Vom Inntal ins kalte Reich der Ötztaler Alpen

Bitte beachten: Km-Distanz (50km) ist bereits incl. empfohlener Bus-Fahrt von Wenns nach Mittelberg. Netto-Km-Distanz: 16,8 km. Aussichtsreiche Gratwanderung entlang dem Venetmassiv auf anfangs guten Wegen. Steiniger, steiler Abstieg vom Kreuzjoch. Anstrengender, steiler Anstieg zur Braunschweiger Hütte. Wasser: am Venet viele Bäche. Kinder und Genießer: Für Kinder ist die Etappe interessant, aber etwas zu lang. Komfortable Übernachtung in Wenns oder in der Gletscherstube möglich (Autor: Robert Mayer)
50 km
1420 m
8.00 h
Zur Gondel auf den Krahberg gehen wir einfach auf der Hauptstraße Richtung Landeck, bis links die Talstation auftaucht (erste Bergfahrt um 8.30 Uhr, siehe Tourenkasten). In 15 Minuten sind wir mit der Bahn auf den Krahberg geschwebt und folgen dem E5 genau nach Osten bis zur Glanderspitze (2512 m; 1.15 Std.).
Variante.
Für Eilige oder bei Schlechtwetter: Man kann 400 m nach dem Krahbergrücken rechts den Weg zur Googlesalm einschlagen. Von dort erreicht man relativ eben die Galflunalm (1961 m; 1.30 Std.). Zeitersparnis insgesamt 1.15 Std.
Von der Glanderspitze führt der Weg im leichten Bogen nach Nordosten über das Wannejöchl zum Kreuzjoch (2464 m; gut 2 Std.). Dort nicht geradeaus weiter, sondern rechts dem Schild »Piller, Wenns, E5« folgen. Schroffe, mit gelben Flechten bewachsene Granitplatten prägen hier die Landschaft, und der Abstieg ist daher nicht ganz einfach – zum Trost malte jemand ein dickes Herz mit E5-Zeichen auf einen Stein. Zuletzt geht man auf Holzbohlen mitten durch zufrieden weidende Kühe in bestechend schöner Landschaft zur Galflunalm (1961 m; 2.45 Std., 6,1 km). Hier gibt es die besten hausgemachten Speck- und Käseknödel am gesamten E5 (und das behaupte ich nicht nur, weil die Köchin so hübsch ist)!
Variante Kaunergrat.
Wer sich diese Variante zutraut, sollte von der Galflunalm auf dem ausgeschilderten Wanderweg nach Piller (1353 m; 1 Std., 2,5 km) absteigen und den Schildern zur Pferderanch Neu Amerika folgen. Hier übernachten und am nächsten Tag in den Höhenweg einsteigen. Weitere Infos siehe Etappe 10A.
Weiter geht es auf dem Fahrweg zur Larcheralm (1814 m; gut 3 Std.), dann einige Serpentinen hinunter, bis rechts ein Wegweiser auf den alten Almweg nach Wenns führt, dem wir folgen. Bei der darauffolgenden Weggabelung im Wald rechts hinuntergehen; an der Geländekante gibt es schöne Ausblicke ins Pitztal. Über den Fahrweg wechselnd und durch eine Wiese führt der Almweg malerisch entlang eine alten Zaun mit Holunderbüschen, Kirsch- und Apfelbäumen. Wieder auf der Straße angelangt, geht man geradeaus, bis in einer Rechtskurve der schwer erkennbare Almweg erneut am alten Zaun entlang weg vom Fahrweg führt. Später auf der Straße hinunter nach Eggmahd und Wenns (982 m; 5 Std., 12,3 km). Am Pitztaler Hof ist die Bushaltestelle Richtung Mittelberg (Fahrzeiten siehe Tourenkasten). Etwas weiter links trifft man auf Tourist-Info, ein Café und eine Pizzaria.
Von Mittelberg führt eine breite Straße zur Gletscherstube (1891 m; 5.30 Std.). Seit 2008 gibt es allerdings auch eine neue E5-Streckenführung zur Braunschweiger Hütte: Sie führt nach der Materialseilbahn (Rucksacktransport möglich) links in die Wiese und über den Westhang des Karleskopfs wieder zur alten E5-Strecke. Dabei verpasst man aber leider den Wasserfall und die Nähe zum Gletschertor, und so würde ich den alten Weg, wenn er nicht gesperrt ist, auf jeden Fall empfehlen. In der Pitze liegen unterhalb des gischtsprühenden Wasserfalls riesige Gesteinsbrocken, die ohne den dazugehörigen Gletscher hier wie von Geisterhand platziert wirken. Noch bis vor wenigen Jahren hielten die Pitztaler an der Gletscherzunge Bittgottesdienste ab, um Schutz vor den Verheerungen durch das Eis zu erbitten.
Variante alter E5.
Auf dem Gletscherweg führt der alte E5 durch eine bizarre, wunderschöne Landschaft. Der mahlende Gletscherstrom nahm dem Gestein alles Kantige, nur weiche Formen hatten Bestand. Weiter oben trifft man allerdings auf ganz andere »Verheerungen«, den sogenannten Notweg, den die Pitztaler Gletscherbahn 2007/08 gegen den Widerstand von Umweltbehörden und Alpenvereinen baute; er soll zur Evakuierung von Skifahrern dienen – nur liegt zur Hauptskisaison im Frühjahr und im Herbst fast nie Schnee am Weg. Hoffentlich dient die Straße nicht dem weiteren Ausbau der Skigebiete.Der E5 führt links wieder von dem Notweg ab und gibt den Blick auf die Gletscherzunge und das Gletschertor frei.Es wird noch richtig steil und anstrengend, bevor die Braunschweiger Hütte (8 Std., 16,8 km) in Sichtweite kommt. Über der gemütlichen Hütte ragt der Karleskopf (2901 m) empor, ein guter Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen – zudem akklimatisiert man sich auch schneller, wenn man vor dem Schlafengehen noch etwas auf- und dann aus der Höhe wieder hinabsteigt (besserer Schlaf).
Variante im Pitztal.
Wer von Wenns durchs gut erschlossene Pitztal wandern möchte, kann dies auf dem Bike-Weg Nr. 614 immer nahe der Pitze tun (Talweg, insgesamt 8.15 Std., 26,8 km, im Aufstieg 900 Hm). Der Weg ist sehr gut beschildert, inkl. Kilometerangaben.Die ersten 2,5 Kilometer geht es von Wenns die Straße entlang, dann in Niederhof (959 m; 45 Min., 2,5 km) rechts weg auf den Bike-Weg. Mit mehrmaligem Uferwechsel über die rauschende Pitze weiter durch die Weiler Ritzenried (1102 m; 1.30 Std., 6,5 km), Wiese (1200 m; 2.15 Std., 8 km), Au (1400 m; 4.15 Std., 16 km), Planggeroß (1617 m; 7.15 Std., 23,8 km) bis nach Mittelberg (1734 m; 8.15 Std., 26,8 km).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour50 km
Höhenunterschied1420 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktZams (767 m)
EndpunktBraunschweiger Hütte (2759 m)
TourencharakterWie ein einsamer Wächter thront der Venet über dem Inntal und ermöglicht von seinem Gipfel einen Panoramablick über die Alpen. Unter uns liegen, friedlich eingebettet in grüne Auen, die Mäander des Inns. Im Norden, fast greifbar, die abweisend schroffen Gipfel der Lechtaler Alpen. Im Westen, am Ende des Inntals, ist die Verwallgruppe mit der Valluga zu sehen und südlich das Pitztal und parallel dazu das Kaunertal. Die vereisten Nordhänge des Alpenhauptkamms am Ende dieser Täler künden von einer ganz neuen Dimension der Berge: Die Wildspitze, mit 3768 Meter der höchste Berg Tirols, überragt den südlichen Horizont, und überall sind mächtige Eisströme und isolierte weiße Inseln aus Schnee und Eis zu erkennen. Dort liegt der Wassernachschub für die trockenen Sommermonate und das Trinkwasser für Millionen Menschen perfekt gespeichert als uraltes Eis.
Das karge, arme Pitztal (wie es die Geschichte der »Schwabenkinder« belegt) lag Jahrhunderte im touristischen Dornröschenschlaf, bis 1983 mit dem Bau der Pitztaler Gletscherbahn und der geteerten Straße bis Mittelberg der Bann gebrochen wurde. In einem Buch über den Fotografen Schöpf, der Anfang des 20. Jahrhunderts im Pitztal arbeitete, steht der denkwürdige Satz: »Heute kommen an einem guten Skitag mehr Fremde ins Tal, als früher in einem Jahrhundert.« Auf der 30 Kilometer langen Fahrt durchs Pitztal sieht man die extremen Kontraste eines modernen Skigebiets zur traditionellen Kultur: Hässliche Hotelbauten im immer gleichen, konturlosen Stil wechseln sich mit schlicht, aber liebevoll verzierten, museal wirkenden Bauernhöfen ab. Auf den Heuwiesen stehen wie hölzerne Bauernarmeen Hunderte von Heureitern, die das duftende Winterfutter tragen. Steil in den Hängen kleben einsame Höfe wie ausgesetzte Adlerhorste.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd
MarkierungenAusreichend markierte Wege, nur der alte Almweg kurz vor Wenns ist schlecht zu finden; alternativ einfach auf der Straße gehen
VerkehrsanbindungVenetbahn, Tel. +43/(0)5442/ 62663, www.venet.at (ab 8.30 Uhr halbstündlich und stündlich zur Mittelstation). Buslinie von Imst ins Pitztal; Wanderbus Wenns–Mittelberg (Fahrzeit 55 Min.; 8.15, 9.50, 10.30, 11.15, 12.30 außer So, 13.30, 14.40, 15.25, 17.23, 18.48 (außer So) Uhr; Postbus, Fahrplan unter Tel. +43/(0)810/ 222333 bzw. www.postbus.at, www.vvt.at, service@postbus.at ; Taxi Walch, Tel. 43/(0)5412/65400
GastronomieGalflunalm; Larcheralm; in Wenns; Gletscherstube; Einkauf in Wenns
Unterkunft
Galflunalm, Tel. +43/(0)664/6104328 bzw. +43/(0)676/3537952, Fax +43/(0)5412/630512 (geöffnet Mitte Juni bis Mitte Okt., Lager Ü/F 17 Euro). Larcheralm Tel. +43/(0)664/5100990 (geöffnet 1.6.–15.10.). In Wenns viele Privatzimmer und Pensionen. Gletscherstube in Mittelberg, Tel. +43/(0)664/3944118, info@gletscherstube.at (nicht immer geöffnet; HP 30 Euro). Braunschweiger Hütte, DAV, Tel. +43/(0)664/5353722 bzw. +43/(0)5413/87535, www.braunschweiger-huette.at (geöffnet Mitte Juni bis Ende Sept., Di/Mi viele E5-Gruppen, DAV-Mitglieder im Lager 7 Euro, Bett 9 Euro). Biwak im Bereich der Venetalmen oder im Pitztal möglich
Tourismusbüro
Tourismusverband Pitztal, Unterdorf 18, A-6473 Wenns, Tel. +43/(0)5414/869 99, Fax 869 99 88, info@pitztal.com

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