Von Canale zum Rifugio San Pietro

Unschwierige Rundwanderung auf traditionellem Saumpfad hinauf zum Rifugio San Pietro. (Autor: Joachim Lutz, Sabine Malecha)
11 km
400 m
3.00 h
Im mittelalterlichen Weiler Canale, oberhalb von San Antonio gelegen,scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Erste Aufzeichnungen stammen aus dem Jahre 1211. Das landwirtschaftlich geprägte Dorf wurde in den Nachkriegsjahren von seinen Bewohnern in Richtung der Industrie- und Touristikmetropolen verlassen. Viehzucht und Landwirtschaft auf den terrassenförmig angelegten Feldern rentierten sich nicht mehr, und das Land blieb sich selbst überlassen. Dies stellte sich im Nachhinein als großes Glück für den Erhalt der ursprünglichen Dorfstruktur heraus. So blieb Canale vom Bauboom der 60er- und 70er-Jahre verschont. Unter städtebaulichen Geschichtspunkten stellt der Weiler heute ein belebtes Freilichtmuseum dar. Um den kleinen Hauptplatz breitet sich die Bebauung spiralförmig Haus um Haus aus. Enge ge pflasterte Gassen mit Bogengängen, kleine Innenhöfe und Häuser, die sich seit jeher aneinanderreihen, bilden das malerische Ortsbild. Als Baumaterial dienten der in der Region vorhandene Naturstein und Holz. Die jahrhundertealten Gebäude blieben so bis heute erhalten. Übrigens: Canale gehört zu den 100 schönsten Dörfern in Italien. Viele Künstler haben an den Häuserwänden innerhalb des kleinen Ortskerns ihre Spuren in Form von Fresken hinterlassen. Heute stellt das Museum »Casa degli Artisti« – das Künstlerhaus Giacomo Vittone – die Werke der hier arbeitenden Künstler aus. Darüber hinaus gibt es noch ein kleines Bauernmuseum, das Gebrauchsgegenstände der Region zeigt.
Die »Casa degli Artisti«.
In den 1960er-Jahren fuhr der Amateurkünstler Giacomo Vittone mit dem Fahrrad von Riva nach Canale zum Malen. Er war es, der das Dorf wiederentdeckte und die Initiative ergriff. Viele freiwillige Helfer renovierten damals eine Ruine und richteten das Künstlerhaus »Casa degli Artisti« ein. Es sollte dazu dienen, fremden Künstlern die Möglichkeit zu bieten, hier zu arbeiten und aus der Umgebung Inspiration zu schöpfen. Die einzige Regel, die nach wie vor gilt, hieß: Jeder Künstler muss ein hier geschaffenes Werk der Casa degli Artisti überlassen. Dadurch entstand im Laufe der Jahre eine beachtliche Kunstsammlung, die wechselnd im Haus ausgestellt wird. Darüber hinaus finden ständig Kollektiv- oder Themenausstellungen statt, z. B.: Internazionale della Grafica – internationale Biennale der Graphik, Goya Incisore – Goya, der Grafiker, Tra Sogno e Magia – zwischen Traum und Magie, aber auch Einzelausstellungen mit Originalgrafiken von Dalì, Mirò, Vasarely, Tamburi, de Chirico, Picasso, Dürer, Rembrandt.
Die angebotenen Sommerseminare haben in der Zwischenzeit internationalen Ruf erlangt. Es werden Kurse in den Kunstrichtungen Keramik, Malerei, Gravierkunst, Papierverarbeitung und Fotografie angeboten. Inzwischen haben die Gemeinden Tenno, Riva del Garda und Arco eine Trägergesellschaft gegründet, die die »Casa degli Artisti« betreibt und trägt. »Casa degli Artisti«, Borgo Medioevale di Canale, 38060 Tenno, Tel. 0039/0464/50 20 22, E-Mail: casartisti@libero.it, www.casartisti.it
Von Canale zum Rifugio San Pietro.
Am Ortseingang von Canale parken wir das Auto und folgen dem Hinweisschild zum Haus der Künstler »Casa Artisti« in das Dorf. Bereits vor dem Ort sehen wir an einer Infotafel unser rot-weißes Wanderwegzeichen mit der Nr. 406, das uns durch einen Bogengang in die Ortsmitte führt. Eine Besichtigung sparen wir uns für das Ende der Wanderung auf. Im Ort selber geht es nach links, und gleich sehen wir das Wanderzeichen groß an einer Hauswand aufgemalt. Wir gehen links, wieder durch einen Bogengang, lassen die Häuser hinter uns und wandern zwischen alten Mauern auf einem Saumweg bergauf. Unschwer ist zu erkennen, dass dies ein alter Fahrweg ist. Kurz nach dem Ort kommen wir in einen Pinien- und Buchenwald, den wir bis zu den Kastanienhainen des Hauses Bastiani durchwandern. Auf dem Weg Nr. 406 geht es weiter bis an eine Straße mit einem Parkplatz. Hier sehen wir ein Hinweisschild zum Rifugio San Pietro, das uns nach rechts leitet. Wieder steigt der Weg an, bis die große Wiese um die Kapelle San Pietro mit der dazu gehörenden Gaststätte erreicht ist (1.30 Std.). Früher lebte hier ein frommer Eremit, und später bauten Trentiner Bergfreunde das Haus aus. Seit über 20 Jahren betreibt die Familie Santoni die Gastronomie und ist für ihre Hausmannskost bekannt. Von der Terrasse können wir bei einem guten Cappuccino den unglaublichen Ausblick über den nördlichen Gardasee und Arco genießen.
Über den Monte Calino und Treni zurück.
Neben der Kapelle führt uns Weg Nr. 401 weiter in den Wald. Im Schatten des Mischwaldes schlängelt er sich noch etwas weiter bergauf bis in die Nähe des Gipfels des Monte Calino. Der Monte Calino ist völlig bewaldet, und wir gehen weiter mit der bekannten Wegnummer 401 im wellenartigen Auf und Ab durch den Wald, bis wir rechts nach Treni abzweigen. Von nun an geht es nur noch bergab. Immer auf diesem Weg bleibend, tauchen bald links die Häuser von Treni auf (1 Std.). Ein schmaler Weg führt uns an diesen vorbei bis zu einer Straße. Dort rechts abbiegen (nicht in den Ort) und dieser Straße folgen.
Mit schönen Blicken schreiten wir dem Nachbarort von Canale, Ville del Monte, entgegen. Es geht durch den Ortskern von Ville del Monte hindurch. Danach queren wir den Hang auf einem Wiesenweg und sind zurück in Canale (30 Min.).
Nun kann die gemütliche Besichtigung des Ortskerns von Canale beginnen. Seine rustikale Architektur ruft das Ritterzeitalter in uns wach. Die Häuser scheinen aneinander zu kleben. Das im Laufe der Jahrhunderte entstandene Dorfbild blieb von den Umbauten der modernen Zeit unangetastet. Selbst Gerüche und Düfte haben hier einen antiken Einschlag. Das stille Viertel von Canale an den Hängen des Berges Misone am Rand des Gardasees ist eine Oase des Friedens und wunderbarer Baukunst. Besuchen sollte man unbedingt die »Casa degli Artisti«.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied400 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortCanale
AusgangspunktParkplatz vor dem Ort Canale
EndpunktParkplatz vor dem Ort Canale
TourencharakterTenno mit seinen sieben Ortsteilen breitet sich oberhalb der nördlichen Gardasee-Ebene aus. Das landschaftliche Herz bildet der Tennosee. Der nahezu perfekte See ist eine Perle inmitten der Trentiner Landschaft. Er bietet ein ungewöhnlich intensiv leuchtendes Farbenspiel zwischen Himmelblau und Türkis. Die benachbarten uralten Ortsteile mit ihren cha - rakteristischen Dorfkernen haben noch eine sehr ursprüngliche Atmosphäre und bieten einen Einblick in das mittelalterliche Leben in dieser Region.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarten - 1:25 000, Blatt 690 Alto Garda e Ledro; 1:35 000, Blatt 096 Alto Garda, Val di Ledro
MarkierungenWeg Nr. 406, 401
VerkehrsanbindungBrennerautobahn A 22, Ausfahrt Rovereto Sud, nach Riva del Garda, ab dort auf der Staatsstraße Richtung Tenno und weiter über den Abzweig San Antonio nach Canale.
GastronomieIm Rifugio San Pietro; in Treni
Tipps
RIFUGIO SAN PIETRO. So grandios wie die Lage ist auch die Küche im Rifugio San Pietro am Südkamm des Monte Calino, oberhalb von Calvola. Das Rifugio wurde an eine alte Kapelle angebaut. Vom Parkplatz an der von Calvola heraufführenden Straße sind es hierher nur zehn Minuten zu Fuß. 18 Betten hat das Rifugio. Aber auch wer nicht übernachten möchte, sollte einmal einen Abend heraufkommen und den Sonnenuntergang und die hervorragende bodenständige Küche genießen. Rifugio San Pietro, Pächter Santoni Enzo, Loc. Mattoni – Ville del Monte, 38060 Tenno, Tel. Pächter 0039/0464/50 21 50, Tel. Hütte 0039/0464/50 06 47; 20. Juni– 20. Sept. täglich geöffnet, sonst Sa/So
Tourismusbüro
Riva del Garda, Largo Medaglie d’Oro al V. M. 5, 38066 Riva del Garda, Tel. 0039/0464/55 44 44, E-Mail - info@gardatrentino.it, www.gardatrentino.

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