Von Bad Schandau zum Adamsberg

Auf einen anstrengenden Aufstieg folgt eine aussichtsreiche Wiesenwanderung mit kaum Schatten; der Abstieg in das Kirnitzschtal ist steil und erfolgt auf Metalltreppen, bei Regen rutschig (Autor: Tassilo Wengel)
Bad Schandau.
Erstmals 1437 urkundlich erwähnt, sorgten der Elbhandel mit Holz und Getreide sowie die Schifffahrt für den wirtschaftlichen Aufschwung von Bad Schandau im Mittelalter. Seine Karriere als Heilbad begann 1730, als der Pirnaer Arzt Dr. Cadner eine eisenhaltige und damit gesundheitsfördernde Quelle auf dem Gelände des Floßmeisters Johann Christian Häntzschel entdeckte. Das Wasser wurde bald in Flaschen abgefüllt und als Heilwasser nach Dresden verkauft. 1799 entstand das erste Badehaus und schon Theodor Körner schwärmte 1806 von Bad Schandau als »Kraft- und Prachtplatz der Natur«. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Bad Schandau zu einem Kur- und Erholungsort, aber auch zu einem Eisenbahnknotenpunkt. Die Stadt war inzwischen Eigentümerin des Kurbades, ließ ein neues Kurhaus bauen, Promenaden und Parkanlagen anlegen. Die offizielle Bezeichnung »Bad« erhielt der Ort 1920. Ein bedeutender Förderer der Stadt war der Hotelier Rudolf Sendig (1848–1918), der eine Reihe von Villen erbaute und 1882 den Sendig-Park anlegte. Im Ortsteil Ostrau erinnert die Holzvillenkolonie bis heute an seine Bautätigkeit.
Sehenswert ist die an der Ostseite des lang gezogenen Marktplatzes gelegene Stadtkirche St. Johannis von 1709 mit ihrem 1574–79 von Hans Walther gefertigten Renaissance-Altar. Er besteht aus heimischem Sandstein und belgischem Marmor und ist mit Halbedelsteinen aus dem Erzgebirge verziert. Moses mit der Bibel und Gebotstafeln trägt die barocke Sandsteinkanzel. Auf der gegenüberliegenden Seite des Marktes steht der einstige Brauhof, ein Spätrenaissancebau (1704) mit sechseckigem Treppenturm an der Hofseite. In der Marktstraße 1 fällt ein Gebäude mit Sandsteinerdgeschoss und aufgesetztem Fachwerk auf, am Ende der Marktstraße das Rote Haus, ein Fachwerkbau von 1837 und heute Hotel. Das Alte Rathaus in der nahen Poststraße 12 besticht durch seine Freitreppe, über dem Portal sind sächsische und kurfürstliche Wappen zu sehen.
Von Bad Schandau zur Schlossbastei.
Vom Marktplatz in Bad Schandau gehen wir die Marktstraße aufwärts und steigen am Ende der Straße die Treppen hinauf (Wegweiser Schlossbastei). Rückblickend genießen wir den Ausblick auf das Städtchen. Wir gewinnen weiter an Höhe und folgen – fast oben angekommen– dem Panoramaweg (Markierung gelber Punkt) zum Aussichtspunkt Schlossbastei. Zusammen mit der Schlossbergpromenade wurde die Schlossbastei 1857 als Aussichtspunkt eingeweiht. Zusammen mit dem 1861 eröffneten Restaurant war es jahrzehntelang ein viel besuchtes Ausflugsziel, bevor im Jahre 1979 das Restaurant wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.
Auf schönem Panoramaweg zum Adamsberg.
Wir folgen weiter der Markierung gelber Punkt und erreichen den Schlossberg mit einer künstlich errichteten Schlossruine. Sie stammt von 1883 und wurde von Baumeister Dachsel erbaut. Auf einem angenehmen Waldweg kommen wir zur Kleingartenanlage Kiefricht und folgen nun dem Panoramaweg zum »Waldhäusl« (anfangs Markierung blauer Querstrich, dann gelber Punkt). Vor der Straße schwenken wir nach rechts und folgen dem Wegweiser Altendorf/Kirnitzschtal. Anfangs verläuft der Weg zwischen Wald und Wiesen, mündet dann in den Wald und führt leicht abwärts, bis nach leichtem Anstieg eine weite Ackerfläche sichtbar wird und wir einen mit Schotter befestigten Feldweg erreichen, der sich als großartiger Panoramaweg offenbart. Malerisch ragen die Schrammsteine auf, zurückblickend hebt sich mit zunehmender Höhe immer deutlicher Bad Schandau hervor und vor uns sehen wir schon die Häuser von Altendorf. Am Denkmal für Hermann Lemme (1903–1989), einen Heimatforscher aus Altendorf, vorbei treffen wir auf die Straße Bad Schandau–Altendorf–Mittelndorf. Wir gehen nach links bis zur ehemaligen Schule, in der seit 1994 das Fremdenverkehrsamt der Gemeinde Kirnitzschtal untergebracht ist. Hier lehrte Hermann Lemme von 1923 bis 1930. Bei der Schule folgen wir der Rathmannsdorfer Straße und sehen schon den bewaldeten Adamsberg aufragen. Die Aussicht ist großartig und reicht rechter Hand bis zum Lilienstein, dem Großen und Kleinen Bärenstein und dem Rauenstein. Nach links schließen sich der Schneeberg in der Böhmischen Schweiz, Zschirnstein, Schrammsteine, Großer Winterberg und die Kleine Liebe an. Am Parkplatz beim Gasthaus Heiterer Blick informieren Tafeln genau über die einzelnen Erhebungen.
Vom Adamsberg wieder zurück an der Straße Schandau–Altendorf–Mittelndorf, sehen wir schon das Gasthaus mit seiner großen Panoramaterrasse, wo sich eine Rast lohnt. Gestärkt folgen wir der Straße bis zur Bus-haltestelle, wo eine Tafel auf den denkmalgeschützten Bauernhof Lantzsch aufmerksam macht. Er wurde vermutlich bei der Dorfgründung an der alten Hohen Straße errichtet und war von 1458 bis 1575 das Vorwerk des Rittergutes Prossen. Von hier leitet uns ein Wegweiser Richtung Dorfbachklamm, Kirnitzschtal, Waldhäusel (Markierung roter Querstrich) abwärts.
Durch das Kirnitzschtal zurück.
Nachdem wir Altendorf verlassen haben, folgen wir dem Weg in ein breites Bachtal mit goldgelb blühenden Telekien im Juli/August, die viele Schmetterlinge anlocken. Dann steigen wir auf langen Metalltreppen durch die steile Klamm in das Kirnitzschtal und wandern auf dem Lehrpfad Flößersteig in Richtung Bad Schandau. Dort gelangen wir von der Kirnitzschtalstraße zum Basteiplatz und über Poststraße und Kirchstraße wieder zum Markt.

GEHZEITEN.
Bad Schandau, Markt – Altendorf 13/4 Std. – Adamsberg (hin und zurück) 1/2 Std. – Bad Schandau Pflanzengarten 3/4 Std. – Bad Schandau, Markt 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied170 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBad Schandau
EndpunktBad Schandau
TourencharakterDie malerische Lage Bad Schandaus an der Elbe und der Kirnitzschmündung bietet vielfältige Möglichkeiten zum Wandern und Erholen. Eine davon ist diese Rundtour zum Adamsberg mit seiner großartigen Aussicht.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1 - 25000 mit Wanderwegen des Landesvermessungsamtes Sachsen, Blatt 45
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A4 oder A13 bis zur Anschlussstelle Dresden Altstadt und durch Dresden Richtung Pirna, oder bis Autobahndreieck Dresden-West, auf der A17 bis zur Anschlussstelle Pirna und auf der B172 über Pirna nach Bad Schandau. Mit der S-Bahn bis Bad Schandau
GastronomieAltendorf - Landgasthaus Heiterer Blick, Sebnitzer Str. 20, Tel. 035022/42714, Di Ruhetag. Kirnitzschtal: Gaststätte & Pension Waldhäusl, Kirnitzschtalstr. 89, Tel. 035022/42366
Tipps
EINKEHR-TIPPS. Gleich neben der Toskana-Therme in Bad Schandau lädt das exklusive Parkhotel an der Elbe zum Verweilen ein. Zum reizvollen Ambiente gehören der historische Ball- und Konzertsaal im Jugendstil sowie ein großzügiges Wintergarten-Restaurant mit Cocktailbar in der historischen Königsvilla. Neben sächsischen Spezialitäten lockt auch das Angebot an leicht bekömmlichen Speisen. Auf einem breiten Höhenrücken zwischen Kirnitzsch- und Sebnitztal zieht sich der historische Handelsweg nach Böhmen entlang. An seinem Rand liegt in Altendorf das Landgasthaus »Heiterer Blick« zur Einkehr. Die Aussicht von seiner großen Panoramaterrasse reicht von den markanten Tafelbergen Königstein und Lilienstein im Westen über Zirkelstein, Zschirnstein und Pfaffenstein bis zu den Schrammsteinen im Osten. Eine eigene Metzgerei, die weithin bekannte gutbürgerliche Küche, Dresdner Biere, Meißner Weine und hauseigener Kräuterlikör locken zahlreiche Gäste an. Nachdem in Bad Schandau in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis auf zwei alle Gasthofbesitzer Hering hießen, ließ der Fleischermeister Karl Gottlob Hering 1838 die Fenster seines Gasthofes zur Unterscheidung knallrot anstreichen. 1862 wird der Name des Gasthofs in der Elbzeitung erstmals mit »Zum rothen Haus« angegeben. Er blieb bis heute erhalten. Das Hotel serviert in seiner gemütlichen Gaststube sowohl traditionelle deutsche Küche als auch Spezialitäten mit internationalem Charakter.
Unterkunft
Bad Schandau - Parkhotel, Rudolf-Sendig-Str. 12, Tel. 035022/520, www.parkhotel-bad-schandau.de Hotel Zum Roten Haus, Marktstr. 10, Tel. 035022/42343, www.hotel-zum-roten-haus.de; Hotel Lindenhof, Rudolf-Sendig-Str. 11, Tel. 035022/489–0, www.lindenhof-bad-schandau.de
Tourismusbüro
Tourismusinformation im Haus des Gastes, Markt 12, 01814 Bad Schandau, Tel. 035022/90030, www.bad-schandau.de

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