weiß, dass das Skigebiet Rettenbachferner eines der besten in den Alpen ist. Die Bushaltestelle liegt zentral an der Skistation mit Restaurant, WC, Sportgeschäften und Einkaufsmöglichkeit. Es ist aber nicht immer alles geöffnet.
Der E5 überquert schon zwei Straßenkehren weiter oben, bei einer kleinen Kapelle, die Straße und führt in Richtung Rettenbachtal. Wer trotzdem schon bis zum Restaurant abgestiegen ist, trifft entlang der Straße weiter unten auch wieder auf den E5. Dieser führt links entlang dem Rettenbach, bis dieser auf einer Holzbrücke überquert wird. Man nähert sich nach der links gegenüberliegenden Rettenbachalm noch einmal der Straße, bis der Weg das Rettenbachtal nach Süden zur Mittelstation (2100 m; 3.15 Std.) der Ötztaler Gletscherbahn verlässt. Auf dem bartigen Bödele (2110 m) nebenan steht seit 2006 die modernste Wetterstation Österreichs.
Nach der kargen und steinigen Höhe kehrt jetzt das Grün zurück. Wiesen und lichte Wälder mit wunderschönen Arven (Zirben), Lärchen und Föhren, Heidelbeeren und Alpenrosen bilden die Vegetation. Im Abstieg erreicht man die Löplealm (1912 m; 3.30 Std., 10 km), und nach kurzem Anstieg zur Jausenstation Gaislachalm ist der Gasthof Gaislachalm (2040 m; 4 Std., 11 km) auf dem Panoramaweg bald erreicht. Hier teilt sich der Weg: Geradeaus geht es zum Tiefenbachferner; wir wandern links auf dem E5 ins Silbertal. Der Weiler Gaislach (1793 m; 4.15 Std., 11,6 km), dem wir uns auf schönen Almwiesen nähern, ist die erste bäuerliche Niederlassung mit sehr schönen Holzhäusern im Südtiroler Stil. Verwinkelte Treppen, Balkone und Erker machen sie gemütlich. Eine kleine weiße Kapelle mit den Schutzheiligen der Berge steht nahebei.Der E5 führt von Gaislach als kleiner Pfad durch steilen, dichten Kiefernwald hinunter zur Venter Ach. Diese leitet die E5-Wanderer zuerst links, dann rechts der Straße direkt nach Zwieselstein (5.15 Std., 14,5 km) hinab; kurz zuvor wird auf einer Holzbrücke der Bach überquert. Die Talherberge Zwieselstein, eine Selbstversorgerhütte, liegt neben der Timmelsjochstraße direkt am Weg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied340 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBraunschweiger Hütte (2759 m)
EndpunktZwieselstein (1450 m)
TourencharakterDas »Sahnestück« bei unserem Trek über das Dach Europas, den Alpenhauptkamm. Schon der Aufstieg zum Pitztaler Jöchl erfolgt in so klarer und dünner Luft, wie wir sie bisher auf unserem Weg noch nicht geschnuppert haben. Die Aussicht auf Schnee und eisbedeckte Bergriesen wie die Wildspitze (3770 m), den dritthöchsten Berg Österreichs, den Kaunergrat mit dem Rifflsee im Westen und die Stubaier Alpen über dem Rettenbachtal im Osten entschädigt für Kurzatmigkeit und eventuelle Kopfschmerzen. Die nachfolgende Strecke durchs Rettenbachtal und die traumhafte Querung unterhalb des Gaislacher Kogels ins Venter Tal ist für viele E5-Wanderer einer der schönsten Wegabschnitte. Während unten im trockenen, warmen Ötztal Trauben, Aprikosen und Edelkastanien gedeihen, wachsen hier oben Heidelbeeren, Alpenrosen und Zwergwacholder. Eine Augenweide sind auch die eleganten Arven, deren lange, spiralig angeordnete Nadeln diesen Bäumen etwas Samtweiches, Zartes geben. Warum wohl gerade dieser Baum, der in Höhen bis 2200 Meter wächst, eine solche Schönheit offenbart?
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd
MarkierungenBis Zwieselstein ausreichend markiert mit roten E5-Punkten
VerkehrsanbindungRegelmäßige Busverbindungen von Rettenbach hinunter ins Ötztal und durch den Tunnel zum Tiefenbachferner
GastronomieBei den Liftanlangen am Rettenbachferner; Gaislachalm
Unterkunft
Gaislachalm, A-6450 Sölden/Ötztal, Tel. +43/(0)5254/2914 oder +43/(0)5254/2758, Fax 27588, info@gaislachalm.com (HP 30 Euro im DZ; Bad, Sauna, Fitness). Talhütte Zwieselstein, DAV Regensburg, Reservierung unter Tel. +49/(0)941/560159, Fax 51917, Betreuung: Jutta Fender, Tel./Fax +43/(0)5254/2763, info@alpenverein-regensburg.de (geöffnet ganzjährig, Selbst- versorgerhütte mit Küche, DAV-Mitglieder im Lager 9 Euro, Zimmer 11 Euro). Ghf. Neue Post, Gurgler Str. 1, A-6450 Sölden, Tel. +43/(0)5254/2910, Fax 2056, gasthof@neue-post.cc (HP 36 Euro in der Dependance, das beste Frühstück am E5!). Biwakplätze bei Gaislach oder Zwieselstein an der Venter Ach
Tourismusbüro
Ötztal Tourismus, Gemeindestr. 4, A-6450 Sölden, Tel. +43/(0)572 00, Fax (0)5720 02 01, info@oetztal.com, www.oetztal.com

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