Von Cembra nach Palu im Fersental

Eine leichte Etappe auf guten Wegen, lediglich die Varianten sind konditionell anspruchsvoll, aber sehr lohnend. Quell- und Flusswasser gibt es unterwegs. Kinder und Genießer: Die Schilderung der Schlacht von Segonzano, die Erdpyramiden und die zahlreichen Bergdörfer stellen auch Kinder zufrieden. Frühzeitiges Etappen-Ende auch in Bedollo möglich (Autor: Robert Mayer)
19 km
1000 m
5.00 h
Cembra ist berühmt für seinen Weinkeller mit der Hauptsorte Müller-Thurgau, und die Talflanken sind daher dicht mit Rebanlagen gespickt. Dazwischen leuchten rote Porphyrsteinbrüche aus dem satten Grün des Tals heraus. Schöne Bürgerhäuser aus dem typischen Stein mit Holzüberbau charakterisieren die Orte. Brunnen und Piazzen bilden ihre Zentren, und mittendurch läuft heutzutage die verkehrsreiche Staatsstraße. Auf ihr gehen wir bis hinter den Nachbarort Faver (30 Min., 2,5 km) in Richtung Capriani. Nach der letzten Ampel zweigt der E5 rechts ab. In weiten Serpentinen geht es durch Aprikosenbäume und durch Weinkulturen dem Talgrund zu, in dem die Wasser des Avisio zur Etsch hinunterströmen. An der Straße liegt auch das Schloss Segonzano (566 m; 1.15 Std., 4 km) mit seinem gut erhaltenen, zackigen Turm, das schon Dürer in seinen Bildern verewigte. Das Schloss war zu seiner Zeit allerdings noch intakt; es wurde 1796 bei der Schlacht von Segonzano von Napoleons Truppen zerstört. Nebenan, im alten Schlosshof Locanda Scalco, gibt es ein Edel-Restaurant mit Zimmervermietung.
Bei der Kapelle Voto Colera laufen wir rechts hoch (rote Markierungen) zu einem Supermarkt. Hier kann man sich mit Proviant (und einer guten Flasche Müller-Thurgau) eindecken. Über die Straße wechselnd gelangt man steil hinauf zum Ort Stedro (740 m; 1.45 Std.). An der Bar Alpino vorbei geht es links hinauf zu einem Waschplatz und auf der Teerstraße zu den Erdpyramiden von Segonzano (752 m; 2.15 Std., 6,3 km). Rote E5-Markierungen weisen den Weg, und kleine, gut angelegte Wege führen mitten hinein ins Reich dieser skurilen Naturskulpturen. Die flache Straße nach Quaras (955 m; 3 Std.) bietet bei guter Sicht fantastische Blicke zur Brenta und ins Cembratal.
In Quaras (Unterkunft) beim Brunnen links hoch und am Ortsende auf einen Pfad Richtung Südosten einbiegen. Er führt bei einem Abzweig links nach Centrale und Marteri (nicht nach Laite absteigen). Wieder auf der Teerstraße läuft man nach Centrale (1039 m; 3.30 Std.) hinein, passiert links eine Bar und überquert die rechts liegende Brücke. Nach dieser links und auf der Teerstraße an Regnana (1215 m; 4 Std.) vorbei und weiter zum Passo Redebus mit Bar (1455 m; 5 Std., 13,8 km). Beim Pass kann links auf den Wanderweg Nr. 14 gewechselt werden, der fast parallel zur Straße nach Palu (5.45 Std., 17 km) hineinführt.
Variante.
Wer gern in ausgesprochen schön gelegenen, sympathischen Berghütten übernachtet, sollte bei gutem Wetter unbedingt von Palu zum Rifugio Sette Selle aufsteigen und so die Kammwanderung am nächsten Tag etwas ausdehnen. Dazu von Palu 1 Kilometer Richtung Erdemolosee auf dem E5 weiterwandern, bis links der Wanderweg Nr. 343 nach Laner (1744 m; 1.15 Std.) und zum Rifugio (2014 m; 1.45 Std., 3 km) abzweigt. Die Hütte ist halb umrahmt von der Lagoraikette, liegt aber nach Westen hin offen und offeriert so einen bestechend schönen Sonnenuntergang über der Brenta.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied1000 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktCembra (665 m)
EndpunktPalu im Fersental (1400 m)
TourencharakterAuch Albrecht Dürer suchte schon den Weg in den Süden: Er wanderte 1494 auf einem Teilstück des E5 nach Venedig. Diese Strecke ist heute als »Dürerweg« ausgeschildert, und Porphyrblöcke mit der Aufschrift »AD« erinnern an die Stätten, an denen er seine Aquarelle malte. Sicher war Dürer genauso beeindruckt wie wir von den skurilen Säulen mit Steindach – den Erdpyramiden von Segonzano. Landartkünstler wie Andy Goldsworthy hätten nicht schöner gestalten können, was die Natur hier absichtslos schuf. Was der Gletscher des Avisio vor 50000 Jahren als Moräne ablagerte, wird jetzt vom Wasser langsam wieder abgetragen. Große Steinplatten schützen dabei die bis zu 20 Meter hohen Säulen vor der Verwitterung.
»Ein verzaubertes Tal«, nannte Robert Musil das Fersental in seiner Erzählung »Grigia«. Das alte Volk der Mocheni mit seinen archaischen Riten und dem seltsamen mittelalterlichen Dialekt faszinierten nicht nur ihn. Im 13. Jahrhundert besiedelten Holzmacher und Bergleute aus Bayern und Böhmen das Tal. Es gelang ihnen, über die Jahrhunderte ihre Eigenständigkeit und ihre Kultur gegen eine erdrückende romanische Übermacht beizubehalten. Die Rückständigkeit und Abgeschiedenheit des Tals halfen dabei – hier werden auch heute noch Birkenrindengefäße, wie sie die Gletscherleiche Ötzi bei sich hatte, verwendet. Heute sind die alte Mühle, der Filzerhof oder das Bergwerk Grua Va Hardömbl genau das Faustpfand, mit dem die Besucher verzaubert werden. So wie man im Bergwerksstollen an 400 Jahre alten Stützen vorbei immer tiefer ins geheimnisvolle Innere des Berges eindringt, so kann man auch bei den Mocheni in alte Zeiten eintauchen.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, WKS 14, Trento/Lagorai/Fleimstal (empfohlen). Kompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd
MarkierungenAusreichend rot-weiß und mit roten E5-Zeichen markiert
VerkehrsanbindungLinienbusse in Cembra, Bedollo und Palu, aber nicht über den Redebuspass. Infos über öffentliche Verkehrsmittel bei Trentino Trasporti s.p.a., Tel. +39/0464/821000, www.ttspa.it
GastronomieIn den zahlreichen Ortschaften, die passiert werden; Einkauf in Stedro Sabion, Bedollo und Palu
Unterkunft
In Segonzano: Hotel Segonzano, Frazione Scancio 24, Tel. +39/0461/686106 (DZ ab 37 Euro); Locanda dello Scalco, Fraz. Piazzo 51, Tel. +39/0461/696044 (schöne Schlossherberge von Segonzano, DZ Ü/F ab 54 Euro); Albergo Costalta Bedollo, Via Cavour 9, Tel. +39/0461/556617 od. 556089, costalta@inwind.it. Rif. Tonini, Tel. +39/0461/683022 (geöffnet 20.6.–20.9., AV-Mitglieder im Lager 8,50 Euro, sonst 18 Euro). In Palu del Fersina: Rosa Alpina, Loc. Tolleri 68, Tel. +39/0461/550075, rosa- alpina@libero.it (DZ Ü/F 23 Euro); Agritur. Maso Scalzerhof, Loc. Frotten, Tel. +39/0461/550074 (schöne Lage, DZ Ü/F 25 Euro); Albergo Lagorai, Via Stefani 20, Tel. +39/0461/550079, info@hotellagorai.it (DZ Ü/F 21 Euro, Frühstücksbuffet); Rifugio Sette Selle, oberhalb Palu, Tel. +39/0461/550101 (geöffnet 20.6.–20.9., AV-Mitglieder im Lager 8,50 Euro, sonst 18 Euro). Biwakplätze z.B. oberhalb Palu in Richtung Erdemolosee
Tourismusbüro
Altopiano di Pine, Via C. Battisti 106, I-38042 Baselga di Pine, Tel. +39/0461/5570 28 od. 55 85 00, Fax 557577, infopine@ aptpinecembra.it. Kulturinstitut Bernstol-Lusern, I-38050 Palu del Fersina, Tel. +39/0461/55 00 71, www.valledeimocheni.it. Schaubergwerk Grua Va Hardömbl, Tel. +39/0461/55 00 53 (Anmeldung erforderlich)

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