Tierbergsattel, 2654 m

Sehr lange, anstrengende Tour, Trittsicherheit und eine gute Kondition sind unerlässlich. Grandios die Kulisse, vielfach schmal, aber stets gut markiert die Wege. Wer nicht auf das eigene Fahrzeug angewiesen ist, kann vom Rezliberg zu den Simmenfällen absteigen, spart sich so den finalen Gegenanstieg. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Am Rawilweg überquert man den Iffigbach und steigt dann über einen Murkegel an gegen die Felsen. In kunstvoll angelegten Kehren gewinnt der Saumpfad rasch an Höhe, im Bereich einer Steilrinne ist er aus dem mürben Gestein gehauen. Eine längere Querung leitet zur Blattihütte (2027 m), durch die zwischen Rothorn und Mittaghorn (2686 m) eingelagerte Mulde geht es weiter bergan zur Verzweigung am Stiereläger (2278 m; 2 Std.), wo man sich links hält. Nächste Wegstation sind dann die seichten Rawilseeleni (2489 m), noch gut eine halbe Stunde unter dem Tierbergsattel (2654 m; 3:15 Std.). Von der Scharte bietet sich ein packender Rückblick auf den Rawilpass (2429 m) und das vergletscherte Wildhorn (3248 m); in entgegengesetzter Richtung dominiert der riesige Wildstrubel (3243 m) die Szenerie. Gut einzusehen ist auch der Weiterweg, er läuft zunächst steil, dann flacher hinunter in den Tierberg. Die Markierungen leiten zwischen vom Gletschereis rund geschliffenen Felsbuckeln in leichtem Auf und Ab hinüber gegen das Rezligletscherseeli (2265 m; 4:15 Std.). Zwei solide Brücken helfen über Eisbäche, ein kurzer Gegenanstieg führt in das Gletschervorgelände unterhalb der Roti Steine, wo rechts der Normalweg zum Wildstrubel abzweigt (Hinweis am Fels). Auf recht gerölligem Weg steigt man weiter ab zum Flueseeli (2045 m; 5 Std.). An seinem nordwestlichen Ufer zweigt der Talweg ab, er zieht in Serpentinen, das extrem steile Gelände geschickt nutzend, hinunter zum Rezliberg (1405 m; 6 Std.).
Eine kurze Felspassage ist dabei gesichert. Nun auf dem Fahrweg links über den flachen, licht bewaldeten Talboden, bis die Markierungen in den Wald leiten. Der Pfad kürzt die Straßenschleifen ab; er steigt zunächst schattig, dann über Almwiesen hinauf zur Langermatte. Hier bietet sich ein faszinierender Rückblick zum Wildstrubelmassiv. Von der flachen Ritzmad (1857 m; 7:30 Std.) geht's über die Ritz-Alphütte hinunter zum Iffigbach. Zuletzt auf der Straße zurück zur Iffigenalp (8:15 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1600 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktIffigenalp (1584 m).
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDass manche Bergwinkel nur recht schwierig zu erreichen sind, sich über steilen Felsbarrieren oder hinter wilden Schluchten verbergen, liegt in der Natur der alpinen Geographie. Ein gutes Beispiel dafür ist der Tierberg, eine vom Gletschereis gezeichnete Mulde unter dem Wildstrubel, so wild wie abgelegen, mit schroffen Felsen rundum. Die sind aus den unterschiedlichsten Gesteinen aufgebaut, was den Reiz der hochalpinen Szenerie zusätzlich erhöht und (buchstäblich!) Grundlage für die besonders artenreiche Flora bilden. Eine faszinierend schöne, aber sehr lange Runde erschließt dem Wanderer den Tierberg. Der Aufstieg verläuft über den historischen Rawil-Passweg, am Tierbergsattel (2654 m) betritt man dann den versteckten Bergwinkel. Wäre da nicht die Seilbahn, die von Iffigenalp hinaufzieht zu einem militärischen Horchposten am Weisshorn (2948 m), man könnte glatt der schönen Illusion einer »unberührten Alpenwelt« nachhängen. Dass ausgerechnet hier vor fast 4000 Jahren Jäger unterwegs gewesen sein sollen, überrascht einigermaßen, doch die Funde aus der Tierberghöhle lassen keine Zweifel zu.
Leichte Zweifel beschleichen einen dafür beim schwindelnden Tiefblick über den jähen Flueschafberg in den grünen Boden des Rezliberges: da hinunter? Das geht aber überraschend leicht; vom Flueseeli – noch so ein alpines Kleinod! – schraubt sich ein guter Weg bergab ins Flache, wo abseits eine mächtige Karstquelle, die Siebenbrunnen, entspringt. Etwas Erfrischung könnte jetzt manche/r gut gebrauchen, denn noch steht die anhängliche Gegensteigung zur Ritzmad an. Hat man die Höhe einmal geschafft, taucht auch bald im verschatteten Tal die Iffigenalp auf, Ausgangs- und Endpunkt einer der schönsten Wanderungen im (wilden) Westen des Berner Oberlands.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blatt 263T »Wildstrubel« mit Wanderwegeaufdruck; Landeskarte der Schweiz 1:25 000, Blätter 1266 »Lenk« und 1267 »Gemmi«.
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger.
VerkehrsanbindungDie Iffigenalp (1584 m) erreicht man von Lenk im Obersimmental über eine teilweise sehr schmale, nicht asphaltierte und steile Bergstraße, 8 km. Zeitlich geregelter Einbahnverkehr: Bergfahrt jeweils in der dritten, Talfahrt während der ersten Viertelstunde.
GastronomieBerghaus Iffigenalp (1584 m), urig und gemütlich, etwas für Ruhe Suchende; Tel. 033/733 13 33, www.iffigenalp.ch; Gasthaus Rezliberg (1405 m).
Informationen
Kleine Variante: Iffigenalp – Rawilpass (2429 m) und zurück, 5 Std.
Tourismusbüro
Lenk-Simmental Tourismus, Rawilstraße 3, CH-3775 Lenk; Tel.+41(0)33/736 35 35, Fax 733 2027 E-Mail info@lenk-simmental.ch, www.lenk-simmental.ch

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