Von Andelsbuch nach Bizau

Abwechslungsreiche Tal- und Mittelgebirgswanderung durch Dörfer, auf guten Waldwegen, Forststraßen, Güterwegen und wenig befahrenen Zufahrten, teilweise auf historisch interessanten Verbindungswegen. (Autor: Karin Pegoraro, Manfred Föger)
14 km
470 m
5.00 h
Wir beginnen unsere Wanderung bei der Kirche in Andelsbuch. Im schmucken Dorf findet man noch zahlreiche Bauernhäuser im regionaltypischen »Wälder«-Stil, die auf die lange Geschichte des Ortes hinweisen. Andelsbuch war eine der ältesten Gemeinden der Bauernrepublik Bregenzerwald. Diese konnte sich im Mittelalter im hinteren Bregenzerwald entwickeln, weil der Arm der Gerichtsbarkeit nicht bis hierher in diese unzugängliche Region reichte. Die Wahl der »Landamänner«, der Vertreter der unbeugsamen Wälder Bauern, fand auf einer Wiese in dieser Gemeinde statt.
Um dem modernen Straßenverkehr möglichst zu entkommen, wählen wir nicht den Spazierweg neben der Bregenzerwald-Bundesstraße, sondern gehen zunächst etwa 300 Meter von der Kirche nach Osten in Richtung Talstation der Andelsbucher Bergbahnen. Nach einer kleinen Brücke schwenken wir rechts in einen als Wanderweg markierten Fahrweg ein, der uns in einem weiten Bogen um die saftig grünen Fluren herumführt. Über den Ortsteil Krähenberg und südlich an der Franz-Josefs-Höhe vorbei nähern wir uns dem Ortsteil Unterbezegg, den wir nach etwa 40 Minuten erreichen.
An dem kleinen Stausee vorbei folgen wir dem in diesem Abschnitt auch als Mountainbike-Route ausgewiesenen Weg in Richtung Bezegg. An dieser Einsattelung stand einst das Ratsgebäude der freien Wälder, noch heute erinnert eine Gedenksäule an diese ruhmreiche Zeit. Von der kleinen Kapelle, die ebenfalls am Übergang zu finden ist, wandern wir nunmehr einem Kreuzweg folgend wieder dem Tal entgegen. Über die Gütle Vorsäß erreichen wir bald den Bezauer Ortsteil Unterhalden und wenig später das Zentrum dieser hübschen Gemeinde. Kaum andernorts finden sich derart viele Wälderhäuser. Der oft überreiche Blumenschmuck verleiht den alterwürdigen Höfen einen fröhlichen Charakter (2:15 Std.).
Um dem an Wochenenden mitunter etwas hektischen Verkehr durch den Ort möglichst zu entgehen, spazieren wir auf der Dorfstraße in Richtung Ortsteil Greben und wenden uns alsbald links in eine Nebenstraße. Wenig später, noch vor der Bachquerung gehen wir abermals links und wandern auf einem Wiesenweg neben dem Grebenbach aufwärts. Wo von rechts her der Rimsbach einmündet, beschreibt unser Weg eine leichte Linkskurve. An einem Bildstock vorbei kommen wir zu einer Brücke, die wir überqueren.
Wir steigen nun in südöstlicher Richtung in den tief eingeschnittenen engen Tobel des Rimsbaches hinauf. An den feuchten Hängen gedeiht ein teilweise üppiger Schluchtwald. Dieser Lebensraumtyp ist im Bregenzerwald zwar noch häufig zu finden, andernorts durch forstliche Maßnahmen und wasserbauliche Eingriffe an Bergbächen jedoch sehr selten geworden. In den etwas weiter oben gelegenen Tobelabschnitten kommen wir zu den Rodungsinseln der Rimsgrundvorsäß. Wir gehen immer dem gleichen Weg folgend beständig in nunmehr fast östliche Richtung – im engen Tal gibt es keine andere Wegalternative. Auf den Flächen der Marktobelvorsäß kommen wir schließlich doch wieder zu einer Wegkreuzung, an der wir uns rechts in Richtung Bizau halten.
Etwa 350 Meter leitet nun der Pfad ziemlich genau in südliche Richtung, bevor wir auf eine weitere Weggabelung treffen. Hier gehen wir nicht links zu den Häusern des verstreuten Weilers Hilkat hinunter, sondern wenden uns rechts. Wir traversieren den Südabhang der Erhebung Am Stein (1003 m) und verlieren dabei nur allmählich an Höhe. Die sonnenexponierten Wälder sind reich an Buchen. Im Unterwuchs, der lediglich an wenigen Stellen üppiger gedeiht, können wir immer wieder verschiedene Orchideen entdecken. Manche von ihnen, wie etwa die bleichgelbliche Vogelnestwurz, haben kein eigenes Blattgrün mehr und leben in enger Gemeinschaft mit Bodenpilzen, die sie mit den notwendigen Nährstoffen versorgen.
Nach dem letzten naturnahen Waldabschnitt erreichen wir schließlich die Oberbergsiedlung am Hang über Bizau. Auf der Zufahrtsstraße steigen wir hinunter ins Zentrum unseres Zielortes, von wo wir mit Linienbussen nach einmaligem Umsteigen in den Ausgangsort zurückkehren können (4:30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied470 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAndelsbuch (613 m).
EndpunktBizau (681 m).
TourencharakterVerkehrswege unterliegen eindeutig den Trends sich wandelnder Zeiten. Während heute ausgeglichene Steigungen, größtmögliche Breite, geringe Kurvenradien und damit einhergehend größtmögliche Geschwindigkeit im Vordergrund vieler Überlegungen zum Straßenbau stehen, galten einst andere Kriterien. Möglichst kurze Strecken, dafür teilweise mit beträchtlichen Höhenunterschieden, möglichst ganzjährige Benutzbarkeit und Sicherheit vor Überschwemmungen, Lawinen und anderen Naturgewalten standen im Vordergrund. Die Tour von Andelsbuch nach Bizau folgt teilweise solch alten Pfaden. Dabei lernen wir nicht nur drei der schönsten Dörfer des Bregenzerwaldes zu Fuß kennen, sondern passieren auch einige wunderschöne Plätze und Bauwerke der traditionellen Volkskultur.
Beste Jahreszeit
Kartentippfreytag & berndt-WK Bregenzerwald, 1:50 000. Kompass-WK 2 Bregenzerwald – Westallgäu, 1:50 000.
MarkierungenÜbliche Wanderwegemarkierung; Wegweiser an allen wichtigen Kreuzungspunkten; Straßenschilder in den Dörfern.
VerkehrsanbindungAndelsbuch liegt direkt an der Bregenzerwald-Bundesstraße B 200, die es mit Gemeinden des Umlandes verbindet. Als öffentliches Verkehrsmittel wählt man die Buslinie 35 (Bregenz–Bezau). Um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, benutzen wir zunächst die Linie 36 (Bezau–Schönenbach) bis Bezau und von hier die Linie 35 zurück nach Andelsbuch.
GastronomieVerschiedene Einkehrmöglichkeiten in den Talorten; zwischen den Dörfern keine.
Tipps
Andelsbuch ist Ausgangspunkt eines weiteren geschichtsträchtigen Weges. Der Sagenweg folgt den Spuren der drei seligen Geschwister Merbod, Diedo und Ilga über Schwarzenberg nach Alberschwende. Die drei sollen der Legende nach an der Wende vom 11. zum 12. Jh. im damals noch ungebändigt wilden Bregenzerwald gewirkt und eben diesen Weg begangen haben. Für den gesamten Weg benötigt man etwa 5 Std. Die mit zahlreichen Tafeln ausgezeichnet markierte Strecke ist auch familienfreundlich (evtl. in zwei Etappen aufteilen). Ebenfalls nur mehr historischen Charakter als Verkehrsmittel hat heute die Bregenzerwaldbahn, liebevoll auch »Wälderbähnle« genannt. Sie verkehrt von Mai bis Oktober als Museumsbahn zwischen Bezau und Bersbuch. Auf der gut 6 km langen Strecke wird neben der fast 100-jährigen Dampflok eine historische Diesellok eingesetzt. Fahrplaninformationen bei der Bregenzerwald-Museumsbahn, Bahnhof 147, A-6870 Bezau (05513/61 92, Fax 05513/61 92-4). Im Zielort Bizau lockt der Gasthof Taube (Tel. 05514/21 24) mit seiner freundlich familiären Atmosphäre. Er bietet sehr gute Küche, ausgezeichnete Käsespezialitäten und hausgemachte Kuchen.
Unterkunft
Verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten in allen drei Dörfern am Weg.
Tourismusbüro
Tourismusbüro Bezau, Platz 39, A-6870 Bezau, Tel. 05514/22 95, Fax 05512/31 29, bezau.tourismus@aon.at, www.bezau.at; Tourismusbüro Bizau, Kirchdorf 340/1, A-6874 Bizau, Tel. 05514/21 29, tourismusverein.bizau@cnv.at, www.tiscover.at/bizau
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