Unterwegs am Poststeig

Wenig anstrengende Höhenwanderung auf guten Wegen, kürzere Abschnitte auch auf Asphalt. Keine größeren Steigungen, oberhalb von Pontives wird ein steiler Hang gequert. Blickfang ist der Langkofel, Grödens alpines Wahrzeichen. (Autor: Eugen E. Hüsler)
11 km
300 m
3.00 h
Holzschnitzerei.
Spätestens hinter Pontives kehrt man dann zurück in die Gegenwart. St.Ulrich mit seinem wuchernden Siedlungsgeflecht liegt vor einem, das touristische Herz des Tals. Und schon bald taucht an einer Hauswand, in einem Schaufenster das erste Schild auf: »woodcarving«. Denn das Schnitzen hat in Gröden eine noch längere Tradition als der Tourismus.
Besuch in Lajen.
Bevor man die Höhenwanderung startet, lohnt sich in Lajen der kurze Weg zur Pfarrkirche, einem etwas groß geratenen gotischen Bau, und zum dahinter liegenden Friedhof mit seinen alten schmiedeeisernen Grabkreuzen. Er bietet einen herrlichen Blick über das Eisacktal und seine Berge. Am Hang unterhalb von Lajen liegen die Vogelweider Höfe, die man hier gerne als Heimat des berühmten Minnesängers Walther von der Vogelweide (um 1170–1230) reklamiert – historisch jedoch bis heute ungeklärt. Sein Denkmal steht übrigens mitten in Bozen auf dem Domplatz.
Der Poststeig.
Von Lajen (1085 m) folgt man kurz der Straße nach St.Peter. Nach etwa 200 Metern weist ein Wegzeiger links zum Poststeig. Nun erst noch auf Asphalt bergan bis zu den obersten Häusern, dann weiter auf dem Wiesenweg, der schräg ansteigt nach Tschöfas (1210 m) mit seinem spätgotischen Kirchlein. Man passiert den Weiler und wandert fast eben taleinwärts, oberhalb von Tanürz (1182 m) vorbei, das ebenfalls ein sehenswertes, 1437 geweihtes Gotteshaus besitzt (Altar mit Grödner Schnitzereien). Den Langkofel (3181 m) stets im Blick behaltend, quert man hinter dem Dörfchen die Straße und steigt kurz in einen Graben ab. Jenseits liegt auf einer Geländeschulter das Dörfchen St.Peter (1187 m).
An der Verzweigung im nächsten Graben nimmt man das links abgehende Sträßchen, das ansteigend zur Jausenstation Pedrutsch (1270 m; 1.45 Std.) führt. Der Weiterweg verläuft dann wieder ohne größere Höhenunterschiede quer durch die steilen, bewaldeten Hänge oberhalb von St. Peter im Tal und Pontives, dem »Tor« zum Grödner Tal. Bei Außerwinkel erreicht man das Siedlungsbiet von St. Ulrich und gelangt auf Dorfstraßen hinein ins Ortszentrum (3 Std.).

Lajen – Pedrutsch 1.45 Std., Pedrutsch – St.Ulrich 1.45 Std. Insgesamt 3 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied300 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortLajen (1085m), sehenswertes Südtiroler Dorf in schöner Lage über der Mündung des Grödner Tals
AusgangspunktOrtsmitte Lajen
EndpunktSt. Ulrich
TourencharakterBevor im Jahr 1856 die Talstraße von Waidbruck herauf ins Grödner Tal erbaut wurde, brachte der Postbote zweimal wöchentlich auf diesem Weg die Post nach St.Ulrich. Er dürfte für die Kulisse eher wenig Blicke übrig gehabt haben, schließlich war das sein Arbeitsweg und der Lang-kofel auch nur ein Berg unter vielen. Später, der Tourismus hielt Einzug in den Dolomiten, dampfte dann die Eisenbahn von Klausen ins Grödner Tal, und die Reisenden konnten ganz bequem das sich allmählich ent-fächernde Dolomitenpanorama genießen. Der Autowahn der 1960er-Jahre bereitete diesem Vergnügen ein abruptes Ende; aus der Bahntrasse wurde eine Straße. Geblieben ist der alte Weg des Postlers, der etwas höher am Hang verläuft und Abstand hält zur modernen Zeit. Auf diesem wandert man hinein ins Grödner Tal, bestaunt dabei den größten Zahn (Langkofel) weitum, den ein Wiener als Erster bestieg (Paul Grohmann, 1869), und fühlt sich ein bisschen zurückversetzt in jene Zeit als Luis Trenker (1892–1990), die Grödner Bergsteigerlegende, dem bundesdeutschen Fernsehpublikum von seiner Heimat erzählte und dass er »einfach auffi muaß auf’n Berg«.
Bergauf geht’s auf dieser Höhenwanderung kaum, Genuss kommt ganz klar vor Anstrengung. Und bevor man den letzten Abschnitt des Nostalgiepfads unter die Füße nimmt, lädt die Jausenstation Pedrutsch zu einer Südtiroler Marende ein.
Hinweise
Lajen – Pedrutsch 1.45 Std., Pedrutsch – St.Ulrich 1.45 Std. Insgesamt 3 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 05 »Gröden–Seiseralm«
VerkehrsanbindungLajen liegt oberhalb der viel befahrenen Straße von Klausen ins Grödner Tal; beschilderte Zufahrt. Busverbindung mit Klausen und Gröden
GastronomieIn St.Peter; Jausenstation Pedrutsch
Tourismusbüro
Tourismusverband Gröden, I-39047 St Christina, Dursanstr. 80/c, Tel. +39/0471/77 77 77, Fax 49 22 35, info@valgardena.it, www.valgardena.it

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