Um die Bärenfangwände

Abwechslungsreiche Wanderung auf vorwiegend bequemen Wegen, nur der Aufstieg zum Raubschloss auf dem Winterberg führt über Treppen sehr steil aufwärts (Autor: Tassilo Wengel)
11 km
191 m
3.00 h
In den Großen Zschand.
Vom Parkplatz an der Neumannmühle folgen wir dem Weg mit der Markierung gelber Querstrich in den Großen Zschand, ein sechs Kilometer langes Tal, das sich vom Kirnitzschtal bis zur tschechischen Grenze ausdehnt. Nach dem Zeughaus entpuppt es sich als malerische Schlucht zwischen Thorwalder Wänden und Partschenhörnern.
Zur Goldsteinaussicht.
Unser Weg führt beim Zeughaus nach rechts. Wir wandern auf einem breiten Weg durch den Wald. Der Weg führt steil aufwärts, an großen und kleinen Felsbrocken vorbei, die teilweise mit Moosen und Farnen bewachsen sind. Einen besonders schönen Anblick bietet ein großer Felsblock, der über und über mit dem seltenen Rippenfarn bewachsen ist. Allmählich gewinnen wir an Höhe und gelangen zum Abzweig zur Goldsteinaussicht. Dieser Felsen ist nur 20 Meter vom Weg entfernt und bietet eine der besten Aussichten in den Großen Zschand. Wieder zurück auf unserem Weg, geht es bequem weiter, am markanten Katzenstein vorbei, einer sechs Meter hohen Sandstein-Felsklippe, deren Fuß so stark verwittert ist, dass der Kopf nach allen Seiten überhängt.
Um die Bärenfangwände.
An der nächsten Gabelung folgen wir dem Weg geradeaus weiter durch Buchenwald. An einer Wegkreuzung fällt ein alter Wegstein mit der Inschrift »Zeughaus und Prebischthor« auf. Dort biegen wir scharf rechts in das Heringsloch und folgen dem Wegweiser Richtung Queenwiese, Felsenmühle (Markierung grüner Querstrich). An mächtigen Sandsteinbrocken vorbei geht es allmählich abwärts, durch schönen Buchenwald und vorbei an imposanten Felsen. Auf schmalem Weg steigen wir steil abwärts über Steine, bis wir eine Kreuzung erreichen. Dort biegen wir nach rechts (Wegweiser Hinteres Raubschloss, Zeughaus, Markierung roter Querstrich) und wandern auf einem breiten Waldweg am Hang entlang. Rechts von uns ragen die aus Sandsteinschichten bestehenden Bärenfangwände auf. Der Name »Bärenfangwände« geht auf das frühere Vorkommen von Bären in dieser Gegend zurück. Die Tiere wurden hier gefangen und in den Bärenzwinger nach Dresden gebracht, wo sie bei den regelmäßig stattfindenden Tierhetzen getötet wurden. Links ragen die Pechofenhörner auf, markante, bizarre Felsgebilde. Wir setzen unsere Wanderung weiter geradeaus an den Bärenfangwänden fort und genießen linker Hand den grandiosen Blick in das Kirnitzschtal.
Wo die »Recken vom Winterstein« hausten.
Schließlich erreichen wir den Fuß des Wintersteins und einen Wegweiser (Hinteres Raubschloss, 10 Min.). An dieser Stelle beginnt der Aufstieg auf den Winterstein mit dem Hinteren Raubschloss. Der Winterstein hat sich durch Verwitterung vom Massiv der Bärenfangwände getrennt und steht als einsamer Felsen im Wald. Das letzte Wegstück führt von einem Felsvorsprung aus recht steil über Metallleitern und alte Steinstufen durch eine enge Schlucht zum Gipfel, wo das bereits 1379 erstmals genannte und ab 1430 als Raubnest der »Recken vom Winterstein« bekannte Raubschloss stand. Beim Aufstieg über die »Räuberleiter« entdeckt man Falze und Widerlager, die der Befestigung der hölzernen Vorburg dienten. Zurück zum Wegweiser wandern wir nun auf breitem Waldweg allmählich abwärts, gelangen auf eine Schotterstraße und biegen nach links, um auf bekanntem Weg zur Neumannmühle zurückzukehren.

GEHZEITEN.
Neumannmühle – Goldsteinaussicht 1 Std. – Fuß des Wintersteins 1 Std. – Neumannmühle 13/4 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied191 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz an der Neumannmühle
EndpunktParkplatz an der Neumannmühle
TourencharakterGoldsteinaussicht und Winterstein beeindrucken mit weiten Aussichten auf die schönsten Teile der Sächsischen Schweiz und stellen zwei Höhepunkte auf dieser attraktiven und bequemen Wanderung rund um die Bärenfangwände dar.
Hinweise
DER »RECKE VOM WINTERSTEIN«. Erstmals wurde 1379 auf dem Winterstein eine Burg erwähnt, die als die älteste Burganlage in der Hinteren Sächsischen Schweiz gilt. Sie wird auch als Hinteres Raubschloss bezeichnet, weil hier ein böhmischer Adliger hauste, der einen Teil seines Lebens als Raubritter fristete. Dieser »Recke vom Winterstein« überfiel vor allem Handelsreisende, die auf dem Weg zu den Märkten des Oberlausitzer Städtebundes waren und ihm reiche Beute einbrachten. Das Bündnis zwischen Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau bereitete der »Landzerstörerei« aber alsbald ein Ende, indem es die Burg aufkaufte und 1441 abreißen ließ. Heute erinnern nur noch Mauerreste, eine Zisterne und eine Höhle mit Rauchabzug an die einstige Burg. Steigt man über die teilweise erhaltene Räuberleiter auf, fallen eine Höhle mit Steinbänken und eine Wachpostennische auf. Einige Fundstücke vom Hinteren Raubschloss sind im Heimatmuseum Bad Schandau ausgestellt.
KartentippTopografische Karte 1 - 25000 mit Wanderwegen des Landesvermessungsamtes Sachsen, Blatt 45
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A4 oder A13 bis zur Anschlussstelle Dresden Altstadt und durch Dresden Richtung Pirna, oder bis Autobahndreieck Dresden-West, auf der A17 bis Anschlussstelle Pirna und auf der B172 über Pirna und Bad Schandau zur Neumannmühle. Mit der S-Bahn bis Bad Schandau, weiter per Bus
GastronomieKirnitzschtal - Gaststätte Neumannmühle, Kirnitzschtalstr. 4 u. 5, Tel. 035974/50565, Mo Ruhetag; Gasthaus Altes Zeughaus, Zeughausstr. 5, Tel. 035974/55800, Mo Ruhetag
Tipps
MUSEUM BEI DER NEUMANNMÜHLE. An der Einmündung des Großen Zschand gelegen, wurde die Neumannmühle im 14. Jahrhundert als Schneidemühle errichtet. Das Herzstück der musealen Einrichtungen geht auf den Neumann-Müller Heinrich Voelter (1817–1887) zurück. Er richtete 1871 eine Holzschleiferei ein und installierte einen neuartigen Holzschleifer, der im Prinzip auf eine Erfindung von Friedrich Gottlob Keller (1816–1895) zurückgeht. Dieser hatte 1848 die für die Papierherstellung entscheidenden technischen Voraussetzungen zur Zerfaserung des Holzes (Holzschliffverfahren) geschaffen. Das neue Verfahren schuf die Möglichkeit zur billigen Massenproduktion von Papier. Ende des 19. Jahrhunderts richteten weitere Kirnitzschtalmühlen wie Lichtenhainer, Mittelndorfer und Haide-Mühle – bedingt durch den steigenden Papierbedarf – Holzschliffanlagen ein. Bis 1945 produzierte die Neumannmühle Holzschliff. Dann wurde durch die geringe Wasserkraft und das Alter der Maschinen die Anlage unwirtschaftlich. Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden als Fremdenzimmer vermietet. Nach dem Tod des letzten Besitzers Rudolf Friedrich kaufte der VEB Gebäudewirtschaft die Mühle, richtete Küche und Gasträume ein und nutzte sie als betriebliches Ferienobjekt. Das Technische Museum verfiel allerdings immer mehr. Seit Oktober 2000 dreht sich das Wasserrad an der Mühle wieder, nachdem der 1997 gegründete Förderverein »Schauanlage Neumann-Mühle e.V.« das Denkmal durch Fördermittel und Spenden rekonstruierte. Das Mühlrad aus Eichenholz hat einen Durchmesser von 4,90 Meter, ist 1,80 Meter hoch und besteht aus 45 Stahlblechschaufeln.
Informationen
DAS ALTE ZEUGHAUS. Der Wildreichtum der Wälder war im Jahr 1642 Anlass, das Zeughaus zu errichten. Es war gleichzeitig die Wohnung des Zeichenschlägers und diente zur Aufbewahrung der Jagdgeräte. Der Zeichenschläger war für die Markierung der Jagdreviere und Wege zuständig, damit sich die Jäger, Forstleute, Köhler und Holzhauer, aber auch die Bauern in der Wildnis zurechtfanden und wussten, wo sie tätig werden mussten. Heute ist das Zeughaus – als Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen – mit kleinem Gastraum und großer Terrasse eine beliebte Stätte zum Rasten und Übernachten. Auf der Speisekarte stehen klassische, moderne und vegetarische Gerichte.
Unterkunft
Kirnitzschtal - Hotel Forsthaus, Kirnitzschtalstr. 5, Tel. 035022/5840, www.weka-touristik.de/hotel-forsthaus; Pension und Gasthaus Mittelndorfer Mühle, Kirnitzschtalstr. 4, Tel. 035022/5850, www.mittelndorfer-muehle.de
Tourismusbüro
Fremdenverkehrsamt Kirnitzschtal, Sebnitzer Str. 2, 01855 Altendorf, Tel. 035022/42774, fva-kirnitzschtal@freenet.de, www.saechsische-schweiz-urlaub.com

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