Vom Brentenjoch zur Sefenspitze

Eine aussichtsreiche, landschaftlich sehr reizvolle Rundtour im Westkamm der Tannheimer Berge, die im Gegensatz zum überlaufenen Aggenstein und den häufig besuchten Gipfeln des Hauptkammes noch recht einsam ist. Die Kammwanderung über das Brentenjoch zum Roßberg erfordert sicheren Tritt, die Überschreitung der Sebenspitze zur Sefenspitze Übung im weglosen Gehen und im Schrofengelände. (Autor: Günther Laudahn)
10 km
1350 m
5.00 h
Ausgangspunkt ist der Parkplatz der Bad Kissinger Hütte (vormals Pfrontner Hütte) bei Grän. Vom Parkplatz folgen wir der Fahrwegkehre – der frühere abkürzende Wiesenpfad an der kleinen Holzhütte vorbei darf zu Recht nicht mehr benützt werden – und stoßen nach einigen Minuten auf den breiten Forstweg, der wenig ansteigend zu dem beschilderten Aufstiegsweg zur Hütte leitet. Dieser führt, mehrmals Bäche überquerend, an den von der Hütte nach Süden streichenden Rücken heran. Die blauen Punkte sind übrigens keine Wegmarkierung, sondern dienten zur Festlegung der Trasse der neuen Hüttenwasserleitung. Wir können nun oberhalb der kleinen Bauhütte dem am Hang entlangziehenden Normalweg folgen oder, etwas kürzer, auf kleinem aber deutlichem Pfad unmittelbar über den aussichtsreichen Rücken aufsteigen, der weiter oben wieder auf den Normalweg trifft. Bald erreichen wir den Verbindungskamm zwischen Aggenstein und Brentenjoch. Nach links geht es in einigen Minuten zur von Anfang Mai bis Ende Oktober bewirtschafteten Bad Kissinger Hütte. Die altbekannte Pfrontner Hütte der Alpenvereinssektion Ludwigsburg wurde von der Sektion Bad Kissingen erworben und hat seit dem 12. Juni 1994 ihren neuen Namen, an den sich die Aggensteinfreunde erst mal gewöhnen müssen. Außer dem Namen hat sich aber nichts geändert. Von der Hütte kann man in einer halben Stunde den Aggenstein besteigen. Wir wenden uns jedoch nach rechts und benützen ein kurzes Stück den Weg zum Füssener Jöchl bis unter den ersten Kammbuckel. Dort, wo der Weg in den Wald eintritt, zweigt nach links ein schwach ausgeprägter, aber erkennbarer Pfad ab, der etwas unterhalb der Kammhöhe leicht ansteigend an einem Felsfenster vorbei zur tiefsten Einsenkung führt. Der auf der Südseite dicht mit Latschen bewachsene Westrücken des Brentenjochs bricht nach Norden steil ab. Auf dem schmalen Streifen zwischen Latschen und Abbruch vollzieht sich unser Aufstieg, meist auf deutlichem Pfad, der stellenweise an einigen Einschnürungen ausgesetzt ist und trittsicheres Gehen erfordert, vor allem, wenn nordseitig noch Schnee liegt. An den beiden breiten Aufschwüngen leiten gute Tritte empor. Verschiedentlich weicht unser Pfad, wenn die Latschen bis unmittelbar an den Abbruch heranreichen, kurz nach rechts aus, kehrt aber immer gleich an die Kante zurück. Das letzte Stück zum Gipfel ist frei, und wir gelangen über den nur noch wenig ansteigenden Kamm zum großen Gipfelkreuz, dem höchsten Punkt unserer Tour. Die Aussicht erfüllt bei gutem Wetter alle Erwartungen - Weit geht der Blick auf der Nordseite über das Vilstal und die Füssener Seenplatte hinweg ins Alpenvorland. Im Westen erhebt sich der schroffe Felskegel des Aggensteins, während im Südosten über der Sebenspitze, unserem dritten Gipfelziel, der Hauptkamm der Tannheimer Berge mit Gehrenspitze, Kellespitze, Gimpel und Roter Flüh aufragt. Im Südwesten schauen wir auf die Berge im Gebiet des Vilsalpsees und die Gipfelvielfalt der Allgäuer Alpen, eine eindrucksvolle Szenerie. Nach Süden zieht vom Brentenjoch ein breiter Rücken hinab zum Vilser Jöchl, über den wir später absteigen. Vorerst wenden wir uns aber unserem nächsten Ziel zu, dem Roßberg. Es ist der östliche Eckpunkt des Brentenjochmassivs. Dieser Abstecher, der etwa eine Stunde dauert, ist außerordentlich lohnend. Ein deutlicher Steig führt über einen felsigen Kammkopf zur kreuzgeschmückten Gipfelkuppe. Das nur wenige Meter lange scharfe Gratstück hinter dem ersten Kammaufschwung umgeht der Steig links über eine plattige Stelle, die vorsichtiges und konzentriertes Gehen erfordert. Bei Nässe kann sie unangenehm sein. Es ist dann besser, das gutgriffige Gratl zu überklettern. Der Kopf bricht nach Nordosten mit senkrechter Wandstufe ab. Der Abbruch wird rechts auf Schrofentritten und einem schmalen Band umgangen. Auch hier ist das Steiglein nicht zu verfehlen. Wir erreichen kurz darauf die tiefste Einsenkung und über den nun bequemen Rücken den Roßberg mit großem Metallkreuz von 1978. Von diesem vorgeschobenen Standpunkt haben wir einen hübschen Blick auf den nahen Vilser Kegel und den Roten Stein über dem Vilstal (Tour 20) und auf Füssen mit seinen Seen. Zur Fortsetzung unserer Tour gehen wir zum Brentenjoch zurück, verlassen den Steig jedoch unterhalb des Gipfels und queren am Hang zum Südrücken hinüber, auf dem ein Weg in vielen Kehren zum Vilser Jöchl hinabzieht. Hier haben wir zwei Möglichkeiten: Abstieg zum Ausgangspunkt oder Aufstieg zur Sebenspitze. Der direkte Rückweg zum Parkplatz dauert etwa eine Stunde (Variante 1), für die Überschreitung von Sebenspitze und Sefenspitze mit Rückkehr zum Ausgangspunkt können wir zweieinhalb bis drei Stunden ansetzen. Lohnend und interessant ist das allemal. Für den direkten Rückweg steigen wir vom Jöchl in wenigen Minuten auf dem beschilderten Weg zur Sebenalpe ab. Hier leiten dürftige Pfadspuren unterhalb des zur Bad Kissinger Hütte führenden Wegs zu dem sanft abfallenden Grasboden, der links vom tief eingeschnittenen Tal des Seebachs begrenzt wird. Wir halten auf einen vom Bachtal durch einen schmalen Rücken getrennten gerölligen Graben zu, an dessen rechtem Rand sich unser Pfad nun deutlicher ausbildet. Er trifft bald auf den Seebach, der auf Steinen überschritten wird, und führt dann auf der linken Bachseite, nun als guter Weg, an den Nordhängen des Seichenkopfs entlang zu unserem Aufstiegsweg zurück, den er an einer Materialseilbahnstütze unweit des Parkplatzes erreicht. Wenn Sie beim Abstieg von der Sebenalpe den undeutlichen Pfad verpassen, ist das auch kein Unglück. Man hält sich dann weglos immer ein Stück oberhalb des Seebachs in dem gut gangbaren Gelände und trifft schließlich mit Sicherheit auf die Übergangsstelle am Bach. Eine weitere Abstiegsmöglichkeit, die allerdings etwas länger ist: Von der Sebenalpe folgt man etwa zehn Minuten dem Weg zur Bad Kissinger Hütte und benützt dann den nach links abzweigenden, mit »Grän« beschilderten Steig, der den Seebach an der erwähnten Übergangsstelle erreicht. Er ist etwas umständlich geführt und stellenweise steil. Der direkte, anfangs weglose Abstieg ist bequemer. Wenn Sie genügend Zeit und ein wenig Übung im Schrofengelände haben, sollten Sie die Kammwanderung fortsetzen. Der Aufstieg vom Vilser Jöchl zur Sebenspitze ist in dem übersichtlichen Gelände kein Problem. Zunächst steigen wir im Gras zu einer Latschenlücke auf. Von hier führt eine Pfadspur leicht steigend durch eine Latschengasse zu den vom Jöchl aus sichtbaren freien Hängen, wo wir in kurzen, der Bodenform angepaßten Kehren auf guten Grastritten bis dicht unter die Kammhöhe emporsteigen. Wir gehen nun auf die felsige Gipfelkrone zu und queren unterhalb nach rechts zu einer Rinne, aus der wir leicht auf den Kamm gelangen und dort auf den nahen Gipfel. Die Gipfelkrone kann auch links umgangen werden, das ist etwas steiler und dauert eher länger. Von der Sebenspitze zieht ein felsiger, teils mit Latschen bedeckter Grat nach Nordosten hinüber zum hundert Meter niedrigeren Sebenkopf, der mit senkrechter, schwierigste Kletterführen aufweisender Wand nach Südosten abbricht. Der Gratübergang zum Kreuz von 1964 ist für Geübte unschwierig (I). Hin- und Rückweg erfordern je etwa eine halbe Stunde. Die Grathöhe wird dabei teils überschritten, teils nordseitig umgangen. Nur der kleine Gipfelkopf verlangt leichte Kletterei. Beim Abstieg von der Sebenspitze zum eigentlichen Grat gibt es einige kurze Latschenpassagen. Der Übergang zur Sefenspitze ist der anspruchsvollste Abschnitt unserer Tour. Der Abstieg von der Sebenspitze nach Süden geschieht in der am Gipfel ansetzenden, von hier voll einsehbaren Rinne. Sie läuft oben in zwei Ästen aus. Beide Rinnenäste sind steil, aber gut gestuft. Der linke Ast beginnt unmittelbar am Gipfel, der andere einige Meter rechts. Beide treffen nach einigen Höhenmetern auf ein Band, dem wir nach links folgen. Am besten ist es, vom Ende des Bandes auf Schrofentritten nach rechts zu dem schwach ausgeprägten Rücken hinüberzuqueren, dort bis zu einem Felsköpfchen und dann nach links in die nun breite, aber immer noch steile geröllige Rinne abzusteigen. Hier geht es so weit hinab, bis wir auf Pfadspuren unterhalb der Felsen zu einem einige Meter langen Grasgrat queren können. Jenseits leiten Grastritte hinab zu dem schmalen Rücken, der zum Ansatz des Gipfelaufbaus der Sefenspitze zieht. Natürlich läßt die Rinne im unteren Teil auch andere Abstiegsvarianten zu, doch erscheint mir die beschriebene am günstigsten und sichersten. Lassen Sie sich auf jeden Fall Zeit und steigen Sie sorgfältig und konzentriert ab. Der Übergang auf dem Rücken ist stellenweise durch Latschen behindert, die auf Pfadspuren umgangen werden. Im mittleren Abschnitt geht man rechts vom Weidezaun. Dem letzten Latschenstreifen weicht man nach links aus und quert dann an dessen oberem Ende zum Westrücken der Sefenspitze, wo man über Gras und leichte Schrofen rasch den Gipfel erreicht. Von hier führt ein Steiglein in einigen Minuten hinunter zu einer kleinen Einsattelung. Dort treffen wir auf den Verbindungsweg Füssener Jöchl – Bad Kissinger Hütte. Er leitet in einer halben Stunde zur Sebenalpe, von der wir, wie schon beschrieben, zum Parkplatz bei Grän zurückwandern. Von der kleinen Einsattelung unterhalb der Sefenspitze gibt es noch eine andere Abstiegsmöglichkeit, die nicht viel länger ist als der Rückweg über die Sebenalpe. Unser erstes Ziel ist dabei das Füssener Jöchl mit der Bergstation des von Grän heraufkommenden Sessellifts (Variante 2). Den Hochbetrieb an schönen Sommertagen haben wir bald hinter uns, wenn wir auf dem beschilderten Weg im Liftbereich weiter absteigen. Er ist streckenweise steil und geröllig, bietet aber hübsche Ausblicke auf das Tannheimer Tal und seine Bergwelt. Nach einer halben Stunde stößt unser Weg auf den Logbach. Hier folgen wir dem mit »Grän« beschilderten Forstweg bis dorthin, wo er schon dicht über dem Talgrund scharf nach links zum nahen Grän abbiegt. Auf schmalem Pfad gelangen wir, wie auf der Karte dargestellt, in einigen Minuten hinab zur Straße und wandern an den Häusern von Lumberg vorbei zum Parkplatz zurück. Diese Variante des Rückwegs bietet außerdem die Möglichkeit, vom Füssener Jöchl aus mit einer guten halben Stunde Mehraufwand die nahe Läuferspitze auf ordentlichem, am Gipfelaufbau seilgesichertem Steig zu besuchen – ein durchaus lohnender Abstecher.

Dauer - ohne Roßberg: 1200 m, 5,5 bis 6 Stunden; nur Brentenjoch und Roßberg: 1070 m, 4,5 bis 5 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1350 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortParkplatz der Bad Kissinger Hütte (vormals Pfrontner Hütte) bei Grän, 1140 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Brentenjoch, 2001 m – Roßberg, 1955 m – Sebenspitze, 1935 m – Sefenspitze, 1948 m.
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