Vom Einstein zum Rappenschrofen

Eine ganz reizende, recht einsame Kammwanderung, die besonders für Frühjahr und Herbst geeignet ist. Sie erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, bietet aber keine klettermäßigen Schwierigkeiten. Die Ausblicke ins Tannheimer Tal und seine Bergwelt sind einmalig schön. (Autor: Günther Laudahn)
7 km
860 m
3.00 h
Ausgangsort für diese Tour ist Berg bei Tannheim, das man über Pfronten / Grän, Wertach / Oberjoch oder Hindelang / Oberjoch erreicht. Wer von Grän kommt, biegt hundert Meter hinter der Ausfahrt Tannheim nach rechts auf eine schmale Asphaltstraße ab, die in die Verbindungsstraße Tannheim – Berg mündet. Aus Richtung Oberjoch fährt man entweder nach Tannheim hinein und gelangt durch eine kleine Unterführung zu unserem Ausgangsort, oder man benützt gleichfalls die schmale Asphaltstraße. In Berg sind die Parkmöglichkeiten zwar beschränkt, doch finden Sie sicher einen Platz bei einem der Gasthöfe, deren Besitzer Ihnen die Bitte um Parkerlaubnis nicht abschlagen werden. Gegebenenfalls stellt man den Wagen auf dem großen Parkplatz der Neunerköpfl-Sesselbahn in Tannheim ab und muß dann den zehn Minuten längeren Anmarsch in Kauf nehmen. Der Aufstiegsweg zum Einstein beginnt in Berg am oberen Ortsende. Zunächst führt ein Fahrweg zu einem neuen Haus. Man folgt nun dem schmalen rot markierten Weg, entweder gleich hinter dem Zaun oder ein Stück links davon, der über die sanft ansteigenden grasigen, weiter oben bewaldeten Hänge, im unteren Teil mehrmals eine gewundene Forststraße überquerend, sehr unmittelbar an den Fuß des Gipfelaufbaus emporzieht. Hier leitet er in vielen Kehren in einer breiten, steilen Schneise zur Kammhöhe und dann nach links über teils plattiges Gestein, das stark abgetreten und bei Nässe etwas rutschig ist, zum Gipfel. Da der Einstein, der einsame Stein, ganz frei und isoliert über dem Tannheimer Tal und der Enge steht, bietet er eine außergewöhnlich schöne und weitreichende Aussicht, auf die nahen Tannheimer Berge, auf die jenseits des Tals aufragenden Gipfel der Vilsalpseegruppe und weit in die Allgäuer Alpen hinein. Eindrucksvoll ist auch der Blick nach Norden ins Alpenvorland, faszinierend der Tiefblick ins Tannheimer Tal. Nach Osten schauen wir auf den Grat, den wir nun begehen wollen, mit einem markanten felsigen Kopf. Er bildet die Mitte unserer Gratwanderung, die der schönste, aber auch anspruchsvollste Abschnitt unserer Rundtour ist. Bei guten Verhältnissen bereitet dieser Übergang zum Rappenschrofen keine Schwierigkeiten. Die kleinen Kletterstellen gehen nirgends über den untersten Schwierigkeitsgrad (I) hinaus, und man hat ständig prächtige Aussicht und schöne Talblicke. Vom Einsteingipfel steigen wir auf unserem Anstiegsweg so weit ab, bis er etwas unterhalb der Kammhöhe in scharfer Rechtswendung talwärts zieht. Hier zweigt, gleichfalls rot markiert, ein Steig ab, der noch ein Stück im Kammbereich geführt ist und dann auf der Nordseite ins Engetal hinunterleitet. Wir folgen ihm, solange er am Kamm verläuft, und steigen dort, wo er nach links abknickt, durch einige dürre Latschen auf den gut zu begehenden Grat, den wir mit geringen Ausweichen bis zu einem schärferen Gratstück beibehalten. Dieses umgehen wir entweder links auf Grastritten und steigen danach gleich wieder zum Grat auf oder, interessanter und kürzer, rechts auf einem guten, aber ausgesetzten teils plattigen Band, das unmittelbar zur Fortsetzung des Grats leitet. Man kann das kurze Gratl auch etwas luftig, aber ohne Schwierigkeit direkt überklettern und gelangt über kleine Stufen absteigend zum Ende des Bandes. Der anschließende Gratabschnitt ist leichtes Gehgelände. Dort, wo er sich zusammenschnürt, steigen wir auf Trittspuren rechts unterhalb der Kammhöhe in einen kleinen Sattel ab, überschreiten den folgenden Kammbuckel und umgehen den nächsten etwas größeren Kopf auf einer schmalen, durch das Geröll ein wenig rutschigen Pfadspur oder, besser, steigen die paar Höhenmeter hinauf und auf der anderen Seite ohne jede Schwierigkeit hinab in die Einsenkung vor dem mehrfach erwähnten felsigen Gratkopf. Auch er wird überschritten. Dazu bleiben wir erst etwas unterhalb der Grathöhe und steigen so bald wie möglich zum Grat und hier in schönem festen Fels in leichter Kletterei zum höchsten Punkt auf. Unser Gipfelchen, das einen Namen durchaus wert wäre, bietet eine besonders hübsche Aussicht. Attraktiv ist vor allem der Rückblick auf den Einstein, der wohl von keiner Stelle sonst so eindrucksvoll erscheint. Gönnen wir uns eine Rast, zumal der anspruchsvollste Teil des Gratübergangs nun hinter uns liegt. Was folgt, ist eine genußreiche Wanderung über den jetzt grasigen Kamm. Von unserem Gratkopf gehen wir entweder direkt auf dem Grat weiter und gelangen über eine kleine Felsstufe zum Graskamm, oder wir umgehen dieses kurze Gratstück rechts. Der schmale Kamm geht bald in einen guttrittigen, von Schrofen und Blöcken durchsetzten breiten Grasrücken über. Er leitet ohne Schwierigkeit hinab in den weiten welligen Sattel vor dem Rappenschrofen. Der Aufstieg zum Rappenschrofen vollzieht sich in der steilen Grasflanke über dem rechten hintersten Ende des Sattels. Nach einigen Höhenmetern führt eine Pfadspur an einem neuen ebenerdigen Jagdstand vorbei nach links empor, dann steigen wir im Zickzack in Anpassung an die Geländestruktur zu einem freien Buckel am Westrand des Gipfelplateaus auf. Es ist der einzige Aussichtspunkt auf der von dichtem Wald überzogenen Gipfelfläche, die an keiner Stelle höher ist. Merken Sie sich beim Aufstieg gut den Austrittspunkt im Gipfelbereich, da Sie dort auch wieder hinunter müssen. Auf der Anstiegsroute steigen wir zum Sattel ab und wenden uns hier gleich nach links. Der weglose Abstieg nach Süden ins Tannheimer Tal ist leicht, wenn man immer die am wenigsten geneigten Hangstellen benützt. Im obersten Teil halten wir in Richtung auf Tannheim zu, weichen an einem etwas steileren schrofigen Abschwung etwas nach rechts aus und folgen dann der nach Süden weisenden Hangschräge durch Wald und Wiesen etwa so, wie es in der Karte angedeutet ist. Wir treffen schließlich auf einen talwärts ziehenden Forstweg, den wir so weit benützen, bis er auf einem flachen Wiesenabsatz nach links abbiegt. Hier steigen wir weglos einige Höhenmeter nach rechts in ein Tälchen ab, wo deutliche Pfadspuren rasch zum breiten Hangweg hinausführen. Er leitet uns mit ganz reizenden Ausblicken ins Tannheimer Tal und seine Bergwelt zum Ausgangspunkt zurück.

Dauer - nur Einstein: 760 m, 2,5 bis 3 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied860 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBerg bei Tannheim, 1110 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Einstein, 1867 m – Rappenschrofen, 1549 m.
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