Von Belluno nach Revine

Jochvariante (Hauptroute): leichte, aber lange Wanderung durch abwechslungsreiche Landschaft auf kaum befahrenen Sträßchen; Gipfelvariante: zusätzliche Übernachtung am Kamm des Nevegal. Bei beiden gelegentlich etwas Orientierungssinn nötig Belluno – Castiòn – Castoi – Valmorel – Casera Monte Gal – Revine (Autor: Eva-Maria Troidl, Stefan Lenz, Ludwig Graßler)
28 km
850 m
8.00 h
Nur der Nevegal trennt uns noch von der oberitalienischen Ebene. Um ihn zu überwinden, bieten sich zwei Möglichkeiten an. Unsere Hauptroute, die Jochvariante, führt über den Sattel zwischen Monte Boral und den Col della Poiatte nach Revine. Bei der Gipfelvariante erklimmt man den Col Visentin, übernachtet dort und steigt erst am folgenden Tag ab (man benötigt also einen Zusatztag!). Bei klarem Wetter, wenn man vom Kamm des Nevegal bis nach Venedig und zur Adria sehen kann, ist die Übernachtung auf dem Col Visentin und der lange Panoramaweg ein unvergessliches Erlebnis.
Am südlichen Ortsausgang von Belluno überqueren wir die große Piavebrücke. Nach nur wenigen Metern auf der viel befahrenen Straße nehmen wir die Abzweigung links nach Castiòn und dem Ort Nevegal. Sogleich zweigt erneut links ein kleines Sträßchen ab, das auf den ersten Blick fast wie eine Einfahrt aussieht. Das ansteigende Sträßchen, auf dem wir nun bleiben, ist bald für den Autoverkehr gesperrt. Ein herrlicher Ausblick über die Ponte delle Vittoria und die malerische Altstadt mit der beeindruckenden Schiara und dem Monte Pelf im Hintergrund öffnet sich. Auf ruhigem Weg aufwärts steigend, kommen wir zurück zur Hauptstraße und danach ins Dorf Castiòn. Etwa 300 Meter hinter dem Ortseingang biegen wir rechts in die Nebenstraße Via del Favero ein. Auf dem Dorfplatz, an dem fünf Straßen münden, trennen sich Gipfel- und Jochvariante.
Jochvariante: Wir verlassen den Platz nach rechts, wandern zum Ortsausgang und von dort nach links auf der wenig befahrenen Landstraße hinunter ins Tal des Torrente Turriga. Nachdem wir eine alte Mühle passiert haben erreichen wir Castoi. Hier schwenken wir nach links und wandern oberhalb des Torrente Cicogna stetig bergan. Vorbei an den malerischen Dörfchen Cet, Pian del Monte und Tassei gelangen wir in 31/2 Stunden nach Valmorel (808 m). Im Ort biegen wir links ab, folgen der Straße bis zur zweiten Abzweigung nach links (Höhenpunkt 833) und gelangen so zur Casera Monte Gal (920 m). Hier an der Alm wird die Fahrstraße zu einem Wirtschaftsweg über die Almwiesen, der uns schließlich zum Pass führt. Abzweigende Almwege, die oft blind an einer Weide enden, sorgen stellenweise für Verwirrung. Im Zweifelsfall halten wir uns immer in Richtung Talgrund. Nach dem letzten Aufstieg über einen steinigen Weg durch ein Wäldchen ist auf einer Höhe von 1100 Metern auf die Querstraße zu achten, die nach links zu den bewirtschafteten Hütten auf dem Pian de le Femene abbiegt. Sowohl Abzweig als auch Hütten sind nur bei einem Blick nach hinten zu sehen (11/2 Std. von Valmorel). Bei den Gebäuden beginnen die Abstiegswege, die für beide Varianten identisch sind und weiter unten beschrieben werden.
Gipfelvariante: Über den Dorfplatz von Castiòn wandern wir geradeaus nach Faverga (Via Faverga) und Cirvoi (Via Cirvoi). Hier wird das Sträßchen (Via Col del Gou) noch schmaler und die Steigung nimmt zu. Ungefähr zwei Kilometer nach Cirvoi an der Gabelung der Wirtschaftswege oben im Bergwald (ca. 825 Höhenmeter) halten wir uns rechts. Wir meistern nochmals 1,5 Kilometer Autostraße und gelangen auf stillem Weg zur Hotelsiedlung Nevegal (1024 m). Ab der Liftstation steigen wir zunächst auf dem Weg 1 Richtung Rifugio Bristot bis zu einer Höhe von etwa 1200 Metern auf. Dann folgen wir der Markierung Nr. 6 zu den Casera Col Toront (ca. 1400 m) und weiter dem naturbelassenen Weg Nr. 7 zum Fahrweg Nr. 13. Dieser bringt uns endlich auf den Col Visentin. Direkt dort liegt das Rifugio 5° Art. Alpina, in dem wir die Nacht verbringen. Für diesen Aufstieg von 1400 Höhenmetern über eine Strecke von 18 Kilometern müssen wir eine Gehzeit von fünf bis sechs Stunden kalkulieren. Am nächsten Tag steigen wir zuerst auf der breiten Schotterstraße 2,5 Kilometer zur Forcella Zoppei ab (1417 m). Hier verweist ein Pfosten mit Schild nicht nur auf den Traumpfad München–Venedig, sondern auch auf die Wanderroute 1 der Provinz Treviso (TV1). Die Inschrift »Sentiero Panoramico« verrät auch – klare Sicht vorausgesetzt – was uns während der nächsten fünf Kilometer auf dem Kammpfad hinüber zum Pian de le Femene erwartet. Pfadspuren, Zufahrtswege und hier und dort rote Markierungen weisen uns die Richtung. Einmalige Ausblicke und die reiche Flora verkürzen den Weg. Er führt über Monte Agnellezze (1502 m) und Monte Pezza (1436 m) zum Col della Poiatte und hinunter zum Rifugio Mamel (1140 m, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit) auf dem Pian de le Femene.
Abstieg für beide Varianten: Zum Abstieg aus der Almregion bietet sich neben der Autostraße, die uns über Serpentinen in zwei Stunden nach Revine führt, ein steiler und steiniger Fußweg mit der Nummer 1032 an. Der Einstieg ist ein Wiesenweg gegenüber dem Rifugio Mamel (Pfosten mit Hinweis). Nun gilt es die letzten alpinen Höhenmeter, 900 an der Zahl, zu überwinden! Nach Zufahrten, die zu überqueren sind, setzt sich der Abstieg immer wieder über Böschungen fort (rote Markierungen). Das letzte Stückchen des Abstiegs verläuft über einen Grasweg und über Ortsstraßen von Revine: Via Belvedere und Via della Valle. Auf der Hauptverkehrsstraße nach rechts erreichen wir das Hotel Giulia. Weitere Übernachtungsmöglichkeiten bestehen im Ort Tarzo, der direkt auf der Wanderstrecke des folgenden Tages liegt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour28 km
Höhenunterschied850 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBelluno.
EndpunktRevine
TourencharakterDer Nevegal ist der Hausberg der Belluneser, genau wie das Brauneck der Hausberg der Münchner ist. Im Winter herrscht reges Skitreiben, und viele Einheimische haben dort Ferienhäuser. Ein letztes Mal auf dieser Wanderung kommt das Gefühl auf, dass wir eine Bergtour machen, denn die Hänge des Nevegal mit ihren Almwiesen erinnern tatsächlich an das Voralpenland.
Hinweise
Der Aufstieg kann mit der Buslinie über Faverga und Cirvoi bis zur Hotelsiedlung Nevegal und dem Sessellift auf das Col Faverghera um die Hälfte verkürzt werden. Auskünfte zu den Fahrzeiten erhält man in der Touristeninformation Belluno oder am Busbahnhof. Aber selbst mit dieser Hilfe ist die Tour wegen des langen Abstiegs kaum an einem Tag zu bewältigen. Auch bis nach La Casera am Nordende des Kammes existiert eine Buslinie. Wer den Gratweg von hier aus begehen will, kann bei den Casera Faverghera einen botanischen Alpengarten besichtigen, der auf etwa 1540 Meter Meereshöhe liegt.
KartentippTabacco 4 Dolomiti Agordine e di Zoldo, 1:50 000; Belletti V223 Le Prealpi di Vittorio Veneto, 1:50 000 (Achtung, die Karten von Belletti sind sehr ungenau, stellenweise auch falsch); Tabacco 024 Prealpi e Dolomiti Bellunesi, 1:25 000.
MarkierungenKeine bei der Jochvariante, bei der Gipfelvariante siehe Text. Beim Abstieg vom Pian de le Femene rote Wegmarkierung 1032.
VerkehrsanbindungBusverbindung in Revine.
GastronomieIn der Hauptsaison in Valmorel und am Joch (Pian de le Femene).
Tipps
Als lohnende Alternative zur Übernachtung in Revine empfehlen wir das Agriturismo Le Noci in Arfanta. Es liegt etwas abseits der Straße von Arfanta, Richtung Rolle. Von dort exitiert ein Wanderweg, der direkt zum Mulietto de la Croda führt.
Unterkunft
Ai Cadelach Hotel Giulia, Via G. Grave 1, Revine Lago, Tel. 0438/52 30 10; bei der Gipfelvariante Übernachtung im Rifugio 5° Art. Alpina, Tel. 0437/2 71 10 und in Tarzo im Albergo Ai Pini, Vicolo dei Pini 6, I-31020 Tarzo, Tel. 0438/58 62 06, Di und Mi Ruhetag.
Tourismusbüro
Informazione e Assistenza Turistica, Piazza dei Martiri 8, I-32100 Belluno, Tel. 0437/94 00 83.

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