Von Altenbeken zur Iburg

Über den Eggekamm Leichte Wald- und Aussichtswanderung auf fast durchgehend bequemen Wegen. (Autor: Bernhard Pollmann)
18 km
200 m
4.00 h
Altenbeken Der 10000-Einwohner-Ort, das westliche »Tor zum Eggegebirge«, zählt zu den größten Eisenbahnknotenpunkten Deutschlands; am Fernbahnhof halten ICE- und IC-Züge. Zwei Tunnel durchstoßen bei Altenbeken den Eggekamm, durch den 1864 eröffneten, 1640 m langen Rehbergtunnel fahren die Züge Richtung Bad Driburg und Detmold, durch den 2003 eröffneten, 2880 m langen Eggetunnel rollt der Fernverkehr nach Willebadessen und Warburg, ein ab 1848 erbauter erster Tunnel, die »Alte Eisenbahn«, wurde wegen Grundwassereinbrüchen nie vollendet und steht heute unter Naturschutz. Dank der Bahnverbindungen bildet Altenbeken einen hervorragenden Ausgangspunkt für Streckenwanderungen über den Eggekamm, auf dem der Europäische Fernwanderweg 1 verläuft. Auch das Wahrzeichen von Altenbeken ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst für den Eisenbahnbau - Das nachts illuminierte Eisenbahnviadukt (1853) über das Beketal ist mit 482 m die längste Kalksteinbrücke Europas. Die bis zu 35 m hohe Brücke überspannt mit 24 imposanten Bogen das Tal. Als König Friedrich Wilhelm IV. die Brücke einweihte, soll er im Hinblick auf die exorbitanten Kosten gesagt haben: »Ich habe geglaubt, eine goldene Brücke vorzufinden, weil so schrecklich viele Taler verbraucht worden sind!« Dieser Ausspruch soll dazu geführt haben, dass das Altenbekener Ortswappen ein goldenes Viadukt zeigt. Die »goldene Brücke« zählt zu den meistfotografierten Technikmotiven Westfalens. Bollerborn Vom Bahnhof Altenbeken leitet die Bahnhofstraße kurz abwärts, unten im Bachtal geht es links aufwärts auf der Adenauerstraße und an der Verzweigung rechts durch die Hüttenstraße, bis links hinauf die Bollerbornstraße abzweigt. Wer an der Verzweigung kurz nach Unterqueren der Eisenbahnbrücke eine Minute links geht, gelangt zum Bollerborn, einer intermittierenden (nur zeitweise schüttenden) Quelle, deren Wasser das Heer Karls des Großen während des Beginns der Sachsenkriege im Jahr 772 vor dem Verdursten bewahrt haben soll. Die Fränkischen Reichsannalen berichten: »Es gab eine große Trockenheit, sodass es dort, wo die Irminsul stand, an Wasser fehlte. Während der vorgenannte ruhmreiche König (Karl der Große) dort zwei oder drei Tage bleiben wollte, um dieses Heiligtum gänzlich zu zerstören und sie kein Wasser hatten, da stürzten plötzlich durch Gottes Gnade um Mittag, als das ganze Heer an einem Bachlauf ruhte, ohne dass irgendjemand etwas wusste, Wasser in solcher Fülle daher, dass das ganze Heer genug hatte.« Dass die Soldaten »an einem Bachlauf« am Verdursten waren, legt den Schluss nah, dass der Bach zeitweise kein Wasser führte. Solche Bäche sind zahlreich im Gebiet der Paderborner Karsthochfläche: Im klüftigen Kalk verschwinden bei geringem Wasserstand Bäche und Flüsse. Es wird angenommen, dass es sich um den Bachlauf des in Altenbeken im Hang des Eggegebirges entspringenden Bollerborn handelte. Tatsächlich war der Bollerborn bis ins 17. Jh. eine intermittierende Quelle. Danach versiegte er. Bis heute wird der Quellbereich gärtnerisch gepflegt; eine Tafel mit Versen erinnert an die Errettung des fränkischen Heers im Jahr 772. Auf den Eggekamm Vom Bollerborn kehren wir zur Verzweigung beim Eisenbahnviadukt zurück und folgen der Markierung »umgekehrtes T« im Wald hinauf auf den Eggekamm, der am Rastplatz Scholandstein erreicht wird. Steinerner Tisch und steinerne Bank erinnern an einen Schulleiter aus Altenbeken, der zu den Pionieren des Eggegebirgsverein zählte. Nun weist bis zur Iburg der mit dem Zeichen »x« markierte Eggeweg die Route auf dem Eggekamm, von dem in wechselnden Perspektiven der Blick hinaus auf die Paderborner Hochfläche, das Beketal und Altenbeken schweift. Der Eggeweg verbindet als Kammweg des Eggegebirges den Teutoburger Wald mit dem Sauerland. Auf knapp 70 km Länge führt der vom Eggegebirgsverein betreute und mit dem Andreaskreuz (»x«) markierte Fernwanderweg im Gleichlauf mit dem Europäischen Fernwanderweg 1 von den Externsteinen auf die Velmerstot und folgt dann dem bewaldeten Eggekamm südwärts nach Marsberg an der Diemel. Knochenhütte In sachtem Anstieg führt der Eggeweg vom Scholandstein hinauf zum Dübelsnacken (437 m), in dessen Osthang der Sachsenborn (405 m) entspringt. Auch aus dieser Quelle sollen 772 die Sachsen und die Franken getrunken haben, ehe sie die Klingen kreuzten. Während der Eggekamm bis in diese Gegend aus Sandstein aufgebaut ist und überwiegend Fichtenforste trägt, tritt der Weg nun in Muschelkalk ein: Anstelle von Fichten erfreuen Laubwälder, mehrfach finden sich auch Dolinen, das heißt durch Einsturz von Hohlräumen im klüftigen Muschelkalk entstandene Erdfälle. Bald lädt die Knochenhütte zur Rast. Hier bietet sich ein schöner Blick auf Bad Driburg, bei klarer Sicht zeigt sich im Ostnordosten der Köterberg, der »Brocken Westfalens«. Der Name »Knochenhütte« wird darauf zurückgeführt, dass viele Kalksteine wie die bleichen Knochen Gefallener aus dem Erdboden ragen. Iburg Nach Queren der Bundesstraße lädt die Gaststätte Eggekrug zur Einkehr ein; der Eggeweg führt in etwa parallel zur Fahrstraße (Stichstraße) Richtung Iburg. Wo die Fahrstraße an einem Parkplatz einen Linksknick macht, lohnt es sich, dem Eggeweg wenige Minuten weiter bis zur Schutzhütte zu folgen: Hier bietet sich wiederum ein exzellenter Blick auf Bad Driburg und das ostwestfälische Hügelland. Dann geht es parallel zur Fahrstraße zur Iburg. Die Reste der Petruskirche gehen auf das 8. Jh. zurück. Im 10. Jh. ging die Iburg in den Besitz des Frauenstifts Neuenheerse über, und Einsiedlerinnen zogen auf die Iburg, unter ihnen die heilige Helmtrud, nach der der Helmtrudisbrunnen benannt ist. Um 1130 siedelten auf der Iburg »pauperes Christi« (die Armen Christi) genannte fromme Frauen und Männer, denen Neuenheerse die Petruskirche überließ. Als die Einsiedlerinnen um 1142 von der Iburg in das Kloster Gehrden verzogen, endete die kultische Tradition auf der Iburg. 1189 ließ Bischof Bernhard II. von Paderborn auf der Iburg eine Feudalburg errichten, die 1444 von Herzog Otto von Braunschweig zerstört wurde. Von der fürstbischöflichen Burg zeugen noch der mächtige Halsgraben mit dem Wall und zahlreiche Mauer- und Gebäudereste. Wo die Iburg in der Nähe des Petruskirchleins nahezu lotrecht abstürzt, steht ein angeblich germanischer Opferstein. Hier wurde auch eine Tafel aufgestellt mit dem Gedicht »Der Opferstein« von Friedrich Wilhelm Weber. Weber ist der Autor des im Teutoburger Wald und im Nethegau spielenden christlichen Sachsen-Epos »Dreizehnlinden« (1878), das im ausgehenden 19. Jh. über 200 Auflagen erreichte. Weber malt sich in diesem Gedicht eine sächsisch-germanische Sonnenwendfeier so aus: Rings der Wälder tiefes Schweigen! Aus des Tales Nebelhülle Hob die Iburg ihren Scheitel. Alter Hain, aus dessen Wipfeln Sonst die Irminsäule ragte, Die zum Schreck und Schmerz der Sachsen König Karl zu brennen wagte. Lieblich war die Nacht, die kurze, Vor dem Tag der Sonnenwende, Auf der Iburg stumpfem Kegel Flackerten die Opferbrände. Auf der Iburg stumpfem Kegel Hatten sich zum Balderfeste Fromm geschart die Heidenleute Gaugenossen, fremde Gäste. Unter Eichen auf dem Rasen Stand der Opferstein, der graue ... Wer von der Iburg nach Bad Driburg absteigt (15 Min. bis zum Bahnhof), kann mit Bahn oder Bus nach Altenbeken zurückfahren; die Zugfahrt dauert acht Minuten, der Bus braucht 22. Ansonsten kehrt man auf derselben Route wie beim Hinweg zurück zur Knochenhütte und zweigt dort links auf den Heineweg ab: An der Max-und-Moritz-Quelle vorbei führt er hinab in den Driburger Grund und zurück nach Altenbeken.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied200 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortAltenbeken (240 m), Eisenbahnknotenpunkt am Westfuß des Eggekamms im Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald; Eggemuseum. Das nachts illuminierte Eisenbahnviadukt (1853) über das Beketal ist mit 482 m die längste Kalksteinbrücke Europas.
AusgangspunktBahnhof Altenbeken (269 m).
TourencharakterDie Iburg (Eibenburg) mit dem Kaiser-Karl-Aussichtsturm, der Gaststätte »Sachsenklause« und den Ruinen der karolingischen Peterskirche ist ein Wahrzeichen und eines der beliebtesten Wanderziele des Eggekamms im Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald. Der steil nach Osten vorspringende, ringumwallte Bergsporn oberhalb von Bad Driburg soll in sächsisch-germanischer Zeit als Fluchtburg gedient und die Irminsul als »Nationalheiligtum der Sachsen« getragen haben. In der Schlacht bei der Iburg besiegten die Sachsen im Jahr 753 den fränkischen König Pippin, Karl der Große eroberte im ersten Jahr der Sachsenkriege 772 die Iburg, zerstörte die Irminsul und ließ hier eine der ersten Kirchen auf sächsischem Gebiet errichten. Die Ruinen dieses Petruskirchleins, das Papst Leo III. im Jahr 700 in Anwesenheit Karls des Großen geweiht haben soll, der weite Blick vom Kaiser-Karl-Aussichtsturm und die Gaststätte »Sachsenklause« locken zahlreiche Ausflügler auf die Iburg und zu Wanderungen durch die prachtvollen Waldmeister- und Bärlauch-Buchenwälder.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 11 Eggegebirge/Oberwälder Land (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).
VerkehrsanbindungBahnhof Altenbeken (269 m) an den Linien Köln – Paderborn – Altenbeken – Warburg, Paderborn – Altenbeken – Bad Driburg – Höxter und Altenbeken – Horn-Bad Meinberg – Detmold. Mit dem Auto auf der A 33 Bielefeld – Paderborn Ausfahrt Paderborn, weiter auf der B 64 Richtung Bad Driburg und abzweigen nach Altenbeken.
GastronomieAltenbeken, Eggekrug, Iburg.
Tourismusbüro
Gemeinde Altenbeken, Bahnhofstraße 5a, 33184 Altenbeken, Tel. 05255/ 12000, Internet www.altenbeken.de.

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Bernhard Pollmann, Matthias Wibber u.a.

Deutschlands Wanderparadiese

Deutschlands Wanderparadiese stellt 200 Touren für jeden Geschmack in Deutschlands schönsten Wanderregionen vor.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema