Vom Branderschrofen zum Schönleitenschrofen

Eine abwechslungsreiche Rundtour, die bei Begehen der Gesamtroute am Nordgratrücken des Branderschrofens Übung im Steilgrasgelände, am Franziskaner (Spitzigschröfle) etwas Kletterfertigkeit (eine kurze Stelle II) und Schwindelfreiheit erfordert. Schöne Ausblicke auf die Füssener Seenlandschaft und die Berge der Hochplattengruppe. Die Kammwanderung vom Latschenschrofen zum Schönleitenschrofen ist leicht und auch ohne die Klettereinlagen lohnend. (Autor: Günther Laudahn)
13 km
1350 m
6.00 h
Vom gebührenfreien Parkplatz der Tegelbergbahn steigen wir über den Gelbe-Wand-Weg zu unserem ersten Ziel, dem Tegelberg, auf. Das ist nicht nur der kürzeste, sondern auch der interessanteste und landschaftlich eindrucksvollste Aufstieg, für mich die schönste markierte und seilgesicherte Aufstiegsroute in den Ammergauer Alpen. Wir folgen zunächst dem breiten, an der Drachenwiese beginnenden Weg und kommen nach zwanzig Minuten zu einer Wegteilung. Nach rechts geht's zum Gelbe-Wand-Weg »nur für Geübte«, nach links auf der Normalroute über die Rohrkopfhütte zum Grüble, der Einsenkung zwischen Latschenschrofen und Tegelberg. Dieser Aufstieg kommt allenfalls dann in Betracht, wenn wir den Branderschrofen aussparen wollen. Der Gelbe-Wand-Weg ist leicht, erfordert aber sicheren Tritt und etwas Übung im Schrofengelände. Von der Wegteilung geht es nach zehn Minuten beschildert über den Rautbach und dann im Wald zu einer mit großen Blöcken durchsetzten Rinne, an deren rechtem Rand der Steig an einen plattigen, mit Drahtseilen gut gesicherten Aufschwung heranführt. Oberhalb leitet unser Steig durch latschenbedecktes Steilgelände mit Seilsicherungen zu der tief eingeschnittenen Schlucht zwischen Torkopf (rechts) und Gelbem Wandschrofen und windet sich dann, immer wieder hübsche Tiefblicke an den Felsen vorbei bietend, in vielen Kehren zu dem von Hohenschwangau heraufkommenden Weg empor, dem wir zum Tegelberg folgen. Die frühere Eisentreppe, auf der man rasch zum Startplatz der Drachenflieger gelangte, wurde abgebaut. Jetzt benützt man den breiten Promenadenweg am aussichtsreich gelegenen, ganzjährig bewirtschafteten Tegelberghaus vorbei dorthin. Es ist nun auf gutem, am Felsaufbau seilgesichertem Steig nicht mehr weit zum Gipfel des Branderschrofens. Der Abstieg über den Nordgratrücken ist der anspruchvollste Abschnitt der Tour, abgesehen von der etwas Kletterfertigkeit erfordernden Besteigung des Franziskaner (Spitzigschröfle). Am besten steigen wir ein kurzes Stück am Aufstiegsweg auf dem Westgrat ab und wenden uns dann dem grasigen Hang zu. Steile Grastritte leiten zu dem allmählich flacher werdenden Nordrücken hinüber, wo deutliche Pfadspuren, die kleinen Köpfe umgehend, über Schrofen und Geröll durch Latschengassen hinabführen. Man kann auch unmittelbar vom Gipfel des Branderschrofens am linken Rand des im oberen Teil felsigen Nordgrats auf Gras- und Schrofentritten absteigen, doch ist das Gelände hier steiler und erfordert mehr Übung und Erfahrung als der Abstieg weiter links. Am unteren Ende bricht der Rücken felsig ab. Den Abbruch umgehen wir in einer mit dünnem Stahlseil gesicherten Geröll- und Schrofenrinne und erreichen nach Querung unterhalb der Felsen den kleinen Sattel am Latschenschrofen. Der Latschenschrofen ist eine nur wenige Meter über der Einsattelung aufragende Schulter im Branderschrofen-Nordrücken. Versäumen Sie dennoch nicht, den kreuzgeschmückten Kopf zu besuchen, denn er bietet eine schöne Aussicht auf die Füssener Seenlandschaft und gibt einen guten Überblick über die weiteren Gipfel unserer Tour mit dem tief unten stehenden Franziskaner und dem markanten Schönleitenschrofen. Wer den Nordgratabstieg vermeiden möchte – bei Nässe unbedingt ratsam –, geht vom Branderschrofen auf dem Normalweg zum Tegelberg zurück und steigt von dort zum Grüble ab und auf deutlichem Steig, der den kleinen Aufschwung rechts umgeht, zum Latschenschrofen auf. Das dauert etwa fünfzehn Minuten länger als der direkte Abstieg über den Nordgrat. Wenn Sie den Branderschrofen nicht in die Tour einbeziehen, ist es am besten – wie anfangs schon angedeutet –, den Weg über die Rohrkopfhütte zum Grüble zu benützen und dann zum Latschenschrofen aufzusteigen. Unser nächstes Ziel ist das Spitzigschröfle, auch Franziskaner genannt. Der Name »Spitzigschröfle« ist eigentlich nicht zutreffend, denn es ist kein Schröfle, sondern ein recht kompakter Felsturm mit allerdings einer »schwachen« Seite, der weniger steilen Ostflanke, über die der einzige leichtere Anstieg erfolgt. In allen mir bekannten Karten ist der Franziskaner übrigens falsch eingezeichnet, nämlich 300 Meter östlich von seinem tatsächlichen Standort unmittelbar über dem Kesselgraben (Drehgraben). Der eingetragene Gipfel mit Höhenangabe 1656 m ist der höchste Punkt des von den Einheimischen mit Roßgern bezeichneten felsigen Grats zwischen Kesselgraben und Roßscharte. Die Höhe des Franziskaner beträgt 1615 m. Mit dieser Kenntnis steigen wir auf markiertem Weg in das obere Becken des Kesselgrabens ab und queren nach kurzem Anstieg auf dessen Ostseite den Weg verlassend zum Ansatz der Südostecke des Franziskaner hinüber. Hier leiten Trittspuren in einer gewundenen gutgestuften Rinne in leichter Kletterei einige Höhenmeter hinauf zu einem schmalen Spalt, der rechts von einer steilen, etwa zwei Meter hohen Platte begrenzt wird. Wir bezwingen sie an festen Griffen und Tritten (schwierigste Stelle, II) und erreichen ein breites Band, danach über Schrofen und erdige Tritte in der Ost- und Nordflanke den Gipfel mit Kreuz und Buch. Bei Nässe ist im oberen Teil größte Vorsicht geboten, denn unterhalb bricht die Flanke steil ab. Schöner als diese Normalroute auf den Franziskaner ist indessen die Fortsetzung des Südostgrats. Sie ist leichter als die Platte, der Fels ist fest und griffig, und man umgeht die mitunter unangenehmen Erdtritte. Oberhalb der Platte steigt man an der Gratkante gerade empor und gelangt, sich oben rechts haltend, unmittelbar zum Kreuz. Die Routenführung ist durch die Felsformation eindeutig gegeben. Das Ganze dauert keine zehn Minuten, die Aufstiegshöhe beträgt etwa 35 Meter. Auf der Normalroute steigen wir ab und beginnen unsere Kammwanderung zum Schönleitenschrofen. Dieser besonders hübsche Abschnitt der Tour durch lichten, von Felstrümmern durchsetzten Wald, über blumige Matten mit Blick auf die Gipfel der Hochplattengruppe mit dem hellen Kalkzahn des Geiselsteins kann durch eine Besteigung des Roßgern noch bereichert werden. Diese höchste Erhebung des Roßgerngrats bricht mit einer prallen, gut dreißig Meter hohen Wand, an deren Fuß unser Weg entlangführt, nach Südosten ab. Für den Aufstieg benützen wir eine am Beginn der Wand unterhalb der Felsen nach links emporziehende Geröllrampe und erreichen, am Schluß einige Meter absteigend, den Ansatz des schrofigen Westgrats, über den wir in leichter Kletterei den Gipfel gewinnen. Noch interessanter ist es, vom höchsten Punkt der Rampe in einer kurzen Rinne nach rechts aufzusteigen und über das steile, aber gutgestufte Wandl direkt zum Gipfel hinaufzuklettern (mäßig schwierig, II). Abstieg am besten über den kurzen Westgrat und die Geröllrampe. Der Gratübergang nach Osten ist schwierig, langatmig und wegen der sperrigen Latschen nicht lohnend. Auf dem Weiterweg zum Schönleitenschrofen zweigt im Bereich der tiefsten Einsenkung der Steig zum Vorderen Mühlberger Älpele ab, den wir uns für den späteren Abstieg vormerken. Noch eine knappe halbe Stunde ist es zu unserem letzten Gipfelziel, dem Schönleitenschrofen, dem markanten Endpunkt des Kammes, der nur von dieser Seite leicht zu besteigen ist. Das Kreuz, das laut früherem Gipfelbuch von einem bergbegeisterten »alten Knacker« aus eigenen Mitteln Ende September 1986 repariert worden war, ist derzeit umgebrochen, auch der Gipfelbuchkasten mit Buch ist verschwunden Zur tiefsten Kammeinsenkung zurückgekehrt steigen wir auf dem bezeichneten Weg zum Vorderen Mühlberger Älpele ab und von hier mit kurzem Gegenanstieg auf einem neuen Weg zur Drehhütte. Leider wurde er durch die Wirbelstürme von 1990 arg in Mitleidenschaft gezogen, er ist jetzt aber wieder gut begehbar. Von der Drehhütte geht es auf dem Versorgungssträßlein, dessen Kehren man auf schmalem Pfad abkürzen kann, zum Hüttenparkplatz und auf aussichtsreichem Wiesenweg mit hübschem Blick auf die Tannheimer Berge zum Ausgangspunkt zurück.

Dauer - ohne Branderschrofen: 1160 m, 5,5 bis 6 Stunden; nur Latschenschrofen und Schönleitenschrofen: 1080 m, 5 bis 5,5 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied1350 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz der Tegelbergbahn, 840 m.
Beste Jahreszeit
GastronomieTegelberghaus, 1707 m, Drehhütte, 1220 m.
Höchster Punkt
Branderschrofen, 1881 m – Latschenschrofen, 1682 m – Franziskaner, 1615 m – Roßgern, 1656 m – Schönleitenschrofen, 1703 m.
Mehr zum Thema