Über Maria Klobenstein zur Streichenkirche

Einfache Halbtagestour auf schönen Wanderwegen, zwei kurze Stücke verlaufen neben der Bundesstraße. (Autor: Dr. Wilfried und Lisa Bahnmüller)
10 km
250 m
3.00 h
Wir beginnen unsere Wanderung in Ettenhausen und folgen der Beschilderung »Schmugglerweg«. Ein wenig führt diese Bezeichnung in die Irre, denn wir dürfen nicht annehmen, dass die Schmuggler zu früheren Zeiten genau auf diesem Weg unterwegs waren. Das hätten die Grenzer sehr schnell mitbekommen, und der Schmuggel hätte ein Ende gehabt. Wir wandern an der Ettenhauser Au vorbei, einem Gelände, das nur als Weide benutzt werden kann, da der Untergrund aus eiszeitlichem Schotter besteht, der von einer nur dünnen Humusschicht bedeckt ist und deshalb nicht mit dem Pflug bearbeitet werden kann. Heute versucht man das Gebiet durch gezielte Beweidung in seiner reichen Flora zu erhalten.
Bei der nächsten Abzweigung bleiben wir auf dem breiteren Weg rechts, dann überqueren wir den romantischen Maisbach und passieren einen Holzplatz und den kleinen Rudersburger See, der links tief unter uns liegt. An einer Felswand vorbei kommen wir wieder zu einer Weggabel, halten uns dort links und bleiben fortan immer auf dem ansteigenden Hauptweg. Ein Stück nach einem Marterl, das an den Tod des Weidlechnerbauerns von Ettenhausen erinnert, ist der breite Weg zu Ende. Wir steigen nun im Zickzack den Pfad ein paar Meter aufwärts zur Tiroler Grenze, wo sich bei der ehemaligen Zollhütte die Wanderwege teilen. Geradeaus geht es nach Kössen, wir aber steigen links hinab Richtung Klobenstein.
Etwas rechts vom eigentlichen Weg haben die Wegebauer eine kleine Aussichtskanzel geschaffen. Tief unter uns fließt die Tiroler Ache in die Entenlochklamm, und mit etwas Glück können wir Wildwasserfahrer mit ihren Kajaks beobachten, denn die Klamm gehört zu den großen Highlights für Rafter und Kanuten. Gegenüber im Wald steht das Klobensteinkirchlein, das wir später besuchen werden. Wir wandern abwärts und überqueren die Ache auf einer schaukelnden, aber absolut sicheren Hängebrücke, die trotzdem schon bei so manchen Schwindel auslöste. Die Tiroler Ache ist zwar in den letzten Jahren ein sehr sauberer Fluss geworden, zum Baden ist sie jedoch viel zu kalt.
Wir wandern deshalb am Weg weiter und kommen zu dem urgemütlichen Wallfahrergasthaus am Klobenstein. Heute kehren nicht mehr ganz so viele Pilger ein wie früher, dafür umso mehr Wanderer. Wenige Meter oberhalb des Wirtshauses finden wir den berühmten »geklobenen Stein« und das Wallfahrtskirchlein Maria Klobenstein. Von dort steigen wir auf dem breiten Weg nach oben zur Straße und wenden uns dort nach links. An der Bushaltestelle vorbei geht es durch einen kurzen Tunnel, dann stehen wir wieder auf bayerischem Boden. Unmittelbar vor dem nächsten Tunnel zweigt links ein Fahrweg Richtung Streichenkapelle ab. Er gabelt sich, und wir nehmen den rechten Wegabzweig, überqueren die untertunnelte Bundesstraße und treten schließlich aus dem Wald heraus auf eine Almwiese. (Hier ist übrigens auf manchen Karten die Bäckeralm eingezeichnet, Sie werden aber nur einen einfachen Heustadel finden, denn die Eintragung ist falsch; an der Bäckeralm weiter südlich kommen wir nicht vorbei.)
Wir wandern über eine Serpentine nach oben, halten uns an der nächsten Weggabelung links und sehen über uns bereits das Streichenkirchlein und vor uns am Ende des Wegs die Stadler Alm. Etwa 200Meter vor dieser Alm führt uns links ein schmaler Steig bergan. Auf einer Steighilfe überqueren wir den Weidezaun, wo uns ein Wegweiser zur Streichenkapelle bestätigt, dass wir uns an der Abzweigung unten nicht geirrt haben. Wir folgen den Pfadspuren an der höchsten Stelle eines lang gezogenen Hügels, dann geht es im Wald steil hinauf zur Streichenkapelle. Vom Platz vor der Kapelle überblicken wir das gesamte Tal der Tiroler Ache nach Norden und nach Süden - Über Schleching erheben sich Kampenwand, Hochplatte und Geigelstein, im Süden dominiert der Felswall des Wilden Kaisers, und, ganz in der Nachbarschaft, ragt der wenig besuchte Rauhe-Nadel-Kopf empor. Direkt unter uns liegt, wie man es bei jeder bayerischen Wallfahrtskirche erwartet, ein Wirtshaus mit einem der aussichtsreichsten Biergärten des gesamten Chiemgaus.
Nach der Rast wandern wir auf der Straße zurück ins Tal. Bei der Abzweigung Richtung Achberg halten wir uns links und stoßen schließlich bei den alten Grenzhäusern auf die Bundesstraße, die wir schon von Klobenstein her kennen.Wir wenden uns hier nach rechts, überqueren die Tiroler Ache und treffen kurz nach der Brücke auf die Ortsstraße Richtung Ettenhausen. Auf ihr kehren wir zum Parkplatz zurück.

leichte Herbstwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied250 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortEttenhausen bei Schleching
AusgangspunktEttenhausen bei Schleching
EndpunktEttenhausen bei Schleching
TourencharakterDiese Wanderung ist zwar verhältnismäßig kurz, hat aber einiges zu bieten - eine tief eingeschnittene Klamm, eine Wallfahrtskirche mit urigem Wirtshaus daneben und die Streichenkirche, der letzte Rest einer Ritterburg aus dem 11./12. Jahrhundert.
Hinweise
KartentippKompass 1 - 50 000, Blatt 10 Chiemsee
Markierungen
VerkehrsanbindungAuto. Über die A 8 München– Salzburg bis zur Ausfahrt Bernau, dann über Bernau, Grassau und Marquardstein nach Schleching und weiter Richtung Grenze nach Ettenhausen; dort nach der Dorfkapelle links in den Schmugglerweg abbiegen. Kleiner Parkplatz am Ortsende; wenn belegt, am Parkplatz bei der Seilbahn parken.
GastronomieGasthof Klobenstein; Berggasthof am Streichen
Tipps
Die Streichenkapelle. Der Weg von Kössen hinaus in den Chiemgau wurde schon zu römischen Zeiten begangen – in »Streichen« steckt das Wort »Strich«, und das war damals ein schmaler Weg, der von Säumern begangen wurde. So ein Weg musste nach mittelalterlichen Vorstellungen kontrolliert werden, und dazu bauten die Herren von Marquartstein am Streichen eine kleine Burg. Ob die verhältnismäßig große Kapelle schon vorher stand und vielleicht sogar an Stelle eines vorchristlichen Kultplatzes errichtet wurde oder erst als Burgkapelle entstand, ist noch nicht geklärt. Die Burg verfiel, aber die Kapelle blieb bestehen und gehört mit ihrer Ausstattung, ihren Altären und vor allem ihren Fresken aus der Zeit der späten Gotik zu den großen Kunstwerken des Chiemgaus.
Verleih
Informationen
Maria Klobenstein. Es ist angenehm kühl zwischen den Felsen, und am liebsten würde man sich eng an die glatten Wände anschmiegen, um der brütenden Sommerhitze zu entkommen. Doch man muss hindurchgehen, ohne auch nur ein einziges Mal den Stein zu berühren oder gar an ihn zu stoßen - Wer das geschafft hat, dem erfüllt die Muttergottes von Klobenstein einen Wunsch – aber nur, wenn er nicht materieller Art ist und wenn man ihn vorher niemandem verraten hat. Erzählt hat uns das der Mesner Höflinger aus Kössen, der sich zweimal am Tag um das kleine Kirchlein über der Ache an der bayerisch-tirolerischen Grenze kümmert. Er ist zu tiefst überzeugt davon, denn viele Pilger und Bittsteller haben ihm schon von überraschenden Erhörungen ihrer Bitten berichtet. Votivbilder an den Wänden des Kirchleins zeugen von der wunderbaren Fürsprache der Klobensteiner Madonna. Wie die kleine Wallfahrt entstand, konnten Historiker noch nicht klären. Der Legende nach soll einst eine alte Frau auf ihrem Weg von Kössen nach Marquartstein in einen Felssturz geraten sein und in höchster Not die Muttergottes angerufen haben. Daraufhin sei unmittelbar vor ihr ein riesiger Felsklotz in zwei Teile zerbrochen und liegen geblieben – sie war gerettet. Legende hin oder her, gesichert ist jedoch, dass es einst an dieser Stelle einen gewaltigen Felssturz gab, bei dem ein riesiger Felsbrocken in der Mitte auseinander brach und unweit der Ache liegen blieb. Dieser »geklobene« Stein (tirolerisch für gespalten) ist eine uralte Stätte der Marienverehrung, die bis weit ins Mittelalter zurückzuverfolgen ist. Zu Beginn des 18. Jh. wurde die heutige Kirche errichtet, etwas später ließ sich ein Einsiedler an der kleinen Kirche nieder und baute sich eine Klause. Sie steht heute noch unterhalb der Kapelle und wird als Gastwirtschaft für Wanderer, Bootsfahrer und Pilger genutzt. Im Lauf der Zeit kam immer wieder Streit darüber auf, ob Maria Klobenstein auf Tiroler oder auf bayerischem Boden läge. Die Gläubigen kümmerten sich nie darum, denn die Muttergottes macht keinen Unterschied zwischen Bayern und Tirolern.
Höchster Punkt
Unterkunft
Tourismusbüro
Touristik-Information Schleching, Schulstr. 4, 83259 Schleching, Tel. 08649/220, www.schleching.de