Streifzug durch den Isengau

Der Isengau ist eine stille sympathische Region im östlichen Vorland Münchens. Er gilt als Geheimtipp, besitzt er doch neben landschaftlichen Reizen auch ein reiches Kulturerbe. Folgen Sie uns und genießen Sie dieses schöne Fleckchen Erde zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Auto! (Autor: Armin Scheider)
10 km
155 m
3.00 h
Der altbayerische Landstrich Isengau beginnt hinter Erding, erstreckt sich beiderseits des Isentals nach Osten und endet vor Altötting. Er war schon in vorrömischer Zeit besiedelt und später auch bei Adel und Klerus sehr beliebt. Heute ist er nicht mehr allseits bekannt und feste Grenzen hat er auch nicht, dafür alles, was erholungssuchende Ausflügler erfreut - Sanfte Hügellandschaften, von anmutigen Tälern durchschnitten, dazwischen schmucke Höfe und Dörfer, und über dem Ganzen jene wohltuende Stille und Friedlichkeit, wie sie heute nur noch abseits der Ausflugsströme zu finden sind. Bei klarem Wetter wird zudem vielerorts ein wahrhaft bestrickendes Gebirgspanorama geboten. Anlaufpunkte vor Isen. Vor Isen, dem Ausgangspunkt des heutigen Ausflugs, liegen ein paar interessante Punkte am Wege, die Sie vielleicht zum Anhalten bewegen. Zuerst in Tading, einem Ortsteil von Forstern, wo nicht nur die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt mit ihren Deckenfresken und dem ausnehmend schönen Hochaltar zu einem Besuch anregt, sondern auch das daneben liegende Wirtshaus Tading, in dem 1894 seine königliche Hoheit Prinzregent Luitpold von Bayern genächtigt hat. Wohl fühlen kann man sich auch im gemütlichen Biergarten des Wirtshauses. Wenn Sie dann hochfahren nach Oberbuch, öffnet sich dort eine imponierende Aussicht nach Westen bis zum Ebersberger Forst. Zwei Kilometer weiter, im Weiler Loipfing (Nr. 14), hat sich die »Hofkunst Loipfing« etabliert, immerhin schon mit Kulturpreisen der Städte Wasserburg und Erding ausgezeichnet. In einem alten Gehöft präsentieren bildende Künstler und Literaten mehrmals im Jahr ihre Werke und servieren dazu eine Hofkunstsuppe. Seit 1997 wird in Loipfing auch Theater gespielt. Nähere Informationen unter www.hofkunst.de. Tel. 08083/656. Besichtigung in Isen. Angekommen in Isen, stellt sich zunächst die Frage nach einem Ortsrundgang. Neben Straßenbildern, der Marktlinde (über 500 Jahre alt) und dem Brunauerhaus verdienen vor allem die Kirche St. Zeno und das Isener Heimatmuseum Interesse. Die Kirche ähnelt in ihrer Architektur dem Freisinger Mariendom und repräsentiert verschiedene Baustile: Portal und Krypta sind romanisch, die Vorhalle mit ihren Fresken und eine Reihe von Grabdenkmälern gotisch, der Innenraum wurde im 18. Jh. barock umgestaltet. Das Kircheninnere vermittelt insgesamt einen festlich-heiteren Eindruck. Das Heimatmuseum zeigt heimatkundliche Sammlungen zur Isener Ortsgeschichte, ist aber nur jedes erste Wochenende im Monat geöffnet, und zwar samstags von 14 – 16 und sonntags von 10–12 Uhr. Isener Wanderung. Wenn Ihnen Isen und seine Umgebung gefallen, können Sie Ihre Eindrücke auf einer Wanderung vertiefen. Sie ist fast elf Kilometer lang und enthält nur kurze Steigungen. In der Infobroschüre des Marktes Isen ist sie als Wanderweg Nr. 3 (abgekürzte Version) beschrieben. Ab Ortsmitte Isen führt die Route (siehe Karte) zum Urtlmühlweg und am Hang des Isentals entlang zur Urtl-Mühle, dort über den Steg des Mühlbachs und dann mit schönen Flussbildern direkt an der Isen nach Burgrain. Wir bleiben weiter am Isenufer auf Südkurs, wenden uns vor Buchschachen nach Osten und gelangen über Hof nach Söcking im reizvollen Schinderbachtal. Wir umgehen den Weiler vor dem ersten Hof in einem Linksbogen und erreichen nach Passieren von Eschbaum die Straße Isen – Haag, wo wir den Weiler Öd ansteuern und schließlich auf dem so genannten Rentnerweg nach Isen zurückkehren. Wer von Öd aus 300 Meter zum Aussichtspunkt Stocka hochgeht, kann Isen noch aus der Vogelperspektive bewundern. Radtour nach Dorfen. Die wohl beste Gelegenheit, das obere Isental näher kennen zu lernen, ist eine Radtour von Isen nach Dorfen und zurück. Ein besonders schöner Abschnitt dieser Route führt ab Lengdorf direkt an der Isen entlang. In Dorfen lohnt es sich, den mittelalterlichen Stadtkern und die Kirche Mariä Himmelfahrt zu besichtigen (siehe Autoroute). Die Tour ist gut 30 Kilometer lang und enthält nur auf der Rückfahrt mehrere Anstiege. Von Isen geht es zunächst in bäuerlicher Hügellandschaft über Penzing und Inner- bzw. Außerbittlbach nach Lengdorf. Ab hier folgen wir auf verkehrs- und steigungsarmen Asphaltsträßchen direkt dem Lauf der Isen und erfreuen uns an den Ausblicken auf Fluss, Tal und Hänge. Im Weiteren passiert man Waidach, Anning und Oberdorfen und trifft schließlich in Dorfen ein. Nach einem Rundgang verlassen wir die Stadt wieder, und zwar nach Süden über Stadtpark und Birkenallee und fahren nach Querung der Bahn auf der Lindenallee hoch zum Weiler Eck. Beachten Sie die schönen Ausblicke auf Dorfen. Nächste Stationen sind Osendorf, das Lindumer Kirchlein und – wenn Sie wollen – der Gasthof Stiller in Lindum, Urkundenträger beim letzten Wettbewerb »Bayerische Küche« (siehe Einführung). Ansonsten aber geht es weiter nach Parschalling, dort rechts durch Wald hinauf zur Staatsstraße und nach einem Links-/Rechtsknick weiter bis Watzling. Direkt vor dem Dorf müssen wir links den steilen Anstieg nehmen und erreichen wenig später den aussichtsreichen Pausenberg. Ganz in der Nähe der Holzwirt, gleichfalls ein empfehlenswerter Gasthof. Von hier sind es noch fünf Kilometer bis Isen, zumeist eben oder abfallend. Wichtig ist, die empfohlene Karte mitzuführen, weil einige Stellen eine genauere Karte erfordern. Sonst ist die Route aus der Übersichtskarte zu ersehen. Mit dem Auto nach Dorfen. Man verlässt Isen auf der Dorfner Straße, durchquert erst den Sollacher Forst und dann das Lappachtal und gelangt nach St. Wolfgang. Dort lädt das historische altbayerische Gasthaus zum Schex zu einem Besuch ein. Es hat im Wettbewerb »Bayerische Küche 2004–2007« (siehe Einführung) den 1. Platz im Landkreis Erding belegt. Geboten wird eine gehobene Speisenauswahl, die Sie in der Gaststube mit einer wertvollen spätgotischen Balkendecke oder im Wirtsgarten genießen können. Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 9–15, Donnerstag bis Sonntag 9–24 Uhr, Montag ist Ruhetag. Diesem gastronomischen Schwergewicht steht ein kulturelles gegenüber, nämlich die Kirche St. Wolfgang von 1477. Besonders sehenswert im Hauptraum die barocke Altaranlage mit gedrechselten Säulen, Schnitzfiguren, gotischen Reliefs und Ölbildern auf Holz. Im Seitenschiff gilt es den Kreuzaltar mit einer kostbaren Schnitzmadonna (1777) vom Barockbildhauer Johann Baptist Straub zu beachten. Daneben die Brunnenkapelle mit Rokokoaltar und Gnadenbild über der Wolfgangsquelle. Der Legende nach hatte der hl. Wolfgang eben diese Quelle gefunden und damit die Trinkwassernot der Bevölkerung lindern können. Über die Quelle, die heute noch fließt, wurde später die Brunnenkapelle gebaut. Um weiterzufahren, wird empfohlen, die B 15 zu meiden, stattdessen gut einen Kilometer zurückzufahren und Dorfen über Holz am Berg und das Lappachtal anzusteuern. Das 1954 zur Stadt erhobene Dorfen wurde 773 erstmals urkundlich erwähnt und war früher – man höre und staune – nach Altötting der meistbesuchte süddeutsche Wallfahrtsort! Ziel der Pilger war die Kirche Mariä Himmelfahrt (15. Jh.) hoch über dem Isengrund. Ihr Glanzstück ist der auf einem Entwurf der Asam-Brüder basierende Hochaltar, der 1749 aufgestellt, 1868 wieder abgetragen und schließlich 1971 rekonstruiert wurde. In seiner Mitte eine wertvolle Madonna mit Jesuskind (1470) als Gnadenbild. Besuchenswert ist außerdem der mittelalterliche Stadtkern, wo man schöne Fassaden und drei alte Stadttore sehen kann. Über Schwindegg nach Oberbergkirchen. Richtung unteres Isental führt der Weg als Nächstes nach Schwindegg. Dort steht ein Renaissanceschloss, das zu den bedeutendsten seiner Art in Bayern gehört und ab 1594 für den Ritter Sebastian von Haunsperg gebaut wurde. Von Wasser umgeben, gruppieren sich vier Flügel mit Ecktürmen um einen Innenhof. Am Südflügel der repräsentative Eingang mit Brücke und Torturm, in dessen Nischen Schnitzfiguren (1760, Jorhan d. Ä.) stehen. Das Schloss ist leider nicht zugänglich. Sie könnten die Fahrt nun über Buchbach bis Oberbergkirchen fortsetzen und kämen damit in den Genuss einer ebenso aussichtsreichen wie kunstintensiven Schlussetappe. Die Höhenrippe zwischen Buchbach und Oberbergkirchen gewährt immer wieder herrliche Ausblicke auf das stille Land und die Berge. Und was die Kunst betrifft, reiht sich auf dieser Strecke eine besuchenswerte Kirche an die andere. In Buchbach St. Jakob mit einem eleganten Rokokoraum, in Ranoldsberg St. Mariä Himmelfahrt, einst angesehene Wallfahrt mit dem Ranoldsberger Gnadenbild. Es ist eine wunderschöne lebensgroße Madonnenfigur mit Jesuskind, die der Meister der Seeoner Madonna um 1435 aus Lindenholz geschaffen hat. Typisch die S-Haltung der Maria und kunstvoll der Faltenwurf ihres Gewandes. In Oberbergkirchen schließlich St. Bartholomäus mit Figurenschmuck und spätgotischer Kreuzigungstafel.

Länge - Autoroute ca. 45 km (Isen-Oberbergkirchen) Wanderung ca. 11 km Radtour ca. 30 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied155 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOrtsmitte von Isen, 15 km südöstlich von Erding Anfahrt auf A 94/B 12 über Hohenlinden oder auf Nebenstrecke über Markt Schwaben und Buch.
TourencharakterDer Isengau ist eine stille sympathische Region im östlichen Vorland Münchens. Er gilt als Geheimtipp, besitzt er doch neben landschaftlichen Reizen auch ein reiches Kulturerbe. Folgen Sie uns und genießen Sie dieses schöne Fleckchen Erde zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Auto!
Beste Jahreszeit
GastronomieTading Wirtshaus Tading Biergarten, Mo/Di Ruhetage St. Wolfgang Gasthaus Zum Schex Wirtsgarten, Mo Ruhetag Dorfen Gasthof Stiller Lindum Terrasse, Mo/Di Ruhetage Holzwirt in Holz Terrasse, Mo-Mi Ruhetage
Tourismusbüro
Isen Tel. 0 80 83/53 01-22 www.isen.de St. Wolfgang www.st-wolfgang-ob.de Dorfen Tel. 0 80 81/4 11-0 www.dorfen.de Schwindegg Tel. 0 80 82/93 04-0 www.schwindegg.de
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