Vom Kaltenbronn ins Wildseemoor

Durch Deutschlands größtes Hochmoor.
Leichte Waldwanderung, die im Bereich des Wildseemoors »auf eigene Gefahr« zu begehenden Bohlenwegen folgt. (Autor: Chris Bergmann)
12 km
150 m
3.00 h
Der Ort Kaltenbronn.
Kaltenbronn zwischen Wildseemoor und Hohloh ist eines der bekanntesten Skizentren im Nordschwarzwald, der zur Stadt Gernsbach gehörende Weiler liegt auf dem Höhenrücken zwischen den Tälern von Murg und Großer Enz, im historischen Rasthaus an der Passstraße vom Enz- ins Murgtal wird ein Naturpark-Informationszentrum aufgebaut mit einer Ausstellung über das Wildseehochmoor, den Bannwald und die Jagd. Die schwarzwaldtypischen Häuser, Hofstellen und Höfe liegen im Quellgebiet des Kegelbachs in der Nachbarschaft zweier der bedeutendsten Moorgebiete des gesamten Gebirges - Im Osten erstreckt sich das Wildseemoor, durch das die badisch-württembergische Grenze verläuft, im Westen liegen die Moore rund um den Hohlohsee, dahinter steigt das Gelände zum Kaiser-Wilhelm-Turm an. Das großherzogliche Jagdhaus (1869/70) gegenüber vom Hotel »Sarbacher« erinnert daran, dass der Kaltenbronn seit den Zeiten des »Türkenlouis« ein bevorzugtes Jagdgebiet der Markgrafen und nachmaligen Großherzöge von Baden war: Alljährlich fanden im Frühjahr und im Herbst Auerhahn- und Rotwildjagden statt. Mit der Tierwelt in den Wäldern rund um den Kaltenbronn macht ein Rotwildgehege bekannt. Das Kreisforstamt Rastatt veranstaltet auch Wald- und Moorführungen für Kinder.
Im Wildseemoor.
Von den Parkplätzen leiten die Markierung »gelbe Raute« und Schilder mit der Richtungsangabe »Wildsee« am Wildgehege vorbei und folgen dem Mannslohweg durch den Wald hinauf zur Leonhardshütte, einer Schutzhütte, hinter der ein Holzbohlensteg in das Naturschutzgebiet Wildseemoor hineinführt. Zu den schönsten Stellen zählt der Platz, an dem man von einladenden Sitzbänken einen herrlichen Blick auf den Wildsee genießt. Am Ende des Wildseemoor-Naturschutzgebiets führt der mit dem Zeichen »rote Raute« markierte Mittelweg des Schwarzwaldvereins an der Weißensteinhütte, einer Schutzhütte, vorbei zur gemütlichen und im Sommer äußerst beliebten Waldgaststätte Grünhütte (830 m) mit Sonnenterrasse. In der Grünhütte kehren auch viele Mountainbiker ein. Wo vor über 250 Jahren der Wald als Sommerweide gerodet und das »Stierhäusle« als Stützpunkt für Waldarbeiter und Hirten errichtet wurde, befinden sich heute Wiesen und Grillstellen unter schattigen Bäumen. Von der Grünhütte geht es auf dem Mittelweg zurück zur Weißensteinhütte, wo man sich entscheiden muss: Entweder folgt man wieder dem bekannten Bohlenweg durch das Wildseemoor, oder man umgeht das Moor auf dem Mittelweg. Letzterer folgt einem Forstweg im Wald zurück zum Kaltenbronn und bietet an einer Aussichtsstelle einen wunderbaren Blick über das Eyachtal hinweg zum Dobel. Wer mit dem Bus von Bad Wildbad zum Kaltenbronn heraufgefahren ist, kann dem Mittelweg über die Grünhütte weiter bergabwärts bis Bad Wildbad folgen.
Auf dem Hohloh.
Bei klarer Sicht lohnt abschließend die kurze Wanderung zum Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Hohloh, der wegen seiner einmaligen Aussicht besonders an klaren Tagen zu empfehlen ist. Vom Kaltenbronn führt der Mittelweg in einem romantischen Bachtal im Wald aufwärts, dann beginnt erneut ein Bohlensteg, und fast unvermittelt öffnet sich der Blick auf den Großen Hohlohsee; Bänke laden an diesem sonnigen Ort zum Verweilen ein. Wenige Minuten später erreicht der Mittelweg die Schutzhütte am Hohlohturm, einem 1897 errichteten Aussichtsturm. Er bietet eine prachtvolle Aussicht auf das Murg- und das Rheintal und bis hin zu den Vogesen, ostwärts auf die Höhen an den Enztälern und über die oberen Gäue hinweg bis zur Schwäbischen Alb sowie bei winterlicher Inversion bis zu den Alpen. Vom Turm führt die rote Westweg-Raute rechts hinab zum Parkplatz Schwarzmiss und durch den Wald zur Kreuzlehütte am Teufelsgrab; dort zweigt die gelbe Raute rechts auf den Kreuzleweg ab und führt zurück zum Kaltenbronn.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied150 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortGernsbach (172 m), Luftkurort und Industriestadt mit historischer Fachwerk-Altstadt im Murgtal.
AusgangspunktBushaltestelle und Parkplatz am Skizentrum Gernsbach-Kaltenbronn.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDas Wildseemoor liegt auf einer niederschlagsreichen Buntsandsteinhochfläche im Nordschwarzwald zwischen den Tälern von Eyach, Kegelbach, Rollwasser und Schwarzwasser und ist eines der größten erhaltenen Hochmoore Deutschlands - Urwüchsige Bannwälder mit bizarren Baumgestalten umgeben das Moor, in dem sich zur Mittsommerzeit das Wollgras in weißen Büscheln zeigt und im Herbst Moorpflanzen in leuchtendem Rot erstrahlen. Die beiden größten von mehreren Moorseen sind der Hornsee und der namengebende Wildsee. Mitten durch das Moor, dessen Torfschicht bis zu 7,50 Meter dick ist, verläuft die Grenze zwischen Baden und Württemberg, doch die Schutzwürdigkeit dieses Naturparadieses wurde schon früh auf beiden Seiten erkannt: 1911 wurde auf württembergischer Seite ein »Bannwald« ausgewiesen, 1914 der badische und 1928 der württembergische Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesen – damit ist das Wildseemoor das älteste Naturschutzgebiet in Baden-Württemberg. Im Jahr 2000 wurden die verschiedenen Naturschutzgebiete dieser einzigartigen Hochmoorlandschaft zu einem großräumigen Natur- und Waldschutzgebiet von 1750 Hektar zusammengeführt. Beim Wildgehege am Kaltenbronn startet die Wanderung in das Wildseemoor.
Beste Jahreszeit
KartentippWanderkarte 1 - 35000 Oberes Enztal oder Freizeitkarte 1:50000 Blatt 501 Baden-Baden/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Blatt 1 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungA 5 Karlsruhe–Basel Ausfahrt Rastatt und auf der B 426 via Gaggenau nach Gernsbach und weiter Richtung Forbach, dann abzweigen Richtung Kaltenbronn/ Bad Wildbad. Bus ab GernsbachBahnhof und ab Bad Wildbad.
GastronomieKaltenbronn, Grünhütte.
Tipps
GERNSBACH – Perle des Murgtals. Die von Fachwerkhäusern, Brunnen, Sonnenuhren und winkeligen Gassen geprägte historische Altstadt des Luftkurorts Gernsbach, der »Perle des Murgtals«, zeugt vom Reichtum dieser alten Murgflößerstadt, deren Gebiet bis hinauf zum Wintersportzentrum Kaltenbronn mit dem berühmten Wildseemoor reicht. Das Alte Rathaus (1617/18, Restaurant) mit seiner Volutengiebel-Prunkfassade am Marktplatz ist eines der schönsten Renaissance-Häuser im Schwarzwald. Errichtet wurde es als Privathaus des Murgschiffers Johann Jakob Kast, dem die Flößerei derartige Gewinne bescherte, dass er das Haus mit Silberplatten decken lassen wollte; ein Engel erschien ihm im Traum und riet ihm, das Geld lieber in eine Armenstiftung zu stecken, was der Unternehmer daraufhin auch tat. Markanteste Teile der mittelalterlichen Stadtmauer sind die Liebfrauenkirche (der im 13. Jh. errichtete Westturm ist Teil der Stadtmauer), die 1764–84 auf der Stadtmauer errichtete Zehntscheuer und der Storchenturm (1449).
Informationen
HEUHÜTTENTÄLER WIE IN DEN ALPEN. Das Kauersbach- und das Sasbachtal bei Forbach oberhalb von Gernsbach mit ihren Wiesen, Steinwällen und Hütten sind zwei typische Heuhüttentäler, die es außerhalb der Alpen nur hier in den Seitentälern des Murgtals im Raum Forbach und Gernsbach gibt. Die Steine wurden auf den Wiesen zusammengelesen und am unteren Ende des Grundstücks zu Steinriegeln aufgeschichtet. Um kein kostbares Wiesengelände zu verschenken, wurden die Heuscheuern in mühsamer Handarbeit direkt auf die Steinriegel gebaut. Der Überlieferung nach brachten die Heuhütten Tiroler Auswanderer mit, die wahrscheinlich nach dem Dreißigjährigen Krieg im Murgtal heimisch wurden; 1683 werden die Heuhütten erstmals urkundlich erwähnt. Um 1900 erreichte ihre Zahl den Höchststand, ab 1970 wurden viele mit dem rapiden Abbau des Viehbestands in der Region der Verwilderung preisgegeben.
Tourismusbüro
Tourist-Info Gernsbach, Igelbachstraße 11, 76584 Gernsbach, Tel. 07224/ 64444, www.gernsbach.de. Reise- und Verkehrsbüro Bad Wildbad, König-Karl-Straße 7, 75314 Bad Wildbad, Tel. 07081/10280, www.bad-wildbad-tourismus.de

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