Vom Hornberger Schlossberg zum Karlstein

In die aussichtsreiche Bergwelt über dem Gutachtal.
Steiler Anstieg und ebenso steiler Abstieg auf zuweilen steinigen Pfaden. (Autor: Chris Bergmann)
Der Hornberger Schlossberg.
Vom Bahnhof Hornberg führt die Bahnhofstraße hinab ins Ortszentrum im Gutachtal und mündet beim Rathaus in die Hauptstraße, hier links weiter bis zum Gasthaus »Tannhäuser« und dann auf der schmalen Schlossstraße zum Schlossweiher und auf den Schlossberg hinauf, alles markiert mit der rot-blauen Raute des Querwegs Lahr–Rottweil. Der Hornberger Schlossberg war ab 1200 die Residenz des mittelalterlichen Staats »Herrschaft Hornberg«. Die Herren von Hornberg kontrollierten vom Schlossberg aus die alte Handelsstraße, die durch das schluchtartig enge Gutachtal nach Triberg führte. Seit 2006 sind die Lastwagen und Pkws auf ihrer Nachfolgerin, der B 33, aus dem Ortsbild verschwunden - Unter dem Schlossberg wird die Bundesstraße durch den 1900 Meter langen Hornbergtunnel geführt. Der 17 Meter hohe Bergfried der Burgruine verdeutlicht mit seiner prachtvollen Aussicht, wie gut sich das Gutachtal von dieser 120 Meter über Tal gelegenen Höhe aus beobachten ließ. Zu Füßen des Schlossbergs gründeten die Herren die kleine Stadt Hornberg, die bis Mitte des 19. Jh. von einer Mauer umgeben war. Der berühmteste Hornberger war der Minnesänger Bruno von Hornberg, der seine Lieder im ausgehenden 13. Jh. dichtete und sang; er ist abgebildet in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Manessische Handschrift, 1314), der bedeutendsten Handschrift deutschsprachiger Lyrik des Mittelalters. Ab 1423 kam die Herrschaft Hornberg nach und nach in den Besitz der Grafen und späteren Herzöge von Württemberg, die 1535 die Reformation einführten. Während der napoleonischen Kriege wurde Hornberg 1810 dem Großherzogtum Baden zugeschlagen, weshalb die Stadt heute im Ortenaukreis liegt. Das Hotel »Schloss Hornberg« stammt aus dem 19. Jh.
Hoch auf dem Huberfelsen.
Vom Schlossberg führt die »rot-blaue Raute« im Wald aufwärts zur Schutzhütte beim aussichtsreichen Offenbacher Eckle (737 m) und dann fast eben zum Fährlefelsen (755 m) am Westweg. Der Westweg führt in wenigen Minuten rechts zum Huberfelsen (758 m), einem der schönsten Aussichtsfelsen des mittleren Schwarzwalds. Der geländergesicherte Gipfel des wie ein Schiffsbug im Wald aufragenden Granitturms bietet einen überragenden Blick auf Elz- und Gutachtal und die Bergwelt des mittleren Schwarzwalds. Elztalseitig lädt eine Panorama-Sitzbank zur Rast, unten am Westweg stehen Bänke und Tisch. Benannt ist der Huberfelsen nach dem letzten Obervogt der vorderösterreichischen Herrschaft im nahen Triberg: Karl-Theodor Huber wirkte 1795–1816, förderte Landwirtschaft und Obstbau, brachte die Strohflechterei ins Tal und ließ Wege und Straßen anlegen; der 1809 erbaute »Huberweg« stellte eine Verbindung zwischen Triberg und Haslach her.
Der Karlstein auf dem Hauenstein.
Vom Huberfelsen geht es auf dem Westweg zurück zur Wegeverzweigung Fährlefelsen, wo ein Steilstück beginnt: Der Westweg folgt einem steinig-felsigen Kammsteig in schönem Wald steil hinauf zu einer Sitzbank mit traumhaftem Brandenkopf-Grindenkamm-Gutachtal-Panorama. Steil geht es im Wald weiter aufwärts, zwischendurch fällt der Blick über das obere Elztal hinüber zum Gschasikopf. Der Schlussanstieg ab einer weiteren Schanze folgt einem bequemen Forstweg, in der Rechtskurve links und sofort rechts auf einem Wurzel- und Felspfad hinauf zum Karlstein auf dem Hauenstein. Als Herzog Karl Eugen von Württemberg im Jahr 1770 mit großem Gefolge den im Vierländereck von Baden, Württemberg, Fürstenberg und Vorderösterreich gelegenen Großen Hauenstein auf dem Kamm zwischen dem Gutach- und dem hinteren Elztal aufsuchte, pflanzte er hier zur Erinnerung zwei kleine Bäumchen. Zu Ehren des hohen Besuchs erhielt der Felsen auf dem aussichtsreichen Hauenstein den Namen »Karlstein«. Der Karlstein ist ein Granitriff, dass sich mitten im Wald erhebt: 25 Meter hoch, 10 Meter breit und 40 Meter lang. Über in den Stein gehauene Stufen ist der geländergesicherte Felsen, der einen guten Blick auf das Gutachtal gewährt, leicht zu ersteigen. Ebenfalls in Sicht ist im Hang des Hauensteins das am Ende einer Stichstraße gelegene Vier-Sterne-Hotel »Schöne Aussicht«, zu dem der Westweg nun hinabführt.
Auf dem Fünfgeltpfad.
Am Hotel »Schöne Aussicht« zweigt der mit dem Zeichen »blaue Raute« markierte Fünfgeltpfad nach Hornberg ab. Von der Bäracker-Lichtung senkt er sich zum Wald hinab, wechselt vorübergehend auf einen Wurzelpfad und bietet vor Erreichen der Wegekreuzung am Martinseck (810 m) einen prachtvollen Blick ins Gutachtal. Teilweise auf Steinstufen leitet der Pfad an verwitterten Granitblöcken vorbei zum Sattel Adenbauereckle (678 m) und hinab zum Parkplatz Storenwald (380 m) beim Schlossweiher zwischen Schlossberg und Freilichtbühne.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied500 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortHornberg (359 m), Luftkurort im Gutachtal an der Schwarzwaldbahn, Stadt des »Hornberger Schießens« (Freilichtbühne).
AusgangspunktBahnhof Hornberg an der Schwarzwaldbahn. Wer mit dem Auto anreist, kann auch am Schlossberg parken.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Bergfried von Burg Hornberg, der Huberfelsen und der Karlstein sind die drei schönsten Panoramapunkte dieser an fantastischen Aussichtsstellen reichen Wanderung über dem Gutachtal im mittleren Schwarzwald. Obwohl die Gutach nur 25 Kilometer lang ist, ehe sie in Hausach in die Kinzig mündet, ist sie einer der berühmtesten Schwarzwaldflüsse - In den Triberger Wasserfällen stürzt sie in sieben Kaskaden 163 Meter über schroffe Granitfelsen und bildet den höchsten Wasserfall Deutschlands, in der Gegend von Hornberg durchfließt sie ein schluchtartig enges Tal, dessen Felsen in den Talflanken zu den spektakulärsten Aussichtspunkten im mittleren Schwarzwald zählen. Das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in der Gemeinde Gutach wiederum ist ein äußerst beliebtes kulturgeschichtliches Museum; aus Gutach stammt außerdem die Bollenhuttracht, die als Symbol des Schwarzwalds schlechthin gilt. Zwischen Hausach und Triberg durchfährt die Schwarzwaldbahn das Gutachtal, die tunnelreiche Steilstrecke von Hornberg (384 m) über Triberg (616 m) nach Sankt Georgen (806 m) ist eine besonders spektakuläre Strecke.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000 Blatt 504 Freudenstadt/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Blatt 4 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungA 5 Basel–Karlsruhe, Ausfahrt Offenburg, dann auf der B 33 an Offenburg vorbei nach Hornberg. Schwarzwaldbahn Offenburg – Hornberg – Triberg – Donaueschingen.
GastronomieHornberg, Schöne Aussicht.
Tipps
Hornberger Schiessen. Das Hornberger Schießen ist ein mündlich überlieferter Spießbürgerstreich, der sich in der Zeit um 1564 zugetragen haben soll und heute als historisches Bühnenspiel auf der Freilichtbühne von Hornberg aufgeführt wird. Die Redens- art »ausgehen wie das Hornberger Schießen« bezeichnet eine mit viel Getöse durchgeführte, erfolglose Aktion. Die Hornberger wollten den württembergischen Herzog mit Salutschüssen gebührend empfangen. Als eine herzogliche Kutsche eintraf, verschossen sie ihr ganzes Pulver, bis sich herausstellte, dass es sich nur um vorausgesandtes Gefolge handelte. Die Ankunft des Herzogs vollzog sich dann in aller Stille. Durch Friedrich Schillers Drama »Die Räuber« ging die Redensart in die klassische deutsche Literatur ein. In der zweiten Szene des ersten Akts sagt der Räuber Spiegelberg zu Karl von Moor - »Da ging's aus wie's Schießen zu Hornberg, und mussten abziehen mit langer Nase.«
Tourismusbüro
Tourist-Information Hornberg, Bahnhofstraße 3, 78132 Hornberg, Tel. 07833/ 79333, www.hornberg.de

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