Von Bad Liebenzell nach Hirsau und Calw

Kultur und Natur im Nagoldtal Bequeme Talwanderung, meist im Wald, mit schönen Ausblicken. (Autor: Chris Bergmann)
9 km
300 m
2.00 h
Burg Liebenzell.
Die Ruine der Burg Liebenzell (467 m) thront auf einem Felsen hoch über dem Nagoldtal und ist mit ihrer mächtigen, 3 Meter dicken Schildmauer und dem quadratischen Bergfried, der als Aussichtsturm dient, ein Wahrzeichen der Stadt. Bei klarer Sicht sollte man sich den Blick vom 35 Meter hohen Turm nicht entgehen lassen. Errichtet wurde die Burg um 1200 von den Grafen von Eberstein als Schutzburg für ihre Besitzungen im Nagoldtal. Im 14. Jh. soll ein tyrannischer Burgherr vom Turm gestürzt worden sein.
Kurpark.
Vom Bahnhof Bad Liebenzell führt die schwarz-rote Ostweg-Raute durch die Bahnhofstraße talaufwärts zum Berliner Platz und geradeaus weiter durch den Reuchlinweg, wo sich schon bald die Möglichkeit bietet, über eine Stegbrücke einen Abstecher in den von der Nagold durchflossenen Kurpark zu unternehmen, eine grüne Oase im Herzen von Bad Liebenzell. Hier wachsen im »Apothekergarten« auf einer Fläche von ca. 1200 m2 über 100 heimische Arzneipflanzen und Heilkräuter, darunter seltene Pflanzen wie das Schlafmützchen und der Ginkgo-Baum. Die Pflanzen sind nach Anwendungsgebieten geordnet, die von Schlafstörungen bis zu Herz-, Husten- und Hauterkrankungen reichen. Interessant ist auch der Planetenlehrpfad im Kurpark.
Paracelsustherme.
Die Paracelsustherme am Kurpark ist die Heilwasser-Badelandschaft von Bad Liebenzell. Das Thermalbad mit den 30°C, 32°C und 34°C warmen Bewegungsbecken und die Sauna Pinea sind ganzjährig, auch an Feiertagen geöffnet. Quellfrisches Thermalwasser, Felsendampfgrotte mit Wasserfall, Außenbecken, Strömungskanal und Sprudelliegen sorgen für aktive Entspannung. Auf der »Sonneninsel«, den Liegeterrassen, der »Duftinsel« oder bei Entspannungsmusik im Pavillon kann man den Alltag vergessen. Hinzu kommen regelmäßige Aktionen wie Candle-Light-Schwimmen bei Kerzenlicht oder die Mitternachtssauna.
Wolfsschlucht.
Bald hinter der Paracelsustherme taucht der Ostweg in den Wald ein und strebt der Wolfsschlucht beim Calwer Ortsteil Ernstmühl zu. Die Wolfsschlucht ist neben der Monbachschlucht die zweite der faszinierenden Fels- und Wasserfallschluchten von Bad Liebenzell. Sie ist steiler und wilder als die bekanntere Monbachschlucht, ein abenteuerlicher Wanderpfad, auf dem zahlreiche Steintreppchen den Aufstieg erleichtern sollen, führt hinauf Richtung Ottenbronn. Mit ihren mächtigen Felsbrocken und -platten, den unzähligen kleinen Kaskaden und Strudeln sowie den moosigen, farnbewachsenen Steinen und Baumstümpfen ist diese wilde Schlucht durchaus eine eigene Wanderung und auf jeden Fall einen Abstecher wert.
Klostermuseum und Kräutergarten.
Der Ostweg umgeht den Calwer Ortsteil Ernstmühl über den bewaldeten Hang am unteren Ansatz der Wolfsschlucht und erreicht wenig später im Luftkurort Hirsau bei der Nagoldbrücke die Aureliuskirche mit dem Klostermuseum. Um 830 wurde eine Reliquie des heiligen Aurelius von Riditio aus Mailand nach Hirsau verbracht und in der dortigen Klosterkirche rechts der Nagold ausgestellt. Während das Kloster im ausgehenden 11. Jh. zugunsten des neu erbauten Klosters auf der anderen Nagoldseite aufgegeben wurde und verfiel, lebt der Name der Kirche in der heutigen Aureliuskirche fort; sie ist der Rest einer um 1059–71 errichteten romanischen Basilika, die 1584 zum großen Teil abgebrochen wurde. In einem Anbau auf der Nordseite ist an der Calwer Straße das Klostermuseum untergebracht, das die Geschichte der Hirsauer Klosterkultur dokumentiert. Im Bereich des ehemaligen Kreuzgangs hinter der Aureliuskirche wurde nach mittelalterlichem Vorbild ein Klostergarten mit heimischen Heilkräutern angelegt. In 37 Beeten finden sich ca. 50 verschiedene Pflanzenarten aus Walahfrieds Kräutergarten und dem Arzneischatz Hildegards von Bingen.
Die Klosterruine Hirsau.
Nach Überqueren der Nagold führt die Wildbader Straße zu den Ruinen des ehemaligen Benediktinerklosters St. Peter und Paul. Das Hirsauer Kloster war während der cluniazensischen Reformbewegung des 11./12. Jh. das bedeutendste Reformkloster nördlich der Alpen. 1692 wurde es im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Die malerische Ruinenanlage zählt zu den kunstgeschichtlich herausragendsten Baudenkmälern in Deutschland und bildet im Sommer den Rahmen für die Klosterspiele Hirsau und die Aurelius-Konzerte. Die romanische Säulenbasilika Sankt Peter und Paul mit dem Eulenturm war zu ihrer Blütezeit die größte romanische Kirche Südwestdeutschlands. Bedeutendstes Zeugnis der ehemaligen Klostergebäude ist der gotische Kreuzgang. Martin von Urach errichtete 1508–16 die spätgotische Marienkapelle. In den Ruinen des 1586–92 errichteten Renaissanceschlosses der württembergischen Herzöge stand bis 1989 die von Ludwig Uhland besungene »Ulme zu Hirsau«.
In die Hermann-Hesse-Stadt.
Nach dem Besuch des eindrucksvollen, parkartigen Ruinengeländes von Kloster Hirsau geht es weiter auf dem Ostweg. Er wechselt von der Wildbader Straße rechts auf dem Altburger Weg in den bewaldeten Hang, mündet schließlich auf den Hirsauer Wiesenweg (zugleich Nagoldradweg) und erreicht die Hermann-Hesse-Stadt Calw - Kurz geradeaus durch Inselgasse und Lederstraße, dann geht es rechts durch die fachwerkhäuserflankierte Biergasse zum Marktplatz. Bahnhof und Omnibusbahnhof liegen auf der rechten Seite der Nagold und sind am besten über die Nikolausbrücke erreichbar. Calw an der Deutschen Fachwerkstraße liegt im Nagoldtal am Übergang zwischen dem wiesenreichen Hecken- und Schlehengäu und den bewaldeten Bergen des nordöstlichen Schwarzwalds. Wahrzeichen der Altstadt mit ihren über 200 denkmalgeschützten Häusern ist die um 1400 auf dem Mittelpfeiler der ersten steinernen Nagoldbrücke errichtete spätgotische Nikolauskapelle. Das Hermann-Hesse-Museum am Marktplatz erinnert an den berühmtesten Sohn der Stadt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied300 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortDie Burgstadt Bad Liebenzell (333 m) liegt im Nagoldtal im nördlichen Schwarzwald. Die seit dem 15. Jh. bekannten Mineralthermen wurden vor allem im 17. Jh. vom württembergischen Hof besucht.
AusgangspunktBahnhof Bad Liebenzell.
EndpunktBahnhof Calw, direkte Bahnverbindung zurück zum Ausgangspunkt.
TourencharakterVon der Burgstadt Bad Liebenzell führt der Ostweg des Schwarzwaldvereins bequem durch das Nagoldtal aufwärts zu den imposanten Ruinen des Benediktinerklosters Hirsau und in die Hermann-Hesse-Stadt Calw mit ihrer denkmalgeschützten Fachwerk-Altstadt. Von dort fährt die Nagoldtalbahn zurück nach Bad Liebenzell, wo die Paracelsustherme am Ende der Wanderung wohltuende Entspannung bietet. Der Ostweg ist einer der drei Haupt-Fernwanderwege des Schwarzwalds. Von Pforzheim führt er auf etwa 240 Kilometern über die Ostabdachung des größten deutschen Mittelgebirges ins eidgenössische Schaffhausen am Hochrhein. Der vom Schwarzwaldverein betreute und mit dem Zeichen »rot-schwarze Raute auf weißem Grund« markierte Weitwanderweg folgt überwiegend bequemen Wegen.
Beste Jahreszeit
KartentippWanderkarte 1 - 30000 Enz/Nagold/ Teinach oder Freizeitkarte 1:50000 Blatt 502 Pforzheim/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Blatt 2 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungA 8 Karlsruhe–Stuttgart, Ausfahrt Pforzheim-West, dann via Pforzheim auf der B 463 weiter nach Bad Liebenzell. Nagoldtalbahn (DB-Regio) Pforzheim – Bad Liebenzell – Hirsau – Calw.
GastronomieBad Liebenzell, Hirsau, Calw.
Tipps
MONBACHTAL. Wer dem Ostweg von Bad Liebenzell nordwärts folgt, gelangt in das Monbachtal, ein Seitental der Nagold. Auf einer Länge von 4200 Meter durchbraust der Monbach dieses wildromantische Schluchttal, das vor Tausenden von Jahren im Buntsandstein ausgewaschen wurde und heute wegen seiner Schönheit und Ursprünglichkeit als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Der Bach, in dem immer wieder mächtiges Blockwerk liegt, bildet mehrere Kaskaden und kleinere Wasserfälle, in beckenartigen Höhlungen im Gestein sammelt sich teichartig Wasser, und über weite Strecken zieht sich das Tal durch artenreichen Laubwald. Bis 1888 war das zuweilen klammartig enge Tal unzugänglich, dann legte der Liebenzeller Verschönerungsverein einen Wanderpfad an; bis heute führt der Pfad mehrfach auf Steinen durch das Bachbett - Nach starken Regengüssen kann er unpassierbar sein.
Tourismusbüro
Kurverwaltung Tourist-Info Bad Liebenzell, Kurhausdamm 4, 75378 Bad Liebenzell, Tel. 07052/4080, www.bad-liebenzell.de. Stadtinformation Calw, Marktbrücke 1, 75365 Calw, Tel. 07051/968810, www.calw.de

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