Tierbergsattel

Lange, anstrengende Tour, bei der Trittsicherheit und eine tadellose Kondition unerlässlich sind. Die Wege sind teilweise schmal, im Abstieg vom Flueseeli auch recht ausgesetzt (einige Sicherungen). Grandios die Kulisse rund um den Rawilpass und im Vorfeld des Glacier de la Plaine Morte bzw. unter dem Wildstrubel. Wer nicht auf das eigene Fahrzeug angewiesen ist, kann vom Rezliberg zu den Simmenfällen absteigen, spart sich so den finalen Gegenanstieg. (Autor: Eugen E. Hüsler, Markus Meier, Peter Deuble)
17 km
1600 m
8.00 h
Auf den Tierbergsattel Am alten Rawilweg überquert man den Iffigbach und steigt dann über einen Murkegel gegen die Felsen an. In kunstvoll angelegten Kehren gewinnt der Saumpfad zügig an Höhe, im Bereich einer Steilrinne ist er aus dem mürben Gestein gehauen. Eine längere Querung leitet zur Blattihütte (2027 m), durch die zwischen Rothore und Mittaghore (2686 m) eingelagerte Mulde geht es weiter bergan zur Verzweigung am Stiereläger (2278 m), wo man sich links hält. Nächste Wegstation sind die seichten Rawilseeleni (2490 m), noch gut eine halbe Gehstunde unterhalb des Tierbergsattels (2654 m). Von der Scharte genießt man freie Sicht auf den Rawilpass (2429 m) und die ausgedehnte grüne Mulde der Alpage de Rawil, über der sich im Westen das vergletscherte Wildhorn erhebt. Zum Rezliberg Gut einzusehen ist auch der Weiterweg. Er läuft zunächst steil, dann flacher hinunter in den Tierberg. Die Markierungen leiten zwischen einst vom Eis rund geschliffenen Felsbuckeln in leichtem Auf und Ab hinüber gegen das Rezligletscherseeli (2265 m). Zwei solide Eisenbrücken helfen über Abflüsse des Glacier de la Plaine Morte, ein kurzer Gegenanstieg führt in das Gletschervorgelände unterhalb der Roti Steine, wo rechts der Normalweg zum Wildstrubel abzweigt (Hinweis am Fels). Links geht’s über eine steile Gelände - stufe (prächtiger Wasserfall) hinab zum Flueseeli (2045 m), in dessen Nähe die gleichnamige unbewirtschaftete Hütte steht. Am nordwestlichen Ufer beginnt der Steilabstieg zum Rezliberg (1403 m); der Weg schraubt sich, geschickt in das steile und felsige Gelände trassiert (kurze Drahtseilpassage), in Serpentinen hinunter in den weiten grünen Talboden. Hier lohnt sich der kurze Abstecher zu »De Siebe Brünne« (Siebenbrunnen, 1410 m), einer mächtigen Karstquelle, aus der im Sommer bis zu 2800 Liter Wasser pro Sekunde strömen. Über die Ritzmad Vom Rezliberg folgt man zunächst dem Fahrweg nach Westen, bis die weiß-rot-weißen Markierungen in den Wald leiten. Der Pfad kürzt die Straßenschleifen ab; er steigt zunächst schattig, dann über Almwiesen hinauf zur Langermatten. Hier bietet sich ein faszinierender Rückblick zum Wildstrubelmassiv. Von der flachen Ritzmad (1857 m) geht’s über die Ritz-Alphütte (1739 m) hinunter zum Iffigbach. Zuletzt auf der Straße zurück zur Iffigenalp (1584 m), wo die große Runde endet.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1600 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktIffigenalp (1584 m).
EndpunktIffigenalp (1584 m).
TourencharakterDass manche Bergwinkel nur recht schwierig zu erreichen sind, sich über steilen Felsbarrieren oder hinter tiefen Schluchten verbergen, liegt in der Natur der alpinen Geografie. Ein gutes Beispiel dafür ist der Tierberg, eine vom Gletschereis gezeichnete Mulde unter dem Wildstrubel, so wild wie abgelegen, mit schroffen Felsen rundum. Diese sind aus den unterschiedlichsten Gesteinen aufgebaut, was den Reiz der hochalpinen Szenerie noch erhöht und (buchstäblich!) die Grundlage für eine besonders artenreiche Flora bilden. Eine faszinierend schöne, aber sehr lange Runde erschließt dem Wanderer den Tierberg. Der Auf- bzw. Zustieg folgt dem historischen RawilPassweg, am Tierbergsattel betritt man dann den versteckten Bergwinkel. Wäre da nicht die Seilbahn, die von der Iffigenalp zu einem militärischen Horchposten am Weisshorn (2948 m) hinaufzieht, könnte man glatt der schönen Illusion der »unberührten Alpenwelt« nachhängen. Dass ausgerechnet hier vor fast 4000 Jahren steinzeitliche Jäger unterwegs gewesen sein sollen, überrascht einigermaßen, doch die Funde aus der Tierberghöhle sind gesichert und lassen keine Zweifel zu. Leise Zweifel beschleichen manchen Fußgänger unserer Tage dafür beim schwindelerregenden Tiefblick über den jähen Flueschafberg in den grünen Boden des Rezlibergs - Da hinunter? Das geht aber überraschend leicht; vom Flueseeli – noch so ein alpines Klein - od! – schraubt sich ein guter Weg bergab ins Flache, wo abseits eine mächtige Karstquelle, die Siebenbrunnen, entspringt. Etwas Erfrischung kann jetzt manche/r gut gebrauchen, steht doch die anhängliche Gegensteigung zur Ritzmad an. Hat man die Höhe einmal gewonnen, taucht auch bald im verschatteten Tal die Iffigenalp auf, Ausgangs- und Endpunkt einer der schönsten Wanderungen im (wilden) Westen des Berner Oberlands.
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1 - 50 000, Blatt 263 T Wildstrubel.
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegweiser.
VerkehrsanbindungNach Lenk im Simmental kommt man von Thun/Spiez via Zweisimmen auf guten Straßen oder mit der Bahn. Weiter Richtung Iffigenalp (Straße/Postbus). Achtung - zeitlich geregelter Einbahnverkehr
GastronomieBerghaus Iffigenalp, Mai bis Oktober; Tel. +41/33/733 13 33, www.iffigenalp.ch. Einkehrmöglichkeiten Rezliberg, Alp Langermatten, Alp Ritz.
Unterkunft
Berghaus Iffigenalp, Mai bis Oktober; Tel. +41/33/733 13 33, www.iffigenalp.ch. Einkehrmöglichkeiten Rezliberg, Alp Langermatten, Alp Ritz.
Tourismusbüro
Lenk-Simmental Tourismus, Rawilstraße 3, CH-3775 Lenk; Tel. +41/33/736 35 35, www.lenk-simmental.ch