Vom Jagdschloss Fasanerie nach Bauerbach

Schiller im Exil (Autor: Norbert Forsch)
15 km
207 m
4.00 h
Im kleinen Dorf Bauerbach hatte sich Schiller nach seiner Flucht aus Mannheim 1782/83 im Gutshaus der Henriette von Wolzogen, heute Museum, als Dr. Ritter verborgen gehalten. Der Dichter speiste gerne im Gasthof Zum braunen Roß, heute Schiller-Begegnungsstätte und Kulturzentrum. Im Naturtheater des Ortes werden Schillers Stücke von Laiendarstellern aufgeführt.
Nach Sülzfeld.
Wir starten beim Jagdschloss Fasanerie. Es diente einst den Herzögen von Sachsen-Meiningen als Jagd- und Sommerhaus. Herzog Georg I. ließ den klassizistischen Bau um 1790 errichten. Unter Herzog Bernhard II. erlebte das Gelände im 19. Jh. eine Blütezeit als Jagd- und Ausflugsgebiet. Im Wald wurden Fasane, Rot- und Damwild in Gehegen gehalten. 1848 wurde der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel mit Gaststätte. Als die Herzöge 1918 abdankten, verfielen das Schloss und der Park. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente Schloss Fasanerie unter anderem als Unterkunft für Umsiedler, Flüchtlinge und Waisenkinder, dann der Roten Armee und der DDR-Grenzpolizei, und es entstand eine Militäranlage. Nach der Wiedervereinigung wurde die Fasanerie saniert. Heute beherbergt das Haus u. a. eine Informationsstelle des Biosphärenreservats Rhön und ein Restaurant.
Beim Jagdschloss wenden wir uns nach rechts und wandern am Waldrand entlang zu einem breiten unmarkierten Wirtschaftsweg. Er führt uns nach rechts zum Ortsrand von Sülzfeld. Dort biegen wir links in die Ringstraße ein und gehen am Ortsrand entlang zur B 19.
Nach Bauerbach.
Wir queren die Bundesstraße und gelangen auf den ansteigenden Amalienruher Weg. Nun übernimmt der offene grüne Keil die Führung. Die folgende Kreuzung nehmen wir rechts, biegen links in den nächsten Querweg ein und gewinnen stetig an Höhe. Der asphaltierte Weg zieht am Gut Amalienruhe vorbei.
Amalienruhe wurde von der Meininger Herzogin Elisabeth Sophie im Jahr 1718 als Sophienlust erbaut. Es war ein schlichtes Herrenhaus mit romantischem Park. 1764 wurde es nach der Herzogin Charlotte Amalie um-benannt. Heute wird es von einer Stiftung verwaltet.Hinter Amalienruhe steigen wir steil in den Wald hinauf und wandern geradeaus über den Mehmelsfelder Berg zu einer Kreuzung. Dort biegen wir rechts ab und folgen dem grünen Winkel nach Bauerbach hinab, das wir beim Gasthof Zum braunen Roß erreichen.Bauerbach wurde erstmals 887 erwähnt. Damals war der Ort eine Grundherrschaft des Klosters Fulda. Im 19. Jh. waren ein Drittel der Einwohner Juden. Sie legten den jüdischen Friedhof auf einer Anhöhe außerhalb des Ortes an. Mit 365 Gräbern gehört er zu den größten in Südthüringen. An die jüdische Bevölkerung erinnert auch die Synagoge in der Hauptstraße.
Wer heute Bauerbach besucht, wird aber eher an Ereignisse des 18. Jh. denken. Von Dezember 1782 bis Juli 1783 war Bauerbach Zufluchtsort Friedrich Schillers. Der damals 23-jährige Dichter versteckte sich hier vor dem württembergischen Herzog Karl Eugen. Wegen unerlaubter Reisen drohten ihm Arrest und Schreibverbot. Auf dem Gutshof der Familie Wolzogen fand er als Dr. Ritter Unterschlupf. Während seines Aufenthaltes in Bauerbach schrieb Schiller u. a. an Don Carlos und arbeitete in Meiningen als Bibliothekar. Allen Anstrengungen zum Trotz befand er sich in Geldnöten. Er führte ein recht einsames Leben, das nur durch Besuche im Braunen Roß und durch Wanderungen nach Meiningen und Bibra unterbrochen wurde. Dort fand er Partner für intellektuelle Gespräche.
Beim Gasthof schwenken wir nach rechts. Nun übernimmt der rote Keil gegen die Spitze die Führung. Er leitet am sehenswerten Schillermuseum vorbei zum Ortsrand und führt nach rechts auf einen Feldweg.
Über Henneberg zurück.
Wir folgen dem ansteigenden Feldweg, queren einen Kiesweg und wandern schräg in den Wald hinauf, wo sich das Naturtheater befindet. Die Bauerbacher halten die Erinnerung an Schiller unentwegt wach. Bereits 1959, zum 200. Geburtstag Schillers, gründeten sie ein Laientheater und spielten Stücke Schillers. Seit 1990 werden diese vom Dorftheater »Friedrich Schiller Bauerbach e. V.« im Naturtheater aufgeführt.
Der Wanderweg zieht beim Hinweisschild auf das Naturtheater nach links, bleibt erst nah am Waldrand, führt dann als Wiesenweg zur Straße am Fuß des Schlossberges von Henneberg hinab.
Der Schlossberg, der die Burg Henneberg trägt, ist ein frei stehender Bergkegel. Die einstige Stammburg des 1583 ausgestorbenen Henneberger Adelsgeschlechts wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört. Die Burg wurde erstmals 1096 urkundlich erwähnt. Grabungsfunde belegen aber eine Besiedelung be-reits zur frühen Eisenzeit. Bis 1989 befand sich die Burg im Sperrgebiet. Vom Bergfried aus wurde der Grenzübergang Mellrichstadt überwacht. Seit der Übernahme der Burgruine Henneberg durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wird die Burganlage saniert.
Wir wandern über den Schlossberg nach Henneberg hinab und auf der Straße Lehmhof aus dem Ort. Indem wir die B 19 queren, kommen wir auf ein Asphaltsträßlein. Wir folgen ihm zur Straße beim vor uns liegenden Wäldchen. Dort schwenken wir nach rechts und gleich links zum Jagdschloss Fasanerie.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied207 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktJagdschloss Fasanerie Hermannsfeld
EndpunktJagdschloss Fasanerie Hermannsfeld
TourencharakterAuf befestigten Asphalt- und Kieswegen durch Wald und offene Flur; ausgezeichnete Fernsicht von der Burg Henneberg.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 14 »Naturpark Rhön«, 1:50 000, Südblatt, Bayer. Landesvermessungsamt
MarkierungenUnmarkiert bis Sülzfeld; offener grüner Keil und anschließend grüner Winkel nach Bauerbach; roter Keil gegen die Spitze bis Jagdschloss Fasanerie
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A 71 zur Anschlussstelle Meiningen und weiter auf der B 19 Richtung Mellrichstadt; hinter Sülzfeld rechts zum Jagdschloss Fasanerie Hermannsfeld.
GastronomieSülzfeld: Hotel Fasold, Ringstr. 2, Tel. 036945/591-0, www.hotelfasold.de. Hermannsfeld: Jagdschloss Fasanerie, Tel. 036945/517 20, www.jagdschloss- fasanerie.de. Bauerbach: Zum braunen Roß, Hauptstr. 12, Tel. 036945/573 74, www.bauerbach-naturtheater.de
Tipps
WANDER-TIPP: AUF SCHILLERS SPUREN Wer wortwörtlich in Schillers Fußstapfen treten will, folgt dem 11 km langen Schiller-Wanderweg. Er ist mit dem grünen Winkel markiert, beginnt in Meiningen an der Elisabethenburg und führt über Untermaßfeld, wo der Dichter gern einkehrte, nach Bauerbach. Schiller wanderte oft nach Meiningen zu seinem Schwager, der als Hofrat die Bibliothek verwaltete. Meiningen war für Schiller das Tor zur Welt. Dort besorgte er sich Bücher aus der Herzoglichen Bibliothek und seinen geliebten Schnupftabak und traf Intellektuelle seiner Zeit. Entlang des Weges erinnern Gedächtnisstätten und Skulpturen an den Dichter. EINKEHR-TIPPS Im Gasthof Zum Braunen Roß aß und trank der Dichter Friedrich Schiller während seines Aufenthaltes in Bauerbach 1782–83. Die Küche verwöhnt mit deftigen hauseigenen Gerichten und Thüringer Spezialitäten. Das historische Anwesen wurde in der Zeit von 1993 bis 2001 nach denkmalschützerischen Aspekten saniert. Ein Spottgedicht auf den Dichter, das im Auftrag des Meininger Herzogs entstand, ziert die Fassade des Hauses. Auch die rustikal eingerichteten Räume erinnern an Schiller. In der Gaststube findet sich noch jener massive Eichentisch, an dem der junge Dichter seine meist einsamen Mahlzeiten einnahm, und an der Wand hängt eine unbezahlte Rechnung. Wer ihm kulinarisch folgen will, bestellt das Schillermenü: kräftige Suppe, Steckrüben mit Tetscher und Apfelkompott. Die Rechnung sollte man im Gegensatz zu Schiller jedoch bezahlen. Das Braune Roß ist nur freitagabends und am Wochenende geöffnet. Ebenfalls empfehlenswert ist das Restaurant im Jagdschloss Fasanerie Hermannsfeld. Es bietet frische Naturküche und serviert traditionelle Rhöner Gerichte, die es neu interpretiert. Jeder Monat ist einem anderen Produkt gewidmet. Im September ist es die Kartoffel, im Oktober der Apfel und im November der Kürbis. Auch bei den Getränken wird auf das regionale Angebot geachtet. Die Fasanerie ist Fördermitglied der Organisation Slow Food.
Unterkunft
Sülzfeld: Hotel Fasold, Ringstr. 2, Tel. 036945/591-0, www.hotelfasold.de. Hermannsfeld: Jagdschloss Fasanerie, Tel. 036945/517 20, www.jagdschloss- fasanerie.de. Bauerbach: Zum braunen Roß, Hauptstr. 12, Tel. 036945/573 74, www.bauerbach-naturtheater.de

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