Vom Rifugio Lancia zum Rifugio Campogrosso

Schöner Panoramaweg mitten ins Herz des Pasubiomassivs. Kurzer, steiler Anstieg auf Dente Austriaco und Dente Italiano. Langer Abstieg über die Heldenstraße zum Fugazzepass. Nordseitig durch dichten Buchenwald hinauf zum Selleta Nord Ovest und weiter durch die landschaftlich reizvolle Alpe Campogrosso. Kein Wasser unterwegs Kinder und Genießer: Spannende, abwechslungsreiche Etappe mit Kavernen, Kriegsstellungen und kühn angelegten Militärstraßen. Für konditionsstarke Klettermaxe ist der Aufstieg auf den zerklüfteten Monte Cornetto ein Highlight. Etappen-Ende am Fugazzepass im Albergo Al Passo möglich; evtl. auch mit dem Bus zum Rif. Campogrosso. (Autor: Robert Mayer)
19 km
1010 m
7.00 h
Nach dem italienischen Frühstück verlassen wir das aus Kalkquadern harmonisch in die Umgebung eingefügte Rifugio Lancia. Es empfiehlt sich, früh loszugehen, da im Tagesverlauf oft feuchte Luft von der Adria an den Bergen aufsteigt und zu Nebel kondensiert. Der E5 und der Weg Nr. 102 führen in südlicher Richtung zur Bocchetta delle Corde (1894 m; 25 Min.). Auf Höhe der Baumgrenze (1800–1900 m) leitet der Weg leicht ansteigend über die ausgedehnte Hochfläche zu den felsigen Bereichen des Pasubiomassivs. Nach einem kurzen, knackigen Steilstück betreten wir einen wunderbaren Panoramaweg am Westhang der Roite (2144 m). Zu unseren Füßen liegen die welligen Konturen des Vallarsa, mit dichten dunklen Wäldern, dazwischen wie Oasen hellgrüne Almen. Darüber steht die schöne, kleine Gipfelpyramide der Cima Carega (2259 m), und gleich rechts davon thront wie ein Adlerhorst das Rifugio Fraccaroli (2238 m) auf den Felsen. Von der Sella del Piccolo Roite (2088 m; 1.30 Std.) sind es noch schweißtreibende 120 Höhenmeter bis zum Gipfel des Dente Austriaco (2203 m; 2 Std., 4,9 km). Mit Stacheldraht umwickelte Kreuze erinnern an Tausende gefallener Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. In Sichtweite, kaum mehr als 300 Meter entfernt liegen die italienischen Stellungen auf dem Dente Italiano (2218 m).
Beim Abstieg gelangt man zu einem ausgedehnten Tunnel- und Kavernensystem im Innern des Berges. Dieses in den Fels zu treiben, war sehr mühsam und nur die robuste ländliche Bevölkerung war dieser Aufgabe gewachsen. Durch die Aussichtslöcher bieten sich interessante Blicke auf die Vizentinische Tiefebene. Auf der von den Österreichern teilweise gesprengten Nordwestflanke führt der E5 über das Trümmerfeld auf die Spitze des Dente Italiano. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder links Richtung Osten auf dem E5 und dem Weg Nr. 142 hinunter auf die Hochebene zur Gedächtniskapelle und weiter auf der Kiesstraße zum Rifugio Papa (1929 m; 3 Std., 7,5 km).
Variante.
Oder geradeaus in 10 Minuten auf den Cima Palon (2220 m). Der Abstieg vom Gipfel auf dem Weg Nr. 105 zum Cogolo Alto und einem ehemaligen Militärgebäude ist einfach, wird dann aber in östlicher Richtung etwas steil und holprig, bevor man das Rifugio Papa erreicht (etwa 15 Min. länger als obiger Weg).
Im ersten Stock des ehemaligen italienischen Militärkommandos befindet sich ein kleines Kriegsmuseum. Das Schutzhaus Papa eignet sich dank seiner spektakulären Lage hoch über dem Fugazzepass auch sehr gut als Etappenziel. Für einen sportlichen Ruhetag bietet sich der nahe berühmte Klettersteig »Falcipieri« an.
Der E5 führt vom Rifugio Papa auf der spektakulär angelegten Heldenstraße, der Strada del Heroi, hinunter zum Fugazzepass. Sie ist 10 Kilometer lang, kann aber auf 4,8 Kilometer abgekürzt werden, vorausgesetzt, man findet die Abzweige auch. Der wichtigste befindet sich 300 Meter nach dem Tunnel General D’Havet und führt rechts weg auf einen steilen Pfad, der dann viermal die Straße kreuzt. Ein Schild (»Pian del Fugazze«) steht am Abzweig, keine E5-Markierung. (Bei 1253 Meter führen rote E5-Markierungen auf einer Variante nach rechts zum Albergo Streva, was einen Umweg von ca. 1,5 Kilometer bedeutet.)
Auf der Straße geht es zum Albergo Al Passo (1164 m; 4.45 Std., 12,3 km) am Fugazzepass. Von hier läuft man 200 Meter der Teerstraße entlang Richtung Camposilvano nach Süden. Dann führt links ein ausgeschilderter Pfad über eine Wiese hinauf. Da er bald völlig verschwindet, beachte man einen rot-weiß bemalten Stein, der mitten in der Wiese liegt. Hier rechts zur sichtbaren Malga Morbi abbiegen. An dieser vorbei führt die wieder deutliche Wegspur über einen Bach (Trinkwasser) und durch wildreichen Buchenwald in angenehmer Steigung zum Sattel der Selleta Nord Ovest (1611 m; 5.45 Std., 14 km) empor. Von der baumreichen Kuppe am Selleta auf dem E5 geradeaus nach Süden und am Fuß der Gane über die Malga Boffetal zum Rifugio Campogrosso (7 Std., 17,5 km).
Variante Monte Cornetto.
Sehr empfehlenswert ist der Aufstieg auf dem Weg Nr. 175 von der Selleta Nord Ovest durch abenteuerlich zerklüftete Felsformationen links hinauf zum Monte Cornetto (1899 m). Der Weg ist zwar steil, aber relativ einfach und ausgesprochen schön (hin und zurück ca. 1 Stunde zusätzlich). Vom Gipfel kann man aber auch gleich zur empfehlenswerten Variante Sentiero di arrocamente einsteigen.
Variante Sentiero di arrocamente.
Wie eine Riesenwelle trennt der Sengio Alto den Veneto vom Trentino. Wer diese Welle mit ihren schroffen, bizzaren Gipfeln Cornetto, Tre Apostoli und Baffelan richtig kennenlernen will, sollte den Sentiero di arrocamente, einen alten Kriegsweg auf der Ostseite des Gebirges, begehen. Man muss aber mit drei kurzen Klettereinlagen am Drahtseil rechnen. Tritt-sicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Dennoch ist dieser Abschnitt einer der spektakulärsten und schönsten auf dem gesamten E5. Insgesamt schwierig, 400 Hm im Aufstieg und 1.30 Stunde zusätzlich.
Um auf den Sentiero mit der Nr. 14 zu gelangen, steigt man vom M. Cornetto einige Meter ab und kraxelt dann über eine kurze ver-sicherte Kletterpassage hinunter zur Forcella del Cornetto. Von diesem ausgesetzten, luftigen Eck geht es durch einige Tunnel auf gutem Weg nach Süden weiter. Fotogene Übergänge wechseln sich mit ausgesprengten Saumpfaden an himmelhohen Wänden ab. Nach den Drei Aposteln (1720 m; 7.30 Std., 15,8 km) ist bald der Passo del Baffelan (1660 m; 7.45 Std., 16,2 km) erreicht. Gipfelsüchtige klettern auch noch auf den Monte Baffelan (1793 m; 30 Min., schwierig). Hierzu müssen sie statt rechts halb links auf den Weg Nr. 149 ab-biegen. Einige Schritte weiter ist der Passo Gane (1701 m; 8 Std.) erreicht. Von hier geht es bergab zum Rifugio Campogrosso (1457 m; 8.30 Std., 17,5 km).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied1010 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRifugio Lancia (1802 m)
EndpunktRifugio Campogrosso (1457 m)
TourencharakterDer Panoramaweg am Westhang des Roite (2144 m) bietet eine großartige Aussicht auf die Grupo del Carega im Südwesten. Wie gewaltige zyklopische Mauerreste erheben sich dort zernagte, bleiche Felsbänder, aus grünen Matten geboren. Sie umschließen den Cima Carega wie eine Felsenburg. Die großen Schuttkare dazwischen zeugen vom ewigen Kampf zwischen Erosion und Fels, aber gerade sie machen den Anstieg erst möglich.
Das von Kavernen durchlöcherte und von Kriegsstellungen durchsetzte Pasubiomassiv war Schauplatz verheerender Kriegshandlungen. Am Dente Austriaco und am Dente Italiano standen sich im Ersten Weltkrieg in Sicht und Rufweite die unversöhnlichen Heere gegenüber. Inmitten dieser herrlichen Landschaft und dem strahlenden Licht, das über der nahen Adria und Venedig leuchtet, kämpften sie jahrelang um jeden Meter Boden. »Menschenmühle« und »Schlachtbank« wird der Eselsrücken, der Bereich zwischen den beiden Bergspitzen, an dem Tausende Soldaten den Tod fanden, genannt. Immer wieder versuchten die Gegner sich gegenseitig in die Luft zu sprengen. Am 13. März 1918 war es dann so weit: Die Österreichisch-Ungarischen zündeten 55 Tonnen Dynamit an der Nordflanke des Dente Italiano und brachten diese zum Einsturz.
Zum Glück ist das alles nun Geschichte, aber der Stacheldraht und die düsteren Kavernen bleiben ein Mahnmal für die menschenverachtenden, aberwitzigen Mechanismen, die jeder Krieg in Gang setzt. Inschriften, auf denen immer noch Heldentum und Patriotismus der gefallenen Soldaten geehrt werden, zeigen aber, dass auch dieser Krieg nicht lehrreich genug war. Bezeichnend ist die Geschichte von Soldaten an anderer Stelle der Dolomitenfront, die sich lange gegenüberstanden. An Weihnachten wurde dort ein spontaner, kleiner Waffenstillstand geschlossen und sogar gemeinsam getrunken. Als dies den Vorgesetzten bekannt wurde, ließen sie ein Exempel statuieren und die Verantwortlichen auf beiden Seiten erschießen. Das Menschen sich auch als solche verhalten, ist wohl eines der größ- ten denkbaren Gräuel für eine Armeeführung. Fanatismus, Heldentum und Patriotismus ziehen sie bei weitem vor, und das tun leider auch heute noch Teile unserer Gesellschaft.
Die Strada delle Gallerie, beim Rifugio Papa ist mit ihren vielen Tunnels bei Bikern (für die aber offiziell gesperrt) wie Wanderern gleichermaßen beliebt. 600 Soldaten schufen hier in nur sechsmonatiger Schwerstarbeit eine der kühnsten je vom Militär errichteten Versorgungsstraßen des gesamten Alpenraums. Ein abenteuerlicher Weg mit 52 Tunnels, sechs Kilometer Länge und einem Höhenunterschied von 800 Metern.
Wenn sich abends im Rifugio Campogrosso eine gewisse Schwere auf die Glieder legt, dann stößt man mit einem kräftigen Roten auf die erfolgreiche Besteigung des K2 im Frühjahr 2007 an, denn einige der Hüttenbelegschaft waren dabei. Vielleicht haben sie ihre ersten alpinen Schritte hier bei den gar nicht so kleinen Piccole Dolomiti getan …
Beste Jahreszeit
Kartentipp»4Land« 1:25000, Nr. 118, Pasubio Piccole Dolomiti (empfohlen, erhältlich im Rif. Lancia). Monti Lessini/Recoaro Terme. Carta dei sentieri »Lessinia Carega« 1:20000, Hrsg. Gruppo Alpinistici Veronesi. Kompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd
MarkierungenKnapp markiert mit roten Punkten und E5, aber etwas Konzentration auf den Gipfeln des Pasubio und bei den Abkürzungen auf der Heldenstraße nötig
VerkehrsanbindungAm Fugazzepass gibt es Busverbindungen nach Rovereto und Schio. Bus vom Fugazzepass zum Rif. Campogrosso (Tickets im Albergo Al Passo)
GastronomieRif. Papa; Albergo Streva; Albergo Al Passo
Unterkunft
Rif. Papa, Tel. +39/0445/630233 (geöffnet Anfang Juni bis Mitte Okt., AV-Mitglieder 8,50 Euro, sonst 17 Euro). Albergo Al Passo, Tel. +39/0464/869250 (ganzjährig geöffnet; DZ Ü/F 27 Euro, HP 35 Euro). Albergo Streva, Tel. +39/0464/869243, www.streva.it (1,5 km abseits vom Weg, ganzjährig geöffnet; DZ Ü/F 25 Euro). Rif. Campogrosso, Tel. +39/0445/75030 (geöffnet in der schneefreien Zeit; Lager Ü/F 20 Euro, DZ Ü/F ab 28 Euro). Biwakplätze am Gane oder in der Nähe des Rif. Campogrosso
Tourismusbüro
APT Rovereto, C. Rosmini 6/A, I-38068 Rovereto, Tel. +39/0464/43 03 63, Fax 43 55 28, www.apt.rovereto.tn.it. Promo Recoaro Terme, Via Roma 25, I-36076 Recoaro Terme, Tel. +39/0445/750 70, Fax 751 58, www.recoaroterme.com

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Robert Mayer

Fernwanderweg E5 - Vom Bodensee bis nach Venedig

Zu Fuß über das Dach Europas – wandern Sie auf den Spuren »Ötzis« über den grandiosen Alpenhauptkamm vom Bodensee bis nach Venedig!

Jetzt bestellen