Vom Ledrotal zum Gardasee

Leichte Wanderung. Der Weg führt parallel des Ponalebaches durch die verträumte Landschaft des Tales, dann in die Schlucht des Ponale mit der atemberaubenden Brücke, weiter durch die alten Tunnelbauten bis zum Hafen von Riva. Auf dem Weg gibt es keine Verpflegungsmöglichkeiten. Sonnenschutz ist zu empfehlen. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte den Abstecher zum Ponalehafen (ca. 1 Std.) weglassen. (Autor: Joachim Lutz, Sabine Malecha)
8 km
450 m
3.00 h
Gemütlich hinab zum Gardasee.
Wir werden die alte Ponalestraße vom Ledrosee nach Riva del Garda gehen und können dabei dem Wunderwerk der Technik aus dem Jahre 1851 unseren Respekt zollen. Bei der Kirche von Pre parken wir das Auto und gehen zuerst zum Waschhaus und zur alten Nagelschmiede (siehe Tour 32) einige Meter den Berg aufwärts. Dann spazieren wir zur Kirche zurück und nehmen die zweite Straße nach rechts zur Brücke. Hier sehen wir einen alten Kalkofen.
Kalköfen im Ledrotal.
Der traditionelle Kalkofen, der zum Brennen von Kalkstein verwendet wurde, war kreisförmig mit einem Innenraum aus Stein, hatte einen Durchmesser von 3–5 m, eine Höhe von 4–6 m und wurde normalerweise in einen Erdwall hineingebaut.
Nach dem Bau eines Kalkofens an einem Ort, an dem große Mengen geeigneter Steine zur Verfügung standen und der außerdem problemlos mit Karren erreicht werden konnte, brauchte man zum Brennen große Mengen an Holz in Form von Bündeln mit 30–40 cm Durchmesser und 8–10 kg Gewicht. Für einen Kalkofen mit mittlerer Kapazität (25 Tonnen produzierter Kalk) benötigte man etwa 3000 dieser Bündel, die ein erfahrener Waldarbeiter in ungefähr einem Monat zusammenstellen konnte. Der Kalk selbst wurde aus Kalkgestein gebrannt, das überall im Valle di Ledro zu finden ist. Das Gestein wurde normalerweise in der Nähe des Kalkofens in Bachbetten und unter Felswänden gesammelt. Die Aufteilung in »gutes Kalkgestein« und »schlechtes Kalkgestein « besorgten erfahrene »Calcherot« (Kalkbrenner). In der Regel entsprach das Gewicht des hergestellten Kalks dem des zum Brennen vorhandenen Holzes. Nach der Bereitstellung des Holzes wurde der Ofen vorbereitet. Er wurde mit dem gesammelten Kalkgestein der Größe nach befüllt: Die größten Steine lagen am dichtesten bei der Flamme. Nach der Ofenbefüllung wurde die Ofentür geschlossen.
Nun war alles bereit, um den Ofen anzuzünden: In die Feuerung wurde Holz gehäuft, das mit einer Fackel angezündet wurde. Danach wurde regelmäßig und ununterbrochen mit Holzbündeln nachgeschürt: 90 Stunden lang musste alle drei Minuten ein neues Bündel nachgelegt werden. In der ersten Brennphase traten aus der oberen Öffnung des Ofens rote Flammen aus, in der Schlussphase leuchtete die Flamme bläulich. Der Ofen wurde ein paar Tage später entladen, sobald der Kalk abgekühlt war und besser gehandhabt werden konnte. Im Allgemeinen wurde der gewonnene Kalk noch vor Ort gewogen und verkauft.
Der Kalk wurde in zahlreichen Bereichen zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt. Für das traditionelle Bauwesen ist er ein Grundmaterial: Er wurde für die Mörtelmischung zum Verputzen, die Herstellung von Farben sowie zum Desinfizieren der Räume eingesetzt. In der Landwirtschaft war er so weit verbreitet, dass in den Höfen oft das sogenannte »busa della calce« (Kalkloch) vorbereitet wurde, eine Grube, die eine bestimmte Menge an stets verwendungsfertigem Löschkalk enthielt. Kalk wurde zudem als Konservierungsmittel verwendet. Im Valle di Ledro wurden insgesamt 40 Kalköfen gezählt. (Quelle: Le calchere del Comprensorio Alto Garda e Ledro, Museo Civico Riva del Garda)
Weiter zur alten Ponalestraße.
Nun gehen wir links, dem Wegweiser Lago di Garda folgend, am Ponalebach entlang. Gegenüber der Forellenzucht Armanini wandern wir weiter abwärts bis zur Fahrstraße. Rechts geht es nach Pregasina (35 Min.), geradeaus den alten Ponaleweg hinunter zum ehemaligen Ponalehafen, links zur Straße und zum Straßentunnel. Hier haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir halten uns geradeaus hinab zum alten Ponalehafen (siehe Abstecher unten). Oder wir wandern weiter auf der alten Ponalestraße nach Riva del Garda.
Abstecher Ponalehafen.
Der Weg zum Ponalehafen ist für Kinder eher nicht geeignet, da er steil und sehr steinig und teilweise mit Geröll durchsetzt ist. Hinab bis zum Gardasee und wieder zurück zur Straße geht man etwa eine Stunde. Dieser Weg ist der alte Weg, den die Bewohner des Ledrotals vor Eröffnung der Ponalestraße 1851 nehmen mussten, wenn sie zum Gardasee hinunter wollten. Über weite Strecken ist dieser Weg steil, steinig und schmal, für uns Wanderer interessant, aber für die damalige Bevölkerung extrem mühsam. Er führt an kleinen Wasserfällen und einer zweiten Kraftwerksruine vorbei. Die Ruine des Wasserkraftwerks »Riva« ist allerdings weit weniger interessant als zuvor die »Rovereto«- Ruine. Kurz darauf steht man unvermittelt direkt an der Gardesana Occidentale, der westlichen Uferstraße des Gardasees von Riva del Garda nach Limone und weiter in Richtung Süden. Der alte Ponalehafen ist kaum mehr zu erkennen, unter der Brücke hindurch führt aber ein verwilderter Weg direkt bis zum Ufer des Gardasees. Danach kehren wir auf dem gleichen Weg zurück zum Beginn unseres Abstechers.
Weiterweg auf der Ponalestraße.
Wir nehmen links wenige Meter die Fahrstraße aufwärts und gehen dann nach rechts ebenfalls nur wenige Meter an der Fahrstraße entlang bis zum neuen Tunnel. Direkt davor geht rechts die alte Ponalestraße ab, die uns nach Riva del Garda zum Ziel unserer Wanderung führen wird. Bald kommen wir an einer Ruine vorbei, dieses Mal ein Haus, vermutlich ein Gasthaus an der alten Straße. Kurz danach verlassen wir die Ponaleschlucht, es geht nach links. Ab jetzt wandern wir immer entlang des Gardaseeufers. Der Weg ist mal schmaler, mal breiter, aber sehr gut zu gehen. Links über uns ragen die felsigen Berghänge steil auf, rechts liegt tief unter uns der Gardasee, einfach wunderschön! Immer führt der Weg leicht bergab und auch durch mehrere alte Straßentunnels. In den Tunnels, aber auch in den Felsen gibt es immer wieder Höhlen, Kammern oder auch nur Löcher, die meist militärischen Ursprungs sind. Der Weg endet in Riva del Garda an der Einfahrt zum neuen Tunnel der Gardesana Occidentale, kurz hinter dem Wasserkraftwerk (2 Std.).
Riva del Garda und der Gardasee grüßen.
Bei aufkommendem Wind verändert sich die Farbe des Sees von blau bis hin zu einem tiefen Schwarz, ein herrliches Schauspiel der Natur. Der Urlaubsort Riva liegt umgeben von mächtigen Bergen an der schmalen Nordspitze des Lago di Garda. Mit seinen rund 13 000 Einwohnern ist er nach Desenzano der zweitgrößte Ort am See. Nach einem gemütlichen Bummel durch die Altstadt von Riva wandern wir noch hinaus zum Busbahnhof. Der Bus bringt uns zurück an die Abzweigung nach Pre. Von hier sind es nur noch wenige Meter, und wir sind zurück an unserem Fahrzeug.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied450 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortPre di Ledro
AusgangspunktParkplatz bei der Kirche in Pre
EndpunktRiva del Garda, von dort mit dem Bus zurück nach Pre
TourencharakterDie Geschichte der Ponalestraße - Um einen am Gardasee am Ende der Ponaleschlucht gelegenen Hafen mit dem Ledrotal zu verbinden, bestand bereits 1192 ein Fußweg aus vielen Stufen. Mitte des 19. Jh. wurde dann die Straße nach Plänen von Giacomo Cis gebaut. 1847 begonnen und in Kriegszeiten unterbrochen, war das erste Teilstück 1851 fertig. Als ein Wunderwerk der Technik wurde die Ponalestraße bezeichnet. Die Finanzierung meisterten damals die Gemeinden des Ledrotales völlig alleine. Nach der Einweihung musste sie später noch um 2 km verlängert werden, um Biacesa anzubinden. Um Kehren und Kurven zu vermeiden, ließen die Baumeister drei Tunnel graben, die übrigen zwei kamen erst später dazu. Die Straße wurde mit Kies belegt, und als Brüstung dienten vorwiegend Holzbalken. 1891 fuhren bereits die ersten Automobile über diese Straße. Erdrutsche führten in neuerer Zeit immer wieder dazu, dass ein Passieren nicht mehr möglich war. 1990 wurden dann die beiden neuen langen Tunnelröhren eröffnet, die heute als bequeme Zufahrt von Riva ins Ledrotal dienen. Die Ponalestraße wurde gesperrt und renaturiert. Seit 2004 ist die alte Straße als Rad- und Fußweg wieder eröffnet.
Hinweise
Baden möglich
KartentippKompass-Wanderkarten - 1:25 000, Blatt 690 Alto Garda e Ledro; 1:35 000, Blatt 096 Alto Garda, Val di Ledro
MarkierungenHinweistafeln
VerkehrsanbindungBrennerautobahn A 22, Ausfahrt Trento Centro oder Rovereto Sud, der Beschilderung nach Riva del Garda folgen, dort weiter Richtung Lago di Ledro bis Pre. Wichtig - Busfahrplan in Pre unbedingt vor der Wanderung anschauen.
GastronomieIn Riva del Garda
Tipps
SHOPPING IN RIVA. Zeit und Lust auf eine Shopping-Tour? In Riva findet man unzählige Adressen für allerlei Urlaubseinkäufe. Vom schmucken Juwelier über die trendige Boutique bis zum preiswerten Souvenirshop gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Besonders der Markt in Riva, immer mittwochs 8–14 Uhr, lohnt einen Besuch. Von Obst bis Oberhemden, von Schinken bis Slips, das An - gebot auf italienischen Märkten ist gigantisch. Unbedingt früh kommen wegen der Parkplätze!
Tourismusbüro
Consorzio Pro Loco Valle di Ledro, Via Nuova 9, 38060 Pieve di Ledro, Tel. 0039/0464/59 12 22, Fax 0039/0464/59 15 77, E-Mail - info@vallediledro.com, www.vallediledro.com

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Joachim Lutz, Sabine Malecha

Wanderführer Gardasee

40 abwechslungsreiche Touren rund um den Gardasee, die mit Übersichts- und Detailkarten, Tourencharakteristik und Höhenprofil genau beschrieben werden.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema