Von Bad Tölz zur Benediktenwand

Unschwierige Bergwanderung mit langem Aufstieg; bei der Gratvariante ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. (Autor: Eva-Maria Troidl, Stefan Lenz, Ludwig Graßler)
20 km
1000 m
6.00 h
Für diesen Wandertag gibt es, je nach persönlicher Vorliebe, zwei Möglichkeiten. Wer jeden Meter nach Venedig zu Fuß zurücklegen will, wandert bis nach Arzbach, verlässt dort das Isartal und steigt auf der Nordseite der Benediktenwand über das Arzbachtal zur Tutzinger Hütte auf. Alternativ kann man bis Lenggries an der Isar bleiben, sich dort von der Bergbahn auf das Brauneck schaukeln lassen und nach einer aussichtsreichen Gratüberschreitung die Hütte ansteuern.
Von Bad Tölz aus benutzen wir den Wanderweg auf der westlichen Isarseite. Er leitet uns in die herrliche Wildnis der Flussaue. Die kargen Geröllfelder mit ihrem struppigen Bewuchs erinnern ein wenig an das Buschland Australiens. Auf einem kurzweiligen Weg erreichen wir nach 1 1/2 Stunden den kleinen Ort Arzbach.
Variante über das Arzbachtal: Kurz nach einer Holzbrücke treffen wir auf eine Abzweigung in den Ort (Wegweiser Arzbach, Lenggrieser Höhenweg und Café Schusterpeter). Dort wechseln wir auf die Straße, die am Sportplatz rechts abknickt und vorbei an einigen wunderschönen alten Holzhäusern Richtung Hauptstraße und Kirche führt. Wir wenden uns an der Hauptstraße nach links, überqueren die Brücke über den Arzbach zum Ort Schlegldorf und halten rechts Ausschau nach der steilen Auffahrt zum Gasthof Schweizerwirt. Wir gehen allerdings nicht am Gasthaus vorbei, sondern halten uns oben gleich links auf dem Weg, der entlang der Böschung direkt Richtung Süden führt. Vorbei an einer kleinen Kapelle stoßen wir nach ca. zwei Minuten auf die Abzweigung zu den Seiboldshöfen (Wegweiser Brauneck, Benediktenwand, Markierung 468). Immer geradeaus geht's nun weiter. Wir lassen die Höfe links liegen und kommen zwischen einem Bauernhaus und der dazugehörigen Scheune hindurch auf eine Weidefläche. Eine Reihe alter Bäume säumt den Wirtschaftsweg, der am Ende der Rinderweiden das felsige Bett des Arzbachs trifft. An der Spitzkehre der Forststraße, die nun vor uns liegt, besteht die Gefahr, den falschen Weg einzuschlagen, denn wer hier links bergauf der Markierung 468 folgt, steigt auf's Brauneck. Das ist eine lohnende Sonntagswanderung, die wir uns jedoch für ein anderes Mal aufsparen. Wir nehmen stattdessen den rechten Weg und erreichen, immer am Arzbach entlang, nach drei Stunden einen großen Parkplatz, ab dem die Straße glücklicherweise für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist. Bald danach trennt sich die Forststraße vom Bach und steigt in Serpentinen zügig hinauf zur Abzweigung ins Längental.
Hier wählen wir nun den mit der Nummer 460 markierten Weg. Er umgeht den Längenberg auf der Westseite und leitet den Wanderer über Baunköpfl- und Melcherstefflalm zur Tiefentalalm (1251 m). Die bequemen Forstwege bringen uns schnell voran, und nach etwa einer halben Stunde haben wir schon die Melchersteffl-Alm erreicht. Über grüne Wiesen, vorbei an den Hütten, leitet uns der Wirtschaftsweg zum Waldrand am Talende. Dort wird er steiler und führt hinauf zur Jagdhütte an der aufgelassenen Sattelalm (1095 m). Bei der Weggabelung nach dem Sattel halten wir uns links. Auf dem leicht fallenden Forstweg müssen wir jetzt den Verlust einiger Höhenmeter in Kauf nehmen, doch nach der Überquerung mehrerer Bachläufe steigen wir dann endgültig zur Tiefentalalm hinauf. Mit Beginn der freien Almfläche hat sich das Sträßchen in einen befestigten grünen Weg verwandelt. Der weitere Verlauf unserer Route ist nun durch den im Süden liegenden Sattel vorgegeben. Zuerst gilt es, die nahe der Alm stehende mächtige Fichte anzusteuern. Beim folgenden, recht mühevollen Anstieg achten wir auf rote Markierungen und Trittspuren. Oben am Sattel angekommen, öffnen sich uns herrliche Ausblicke nach Norden über die runden Flyschberge bis zum Zwiesel, nach Osten zur Probstenwand, nach Süden zur Benediktenwand sowie hinunter zum Etappenziel, der etwa 150 Meter tiefer gelegenen Tutzinger Hütte. Nach den hinter uns liegenden Anstrengungen ist der Abstieg vorbei an malerischen Baumgestalten und Felsblöcken ein schöner Abschluss dieses Wandertags durch einen wenig begangenen Teil des Isarwinkels.
Variante über das Brauneck: In Arzbach bleiben wir auf dem Isarweg, dem wir bis nach Lenggries folgen (von Bad Tölz: 2 1/2 Std.). Die Isarbrücke am Ortseingang mündet in einen Kreisverkehr, von dem die Straße zur Talstation der Brauneckbahn abzweigt. Mit der Bahn gewinnen wir über 800 Höhenmeter in einem Rutsch. Wer sich jetzt im Brauneckhaus stärken will oder das Brauneck in die persönliche Liste bezwungener Gipfel eintragen möchte, steigt gleich an der Bergstation rechts hinauf. Alle anderen wandern geradeaus auf dem Europawanderweg E4 weiter. Bald schwenkt der E4 nach rechts, steigt dabei kurz steil an und verläuft dann oben auf der scharfen Gratlinie über Stangeneck und Vorderen Kirchstein. Nach knapp einer Stunde stehen wir am Latschenkopf (1712 m), der uns eine optimale Rundumsicht beschert. Kurz danach ist eine Entscheidung zu fällen: Entweder gelangen wir auf einem luftigen Steiglein über die Achselköpfe zum Rotöhrlsattel oder wir bleiben auf dem E4, steigen etwa 20 Minuten Richtung Probstalm ab und, ohne die Almhütte zu erreichen, gleich anschließend die verlorenen Höhenmeter zum Sattel wieder auf. Vom Rotöhrlsattel bietet sich ein Abstecher auf den Gipfel der Benediktenwand an, den wir je nach Lust und Laune, den Wetterverhältnissen und unserer Kondition einschieben können. Stellenweise drahtseilversichert erreichen wir das Gipfelkreuz nach etwa 40 Minuten. Ebenso lange benötigen wir für den Abstieg zur Tutzinger Hütte, die unter uns im Schutz, aber auch im Schatten des beeindruckenden Gipfelaufbaus liegt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied1000 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBad Tölz.
EndpunktTutzinger Hütte.
TourencharakterNach zwei Wandertagen im Isartal nehmen wir am dritten Tag der Venedigwanderung die erste Bergtour in Angriff. Brauneck und Benediktenwand gehören zu den Münchner Hausbergen; hier herrscht zu jeder Jahreszeit Hochbetrieb. So wie der Nevegal im Veneto den Alpen vorgelagert ist, ist die Benediktenwand die Aussichtskanzel zwischen Hochgebirge und Ebene hier bei uns. Der Blick zurück schweift über die bayrischen Seen und an schönen Tagen bis nach München, vor uns sehen wir die Gebirgsmassive des Karwendels und des Wettersteingebirges.
Beste Jahreszeit
KartentippKompasswanderkarte 182 Isarwinkel, 1:50 000; topografische Karte UK L30 Karwendelgebirge, 1:50 000.
MarkierungenWegnummer 468, 460.
VerkehrsanbindungZug und Busverbindung in Bad Tölz und Lenggries.
GastronomieArzbach, ggf. Hütten am Brauneck.
Unterkunft
Tutzinger Hütte, DAV Sektion Tutzing, Tel. 0175/1641690, geöffnet Ende April bis Anfang November.
Tourismusbüro
Gästeinformation der Gemeinde Lenggries, Rathausplatz 1, 83661 Lenggries, Tel. 08042/50 08-20.

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