Vom Gunzesrieder Tal zum Stuiben und Steineberg

Steiler, abwechslungsreicher Aufstieg zum Kamm, wunderschöne Gratwanderung mit einigen drahtseilgesicherten Kletterpassagen zu markanten Gipfeln. (Autor: Gerald Schwabe)
13 km
900 m
5.00 h
Start an der Gunzesried Säge Die Wanderung beginnt am großen Parkplatz bei Gunzesried Säge. Einige Meter die Straße entlang und über die Brücke. Gleich dahinter folgen wir rechts dem Wegweiser Richtung Stuiben. Bei der nächsten Verzweigung, bereits nach wenigen Metern, halten wir uns rechts und gehen auf der Fahrstraße gemächlich bergauf bis zur Alpe Vorderschönbuch. Dort zweigt ein schmaler Weg ab, der sich steil den Hang hinaufzieht. Abwechselnd durch Wald, Wiesen und Lichtungen steigen wir bergan bis zum schönen Alpboden von Wiesach mit seiner kleinen Häuseransammlung und einer Kapelle, überragt vom Stuiben. Alpidylle pur! Wir folgen nicht dem Wegweiser zum Stuiben geradeaus, sondern halten uns links und bleiben auf dem breiten Weg, der uns ohne Steigung durch die ausgedehnte Almwiese westwärts führt. Vorbei an der schönen Falkenalpe erreichen wir nach 30 Minuten die Ornachalpe (1197m). Auf dem nach rechts abbiegenden Pfad gewinnen wir rasch an Höhe, immer wieder begleitet von schönen Ausblicken auf das Gunzesrieder Tal und die dahinter liegenden Bergkuppen der Hörnerkette, des Ochsenkopfes und des Siplingerkopfes. Immer wieder fallen die Gesteinspartien mit dem namengebenden Nagelfluhgestein ins Auge, ein Konglomerat aus abgerundeten Gesteinsbrocken, das an Waschbeton erinnert. Es handelt sich um ehemalige Flussschotter, die zu festem Gestein verbacken wurden. Die durch die Verwitterung erneut gelösten runden Steine, die überall die Wege bedecken, machen das Gehen manchmal etwas wackelig. Schließlich öffnet sich vor uns ein weiter Kessel, im Hintergrund überragt von einer steilen Felswand, die mit ihren schräg gestellten Gesteinsschichten fast den Eindruck erweckt, als strebe sie in einer fließenden Bewegung bergwärts. Unter der Felswand erkennen wir noch die Reste der ehemaligen Rothen-Alpe (1442m), der wir letztlich diese offene Grasfläche verdanken. Zwar sind im Allgäu erstaunlich viele Alphütten erhalten und bewirtschaftet, doch trifft man beim Wandern immer wieder auf verfallene und verlassene Hütten, deren Betrieb nicht mehr wirtschaftlich war bzw. zu denen keine Fahrstraße gebaut werden konnte. Da kaum noch ein Bergbauer bereit ist, den Sommer abgeschieden und fernab auf seiner Alpe zu verbringen, wäre ohne die weiträumige Erschließung der Berge durch Fahrstraßen eine Aufrechterhaltung der Alpwirtschaft nicht denkbar. Oberhalb des weiten Kessels erstreckt sich der Grat, dem wir auf steilen Serpentinen entgegensteigen und schließlich am Sattel des Sedererstuiben erreichen. Zum Gipfel des Stuiben (1749m) sind es noch 80 Höhenmeter, die wir in wenigen Minuten bewältigen. Der Rundblick ist überwältigend und reicht vom Bodensee über den Säntis und den Bregenzer Wald bis hin zur Allgäuer Hauptkette und den Tannheimer Bergen. Im Westen präsentiert sich das Auf und Ab der gesamten Nagelfluhkette. Wunderschöne Höhenwanderung Vom Gipfel folgen wir dem Gratweg, der hier seinem Namen wirklich alle Ehre gibt, und steigen steil bergab in Richtung Steineberg. Schwindelfrei sollte man schon sein angesichts des senkrechten Abbruchs zu unserer Linken, wo sich tief unten der liebliche Almboden der Gundalpe erstreckt. Der Weg erfordert absolute Konzentration und gute Trittsicherheit, einige Stellen sind drahtseilgesichert, und wegen des Gerölls auf dem Weg sind Teleskopstöcke unbedingt anzuraten. Trotzdem sollte man sich immer mal eine kleine Pause gönnen, um den herrlichen Rundumblick zu genießen. Nachdem wir etwa 150 Höhenmeter verloren haben, erreichen wir einen Sattel mit einer Abstiegsmöglichkeit ins Gunzesrieder Tal. Wir bleiben auf dem Grat, der sich nach einem kurzen bewaldeten Anstieg wieder als aussichtsreicher Wiesenkamm zeigt. Nach einer kleinen Kletterstelle gelangen wir auf einen lang gestreckten Wiesenrücken und laufen zügig die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz des Steinebergs (1660m). Vor uns breitet sich das Illertal aus, nördlich unterhalb der senkrechten Felswand zieht sich das Steigbachtal hinunter nach Immenstadt und jenseits der steilen Wiesenflächen, die den Gipfel nach Süden umfassen, breiten sich die gesamten üblichen Verdächtigen der Allgäuer Alpen aus. Gegen Nachmittag hat man diesen Gipfel häufig ganz für sich allein, weil das Gros der Wanderer bereits auf dem Rückweg zur Mittagbahn ist. Wanderer mit der entsprechenden Erfahrung können sich ein wenig Nervenkitzel auf dem Abstieg gönnen: Direkt neben dem Gipfelkreuz ragt das Ende eine Leiter über die Kante. Wem allein beim Anblick dieser ca. 20 Meter fast senkrecht hinunterführenden Leiter schon mulmig wird, kann diese Kletterpartie meiden, geht ein paar Meter auf dem Wiesensattel zurück, steigt nach rechts ab und nimmt den Weg unterhalb der steilen Nordwand bis zum Fuß der Leiter. Der Abstieg Wir folgen dem Gratweg weiter abwärts und erreichen eine weite Wiesenfläche, die uns auf breitem Weg zur Vorderen Krumbach-Alpe (1328m) bringt. Ab der Alpe haben wir etwas unangenehmen Teerbelag unter unseren Füßen, auf dem wir relativ steil durch die offenen Almflächen bergab steigen. Wir passieren die Dürrehorn-Alpe (1158m) und gelangen auf den ebenen Alpboden der Winkelwies-Alpe. Vorbei am Abzweig nach Wiesach folgen wir der Straße noch 200 Meter und biegen dann nach rechts auf einen schmalen Pfad ein in Richtung Gunzesried Säge. Ein wunderschöner Wald erwartet uns: Der Weg schlängelt sich durch ein Gewirr mächtiger Felsbrocken, die von Moos überzogen und von dicken Wurzeln großer Bäume bedeckt sind, eine wild durcheinander gewürfelte Bergsturzlandschaft, die von einer bewegten geologischen Vergangenheit zeugt. Nach einer kurzen Strecke über einen breiten Forstweg liegt schließlich unser Ausgangspunkt vor uns.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied900 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortGunzesried
AusgangspunktGunzesried Säge, 930m
EndpunktStuiben (1749 m); Steineberg (1660 m)
TourencharakterDer gesamte Nagelfluhgrat erstreckt sich über eine Länge von ca. 20 Kilometern vom österreichischen Hittisau bis nach Immenstadt, eine lange Kette von Gipfeln mit dem Hochgrat (1834m) als höchster Erhebung. Die Tour zwischen Hochgratbahn und Mittagbahn bei Immenstadt ist eine beliebte Langstreckenwanderung, allerdings wegen des doch beträchtlichen Auf und Ab nicht zu unterschätzen. Der Stuiben ist als Einzelgipfel vermutlich das beeindruckendste Ziel
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt; Zumstein Wanderkarte Nr. 6 Immenstadt
VerkehrsanbindungBus ab Sonthofen nach Gunzesried Säge; Parkplatz in Gunzesried Säge, vor der Brücke
GastronomieVordere Krumbach-Alpe, 1328m
Höchster Punkt
Stuiben (1749 m)

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Gerald Schwabe

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