Über die Rappenköpfe zum Pürschling

Die ganz einsame, sehr abwechslungsreiche Kammtour über Rappenköpfe und Brunnberg zum Zahn erfordert keine Kletterei, aber vor allem im ersten Abschnitt Übung und Übersicht im weglosen Steilgelände. Auch beim weiteren Übergang zum Pürschling sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt, insbesondere bei der südseitigen Umgehung des Sonnenberggrats. Mit Ausnahme des Kammes zwischen Kofelsattel und Zahn markierte Wege. Die Besteigung des Kofel ist durch kräftige Stahlseile leicht und sicher. (Autor: Günther Laudahn)
5 km
1040 m
6.00 h
Ausgangsort ist entweder der große Parkplatz am Friedhof von Oberammergau direkt unter dem mächtig aufstrebenden Kofel oder, bei starker Sonneneinstrahlung günstiger, der kleine schattige Parkplatz 350 Meter dahinter. Bei Anfahrt von Schongau / Peiting biegt man im Ort der Vorfahrtsstraße folgend rechts ab, verläßt sie bald nach rechts über die kleine Brücke und erreicht gleich dahinter links abbiegend die Parkplätze. Wer über Oberau / Ettal kommt, zweigt hinter Ettal Richtung Linderhof ab und benützt die kleine Straße nach Oberammergau. Am hinteren Ende des Friedhof-Parkplatzes stößt man auf den Grottenweg, einen bequemen, fast horizontalen Wanderweg, der am Fuß der Nordflanke des Kofel entlangführt. Nach einigen Minuten erreichen wir oberhalb des zweiten Parkplatzes einen freien Grashang, auf dem der Weg zum Waldrand und nun in vielen Kehren zum Kofelsattel emporzieht. Natürlich werden wir uns hier den kleinen Abstecher zum Kofel nicht entgehen lassen. Der beschilderte und markierte Steig ist durch kräftige Stahlseile an den ausgesetzten Stellen gut gesichert. Am Gipfelkopf kann man dem Seil folgend direkt über den Westgrat aufsteigen oder, leichter, den deutlichen Pfad benützen, der den Gipfelkopf links umgeht und an einem Hüttchen vorbei gleichfalls zum Kreuz führt. Beeindruckend ist vor allem der Blick steil hinab auf Oberammergau. Auf der anderen Seite haben wir den Kamm vor uns, den wir nun begehen wollen, der, beginnend mit dem steilflankigen Vorderen Rappenkopf, bis zum Zahnmassiv einsehbar ist. Nach Abstieg zum Kofelsattel gehen wir unsere Kammtour an. Einige Meter hinter dem Unterstandshüttchen am Sattel beginnt, halblinks vom Weg zum Pürschling abzweigend, ein undeutlicher Pfad, der mäßig steigend am Hang entlangzieht. Er erreicht nach etwa 200 Metern ein Wiesentälchen, wo nur noch Pfadspuren erkennbar sind. Wir folgen dem Tälchen, weichen einigen umgestürzten Bäumen links aus und gehen in der breiten Waldschneise, am besten am rechten Rand, bis zum Ende, wo wir ohne Schwierigkeit die wenigen Höhenmeter zum Ostrücken des Vorderen Rappenkopfs aufsteigen können. Hier gelangen wir, zunächst sanft ansteigend, an den bewaldeten Gipfelaufschwung heran, der sich nun sehr steil aufbäumt. Dieser Gratrücken bildet die einzige vernünftige Aufstiegsroute. Fast immer, so auch hier, ist ein Rücken weniger steil und besser zu begehen als seine Flanken, die beim Vorderen Rappenkopf extrem steil sind. Eine Steigspur leitet in kurzen Kehren über Erdtritte und Schrofen aufwärts. Sie weicht mehrmals ein wenig nach rechts aus, kehrt aber gleich wieder zum Gratrücken zurück. Die folgende fast senkrechte Stufe wird links umgangen. Hier bildet ein liegender, dürre oben abgebrochender Baum eine Art Geländer am Anfang des Bandes. Nach ein paar steilen Erdtritten ist der Steilaufschwung geschafft. Weniger steil, aber immer noch volle Konzentration fordernd, leitet der Waldrücken, auf den sich sogar ein alter Markierungspunkt verirrt hat, zum Gipfel des Vorderen Rappenkopfs. Unser nächstes Ziel ist der Hintere Rappenkopf. Den kleinen Abschwung am Westrücken umgehen wir links auf einem Band und steigen dann im Bereich des mäßig steilen Rückens 60 Höhenmeter zur Einsenkung zwischen beiden Gipfeln ab. Sie ist durch einen niedrigen Buckel geteilt. Die umgestürzten Bäume im ersten Sattel übersteigt man direkt, umgeht den Buckel einige Meter unterhalb des höchsten Punktes, am besten auf Tritten nach rechts absteigend, und quert dann gleich nach links in den zweiten Sattel hinein. Der Windbruch hier wird links umgangen, und man strebt nun dem sich aufschwingenden Ostrücken des Hinteren Rappenkopfs zu. Trittspuren leiten unterhalb des Rückens empor. Den letzten Aufschwung ersteigt man auf steilen Tritten oder weicht ihm, leichter, über einen Baumstamm hinweg nach links aus und erreicht so den langgestreckten Gipfelkamm. Der Abstieg in den nächsten Sattel dauert nur einige Minuten. Hier setzt ziemlich steil der Ostrücken des Brunnbergs an. Eine Trittspur erleichtert den Aufstieg. Ein Felsriegel bildet ein erstes Hindernis. Er wird auf deutlicher Spur über eine Wurzeltreppe, dann auf einem nach links ziehenden Grasband erstiegen. Ein großer roter Markierungspunkt oberhalb zeigt Ihnen, daß Sie auf der richtigen Fährte sind. Auf Grastritten geht es nun am Rücken hoch zu einer steilen Schrofenstufe, die man am besten direkt ersteigt oder auf ausgesetzten Grasbändern links umgeht. Damit ist der schwierigste, Bergerfahrung fordernde Abschnitt der ganzen Gratüberschreitung geschafft, der genußvolle Teil beginnt. Auf dem sanft ansteigenden aussichtsreichen, teils locker bewaldeten Rücken wandern wir an einer winzigen Hütte vorbei, die sich stolz »Karl-Geisenhof-Haus« nennt, immer auf deutlichem Pfad an den Gipfelaufbau des Brunnbergs heran. Ein erstes kurzes Gratstück wird rechts unterhalb umgangen. Der Pfad führt in einen kleinen grasigen Sattel und zieht dann, meist nur als Trittspur, in kurzen Kehren zu einer Schulter. Von hier geht es einige Meter steil abwärts und leicht hinauf zum Gipfel des Brunnbergs. Hübsch ist der Blick ins Graswangtal und zurück über einige Felsköpfe auf den schon geschafften Gratabschnitt. Im Westen baut sich unser nächstes Ziel auf - das Zahnmassiv mit seinen bizarren Felstürmen, die hinter einem langgestreckten Rücken hervorlugen. Zur Fortsetzung unserer Tour gehen wir einige Meter zurück zum Pfad, der nordseitig unter dem Gipfelfels des Brunnbergs verläuft. Nach einem schmalen Band gelangen wir nun bequem im Bereich des Zahn-Ostrückens zu einer grasigen Schneise, wo Trittspuren zum Ende des langen Rückens führen. Er bricht in einer felsigen Stufe zum Sattel vor dem eigentlichen Zahnmassiv ab. Wir umgehen sie, nach links auf zwei plattigen Tritten absteigend, auf einem ganz schmalen, kaum fußbreiten Band und kommen über den gut zu begehenden Gratrücken an den Fuß der Zahnfelsen, einer Gruppe schroffer Köpfe und Türme, die den alpinsten Abschnitt des ganzen Grats zwischen Kofelsattel und Pürschling bilden. Ihre Besteigung erfordert Kletterei. Wir begnügen uns mit dem höchsten Kopf des Zahnmassivs, der zum Glück von Norden leicht zugänglich ist. Zunächst stellt sich uns ein Felsbug in den Weg. Tritte leiten rechts davon hinab in eine Felsnische, die wir auf schmalen Stufen überqueren. Von der sie abschließenden kleinen Schulter führt unsere Steigspur an einem markanten Felsturm mit Kreuz vorbei zu einer Kante, hinter der wir zu einem Sattel und dann unterhalb der Gipfelfelsen so weit aufsteigen, bis wir leicht nach links auf dem Westrücken die letzten Meter zum Hauptgipfel hinübergehen können. Hier, auf dem Gipfelblock am höchsten Punkt des Zahnmassivs, sitzen wir inmitten einer beeindruckenden Felslandschaft. Die hellen Kalkfelsen bilden einen wirkungsvollen Kontrast zu den von Latschen und Wald überzogenen Buckeln des Kammes. Meist wird man auf dem Zahngipfel den Zauber dieser Landschaft allein genießen, obwohl der markierte Weg gar nicht weit unterhalb vorbeiführt. So war ich überrascht, bei einer Begehung des ganzes Kammes Ende Juli 1993 einen Vierzehnjährigen aus Unterammergau hier oben anzutreffen, der allein vom Kolbensattel her aufgestiegen war. Er mache sich nichts aus Modebergen, sagte er mir, er liebe einsame Gipfel. Für den Weiterweg haben wir zwei Möglichkeiten: zum Ausgangspunkt zurückkehren oder den Kamm bis zum Pürschling überschreiten. Beide Varianten sind in der Karte und im Tourenprofil aufgezeigt. Der Mehraufwand für die Pürschlingvariante beträgt etwa zwei Stunden, ist aber sehr lohnend und leicht. Es erwarten uns ausschließlich markierte Wege und der höchste Gipfel dieses Abschnitts des Klammspitzkammes, der Sonnenberg (Sonnenspitz). Für die direkte Rückkehr nach Oberammergau steigen wir vom Zahngipfel erst auf den Steigspuren im Gipfelbereich, dann über den gutgestuften Grashang zum sichtbaren markierten Weg ab, dem wir nach rechts folgen. Er leitet uns über Wegverzweigung Punkt 1280 und Kolbenalm wie aus der Karte ersichtlich zum Ausgangsort zurück. An der Kolbenalm muß man nicht die hier beginnende Asphaltstraße benützen, sondern kann links davon auf schattigem Waldweg am Ufer des Kolbenbachs entlang absteigen und dann nur ein kurzes Stück auf der Straße zur beschilderten Abzweigung des Grottenwegs gehen. Der schön angelegte promenadenartige Weg leitet unter den Wänden des Kofel in angenehmer Wanderung zum Parkplatz. Wenn Sie noch genügend Kondition haben, sollten Sie den Kamm bis zum Pürschling weiter begehen, wo eine viel besuchte Hütte willkommene Erfrischung bietet. Der Übergang zum Pürschlinghaus dauert etwa 13/4 Stunden. Am besten steigt man vom Zahngipfel wie bei der direkten Rückkehr zum markierten Weg ab und dann nach links wieder zur Kammhöhe empor. Eine weglose Querung unterhalb der Gratfelsen dorthin ist möglich, aber weniger günstig und nicht kürzer, und man spart ganze 30 Höhenmeter. Der Weg zum Pürschling bietet nun eine hübsche kleine Variante, die in der Karte dünngestrichelt eingezeichnet ist. Sie beginnt dort, wo der Normalweg fast die Kammhöhe erreicht und unterhalb horizontal geführt ist. Hier zieht, nicht beschildert aber deutlich, ein Steig vollends auf den Kamm, dem man ein Stück folgt. Er leitet in einer steilen Schichtrinne in ganz leichter Kletterei wieder auf den Normalweg zurück. Jetzt ist es nicht mehr weit zum Sonnenberg. Hinter einer schrofigen Stufe zweigt eine Steigspur oder zwanzig Meter weiter ein Weg nach links ab. Er führt ohne Schwierigkeit in wenigen Minuten auf den aussichtsreichen Gipfel mit Kreuz und Buch. Besonders reizvoll ist der Rückblick auf das Zahnmassiv, aber auch der Blick hinab ins Graswangtal. Und von Westen grüßt das nun nicht mehr so ferne Pürschlinghaus, zu dem ein mit Felsköpfen besetzter Kamm, der Sonnenberggrat, hinüberzieht. Beim Weiterweg kommen wir nach zwei kurzen seilgesicherten Stellen an eine Weggabel. Beide Wege führen zum Pürschling. Sinnvoll ist nur der linke Weg (Schild »Pürschling – nur für Geübte«), der an der Südseite des Sonnenberggrats entlangzieht. Er ist schmal und stellenweise etwas ausgesetzt, aber ohne Schwierigkeit. Das letzte Stück verläuft auf der Kammhöhe. Der Weg mündet schließlich in den breiten Wirtschaftsweg dicht vor dem Pürschlinghaus, das nun in wenigen Minuten erreicht ist. Der rechte, mit »Pürschling« beschilderte Weg leitet in kurzen Kehren achtzig Höhenmeter nordseitig hinab und quert dann fast horizontal zum Wirtschaftsweg. Er ist ganz ungünstig, weil man nun zusätzliche sechzig Höhenmeter zum Pürschlinghaus ansteigen muß und kommt eigentlich nur in Betracht, wenn man auf das Pürschlinghaus verzichten und unmittelbar nach Oberammergau zurückkehren möchte. Lohnend ist der Abstecher zum Pürschlinghaus allemal. Das beliebte, vielbesuchte Haus in aussichtsreicher Lage bietet eine angenehme Rast vor unserem zweistündigen Rückweg, wie er in der Karte eingezeichnet ist.

Dauer - Kammtour bis Zahn: 1040 m, 5,25 bis 6 Stunden; bis Pürschling: 1200 m, 7 bis 8 Stunden; ohne Kofel bis Zahn: 910 m, 4,75 bis 5,5 Stunden; bis Pürschling: 1070 m, 6,5 bis 7,5 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied1040 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortOberammergau, Parkplätze vor und hinter dem Friedhof, 840 m.
Beste Jahreszeit
GastronomiePürschlinghaus, 1564 m, ganzjährig bewirtschaftet außer April und November.
Höchster Punkt
Kofel, 1342 m – Vorderer Rappenkopf, 1408 m – Hinterer Rappenkopf, 1413 m – Brunnberg 1529 m – Zahn-Hauptgipfel, 1619 m – Sonnenberg, 1622 m.
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