Von Bregenz zum Staufner Haus

Bitte beachten: Km-Distanz (42 km) ist bereits incl. empfohlener Bus-Fahrt von Bregenz nach Lingenau. Netto-Km-Distanz: 14,4 km. Nach der Busfahrt schattiges Waldwandern über den Rotenberg und hoch zum Lecknersee. Dann steil und anstrengend durch den Gelchenwangtobel auf den Grat der berühmten Nagelfluhkette. Kinder und Genießer: Schöne Etappe mit Hängebrücken und Mühlen in der Engenlochschlucht. Etappen-Ende im Ghf. Höfle möglich oder gleich mit dem Bus bis nach Hittisau fahren (Autor: Robert Mayer)
42 km
1160 m
5.00 h
Vom Bahnhof Bregenz erreicht man mit dem Bus in 1 Stunde Lingenau (685 m), die älteste Gemeinde im Bregenzer Wald. Bei der Kirche führt der E5 nördlich in den schattigen Bergwald und auf den flachen Rücken des Rotenbergs (995 m; 1 Std.). Infoschilder erklären die Ökologie des Waldes. Achten Sie auf die gelb-weißen Schilder, die zuerst nach links auf einen Pfad führen, um später wieder nach rechts auf die Forststraße zu weisen. Beim Wegekreuz nach rechts und auf dem schönen Saumpfad Richtung Hittisau/Häleisen. Beim Abstieg nach Häleisen passiert man eine Tafel, die über die Schlacht gegen die Franzosen an dieser Stelle informiert: Der mutige Adlerwirt Suterlüti aus Hittisau führte die Bregenzer Wäldler einst siegreich in den Kampf. Im Folgenden hat man einen wunderbaren Blick auf das Lecknertal, auf die Bolgenach und die Subersach im »Herzen« des Bregenzer Walds. Im Süden liegen die grasigen Flanken von Bullersch und Winterstaude.
In Häleisen gibt es mehrere Möglichkeiten, weiterzuwandern: Wer nach Hittisau (790 m; gut 1.50 Std.) mit seinen schönen alten und neuen Holzhäusern möchte, geht in Häleisen rechts zur Dorfkirche von Hittisau; dort weiter über den Ortsteil Rain nach Reute (815 m; 2.50 Std.). Die schönste Route, da abseits der Teerstraße, dürfte aber mit Abstand der »Wasserwanderweg Hittisau« sein. Dazu überquert man bei Häleisen die Straße und geht eine Wiese zu einem Hof hinunter. Am Hof rechts zu einer Kapelle und am Schwimmbad vorbei zur alten, überdachten Kommabrücke über die Bolgenach. Noch vor 15000 Jahren füllte das Tal ein See, und im Lauf der Zeit bohrte sich der Fluss, über den heute die Kommabrücke führt, in den Fels. Die Brücke aus dem 17. Jahrhundert ist die älteste Holzbrücke im Bregenzer Wald.
Nachdem man flussaufwärts die nächste Brücke überquert hat, führt links ein gelb-weißes Schild auf eine kleine Teerstraße. Nach wenigen hundert Metern entlang dieser geht es dann links wieder direkt zum Fluss in die wildromantische Engenlochschlucht hinein. Auch bei Regen ist der Pfad unter den überhängenden Nagelfluhwänden ein Abenteuer und unbedingt lohnenswert. Bei einer Hängebrücke gibt es zum Beispiel ein Wasserrad, das Wanderer in Gang setzen dürfen.
Über die Ließenbachbrücke trifft man auf die Wassersäge Bartenstein und gelangt nach Reute (815 m; 2.75 Std.). Der Lecknersee (1000 m; 4 Std., 11 km) entstand durch einen Bergsturz. Der Gasthof Höfle über dem See serviert prämierte einheimische Käsespezialitäten und geräucherte Forelle aus dem Lecknersee.An der nächsten Gabelung ca. 300 Meter nach dem Gasthof links abbiegen und über den Bach in Richtung Staufner Haus. Vorbei am einsamen Grenzschild steigt man zur Unteren Samansbergalpe auf und weiter steil hinauf in Richtung Obergelchenwangtobel. Der Gelchenwangerbach und der -tobel werden links abbiegend auf einem Steg überschritten, dann geht es unter den felsigen Süd-abhängen des Seelekopfs entlang empor zur Lauchalpe (1412 m; 5.50 Std.). Über schöne Almwiesen erreicht man am Grat die Morgenalpe und wieder ein Stück tiefer am Nordhang das gemütliche Staufner Haus (6.25 Std., 14,4 km).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour42 km
Höhenunterschied1160 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBregenz (398 m)
EndpunktStaufner Haus (1634 m)
TourencharakterDer hügelige Bregenzer Wald ist, wie der Name besagt, ein holzreiches Revier, in dem schon vor langer Zeit durch Rodungen Almen für die Sömmerung des Viehs geschaffen wurden. Holz aus Bergwald wächst langsamer, ist robuster und schöner gemasert als das der Stangenwälder in tieferen Lagen – ein Grund dafür, dass die Holzarbeiten aus dem Bregenzer Wald immer schon gefragt waren. In Ließenbach an der Bolgenach steht noch die 200 Jahre alte Wassersäge Bartenstein, in der Bretter und Balken für die Zimmerer und Schreiner vor Ort gesägt wurden; heute hat das Wasserrad allerdings ausgedient.
Der Bergkäse jedoch wird auf zahlreichen Almen des Bregenzer Walds immer noch in Handarbeit erzeugt. Qualität statt Quantität will zwar bezahlt sein, aber wer will nicht mit ein paar Cent über dem Supermarktpreis die harte Arbeit der Bergbauern honorieren. Wandert man durch die üppig blühenden, artenreichen Almen des 2008 geschaffenen Naturparks Nagelfluhkette, so wird einem bewusst, welcher Verlust es wäre, wenn dort – wie einst – »nur« Wald wüchse.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Nr. 120, E5 Nord. Bayerisches Landesvermessungsamt 1:50000, UK L11, Lindau/Oberstaufen, und UK L8, Allgäuer Alpen
MarkierungenNeue Wandertafeln in Gelb-Weiß, auch einige rote Punkte und E5-Zeichen
VerkehrsanbindungLinienbusse vom Hbf. Bregenz nach Lingenau und Hittisau (www.vmobil.at); Hochgratbahn zum Staufner Haus, zur Talstation Bus von Oberstaufen (www.hochgrat.de)
GastronomieIn Hittisau und Reute; Ghf. Alpenrose; Ghf. Höfle; Lebensmittelgeschäfte in Hittisau
Tipps
Naturpark Nagelfluhkette. Als markante, auf- und abschwingende Linie zieht sich die Nagelfluhkette von Ost nach West, vom Mittaggipfel bis zum Hochhäderich. Der felsige Riegel bildet so, über 20 km Luftlinie, die nordwestliche Grenze der Allgäuer Alpen. Hochgrat und Rindalphorn sind die höchsten Gipfel und stehen mit ihren mächtigen Nordwänden etwa in der Mitte der Kette. 14 Gemeinden aus Süddeutschland und Österreich schufen 2008 den Naturpark Nagelfluhkette, ein Pilotprojekt, denn er ist der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Deutschland und Österreich. Zum 1. Januar 2008 wurde er vom Bayerischen Umweltministerium genehmigt und umfasst insgesamt 24700 ha im Oberallgäu und im angrenzenden Bregenzer Wald. Seltene Tiere wie die Alpenmosaikjungfer und Pflanzen wie die Türkenbundlilie oder der Frauenschuh sind nun besser geschützt. Aber auch das Nagelfluhgestein, von den Allgäuern »Herrgottsbeton« genannt, verdient unsere Aufmerksamkeit. Es entstand vor 25 Mio. Jahren, als sich Flussschotter am Nordrand der entstehenden Alpen in einem Delta, dem Molassetrog, ablagerte. Verschiedene Schichten aus Sand, Mergel und Geröll überlagerten einander und wurden schließlich fest zusammengebacken. Da die vielen kleinen Kiesel wie Köpfe von Schuhnägeln aussehen, taufte der Volksmund sie »Nagelfluh« (Fluh = Felswand). An der Kirche bei Lingenau führt ein Weg zum Quelltuff über der Subersachschlucht. Die porösen Kalk-Sintersteine des eindrucksvollen Tuffhangs dienten zum Bau der formschönen St.-Anna-Kapelle, die das bedeutendste Bauwerk der Region ist und etwas abseits des Wegs bei Lingenau liegt. (Die ausgeschilderten 20 Min. für den Hinweg zur Schlucht sind allerdings etwas knapp bemessen.)
Unterkunft
Staufner Haus, DAV Oberstaufen, Tel. +49/(0)8386/8255, Fax 991121, www.staufner-haus.de (geöffnet 1.5. bis Allerheiligen; gute Küche, am Wochenende voll! DAV-Mitglieder im Lager 8 Euro, sonst 16 Euro; auch 2- und 4-Bett-Zimmer); Ghf. Höfle, Tel. +43/(0)664/ 4956022, www.tiscover.at/höfle (geöffnet Mai bis Mitte Okt., gute Käsegerichte; 15 Betten, DZ Ü/F 14 Euro, Lager Ü/F 10 Euro); Biwakplatz auf dem Grat
Tourismusbüro
Hittisau Tourismus, Platz 370, A-6952 Hittisau, Tel. +43/(0)5513/62 09 50, www.hittisau.at, tourismus@hittisau.at. Bregenzer Wald Tourismus, Gerbe 1135, A-6863 Egg, Tel. +43/(0)5512/23 65, info@bregenzerwald.at

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