Vom Himmelreich über den Kienbergkamm

Eine wenig begangene, sehr abwechslungsreiche Kammwanderung mit leichten Klettereinlagen. Wer trittsicher ist und einige Windbruchpassagen nicht scheut, wird an dieser Tour seine Freude haben. Sehr reizvoll ist die anschließende Überschreitung des dreigipfligen Pfrontner Bergs. (Autor: Günther Laudahn)
11 km
870 m
5.00 h
Der günstigste Ausgangsort für unsere Kammtour ist die Fallmühle im Achental, die man von Pfronten auf der im Ortsteil Steinach ins Tannheimer Tal abbiegenden gut ausgebauten Straße erreicht. Wir stellen den Wagen auf dem hintersten Parkplatz ab und wandern auf breitem Forstweg am Achen entlang unter der Straße hindurch zur neuen Achenbrücke. Hier zweigt ein mit »Bärenmoosalpe« beschilderter Almweg ab, der zum Himmelreich emporzieht, dem weiten Sattel zwischen Westernkienberg und Kienberg. Unser Almweg geht hier in eine 1995 gebaute geschotterte Forststraße über, die vollends in den Himmelreichsattel hineinführt und sich in dem schon ein Jahr früher fertiggestellten, ins Vilstal und nach Pfronten hinableitenden Abschnitt fortsetzt. Wir folgen der Forststraße bis zum Waldrand und steigen gleich hinter dem Stacheldrahtzaun am anfangs flachen, bald aber steiler werdenden Rücken auf. Es gibt stellenweise deutliche Trittspuren und einige winzige blaue Pünktchen im unteren Teil. Der breite Rücken ist ein ausgedehntes Windbruchgebiet, ein Chaos von umgestürzten Bäumen, die nur zum kleinen Teil abgeräumt sind. In der schmalen, fast bruchfreien Zone zwischen dem Abfall des Rückens ins Vilstal und dem Windbruchgebiet steigen wir, immer der günstigsten Geländeform folgend, etwas mühsam, aber ohne Schwierigkeit empor. Je höher wir kommen, desto mehr schnürt der Rücken sich schmal zusammen. Wir erreichen einen ersten, ins Vilstal abbrechenden Grataufschwung, den wir auf steilen, gut gestuften Grasschrofen ersteigen. Der anschließende schmale Kamm ist ohne Hindernisse zu begehen, der bald folgende kurze Gratabschnitt jedoch von einem Gewirr von umgestürzten Bäumen bedeckt. Wir umgehen ihn rechts unterhalb auf Trittspuren unter einigen querliegenden Stämmen hindurch, steigen dann aber gleich wieder zur Kammhöhe empor, die wir in einer freien Gasse ein Stück beibehalten können. An deren Ende gewinnen wir nach rechts über eine kleine schrofige Stu-fe den sich hier aufschwingenden Rücken. Nach einigen Minuten stoßen wir auf einen scharfen felsigen Grataufschwung, eine der Schlüsselstellen dieser Route. Er wird rechts auf steilen deutlichen Tritten umgangen. Außer einem dickeren Baumstamm, der leicht zu übersteigen ist, sind alle Hindernisse bereits weggeräumt, und wir erreichen den nun gut gangbaren Kamm. Das folgende Felsgratl wird, recht hübsch, an festen Griffen und Tritten leicht überklettert oder auf einer Pfadspur umgangen. Über dem Sattel dahinter erhebt sich ein markanter höherer Grataufschwung. Auch ihn kann man am Fuß der Felsen umgehen. Viel schöner ist es jedoch, ihn zu überschreiten. In leichter Kletterei gelangen wir auf die Grathöhe, dahinter zu einem kleinen Sattel und auf einer Pfadspur zum nahen Gipfel des Kienbergs. Er bietet hübsche Ausblicke auf Einstein und Schönkahler, auf den Sorgschrofen und die Bergwelt des Tannheimer Tals. Beim Weiterweg zu unserem nächsten Ziel, dem Schnalskopf, kommen wir gleich am Kienbergkreuz vorbei, das auf dem etwas niedrigeren Vorkopf steht. Das alte Kreuz war im Sommer 1992 durch Blitzschlag zerstört worden, auch das Gipfelbuch war seitdem verschwunden. Pfrontner Bergsteiger bauten im Mai 1993 ein schönes neues Kreuz aus einer vor Ort geschlagenen Fichte und stellten es auf. Einen Monat später wurde auch der verschollene Kasten mit dem Gipfelbuch unbeschädigt gefunden und wieder montiert. Vom Kreuz geht es hinunter in einen grasigen Sattel und dann gleich wieder von rechts her auf den Grat. Nach einer kleinen felsigen Stufe erreichen wir einen erdigen Abschwung. Auf steilen, Vorsicht fordernden Tritten gelangen wir zur Fortsetzung des Kammes. Das folgende kurze Schrofengratl wird überschritten oder umgangen. Dann bäumt sich eine hohe Felskante auf. Eine Pfadspur führt rechts daran vorbei zu einem Schärtchen zwischen zwei Felsköpfen, einer besonders markanten Stelle. Wir bleiben nun auf der Kammhöhe und müssen hier zum letzten Mal durch Windbruch. Eine freigesägte Gasse leitet hindurch, nur einige Baumstämme sind zu übersteigen. Wir erreichen ohne weitere Hindernisse, immer am Kamm, den hübschen Schlußgrat des Schnalskopfs. Der kleine Felszacken am Beginn wird umgangen, dann steigen wir in netter leichter Kletterei zum nahen Schnalskopf auf, der von einem kurzen scharfen, fast horizontalen Grat gebildet wird. Auf der Gratschneide gelangen wir zum kleinen ostseitigen Abbruch, klettern hier auf guten Tritten in das Schartl ab und jenseits gleich wieder hinauf zu zwei Felsköpfchen. Das anschließende Gratstück ist leicht zu begehen, bricht aber in einer steilen Felsstufe ab, die man entweder mäßig schwierig (II) hinunterklettert oder leichter auf Erdtritten rechts umgeht. Noch einfacher ist es, vom Schartl einige Höhenmeter zwischen Fichten nach rechts zu einer Pfadspur abzusteigen und unter den Felsen zum Kamm zu queren. Die anspruchsvolleren Abschnitte der Route sind nun geschafft. Auf dem verflachenden bewaldeten Rücken erreichen wir den weiten Sattel vor dem Pfrontner Berg, die letzten Höhenmeter in einer abgeholzten Lichtung. Falls Ihr alpiner Bedarf damit befriedigt ist, können Sie von hier zur Fallmühle zurückkehren. Man geht dazu bis zum hinteren Ende des Sattels, wo Pfadspuren am Rand eines schon aufgeräumten Windbruchgebiets am Westhang des Pfrontner Bergs zu einer schmalen Waldschneise und zum Beginn einer seichten baumfreien Rinne führen. Sie bildet die Fortsetzung unserer Abstiegsroute. Ein Weg, wie er in manchen Karten eingezeichnet ist, existiert hier nicht. Wir steigen in der teils erdigen, teils schrofigen, grasdurchsetzten Rinne ohne Schwierigkeiten ab. Nach etwa sechzig Höhenmetern zweigt aus der Rinne nach links ein schwach erkennbarer Pfad ab, das »Geißenwegerl«, das an den Südosthängen des Pfrontner Berges zum Ortsteil Steinach hinüberzieht. Da wir zu der Fallmühle wollen, folgen wir der Rinne noch ein kurzes Stück und benützen dort, wo sie von einem umgestürzten Baum blockiert ist, den Rücken rechts davon für den weiteren Abstieg. Dabei bleibt man in der Nähe der Rinne. Beim Abweichen zu weit nach rechts kommt man in unangenehmes Steilgelände. Nur im unteren Abschnitt muß man wegen einiger umgestürzter Bäume etwas weiter nach rechts ausholen, hält sich dann aber, immer der günstigsten Hangneigung folgend, wieder an die vorherige Richtung. Wir erreichen eine grasige Schneise und gleich darauf die Talwiesen. Nicht mehr weit ist es nun zur Achentalstraße, die durch einen Stacheldrahtzaun gegen die Viehweiden geschützt ist. Ein Gatter gewährt Durchschlupf. Entweder wandern wir nun an der Straße zur Fallmühle zurück oder, hübscher und nur wenig weiter, vom Gatter 120 Meter nach links zur Achenbrücke. Jenseits leitet ein breiter Promenadenweg zu unserem Ausgangspunkt. Die Wiesen oberhalb der Straße sind durch Weidezäune unterteilt und für den Rückweg nicht geeignet. Interessant und sehr lohnend ist es, vom Sattel noch den Pfrontner Berg anzugehen. Am besten steigt man am linken Rand des Westrükkens zwischen einem dichteren Waldstreifen und dem ausgedehnten Kahlschlag, zunächst einige liegende Baumstämme rechts umgehend, dann ohne Hindernisse, im oberen Teil sich rechts haltend zum schmalen Kamm und hier zum höchsten Punkt des Pfrontner Bergs empor. Von der mit einigen Bäumen bestandenen Grasschneide hat man einen schönen Blick hinab nach Pfronten, ins untere Vilstal, über dem die Ammergauer Berge und die Zugspitze aufragen, und auf den nahen felsigen Mittelgipfel des Pfrontner Bergs. Für die Fortsetzung unserer Tour haben wir nun zwei Möglichkeiten - Abstieg zurück in den Sattel oder Überschreitung des Pfrontner Bergs über den Mittelgipfel zur grasigen Kuppe des Ostgipfels. Zum Sattel können wir entweder auf der Anstiegsroute oder, kürzer und stellenweise etwas steiler, auf Trittspuren am Rücken links vom Kahlschlag absteigen. Dabei muß man im Bereich des Sattels noch so lange fast horizontal weitergehen, bis man auf die baumfreie Rinne trifft. Hier geht es, wie schon beschrieben, ins Achental hinab. Die zweite Möglichkeit, die Überschreitung des Pfrontner Bergs bis zum Ostgipfel, ist für den, der den ganzen Kienbergkamm geschafft hat, kein Problem, auch wenn der Übergang etwas abenteuerlich aussieht. Zunächst steigen wir vom Hauptgipfel in der breiten nordseitigen Rinne auf Grastritten einige Höhenmeter hinab. Die Tritte münden in einen schmalen, aber deutlichen Steig, der am steilen Hang einige Felsköpfe umgeht und in die kleine Einsattelung vor dem Mittelgipfel hinunterleitet. Der Steig ist stellenweise ausgesetzt und erfordert konzentriertes trittsicheres Gehen. Der Aufstieg zum Mittelgipfel ist steil, aber durch den Steig ohne Schwierigkeit. Jenseits führt er in eine flache Einsenkung und dann hinauf zur Kuppe des Ostgipfels. Das Kreuz steht etwas unterhalb. Hier bietet sich eine gemütliche Rast an mit reizvollem Tiefblick auf Pfronten. Zum Abstieg gehen wir zu der flachen Einsenkung zurück, wo ein gut erkennbarer Pfad abzweigt. Er zieht in einer seichten Grasrinne in ganz kurzen Kehren hinab, quert ausgesetzt die achentalseitigen Hänge fast horizontal und wendet sich dann einer vom Sattel zwischen Haupt- und Mittelgipfel herabkommenden Einfurchung zu. Hinter ihr erreichen wir bald eine auffallende schrofige Stelle. Bis hierher ist der Pfad deutlich und nicht zu verfehlen. Doch nun heißt es aufpassen. Trittspuren führen nach links in den Wald. Auf ihnen absteigend treffen wir auf das die Südosthänge des Pfrontner Bergs querende Geißenwegerl. Wir folgen ihm kurz nach links und steigen dann weglos, teils auf Trittspuren, über den mäßig steilen Hang zu den Talwiesen ab, etwa so, wie es auf der Karte angedeutet ist. An der Achentalstraße, dann auf dem Weg am anderen Ufer des Achen wandern wir zur Fallmühle zurück.

Dauer - Nur Kienberg und Schnalskopf: 690 m, 4,25 bis 4,75 Stunden.; Kammtour: bis Pfrontner Berg, Hauptgipfel: 810 m, 5 bis 5,5 Stunden; bis Pfrontner Berg, Ostgipfel: 870 m, 5,75 bis 6,5 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied870 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktFallmühle bei Pfronten, 930 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Kienberg, 1534 m – Schnalskopf, 1455 m – Pfrontner Berg, 1383 m.
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