Vom Mittelallalin zur Britanniahütte

Mit der Metro Alpin auf den Mittelallalin (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
11 km
100 m
4.00 h
Schon von der Längflue aus war das Allalinhorn über Saas-Fee einer der beliebtesten Viertausender der Alpen (6½ Std. hin und zurück). Doch seit dem Bestehen der Metro Alpin hat sich die Zahl der Gipfelstürmer um ein Vielfaches erhöht, da die Gehzeit ab dem Mittelallalin hin und zurück nur 3½ Std. beträgt. Extreme nennen das Allalinhorn bisweilen etwas abfällig Damen-Viertausender – dieser Ausspruch darf aber niemanden veranlassen, die Tour zu unterschätzen. Sie führt über große, oft stark zerklüftete Gletscherflächen und setzt Berg- und Gletschererfahrung voraus (sonst mit Bergführer) sowie komplette Ausrüstung (u.a. Seil, Pickel, Steigeisen). Doch auch ohne Besteigung des Allalinhorns ist die Fahrt mit der Metro Alpin auf das Mittelallalin äußerst lohnend und wird an schönen Tagen von unzähligen Touristen genutzt, die den überwältigenden Anblick der Berg- und Gletscherwelt ganz nahe erleben möchten.
Die im Dezember 1984 (nach knapp 3½ Jahren Bauzeit) in Betrieb genommene Metro Alpin, wie die Standseilbahn der Superlative offiziell heißt, gilt als höchste Bahn dieser Art in der Welt. Die verant-wortlichen Ingenieure und alle übrigen am Bau Beteiligten hatten Außergewöhnliches zu leisten. Beeindruckend sind technische Daten über den Bauablauf. Etwa das mechanische Auffahren, ein an sich schon kühnes Unterfangen: eine Robbins-Tunnelbohrmaschine mit einem Totalgewicht von 150 Tonnen hat – ohne eine einzige Sprengung – in den gewachsenen Fels vom Felskinn zum Mittelallalin eine völlig glatte Röhre mit einem Durchmesser von 4,20 Metern und einer Länge von 1723,29 Metern gefräst.
Der Wegverlauf.
Mit der Standseilbahn vom Felskinn auf den Mittelallalin und zurück: Vor der geplanten Wanderung machen wir vom Felskinn eine Fahrt auf den Mittelallalin. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten, dann öffnet sich der Tunnel. Gleißende Sonne und glitzernder Schnee blenden die Augen in 3456 Metern Höhe. Lohnender Abstecher zum Bergführerdenkmal (½ Std. hin und zurück), das in Erinnerung an die verunglückten Bergführer von Saas 1985 auf dem Mittelallalin errichtet wurde. 13 Viertausender recken sich gegen den stahlblauen Himmel: zum Greifen nahe Allalinhorn, Rimpfischhorn, Alphubel, Täschhorn und Dom sowie Weissmies – etwas ferner die Gipfel des Monte Rosa.
Vom Felskinn zur Britanniahütte: Nach Rückkehr zum Felskinn folgen wir der breiten Trasse über den Chessjengletscher zur Britanniahütte (3030 m). Der markierte Gletscherweg, der nicht zu verlassen ist, kann auch von gletscherunkundigen Wanderern begangen werden. Die hochalpine Lage der 1996/1997 renovierten SAC-Hütte ist beeindruckend. In wenigen Minuten steigen wir noch auf das Gipfelplateau des Klein Allalin (3069 m). Tausend Meter hohe Steilhänge senken sich ins Tal von Saas-Almagell und zum Mattmark-Stausee hin ab. In Geschichtsblättern ist zu lesen, dass in den Wassern des alten Mattmarksees im Jahre 1869 auf mysteriöse und nie aufgeklärte Weise das Leben von Pfarrer Johann Joseph Imseng endete. Ihm unterstanden seit 1836 die vier Saaser Gemeinden. Imseng war nicht nur Kirchenmann, sondern außerdem Botaniker und Geschichtsschreiber, Gastwirt und leidenschaftlicher Bergsteiger.
Höhenweg zum Plattjen: Von der Britanniahütte kurzer steiler Abstieg in den Geröllkessel unter dem Chessjengletscher zu zwei kleinen Seelein hin, weiter auf gutem Steig über die Moräne zum Punkt 2732 (Felsblock mit Hinweisen). Von hier kann in 1½ Std. nach Zermeiggern abgestiegen werden (20 Min. südl. von Saas-Almagell) und weiter in 1 Std. nach Saas-Fee (oder per Bus). Noch schöner ist unser Bergpfad, der hoch über dem Saastal aussichtsreich in nördlicher Richtung nach Plattjen führt. Zunächst unter den Felsen des Egginer über den Heidefriedhof (Ansammlung mächtiger Felsblöcke). Bei Punkt 2624 öffnet sich ein großartiger Tiefblick ins Saastal. Die Hänge des Mittaghorns lehnen sich bald weit zurück und machen den Blick frei auf Täschhorn, Dom, Lenzspitze und Nadelhorn.
Abstieg nach Saas-Fee: Von der Bergstation Plattjen (2570 m) können Sie mit der Gondelbahn ins Tal zurückkehren. Da der Tag uns noch nicht allzu viel Kraft abverlangt hat, ziehen wir den Abstieg vor. Nach wenigen Minuten geht es vorbei am Berghaus Plattjen (2411 m), dann in vielen Kehren, ständig umgeben von großartiger Szenerie, fast 800 Höhenmeter abwärts nach Saas-Fee (1792 m).
Weitere Tourenvorschläge.
• Erquickende Wanderung entlang der Suonen von Saas-Almagell über die Weiler Zum Moos – Unter den Bodmen nach Saas-Grund. Suonen sind kilometerlange Bewässerungskanäle. Sie führen das im Wallis dringend benötigte Wasser durch Gräben und Leitungen auf die Weiden und Gärten. Auf ihrem Weg müssen die Suonen oft große Hindernisse wie Felswände oder Geröllhalden überwinden. Ein leicht begehbarer Weg, der die Seele baumeln lässt. (Gehzeit: 2 Std.).
• Saas-Almagell – Ofentalpass – Jazzilücke – Antronapass – Furggalp – Furggstalden – Saas-Almagell (9 Std.);
• Mittelallalin – Allalinhorn – Mittelallalin (3½ Std.; reine Gletschertour, komplette Gletscherausrüstung). Berg- und Gletschererfahrung nötig, sonst nur mit Bergführer!

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied100 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortSaas-Fee (1792 m) im Saastal.
AusgangspunktBergstation Felskinn (2991 m).
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterPanoramaweg um Egginer und Mittaghorn mit einfacher Gletschertraverse (keine Gletscherausrüstung), Teleskopstöcke empfehlenswert; Bergstiefel. Vorsicht bei Vereisung im Geröllkessel unterhalb der Britanniahütte.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 284 T (Mischabel; mit eingezeichneten Routen). Wanderkarte Saas-Fee, siehe Tour 11.
Verkehrsanbindungsiehe Tour 10. Von Saas-Fee mit dem Alpin Express (Luftseilbahn) aufs Felskinn. Abstecher von hier mit der Metro Alpin (unterirdische Standseilbahn) auf den Mittelallalin.
GastronomieDrehrestaurant Mittelallalin (in 60 Min. eine Umdrehung), Bergrestaurant Felskinn, Selbstbedienungs-Restaurant Plattjen (nahe Bergstation).
Unterkunft
Britanniahütte (3030 m), SAC-Sektion Genève, 134 Schlafplätze, bewartet: Ende Juni bis Ende September, Tel. 027/957 22 88 (Hütte), 027/957 21 80 + 027/ 957 23 45 (Tal); Berghaus Plattjen (2411 m).
Tourismusbüro
Saas-Fee ist autofrei. Sehenswert: Saaser Museum (seit 1983 im ehemaligenPfarrhaus). Bergführerbüro Mountain Life CH-3906 Saas-Fee, Tel. 027/957 44 64, www.mountainlife.ch. Zwei Luftseilbahnen, vier Gondelbahnen, zwei Sessellifte. Metro Alpin (unterirdische Stand seilbahn ab Felskinn). Saas-Fee Tourismus:CH-3906 Saas-Fee, Tel. 027/958 18 58, www.saas-fee.ch. Saas-Grund (1559 m); Postbusverbindung. Bergsportschule Active Dreams CH-3910 Saas-Grund, Tel. 027/957 14 44, www.weissmies.ch. Gondelbahn:1. Sektion Kreuzboden (2397 m), 2. Sektion Hohsaas (3101 m) am Fußedes Weissmies. Saastal Tourismus (Saas-Grund, Saas-Almagell, Saas-Balen) Geschäftsstelle: CH-3910 Saas-Grund; Tel.: 027/9586666, www.saastal.ch Tourist Office Saas-Grund: CH-3910 Saas-Grund; Tel.: 027/9586666, www.saas-grund.ch. Saas-Almagell (1673 m; 8 km bis zum Mattmark-Stauseemit dem größten Erdstaudamm Europas); Postbusverbindung. Sessellift nach Furgg stalden, Sessellift nach Heidbodme. Tourist Office Saas-Almagell: CH-3905 Saas-Almagell; Tel. 027/9586644,www.saas-almagell.ch.

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