Vom Weissachtal auf die Halserspitz

Anspruchsvolle Berwanderung auf Wanderpfaden, Almstraßen und steilen Bergpfaden; bei Abstieg durch die Wolfsschlucht ist Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich. (Autor: Dr. Wilfried und Lisa Bahnmüller)
Auf einem breiten Fußweg wandern wir vom Parkplatz an der Alpenstraße die Hofbauernweißach entlang Richtung Siebenhütten. Wir lassen die Berghäuser von Siebenhütten auf der anderen Seite des Baches liegen, gehen an der Abzweigung zum Schildenstein vorbei, zu der wir abends zurückkommen werden, und überqueren schließlich die Hofbauernweißach. An der kleinen Berghütte nach der Brücke geht es links vorbei. Der Weg wird schmaler und führt langsam aufwärts. Etwa 50 Meter nach der Hütte halten wir uns an der Wegegabel links. Hoch über einem Bergbach wandern wir durch einen gesunden Mischwald aufwärts. Von links unten zieht sich ein schmaler Steig herauf. Er kommt von Wildbad Kreuth und stößt in der Nähe der Höhlensteinalm schließlich auf unseren Weg. Ein paar Meter weiter, vor einem Gatter, biegt unser Weg scharf rechts ab. Es sind oft nur ausgetretene Spuren und dann ein schmaler Pfad, die uns über einen Bach, durch den Wald und über eine alte Lawinenschneise recht steil nach oben führen. Hinter uns tauchen langsam die Berge zwischen Tegernsee und Isarwinkel auf - der Hirschberg, Roß- und Buchstein und der Geierstein. Der Weg wird wieder flacher, dann sind wir am Weissenbachkopf, den wir eigentlich nur dadurch erkennen, dass hinter ihm der Weg wieder leicht abwärts führt. Aber keine Angst, wir verlieren nur wenige Meter Höhe!
Kurz vor der Wenigberg Jagdhütte beginnt wieder der Anstieg. Erschreckend abweisend liegt der Gipfel vor uns, trotzdem ist der Steig hinauf mit entsprechender Vorsicht ohne größere Probleme begehbar. Langsam steigen wir zuerst durch lichten Wald und dann durch Latschenfelder aufwärts. Nach einem Gedenkkreuz für einen tödlich verunglückten Bergwanderer wird es richtig steil. Aber wir brauchen uns schließlich nicht zu beeilen! Der Weg führt zuerst genau am Nordgrat aufwärts. Gut angebrachte Markierungen helfen uns zur Orientierung weiter. Kurz unterm Gipfel wendet er sich nach rechts, und wir stoßen auf den Blauberggrat. Jetzt sind es nur noch wenige Höhenmeter, und wir haben unser Ziel, die Halserspitz, erreicht.
Sie ist der höchste Gipfel im Blaubergkamm. Südlich von uns steht, dominierend und abweisend, der Felskoloss des Guffert, direkt unter ihm – und fast nicht sichtbar – der waldige Kamm des Schneidjochs, auf dessen Nordflanke man ein vorchristliches Quellheiligtum gefunden hat. Rechts davon, Richtung Westen, schließen sich die Berge um den Achensee an. Die Skihänge von Christlum sind deutlich zu erkennen, im Hintergrund, im Karwendel, ragt die Pyramide der Mondscheinspitze in den Himmel. Dann folgt, weit im Westen, das Wettersteinmassiv mit der Zugspitze.
Genau im Westen liegt unter uns der Blauberggrat, den wir heute noch überschreiten werden. Er endet an der Scharte der Wolfsschlucht, drüber liegt der Gipfel des Schildenstein. Der Doppelgipfel von Roß- und Buchstein über dem Weißachtal dient als Landmarke zur Identifizierung der vielen kleinen Wanderberge zwischen Tegernsee und Isar: Seekarkreuz, Geierstein, Fockenstein und Hirschberg. Direkt im Norden schaut ein Eck des Tegernsees zu uns herauf, die Kapelle am Wallberg ist links vom Risserkogel gut zu erkennen. Weiter im Osten liegt der Stolzenberg über dem Tal der Weißen Valepp, dahinter bauen sich die Berge um die Rotwand auf. Der Doppelgipfel des Schinder und dahinter das Sonnwendjoch, das schon in Tirol liegt, schließen das Gipfelpanorama ab.
Nach der wohlverdienten Gipfelrast geht es jetzt immer am Grat entlang nach Westen. Wir steigen zunächst am Anstiegsweg ab, passieren die Stelle, an der wir auf den Grat gestoßen sind, und achten kurz darauf auf die auf einen Felsen gemalten Markierungen: Wir lassen uns nicht verleiten, dem deutlicheren Weg »GH« zu folgen. Er führt zum Aschenbrenner Haus, das früher einmal Gufferthütte hieß. Unser Weg ist mit »Sch.St.« bezeichnet, das bedeutet »Schildenstein«. Von einer kleinen Senke aus geht es auf den zweiten Gipfel unserer Tour, den Blaubergkopf. Hier tut ein Fernglas gute Dienste, denn rechts vom Weg, in den unzugänglichen Karen, tummeln sich fast immer Gämsen in großen Rudeln. Hinter uns, im Osten, steht wie eine große, gleichmäßig geformte Pyramide die Halserspitz.
Jetzt folgt ein flacher Gipfel dem anderen. Vier Stück sind es noch insgesamt, allerdings haben sie keine eigenen Namen. Das ganze Stück Bergkamm heißt einfach Blaubergschneid. Richtig anstrengend ist die Wanderung nun nicht mehr, denn es geht zwar im ständigen Auf und Ab dahin, aber es beschränkt sich jeweils höchstens auf 50 Höhenmeter. Nach dem letzten Gipfel geht es steil abwärts direkt auf die Blaubergalm zu. Hier herrscht schon fast wieder Bergrummel, denn sie ist auch ein Ziel von Mountainbikern, die über die Tiroler Seite heraufradeln. Die Sennerin erwartet uns mit frischer Milch oder einer Radlermaß, eine willkommene Erfrischung, denn am Grat ist es manchmal recht heiß.
Von der Hütte aus steigen wir flach aufwärts Richtung Schildenstein zu einem Bergsattel. Hier schickt uns ein Wegweiser steil abwärts in die Wolfsschlucht. Zunächst beginnt der Weg flach, doch dann wird er immer steiler, eine ausgesetzte Stelle folgt der andern. Nur gut, dass die steilsten Stücke mit Drahtseilen gesichert sind. Nach einer guten Stunde Krabbelei haben wir es geschafft: Wir stehen am Talende der Felsenweißach und wundern uns, dass hier überhaupt ein Weg nach oben führen kann. Das letzte Stück des Weges ist jetzt recht einfach. Wir wandern zuerst im Bachbett talauswärts, bis links ein gebahnter Weg auftaucht. Er führt uns an der Königshütte vorbei über die Oberhofer- Weißach-Alm nach Siebenhütten. Auf dem bekannten Weg kehren wir jetzt zum Parkplatz an der Weissach zurück.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1150 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz an der Weissach, 1 km nach der Abzweigung Wildbad Kreuth
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterDie Halserspitz ist der Hauptgipfel des Blaubergkammes. Seinen Namen hat er nicht von der Farbe Blau, sondern von der ebenen, planen Form des Bergkammes. Aus dem Plawnberg wurde im Laufe der Zeit Blauberg.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 8, Tegernsee-Schliersee, 1 - 50 000
VerkehrsanbindungMit dem Auto. Von München über Miesbach an den Tegernsee, weiter auf der B 307 von Rottach-Egern Richtung Achenpass; nach der deutlich gekennzeichneten Abzweigung nach Wildbad Kreuth noch 1 km, dann ist links an der Weissach Platz zum Parken. Mit der Bahn. Von München nach Tegernsee, weiter mit dem Bus Nr. 9556 Richtung Achenpass, Haltestelle »Aufstieg Siebenhütten«
GastronomieBlaubergalm; Siebenhütten
Informationen
Bei einsetzendem Regen oder gar bei Gewitter kann der Abstieg über die Wolfsschlucht lebensgefährlich werden! Entweder auf der Blaubergalm übernachten oder über die Königsalm absteigen (1 Std. länger)
Tourismusbüro
Tourist-Information Kreuth, Nördliche Hauptstraße 3, 83708 Kreuth, Tel. 08029/ 18 19, www.kreuth.de

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