Über die Grignetta (2177 m)

Gipfelüberschreitung auf abschnittsweise gesicherten Steigen, leichte Kletterstellen (I–II). Bergerfahrung unerlässlich! (Autor: Eugen E. Hüsler)
Die Tour beginnt ganz profan mit dem Straßenhatscher zum Rifugio Porta (1426 m; 30 Min.). Oberhalb der Hütte tritt man aus dem Wald, und es öffnet sich der Blick auf die kahle Südflanke der Grignetta mit ihren tiefen Gräben. Ein Wegschild gibt gleich auch die Richtung an: »Direttissima«. Sie führt zunächst nach links, schneidet dabei ansteigend den »Wachtelhang« (Le Quaglie) und gewährt dabei hübsche Aussicht auf den Comer See und die Felszacken rund um die Val Scepina. Über ein paar Kehren leitet der Steig dann in den Canalone del Caminetto, der Gang durch den »versteinerten Wald« kann beginnen. Furios der Auftakt, aus dem Grund der Rinne mit Hilfe zweier Leitern und Ketten fast senkrecht hinauf in eine gerade halbmeterbreite Scharte. Dahinter geht es gleich wieder abwärts; damit sich hier keiner verläuft, hat jemand einen möglichen Verhauer mit einer Fahrverbotstafel markiert!
Der Steig passiert eine nächste Scharte und führt dann, an einigen Stellen mit Ketten gesichert, in einen von Türmen umstellten Karwinkel (2 Std.). Hier verlässt man die zum Rifugio Rosalba (1720 m) weiterführende Direttissima und kraxelt, von den Markierungen geleitet, mit gelegentlicher Kettenhilfe durch eine breite Blockrinne aufwärts. Unweit vom Colle Valsecchi (1920 m) stößt man auf den Sentiero Cecilia, der, als Gegenstück zur »Direttissima«, die Südwestflanke der Grignetta quasi ein Stockwerk höher quert. Die Perspektive ist nun eine andere, die Sicht freier, und manchem Turm, den man eben noch von unten bestaunt hat, guckt man nun aufs Haupt. Über gestuften Fels gewinnt die Route ein felsiges Eck; dahinter geht's durch einen Kamin (Ketten) hinab in einen Karwinkel, anschließend gleich wieder im Zickzack aufwärts zu einem Gratrücken. Über ihn links zum Normalanstieg, dann links an der Cresta Cermenati durch eine seichte Geröllrinne und zuletzt über eine kleine Felsstufe problemlos zum Gipfel der Grignetta (3:30 Std.).
Der leichteste Abstieg folgt dem Cermenati-Grat: eine raue Wegspur, viel Geröll und zwei, drei Felsstufen. Weit mehr Abwechslung bietet die südostseitige Cresta Sinigaglia; auch hier wieder bizarre Turmbauten, eine markierte Spur, die sich listig durch das felsige Gelände schlängelt, fallweise mit Kettensicherung. Sicherungen auch ganz zu Beginn, am Zehn-Meter-Einschnitt zwischen dem Gipfel der Grignetta und dem Nordostgrat. Mit dem »Saltino del Gatto« enden dann die Schwierigkeiten. Das Steiglein läuft im Zickzack am Gratrücken entlang hinunter zum Piano delle Groppe. Man passiert den Canalone Porta an seiner Mündung und wandert auf fast eben verlaufendem Weg zurück zum Rifugio Porta (1425 m; 5:15 Std.), wo sich die Runde schließt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour1 km
Höhenunterschied1200 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPiani Resinelli (1280 m), Sport- und Erholungsgebiet in der Senke zwischen Monte Coltignone (1473 m) und Grignetta.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Grignone (Grigna Settentrionale, 2409 m) mag ja der höchste Gipfel der Grigne sein und ein wuchtiger Klotz, doch die Schau gehört der Grignetta (Grigna Meridionale, 2177 m), die – um es poetisch auszudrücken – über ein ganzes Heer von Trabanten gebietet, Zacken und Türme, bizarre Spitzen jeder Form und Größe in ihren Flanken. Da hat sich die Natur als besonders kreativ erwiesen, aus der Felskruste eine Vielzahl von Modellen skulptiert: ein einziger riesiger Klettergarten, vor allem aber die faszinierende Kulisse für eine der schönsten Bergwanderungen weitum. Hier ist der Weg das Ziel. Ständig wechselnde Szenerien, immer neue Blickpunkte halten einen gefangen; die Frage nach dem »Wie weiter?« sorgt für zusätzliche Spannung. Man bewegt sich durch ein steinernes Labyrinth, berauscht von all den Bildern; in der Tiefe glitzert die Wasserfläche des Comer Sees, und am Horizont stehen die Fels- und Eisgipfel der Hochalpen. Von den Piani Resinelli führen mehrere Wege auf die Grignetta; der kürzeste – jener über die Cresta Cermenati – ist auch der langweiligste, kommt also höchstens für den Abstieg in Frage. Am schönsten ist die Überschreitung von West nach Ost: Aufstieg über die »Direttissima« und den »Sentiero Cecilia«, Abstieg über die Cresta Sinigaglia.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Blatt 91 »Lago di Como–Lago di Lugano«
MarkierungenBestens bezeichnete Wege, an den Verzweigungen Hinweistafeln
VerkehrsanbindungVon Ballabio (661 m) führt eine Serpentinenstraße zu den Piani Resinelli, 8 km. Großer Parkplatz, Busverbindung mit Lecco
GastronomieRifugio Porta (1425 m), ganzjährig; Tel.0341/590105
Unterkunft
Rifugio Porta
Tourismusbüro
APT del Lecchese, Via N. Sauro 6, I-23900 Lecco; Tel. +39/0341/29 5720-721, info.turismo@provincia.lecco.it, www.turismo.provincia.lecco.it

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Region:
Italien
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