Vom Fellhorn zum Guggersee

Lange, äußerst lohnende Tour. Mit der Seilbahn hinauf. Der völlig überlaufene Fellhorngratweg ist breit und bequem zu gehen, alle anderen Wege sind wenig begangene, gut markierte alpine Pfade und stellen für durchschnittlich trittsichere Wanderer keine besonderen Herausforderungen dar. Der Abstieg ins Stillachtal ist steil, aber nur für die Knie etwas unangenehm. Unterwegs keinerlei Einkehrmöglichkeit, deshalb ausreichend Getränke mitnehmen. Busbenutzer sollten sich über die letzte Abfahrt ab Birgsau bzw. Fellhornbahn-Talstation informieren. (Autor: Gerald Schwabe)
22 km
1550 m
7.00 h
Der Fellhorngrat Die erste Etappe unserer Wanderung besteht in der Überquerung des gewaltigen Fellhornbahn-Parkplatzes. Die Seilbahn bringt uns bis zur Mittelstation Schlappoltsee (1780m), wo wir in die Kabine hinauf zur Bergstation (1967m) umsteigen. Wenn der Rundumblick oben nicht so berauschend wäre, wäre die Empfehlung »Augen zu und durch« sicher angebracht, ansonsten hilft nur eine gewisse innere Gelassenheit verbunden mit dem Wissen, dass der Spuk für uns nach 30 Minuten vorbei ist und eine wunderschöne, äußerst aussichtsreiche und stille Wanderung auf uns wartet ... Wer den Gipfelgrat meiden möchte bzw. schon kennt, kann die Wanderung auch bei der Mittelstation beginnen. Ohne den freien Blick hinüber ins Kleinwalsertal, aber etwas ruhiger geht es mit nur geringem Auf und Ab an der Oberen Bierenwang-Alpe vorbei in Richtung Gundsattel unterhalb der Kanzelwand (im Juli schöne Alpenrosenblüte). Dort treffen wir auf den Weg, der von der Fellhorn-Bergstation hinunterführt (ab Mittelstation etwa 30 Minuten). Alle anderen fahren hinauf zur Bergstation, von der man in etwa zehn Minuten den eigentlichen Fellhorngipfel erreichen kann, was sicherlich zu seiner Popularität (auch bei Nichtwanderern) beiträgt. Die meisten Wanderer steigen von dort über den lang gezogenen Grat zum Söllereck hinunter, während wir uns nach Süden wenden und auf dem Grat in Richtung Kanzelwand wandern. Es geht gemächlich auf einem breiten Weg abwärts, rechts haben wir einen herrlichen Tiefblick über das gesamte Kleinwalsertal, links erstreckt sich der Allgäuer Hauptkamm. Zur Rossgundscharte Am tiefsten Punkt des Gratweges, dem Gundsattel (1808m), biegen wir nach links ab und verlassen die Hauptverkehrsroute. Schlagartig wird es ruhig um uns. Welch eine Wohltat! Selbst die Berggipfel drumherum scheinen aufzuatmen. Nach etwa 100 Metern zweigt rechts ein weiterer Weg ab (»Fiderepasshütte «), der uns unter einem Sessellift hindurch ostwärts führt. Hoch über uns erheben sich die steilen Nordabstürze der Kanzelwand, links erstreckt sich für die folgende Stunde das gemächlich abfallende Warmatsgundtal; ein herrlicher, angenehm zu gehender Weg durch das weitgehend unberührte Tal. Bald stößt von rechts ein Weg von der Kanzelwand zu uns (1707m). In weitem Bogen unterhalb der Felswände von Hochgehrenspitze und Hammerspitze entlang gelangen wir schließlich zu einem Alpboden mit zwei kleinen Hütten der aufgegebenen Kühgund-Alpe (1740m). An einer Wegkreuzung geht es links hinunter zur Fellhorn-Talstation, rechts weist ein Schild den Weg zur Fiderepasshütte und zur Mindelheimer Hütte. Wir nehmen den rechten Pfad und biegen keine 50 Meter später an der nächsten Gabelung nach links ab. (Geradeaus zieht sich der Weg hinauf zur Fiderepasshütte am gleichnamigen Pass.) Wir queren den Alpboden und steigen schräg einen Hang hinauf, das letzte Stück in steilen Serpentinen hoch zur Rossgundscharte (2039m), einem breiten Wiesenrücken unterhalb des Rossgundkopfes. Ein wunderbares Panorama über die beeindruckende Kette des Allgäuer Hauptkamms mit der markanten Trettachspitze erwartet uns. Uns genau gegenüber ist die Enzianhütte auf einem Wiesenplateau zu erkennen. Ein schöner Rastplatz in überwältigender Stille. Der Guggersee Ein kurzer Anstieg muss noch bewältigt werden, durch ein breites Felsentor hindurch, dann haben wir freien Blick auf das imposante hintere Rappenalptal. Vor uns liegt ein weites Kar unterhalb der hohen Nordwände der Schafalpenköpfe, durch das wir in weitem Bogen allmählich absteigen. An der Taufersberg- Alpe zweigt unser Weg nach links ab Richtung Guggersee, während geradeaus der Krumbacher Höhenweg hinüber zur Mindelheimer Hütte führt. Wir wandern auf einem schönen Höhenweg oberhalb des Rappenalptals nordostwärts, ständig die prächtige Gipfelparade von Trettachspitze und Mädelegabel vor Augen. Ein weites Kar zwingt uns noch einmal zu einem großen Bogen, dann quer über einen steilen Wiesenhang hinüber zur Vorderen Taufersberg-Alpe (1727m), und schließlich haben wir den Guggersee (1725m) erreicht. Inmitten von Wiesen und Latschenkiefern liegt eine kleine Karmulde, gefüllt von einem winzigen See. Ein ganz idyllisches Fleckchen mit einer grandiosen Kulisse. Wenige Meter hinter dem See beginnt der Abstieg. Sehr steil geht es hinab, erst durch Latschen, später dichten Wald, zum Schluss über eine abschüssige Weide hinunter zur Stillach. Etwa 100 Meter rechts befindet sich eine Bushaltestelle. Wer noch weiterlaufen möchte bzw. mangels Verbindung dazu gezwungen wird, gelangt gegenüber der Bushaltestelle nach wenigen Metern auf einen breiten Spazier- und Wiesenweg, der parallel zur Straße in etwa 30 Minuten zur Talstation und zum Parkplatz führt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied1550 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortOberstdorf, 813m
AusgangspunktFellhornbahn-Talstation 920m/-Bergstation 1967m
EndpunktFellhorn 2038m; Rossgundscharte 2039m
TourencharakterUm es gleich vorwegzusagen: Das Fellhorn ist sicher nicht jedermanns Sache. Alle zehn Minuten spuckt die Seilbahn eine volle Ladung Wanderer aus, die meist sofort hinauf zum nahe gelegenen Gipfel pilgern, und für manch einen mag diese Völkerwanderung zum Abgewöhnen sein. Ein denkbar unpassender Berg also für ein Buch mit dem Titel »Vergessene Pfade«! Trotzdem ist diese Tour eine der einsamsten Höhenwanderungen im Allgäu.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt; Zumstein Wanderkarte Nr. 4 Oberstdorf
VerkehrsanbindungBus von Oberstdorf; Parkplatz an der Fellhornbahn-Talstation
GastronomieFellhornbahn-Bergstation 1967m
Höchster Punkt
Rossgundscharte 2039m

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Gerald Schwabe

Vergessene Pfade im Allgäu

Das Paradies vor der Haustür - die schönsten Panoramawege und Gipfel der wildromantischen Allgäuer Bergwelt auf stillen Pfaden neu entdecken!

Jetzt bestellen