Über die Himmelsleiter auf den Lusen

Diese abwechslungsreiche Wald- und Aussichtswanderung führt teilweise steil über Wurzelwege und grobblockiges Gelände und erfordert Trittsicherheit und festes Schuhwerk. (Autor: Bernhard Pollmann)
11 km
600 m
5.00 h
Nach Überschreiten der Kleinen Ohe beim Waldparkplatz Fredenbrücke weisen der Bach und die Markierung »grünes Dreieck« in artenreichem Schluchtwald die Route bergan, begleitet von den Tafeln eines Bergbach-Naturlehrpfads. Die im Stangenfilz entspringende Kleine Ohe ist einer der Hauptquellbäche der Ilz; unterhalb von Grafenau vereinigt sie sich bei Eberhardsreuth mit der am Rachel entspringenden Großen Ohe zur Ilz. Neben dem in Kaskaden über Blockwerk spielenden Bach führt der Weg zur Martinsklause hinauf, einem idyllisch gelegenen Teich, der im 19. Jahrhundert zum Zweck der Holztrift aufgestaut wurde; eine Lehrtafel weist darauf hin, welche gravierenden Veränderungen eingetreten sind, nachdem 1871 die Staumauer errichtet wurde. Als Kulturdenkmal wurde die Klause Ende der 1970er Jahre restauriert. Ein Rundweg führt um den fichtenumstandenen Teich, Bänke und eine Schutzhütte laden zur Rast.
Oberhalb der Martinsklause führt die Markierung »grünes Dreieck«, der sich zwischenzeitlich das Wanderzeichen »Eichhörnchen« zugesellt, durch das Teufelsloch, einen mit Granitblöcken gefüllten Schluchtabschnitt der Kleinen Ohe; unsichtbar fließt der Bach unter dem zwei bis drei Meter mächtigen Blockwerk dahin. In dieser feucht-kühlen, schattigen Schlucht, in der bis in den Juni hinein Schnee liegen kann und in deren Nordflanke das seltene Leuchtmoos wächst, wird das Geräusch des Wassers durch die Blockschicht derart verfremdet, dass es nicht als Fließgeräusch wahrnehmbar ist: ein seltsames Brummen, das die Sage als Rauschen des Höllenfeuers deutet: »Die Stelle ist verrufen, selbst die Wildschützen meiden sie. Ein grässliches Ungeheuer, wahrscheinlich der Teufel selber, haust in den sperrigen Bäumen und wirft auf jeden, der in die Nähe kommt, mit glühenden Tannenzapfen, die dann spurlos im Gestein verschwinden.« Nur die Haberfeldtreiber sollen im Teufelsloch ihre geheimen Versammlungen abgehalten haben; das Haberfeldtreiben entstand im 18. Jh. als Rügebrauch bei Verstößen gegen »Sitte und Brauch«: Selbst ernannte Sittenwächter, die Haberer, zogen nachts in Verkleidung zu den Häusern der zu Rügenden, veranstalteten ein Höllenspektakel und sangen Straf- und Spottverse; 1896 wurde der Geheimbund aufgelöst.
Vom Teufelsloch führt unsere Markierung weiter zur Böhmweg-Schutzhütte und dann auf dem »Lusen-Sommerweg« im Fichtenhochwald gipfelwärts; die Fichtenbestände sind hier durch Borkenkäferbefall schwer geschädigt bzw. weitflächig abgestorben, dafür verjüngen sich munter Laubbäume wie die Eberesche, und auch die Buchen grünen wie eh und je. Der steinige, wurzelige Sommerweg folgt schnurgerade einer alten Waldabteilungslinie zur Himmelsleiter. Hinter dieser phantasievollen Bezeichnung verbirgt sich eine holperige Steintreppe im Wald, deren Steilheit einigen Wanderern Mühe bereitet. Manche Stufen sind eingesunken, vor allem beim Abwärtssteigen bei Nässe ist Vorsicht geboten. Steil führt die Himmelsleiter hinauf zum Waldsaum, wo sich unvermittelt »der Himmel« öffnet. Auf der Spitze des grüngelben Gipfelblockfelsen erblicken wir ein schlichtes Bergkreuz. Nach dem Schlussanstieg auf dem steil abfallenden Gipfelblockfeld empfängt auf dem Lusen (1373 m) eines der umfassendsten Panoramen des Bayerischen und Böhmerwalds. Jenseits des benachbarten Rachel zeigt sich im Nordwesten als höchste Bergbastion des Waldgebirges der Arber, südostwärts schweift der Blick zum Dreisessel-Plöckenstein-Kamm und ins österreichische Mühlviertel. Im Norden weitet sich auf böhmischer Seite das Maderplateau, bei Föhn zeigt sich die Kette der Alpen. Den unteren Rand des Blockfelds säumen im Norden und Osten geschlossene Legföhrenfelder, vereinzelt kommen an Stellen, an denen sich Humus gebildet hat, Wetterfichten vor. Die auf dem Blockwerk siedelnden Landkartenflechten verleihen der Lusen-Kuppe ihre gelbgrüne Farbe, und dieses charakteristische gelbgrüne, kahle Blockhaupt über den Wäldern ist je nach Himmelsrichtung auch aus den Tälern zu sehen, am schönsten auf böhmischer Seite von den Höhen über dem Madertal aus ('Wanderung 16)
Nationalpark-Mitarbeiter erteilen auf dem Gipfel Auskünfte, wobei die meistgestellte Frage sich auf den Borkenkäfer bezieht: Der »Wald« bis zum benachbarten Rachel hinüber ist weitflächig befallen und präsentiert sich »weiß-silbrig«. Dies war der Stand im Herbst 1999, ein Auskunft gebender Nationalpark-Ranger ging davon aus, dass die abgestorbenen Bäume von den Herbst- und Winterstürmen umgeweht werden, im Verlauf von zwei Jahrzehnten zu Humus verwittern und die Basis für einen neuen, natürlichen Wald bilden werden.
Vom Gipfelkreuz gehen wir zum Lusenschutzhaus hinab und folgen der Markierung »Luchs« auf dem bequemen Lusen-Winterweg im Wald abwärts durch die südlichen Lusenhänge; der Wald macht hier einen weniger geschädigten Eindruck, da hier mehr Buchen wachsen, zwischendurch lädt eine Sitzbank bei einem Brunnen zur Rast. Der »Winterweg« endet am Lusenparkplatz bei der Bushaltestelle; dort gehen wir kurz auf dem Sommerweg rechts hinauf, bis die Markierung »grünes Dreieck« links hinab abzweigt. Nach Queren der Straße folgen wir dem »grünen Dreieck« durch eine mit Planken ausgelegte nasse Senke, steigen Richtung Waldhäuserriegel (1151 m) auf und erreichen kurz vor dem Gipfel eine Felskanzel, die durch einen Steig erschlossen ist und einen gemütlichen Rastpunkt bildet. Von hier leitet die Markierung »grünes Dreieck« in den Ort Waldhäuser hinab, folgt dort mit hervorragendem Rachelblick der Nationalparkstraße, zweigt in einer Serpentine mit Wassertretbecken und Brunnen geradeaus auf einen Weg in den Wald ab, steigt sacht und kurz ein letztes Mal an und leitet dann auf einem Weg in prachtvollem Wald zum Ausgangspunkt an der Fredenbrücke zurück.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied600 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz und Bushaltestelle Fredenbrücke (830 m) bei Neuschönau-Waldhäuser an der Stichstraße zum Lusen-Parkplatz.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Bergbach-Naturlehrpfad entlang der Kleinen Ohe, die stimmungsvolle Martinsklause, die von Felsblöcken gefüllte Teufelsloch-Schlucht, die steinerne Himmelsleiter und das Panorama auf dem Blockhaupt des Lusen zählen zu den Höhepunkten dieser abwechslungsreichen Wanderung im Nationalpark Bayerischer Wald an der Grenze zu Böhmen.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1:25 000, Blatt UK 3: Nationalpark Bayerischer Wald oder Topografische Karte 1:50 000, Blatt UK L 27: Südlicher Bayerischer Wald (Bayerisches Landesvermessungsamt).
MarkierungenGrünes Dreieck bis zum Lusengipfel; dann Luchs-Markierung, ab dem Lusen-Parkplatz wieder grünes Dreieck.
VerkehrsanbindungB 12 Passau – Freyung und weiter nach Neuschönau. Lusen-Bus Neuschönau – Fredenbrücke – Waldhäuser – Lusen-Parkplatz.
GastronomieLusenschutzhaus, Waldhäuser.
Tipps
Südlich von Waldhäuser liegt in Neuschönau das Nationalparkzentrum mit dem Tierfreigehege. Wer die Wanderung abkürzen will, startet am Lusen-Parkplatz am Ende der Stichstraße oberhalb von Waldhäuser; die Stichstraße ist ab dem oberen Ortsausgang von Waldhäuser (Parkplatz und Bushaltestelle Waldhäuser-Ausblick) von 9–18 Uhr für den öffentlichen Verkehr gesperrt; stündlich fährt jedoch der Lusen-Bus vom Hans-Eisenmann-Haus (Nationalpark-Informationszentrum) zum Lusen-Parkplatz.
Informationen
Mountainbikegeeignet: nein
Unterkunft
Das Lusenschutzhaus (1340 m ) ist von Mai bis Oktober sowie in den Weihnachtsferien bewirtschaftet; Übernachtungsmöglichkeit auf Anfrage, 94556 Waldhäuser, Tel. 08553-1212. Auf dem Gebiet der Gemeinde Neuschönau befinden sich fünf Hotels, sechs Gasthöfe, zwölf Pensionen und zwei Jugendherbergen.
Tourismusbüro
Tourismusbüro Neuschönau, Kaiserstraße 13, D-94556 Neuschönau, Tel. 08558-960333, Fax 08558-960377.
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